Corona-Tagebuch: Mir fehlt Quality Time mit nur einem Kind!

Kinder können uns Erwachsenen ein ganz schön schlechtes Gewissen „einreden“.
Schon mal gemerkt?

Vielmehr als das, lassen sie uns zweifeln und mit uns hadern, lassen uns grübeln, ob nicht an den Worten ein Fünkchen Wahrheit haftet – und ob wir Eines nicht einfach sein könnten und müssten:

Noch besser!

Noch so, so viel besser!

Ein Moment nach einem Tag, der doch so gelungen und relativ harmonisch wirkte, lässt uns betrübt ins halb gefüllte Weinglas blicken und uns fragen, ob wir nicht hätten noch mehr geben können an diesem Tag.

Lässt uns hinterfragen, wieso uns diese EINE Sache entgehen konnte, warum eigentlich immer irgendetwas – oder irgendwer (!) – auf der Strecke bleibt!?

So sehr wir auch Gas geben, mit unseren unsichtbaren Tentakeln höchst effektiv die To-Do-Liste des Tages abarbeiten und uns keinen Moment der Ruhe und „me-time“ gönnen – es flutscht immer irgendetwas oder sogar ein Mensch durch!

Entrinnt uns einfach und fällt uns erst in der Nacht, dann wenn es für jenen Tag bereits zu spät ist, wie Schuppen von den müden Augen.

Mein Gewissen lässt mich nicht schlafen

Und jetzt sitz ich hier, Sonntag-Morgen um…

…Zweiuhrneununddreißig, und kann nicht schlafen.

Nicht etwa bin ich voller Sorge aufgewacht – Nein, ich war noch überhaupt nicht schlafen!

Weil ich mich schuldig fühle und versuche, mein Gewissen mit dem Glas Weißwein zu besänftigen.

Weil ich mir vorhin noch sehr viel Zeit nehmen musste – und das war auch gut so! – um zuzuhören und zu realisieren, wo ich als Mama gerade gebraucht werde!

Was war passiert?

Es war die mittlere Tochter, die in Tränen ausbrach, als der Papa anbot, zu jener sehr späten Stunde doch das allabendliche Vorlesen zu übernehmen.
Damit ich endlich duschen gehen kann.

Und ich war dankbar, schmerzten doch Knochen und brannten Augen, dachte mir nichts dabei – und zeigte mich einmal mehr verwundert ob der Tränen der elfjährigen Tochter.

Lange legte ich mich neben das Kind in dessen Bett um zuzuhören, was denn los ist und woher die plötzliche Aufregung rührt.
Denn das ist wichtig!

Diese Zeit nehme ich mir IMMER! Und sei es mitten in der Nacht!

Und wenngleich ich auf über 13 Jahre Mutterschaft zurückblicken kann, lernte ich in dieser Nacht einmal mehr dazu.

Denn es mag vielleicht – auch für mich (!) – den Anschein haben, dass wir in jenen Wochen des Lockdown prima zurechtkommen, Homeschooling wuppen und das WIR ganz ohne Termindruck von außen genießen – doch Eines fehlt dennoch:

Quality-Time mit jeweils einem Kind ganz alleine!

Mein Kind wollte Zeit mit mir alleine haben!

Ich war am heutigen Samstag sehr beschäftigt.

Wäsche gab es abzuarbeiten und Zimmer aufzuräumen, den prall-gefüllten Korb Bügelwäsche galt es endlich, endlich zu beseitigen – und der Wochenend-Einkauf stand ebenfalls aus.

Die Homeschool-Unterlagen für die Erstklässlerin mussten in der Schule abgeholt werden und eben jene Kleinste forderte vehement ihre Spielezeit mit mir ein.

Der Sohn war glücklich in seinem nunmehr voll LED-ausgestatteten Teenie-Zimmer!

Durch’s Raster viel heute nur Eine:

Die mittlere Tochter.

Die Mythos vom „Sandwich-Kind“

Das „Sandwich-Kind“. Wieder einmal.

Und es zerreißt mich bei dem Gedanken, dass sich diese Theorie des mittleren Kindes immer wieder bestätigt!

Sie machte sich nicht groß bemerkbar, den ganzen Tag.

Chattete und spielte online mit Freundinnen, saß bei uns fröhlich während der Mahlzeiten am Esstisch  oder chillte träge auf der Wohnzimmer-Couch, um ihrer derzeitigen Lieblings-Serie zu folgen.
Am frühen Abend spielte sie vergnügt mit der Kleinsten – und meinem Eindruck nach war alles gut!

Nun, der Schein trog, wie ich später erfahren sollte.

Denn insgeheim war mein Kind traurig, dass ich mir keine Zeit nur für sie alleine nehmen konnte, sagte aber gleichzeitig nichts davon, um mich nicht in meinem Tatendrang zu unterbrechen.

Als dann aber die gemeinsame Vorlese- und Kuschelzeit wegbrechen und vom Papa ersetzt werden sollte, war’s um mein Kind geschehen. Und Tränchen kullerten.

Und wisst Ihr was? Recht hat sie!

Ja, ich hatte mich geirrt.
Dachte, sie sei zu beschäftigt und hätte keinerlei Interesse am gemeinsamen Spielen oder Malen an diesem Samstag.
Und das tut mir leid.

Wir wollen es nachholen, am Sonntag.
Das haben wir gemeinsam beim Kuscheln im Bett besprochen.

Die alte Staffelei will ich vom Dachboden holen für das Mal-begeisterte Kind – und zusammen werden wir ein paar Kunstwerke schaffen.
Sie und ich.

Denn was in jener Corona-Zeit fehlt, ist tatsächlich ein wenig die Möglichkeit, konzentriert viel Zeit mit nur einem einzigen Kind verbringen zu können!

Und damit mein ich nicht eben nur mal eine Stunde!

Uns fehlt der „Mama“-Tag!

Ein Tag, an dem jedes Kind mit mir ganz alleine etwas unternehmen kann und darf!

Da punktet aktuell „Spazieren-gehen“ halt nicht so wirklich – ergo gibt es ihn aktuell nicht, den „Mama-Tag“.
Große Pläne hierfür aber schon!

Wir wuseln dieser Tage ständig um uns herum, gehen uns teils gewaltig auf den Geist, arrangieren uns wieder.

Stimmen überschlagen sich, keiner bekommt so richtig Gehör, weil der Freiraum nur zu zweit – in welcher Konstellation auch immer – nun einmal fehlt!

Wir sind aktuell nie „allein zu zweit“

Wir sind aktuell zu Fünft und selten „allein zu zweit“.

Weder der Mann und ich, noch ich mit wahlweise mit nur einem Kind.

Und ja, das fehlt! Das ist schade!
Darauf freue ich mich nach diesem harten Lockdown!

Denn mittlerweile sind es ziemlich viele „Schuldigkeiten“, die ich einzulösen hätte.

Mit dem Sohn wollte ich sogar nach London fliegen! Im Frühjahr 2020.

Ich hatte es ihm so fest versprochen!

Doch da war das wichtige Dreh-Wochenende mit der Österreich-Werbung in Salzburg – ein wunderbares Erlebnis zugegebenermaßen.
Und wir kamen nach Hause und diese Sache mit Corona nahm ihren Lauf – und gab uns keine Chance mehr für ein derartiges Unternehmen.

Die Kleinste möchte schon sooo lange mit mir alleine in’s Hallenbad gehen.
Einen ganzen Samstag lang.
Und ich vertröste und vertröste und vertröste.

Und mein mittleres Mädel?
Hat noch immer ein paar Gutscheine von meinem damaligen Adventskalender einzulösen.

Zeit mit mir ganz alleine!

Nun, ich möchte trotz aller Umstände meinen Blick auch wieder darauf lenken können.
Ungetrübt und ohne Ablenkung.

Das wünsche ich mir sehr.

Eure 

Alex

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