Andere Familien können das besser als wir. Da bin ich mir sogar sicher. Andere Familien…
Von Gedanken überrannt & im Überlebensmodus: Manchmal fühle ich das Leben zu hart und zu intensiv #wib 10./11.01.
An diesem Samstag geht es mir nicht gut. Gar nicht.
Ich lasse mir der Familie gegenüber nichts anmerken. Aber ich spüre es schon beim Aufwachen.
Dazu kenne ich mich selbst mittlerweile gut.
Lenken kann ich “es” aber nicht.
Die Trigger kenne ich – aber es ändert nichts am Schmerz
Ich kenne die Trigger, es sind mehrere.
Nicht alle gehören ausgesprochen und schon einmal gar nicht hierhin.
Und auch weiß ich, dass ich irgendwie an diesem Tag “da durch” muss. Auch wenn es innerlich zerreißt und weh tut.
(Und das tut es wirklich. An solchen Tagen verspüre ich auch körperliche Schmerzen, fühle mich kurzatmig, es sticht und ich bin erschöpft.)
Heute ist alles krass intensiv.
Ich spüre das Leben und mein Leben heute zu sehr, zu arg, bis in jede Faser.
Ich spüre hart und schmerzhaft und Tränen steigen mir schon beim Aufstehen in die Augen.
Da sind auf einmal wieder all’ diese Gefühle und es tut weh. Und ich fühle mich unsicher, ohnmächtig, als würde ich fallen – und es gäbe nichts, das ich dagegen tun kann.
Ja, ich bin an diesem Tag im freien Fall.
Und ich überspiele den Schmerz, atme durch so gut es geht – und versuche im Außen nichts zu zeigen.
Trauer kommt in Wellen – diese Welle mischt noch so viel mehr dazu
In meinem Inneren allerdings liefern sich Gedanken und vor allem auch Sorgen und Ängste vermischt mit Trauer und Wehmut und auch einem Gefühl der Bedrohung ein Battle.
Ein Schneesturm (Sorry, muss ich so passend zum Winter schreiben) tobt und saust und lässt mich schon vorm Mittagessen kaputt zurück.
Ich bin im “Überlebensmodus“.
Ich fühle mich nicht sicher und auch nicht geborgen und teils nicht geliebt. Weil ich mir an diesem Tag nicht vorstellen kann, ein liebenswerter Mensch zu sein.
Bin ich gar ein Fehler?
Tränen laufen.
Und als würde ich noch mehr Schmerz brauchen, kommt mir ALLES in den Sinn, was traurig macht und weh tun könnte.
Kann es gar nicht wirklich steuern.
Ich denke an all’ die lieben Frauen in meinem Leben, Familienmitglieder, die mich prägten und aufzogen – und die alle nicht mehr da sind.
Tränen kullern ob Todesfälle, die lange verjährt sind.
Doch kommt Trauer in Wellen.
Und diese Welle nimmt sie gerne mit. Und sie mischt sich in die tosende Unruhe noch mit hinein.
Wehmut, Angst, Unsicherheit, Ohnmacht, Liebe – so viele Gefühle!
Ich verspüre Wehmut, weil abermals ein schöner Familienurlaub hinter uns liegt.
Und ich habe Angst vor dem Montag.
Ich fürchte das frühe Aufstehen in der Dunkelheit und winterliche Straßenbedingungen, Stau und viel Verkehr auf dem Weg zur Schule.
Ich bin traurig, dass die Zeit der Ruhe und des In-den-Tag-Lebens nunmehr vorbei sein wird – und dass der Januar fordern und verlangen wird, statt Ruhe und Geborgenheit zu schenken.
Das, was Menschen doch im Winter eigentlich brauchen.
Ich sehe, wie meine Kinder wieder in ihren Zimmern verschwinden und selbst die Jüngste nicht mehr allzu oft in diesen Tagen nach mir fragt.
Und ich fühle mich nicht mehr gebraucht – und muss weinen.
Ich fürchte die neue Herausforderung, welche bald unser Familienleben definitiv auf den Kopf stellen wird.
Und ich bekomme erste Zweifel – kalte Füße – ob jener Entscheidung. Auch wenn es ganz klar nur noch den Schritt nach Vorne geben wird und das Herz bereits verliebt hüpft.
Diskussionen und Konflikte in den Tagen zuvor schürten Angst und Unsicherheit.
Und ich habe Respekt vor dem großen unbekannten Schritt – und wische mir Tränen aus den Augen.
Auch Mitgefühl kann schmerzen
Ich fühle so, so intensiv, dass ich FÜR Andere mitfühle!!!
Und ich spüre regelrecht die Sorgen Anderer.
Sorgen, die ich noch nicht einmal kenne, und nehme sie mir dennoch zu Herzen.
Ich schenke jemandem per WhatsApp Wertschätzung, weil ich dieser Frau zeigen möchte, dass all’ ihre Arbeit gesehen wird.
Und breche in Tränen aus, als sie sich für meine Worte so sehr bedankt, weil endlich jemand erkennt.
Denn an Tagen, an welchen ich das Leben zu intensiv spüre, fühle und sehe ich auch andere Menschen!
Und ich möchte für diese da sein. (Das ist leider aber nicht immer möglich.)
Ich möchte das schenken und geben, was ich mir selbst wünschen würde!
Und ich finde das sollte man immer tun – nur setzen das leider die wenigsten von uns Menschen um.
Es ist vielleicht eine gute Seite des krassen Fühlens und des intensiven Lebens an solchen Tagen. Ich weiß es nicht.
Ohnmacht tut auch krass weh!
Eine nicht einzuordnende Schwere drückt auf meine Brust und raubt mir die Energie, den ganzen, langen Tag.
Ich fühle mich gelähmt, weil Menschen nicht immer erreicht werden können.
Dabei möchte ich doch da sein – mag zuhören!
Und ich fühle mich hilflos ob all jener, die selbst ihren Kopf in den Wolken haben – und ich kann nichts tun, kann nicht da sein, kann nicht helfen.
Ich komme einfach nicht durch.
Das alles wohnt einzig und allein IN mir!
Ja, ich mag vielleicht nicht das Leid der ganzen Welt an diesem Tag auf meinen Schultern tragen.
Dazu verwehre ich mich bewusst des Öfteren Nachrichten.
Aber meine kleine, ganz eigene (Gedanken-) Welt lastet an diesem Tag schwer.
Ich lenke mich ab mit Aufgaben und Haushaltsdingen.
Und ich fühle mich, als trüge ich eine bleiern schwere Rüstung, die ich nicht ablegen kann.
Ja, solche Tage im “Überlebensmodus” tun unfassbar weh.
Auch wenn im Außen doch alles stimmt und ich sicher bin und ein gutes Leben habe!
(Und dafür bin ich jeden einzelnen Tag dankbar – auch bis hin zu Tränen!!!)
Und doch weiß ich, das alles BIN ICH.
Die Unsicherheit, die Angst, die Furcht und all der Schmerz und die Trauer:
Das alles lebt einzig und allein IN MIR.
ICH muss lernen, damit zu leben, muss diesen Teil von mir annehmen.
Untergehen aber darf ich nicht!
Ich darf ihn leben und anerkennen und auch fühlen. Ich darf mit dieser Welle schwimmen und mich auch mitreißen lassen.
Nur untergehen, untergehen darf ich nicht.
Es gilt sich immer wieder an die Oberfläche zu kämpfen und mit neuer Stärke aus diesem Wellenritt herauszugehen.
Weil ich mir selbst wieder begegnen durfte – und vielleicht ist das gar nicht so schlecht.
Nicht jeder Mensch kann das.
Aber auch nicht jeder Mensch versteht, manche sind mit dieser Gefühlswelt in mir überfordert, ich bin sogar mit einem solchen Menschen verheiratet. 🙂
Vielleicht aber auch braucht es dann jenen Gegenpol, der akzeptiert aber sich nicht mitreißen lässt und stattdessen ablenkt.
Und vor allem sollte ich gut zu mir sein und das (intensiv) Menschliche in mir umarmen und ihm die Geborgenheit und Wärme schenken, nach welchen sich mein ängstliches und sorgendes ICH an diesen Tagen so sehr sehnt.
Vielleicht sollte ich geduldig mit mir sein und mir selbst Beruhigung schenken. Damit das Innen und auch das Außen sich wieder vereint die Hände reichen können.
Denn im Grunde ist das alles einfach nur das Leben.
Und das Leben, mein Leben, fühle ich manchmal härter und krasser und intensiver als Andere.
Aber das Leben ist wunderschön. #solangewirsind
(mehr Bilder vom Wochenende gibt’s bei grossekoepfe!)
Kommt gut in die neue Woche & allen Hessen einen entspannten Schulstart!
Eure
Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

Danke für deinen wunderschönen Text! Du leistest so viel! Und vor allem ist es nun eine sehr schwierige Phase, die wir alle durchleben. Die Kinder lösen sich ab und wir durchleben gefühlt eine Pubertät in der Perimenopause.