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Von der (Ur-)Angst verlassen zu werden – Was ich für meine Kinder nicht möchte!

Montag-Vormittag hatten mein Mann und ich einen Streit.

Es ging darum, dass ich meinen Mann zum hiesigen Bahnhof bringen sollte – die nächste Dienstreise für vier Tage stand an.

Da wir uns aktuell nur das Zweit-Elektro-Auto teilen, war dies prinzipiell auch überhaupt weder Problem noch Thema – ich habe es sogar gerne gemacht.

Am Bahnhof angekommen allerdings stellte der Gatte – zwei Minuten vor Abfahrt des Regionalexpresses – fest, dass er Arbeitstasche nebst Laptop zu Hause liegen gelassen hatte.

Nun kann ich nicht leugnen, dass ich mich da bereits schon ein erstes Mal über die wiederholte (zerstreuter Professor manchmal ;) ) Vergesslichkeit des mir Angetrauten ärgerte – doch viel schwerer lag im Magen die Tatsache, dass ich nun den Mann bis zum nächsten ICE-Bahnhof würde fahren müssen!

Damit er wenigstens den Anschlusszug erreichen kann.

Jener Bahnhof befindet sich bei guten Straßenverhältnissen 25 bis 30 Minuten von unserem Wohnort entfernt.
Ich sollte ihn also nach Hanau fahren.

Auch das wäre prinzipiell kein Problem gewesen, hätte mich da nicht jene Sorge heimgesucht, die mich hin und wieder umtreibt und ein wenig in Panik versetzt.

Die Angst, mein Kind ungewollt im Stich zu lassen

Der Mann deutete meinen Missmut als Unwillen, ihm einen Gefallen zu tun oder gar Bequemlichkeit – schließlich wurde nunmehr meine Planung für den Vormittag durcheinander gewirbelt.

Doch waren es in meinem Geiste ganz andere Vorstellungen, die mir fast Tränchen in die Augen trieben – und Hände schweißnass werden ließen.

Denn in Anbetracht des bereits fortgeschrittenen späten Morgens sah ich vor meinem inneren Auge bereits mein kleinstes Kind am Straßenrand stehen.

Aufgewühlt und weinend zur Abholzeit auf das Mama-Taxi wartend, welches wider Abmachung nicht erscheint.

Denn ich hatte ihr am Morgen ja nicht angekündigt, dass ich unterwegs sein würde – und eventuell später zum Abholpunkt kommen könnte.

Und wenngleich noch genügend zeitlicher Puffer vorhanden war, so hatte ich schlichtweg Angst, ich könne in einen Stau oder Unfall geraten und infolgedessen mein Kind nicht rechtzeitig abholen.

Fürchtete, es enttäuschen – und noch vielmehr, in einem Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung da stehen lassen zu müssen.

Denn ich weiß, dass dieses Kind sehr schnell in Angst, Panik und Tränen gerät, wenn ich nicht rechtzeitig auftauche.
Dass sie ohnehin mit der ein oder anderen Verlustangst zu kämpfen hat.

Eine weitergegebene Urangst?

Die Angst verlassen zu werden

Und auch weiß ich, wie sich jene panische Verzweiflung anfühlt – das möchte ich für mein Kind nicht.

So soll sie sich nicht fühlen müssen!

Ich schilderte dem Gatten meine (teils unbegründeten! Leute! Ich weiß!!!) Bedenken.
In solchen Situationen kann ich leider nicht rational und lösungsorientiert denken.

Denn selbstverständlich hätte es Mittel und Wege gegeben, dem Kind die Nachricht zukommen zu lassen, dass ich mich verspäte!

Dass mein Kind vermutlich von alleine in das Schulsekretariat gelaufen wäre, um mich anrufen zu lassen, wäre nur eine davon gewesen.

Doch dass ich derartige Situationen für meine Kinder so weit es geht vermeiden möchte, liegt selbstverständlich an meinen eigenen (Ur-) Ängsten!

Und wie es so oft ist hat vieles mit der eigenen durchlebten Kindheit zu tun.

Denn manchmal reichen Kleinigkeiten aus, um Ängste zu schüren und um dauerhaft zu prägen.
Viele solcher Kleinigkeiten fallen mir hier ein, doch gehört nicht alles hierher – lasst mich aber nur ein einziges Beispiel nennen.

„Steigen Menschen aus dem Zug aus“ – und kommen nie wieder?

Da mein Papa bei der Bahn beschäftigt war, erklärt es sich von selbst, dass viele,viele Reisen meiner Kindheit mit dem Zug von statten gingen.

So viele wunderbare Sommer verbrachten wir an der italienischen Adria, so viele durchwachte Nächte (eine solche Fahrt war immer aufregend!) im Schlafwagen haften in meiner Erinnerung.

Nun war es eine (berufsbedingte) Leidenschaft des Vaters, während einer Reise an jedem Bahnhof – sobald der Zug etwas länger Aufenthalt hatte – einmal aus dem Wagon auszusteigen um sich „am Bahnhof einmal umzusehen„.

Die Mutter, ich und der Bruder blieben im Abteil zurück.

Noch heute fühle ich jene Minuten, noch heute erinnere ich mich daran, wie sehr ich das so ganz und gar nicht mochte.
Im Nacken stets die Angst und Panik, der Vater könne nicht mehr rechtzeitig in den Zug einsteigen (er blieb tatsächlich immer bis zur aller-letzen Minute!) und mich und die anderen beiden (versehentlich) zurücklassen.
Ohne Ticket – und seinerzeit selbstverständlich auch ohne Mobiltelefon & Co..

Das war kein schönes Gefühl, das sind Erinnerungen, die ich in meinen Kindern nicht schaffen möchte.

Verlustängste begleiteten mich im Laufe des bisherigen Lebens immer wieder.

Als ich am vergangenen Wochenende meinen Artikel zum Thema Zwischenmenschliches und Ghosting verfasste, wurde dies mir einmal mehr bewusst.

Und selbstverständlich war der Tod gleich mehrerer geliebter Menschen in den letzten drei Jahren – von denen ich mich jedes Mal nicht verabschieden konnte!!! – keine große Hilfe zur Überwindung jener Ängste.

Ganz im Gegenteil.

Seit Kindheitstagen habe ich Angst, neu gewonnene Freundschaften wieder zu verlieren – vielleicht weil ich zu anhänglich und aufdringlich bin. Klammere und „nerve“. 

Oder eben auch Menschen zu verlieren, denen ich mich besonders anvertraute – denen ich vertraute!

Sicher, auch ich habe öfter aus freien Stücken Freundschaften beendet.

Beziehungen zu Personen, die mein ganz eigenes Leben vergiften wollten, die also toxisch waren.
So geschehen erst im vergangenen Jahr.

Dann ist das auch gut so gewesen und eine freie – eine befreiende! – Entscheidung!

Doch die Angst, Menschen könnten MIR ohne erkennbaren Grund den Rücken zukehren (ohne Erklärung!) die bleibt und sitzt tief.

Und flammt ghosten Menschen (aus welchen Gründen auch immer!!!) lodernd heiß auf.
Immer und immer wieder.

So etwas möchte ich für meine Kinder nicht!

Meine Kinder – so viel besser als ich!

Ich habe Kinder, die leicht Freundschaften schließen und mit einem gewissen Grund-und Selbstvertrauen ihr Leben meistern!

Das möchte ich allen Dreien bewahren!
Diese Stärke soll bleiben!

Und so sehe ich es als meine Aufgabe, hier meinen ganz eigenen Beitrag zu leisten.

Meine Kinder nicht zu enttäuschen oder zu versetzen – und sollte es einmal doch so kommen, mich vor allem dafür aufrichtig zu entschuldigen!

Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum ich noch immer die Achtjährige bei mir im Bett schlafen lasse, wo sie es sich doch so sehr wünscht.

Niemals möchte ich meinem Kind das Gefühl der Zurückweisung und Ablehnung – und auch des Verlassen-seins geben! 

Finde das nun doof, idiotisch, gluckenhaft und selbst(wert)los, wer wolle!

Solange sie es sich wünscht (@ kleinstes Kind: Vielleicht nicht unbedingt bis 18? ;) ) darf mein Kind bei mir kuscheln und schlafen! Punkt!

Der Sache auf den Grund gehen und reden – hilft immer!

Nun, der Disput mit dem Gatten ist längst behoben.

Denn wie so oft hilft in einem solchen Fall nur reden und dem grundsätzlichen Problem auf den Grund zu gehen!

Zwar teilt der Gatte meine Ängste und Befürchtungen NICHT (gut für ihn!) – versteht aber, was mich eigentlich zu meinem Verhalten leitete.

Und die Situation brachte mich offenbar zum Nachdenken! ;)

Ich kann meine Kinder nicht vor allem Unheil bewahren, kann sie weder in Watte packen noch auf immer und ewig betüddeln.

Auch werde ich nicht alle Ängste verhindern können – vielleicht entwickeln sie dennoch welche im Laufe ihres weiteren Lebens.

Aber ich kann sie bestärken und möchte mein Bestes versucht haben!!!

Habt Euch lieb, versucht die Anderen zu verstehen – denn letzten Endes sind wir alle nur menschlich! 

Eure 

Alex

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