Wenn ICH ein Klon wär: Von „Mutti’s“ Wunsch sich zu vervielfältigen

Der Alltag hat uns wieder. Erneut. Und ebenfalls sind sie damit wieder präsent. Lassen sich nicht wegscheuchen und aus meinem verknoteten Hirn rausekeln. Die Alltagssorgen. Die verworrenen Gedanken, die sich in der Endlosschleife nicht nur drehen, sondern regelrecht überschlagen. 

So wie vorgestern. Kein Wunder, dass das in diesem Moment nix wurde. Mit den Mathe-Hausaufgaben des größten Kindes.

Bei denen ausgerechnet ICH, Logik-und Rechengenie seit jeher 😉 , helfen musste. Und das seit zwei geschlagenen Stunden. Von denen ich gefühlt die Hälfte damit verbrachte, Tränchen der Verzweiflung zu trocknen und mein Baby in den Arm zu nehmen. Immerhin, in solchen Situationen darf ich’s noch.

Die Verzweiflung, dass nun der Alltag mit seiner ganzen Härte und Brutalität wieder zugeschlagen hat. Und in diesem Moment in der Form von – aus der Sicht des blutenden Mutterherzens – übertrieben vielen Mathe-Hausaufgaben. Und Leseübungen. Und Vokabeltest-Korrekturen. Er tat mir so leid! Und zwei Köpfe rauchten um die Wette. Knobelten, stritten über den richtigen Lösungsweg bis die mütterliche Rübe kurz vorm Zerbersten stand. I know! Jetzt schon! In der vierten Klasse! 😉

Und genau in diesem Moment schlich sich in seiner ganzen Ekelhaftigkeit wieder einer dieser verflixten Alltags-Gedanken in das gerade schwer beschäftigte, überfüllte Mutterhirn. Der Gedanke, den mit tausendprozentiger Sicherheit, JEDE Mutter kennt:

Ach, wär ich nur ein Klon!

Denn wenn ich einer wäre, und das in vielfacher Ausfertigung, was wäre mein Leben so viel leichter! Auch genau in jener Situation! Denn während zwei über Mathetricks fachsimpelten, hockten im Erdgeschoss zwei  weitere „einsame“ blonde Rotzgören. Bereit, die Gunst der Stunde auszunutzen und sich übermütig in alle sich nun darbietenden Schandtaten zu stürzen. So befürchtete ich es zumindest. Die Realität sah anders aus. Eine, die größere davon, hockte mit Controller in der Hand vor „Minecraft“ und stapelte brav Steinchen übereinander, zähmte Pferde und was auch immer da noch so vor sich geht. Ich fragte mich nur, ob sich dies im Hinblick auf künftige Rechen-Hausaufgaben nun dienlich oder eher Hirn-verderblich auswirken würde. Die Kleinere, nun ja, schaute auf’m I Pad eine „Paw-Patrol-wir-sind-dämliche-Hunde“-Folge nach der anderen. Yup! Definitiv nicht dienlich!

Warum konnten die nicht einfach auch mal miteinander spielen!? Und somit quälte und störrte mich mein furchtbar schlechtes Gewissen. Das schlechte Gewissen den anderen Zweien gegenüber. Weil ich mich eigentlich in diesem Moment wieder hätte aufteilen müssen! Damit jedes Kind meine Aufmerksamkeit bekommen hätte. Dann hätte ich dafür sorgen können, dass jedes Kind etwas Anständiges macht!

Weil ich eigentlich IMMER mehrere Klone brauche! Am besten einen davon als „Mathe-Nerd-Knobel-Genie“!

Aber so, ist’s einfach manchmal verdammt schwierig. Immer für alle und alles da sein. Am besten immer gleichzeitig.

Aber wäre ich vor zwei Tagen, genau in dem Moment ein Klon gewesen. Es hätte in ungefähr wie folgt ausgesehen:

Mein „Genie-ICH“ hätte dem Sohnemann die Aufgabe im Nullkommanix erklärt. Das „Basteltalent-ICH“ hätte endlich mit der Kleinsten die Halloween-Gespenster geschnipselt und an die Fensterscheibe geklebt. Das „Familientier-ICH“ hätte jetzt aber wirklich mal Omas, Uromas, Bruder & Co. angerufen und sich mit viel Zeit und Geduld auch die Sorgen Anderer angehört. Verdient hätten sie es alle. Das „Hauswirtschafts-ICH“ hätte schon längst die Küche auf Vordermann gebracht und das „Organisations-ICH“ hätte den ganzen Tag am Handy gehangen und endlich, endlich alle ausstehenden Arzt, Zahnarzt, Whatever-Termine für sämtliche Familienmitglieder ausgemacht. Ich befürchte, die Liste der möglichen „ICHs“ und „HÄTTEs“ ist unerschöpflich. Also erspare ich Euch das. Wisst ihr selbst 😉

Gott sei Dank war wenigstens mein Mann auf Dienstreise und somit wäre das „hinreißende-stets-willige-und-bereite-Ehefrauen-ICH“ gerade in der Ladestation gewesen. Akku wieder auf Höchstleistung bringen 😉

Puh! Schwein gehabt!

Und es gibt sie so unendlich oft am Tag. Die Situationen, in denen ein mehrfaches ICH so dringend von Nöten wäre! Ich hasse dieses Gefühl. Diese Gedanken. Nie sich voll und ganz auf eine Sache, eine Person konzentrieren zu können. Weil dieser kleine, furchtbar hässliche Gewissens-Gnom im Hirn einfach nicht die Klappe halten will. „Du müsstest jetzt aber stattdessen….“ „Wolltest Du nicht schon längst…..“ „Schau mal, da braucht Dich aber gerade noch ein Kind ganz dringend“. In der Hinsicht ist das Hirn manchmal echt ein Arsch! Pardon! Manchmal will so ein Wort auch mal ausgeschrieben werden.

Dabei könnte es wirklich so schön sein! Sich mal schnell zu vervielfältigen! 

Während ein ICH beispielsweise auf’m Fussballplatz beim Spiel des Großen fröstelt und versucht die Geschwistermädels bei Laune zu halten (könnte aber auch das „Entertainment-ICH übernehmen) würde ein anderes zu Hause schon mal ein herrlich dampfendes Abendessen zubereiten. Und somit dem ewigen Genöle entgegenwirken. “Ich habe Huuunger! Jetzt! Sofort!“ Gäb’s in der Form nicht mehr. Der Klon hätte uns bereits an der Haustüre empfangen und zum vorbereiteten, hübsch eingedeckten Essplatz geleitet. Ein anderer Klon würde währenddessen die verschrammelten Fussball Schuhe putzen, den Flur aufräumen und die Trikots der gesamten Fussballmannschaft in die Maschine stopfen.

Nicht zu vergessen:  Die Kleinste! Die nach einem abendlichen Fussball-Spiel des großen Bruders jetzt eigentlich dringend in’s Bett müsste. Kein Problem! „Kloni-Mum“ ist bereits voller Tatendrang beim Vorlesen. Hach! Was wär’s geil!

Kurzer Reality-Check:

An solch einem Abend schafft’s die Vierjährige nicht vor neun in’s Bett! Mich gibt’s nur ein einziges mal! Und der Papa? Kann nicht helfen. Fliegt derweil durch Deutschland.

Und? Ist euch etwas aufgefallen? War ja klar! Ganz Muttertier, vorbildliche Ehefrau und als stets auf das Wohl Anderer bedachter, bescheidener Mensch (JA ich übertreibe!) habe ich einen vergessen:

Den „Ego-Klon“.

Den, nur für mich und die Dinge die MIR Spaß machen! Dabei gäbe es so Manches auch für diesen zu tun. Erspart mir bitte die Details! Jene geheimen Wünsche kennt nicht mal der mir Angetraute! 😉

Ob nun einer meiner Klone die Rechenaufgabe, an der wir uns festgebissen hatten, besser kapiert hätte? Ich weiß es nicht. Zumindest hätte der nicht ständig ein schlechtes Gewissen beim Rätseln gehabt. Und letztendlich war’s sogar ganz einfach. Ohne jetzt die Aufgabe weiter schildern zu wollen: die gesuchte, fehlende Zahl war schlicht und einfach die 0! DIE Option hatte ich nicht bedacht. Weil ich einfach immer viel zu kompliziert und um zu viele Ecken denke! Und ich wage zu behaupten, DAS ist eine Eigenschaft die Klone bestimmt nicht haben!

Wie es sich später herausstellen sollte, hatte die Klassenlehrerin sich mit der schweren Hausaufgabe schlicht und einfach vertan. Vielleicht hat sie gerade zu viel um die Ohren. Bräuchte auch einen oder mehrere Klone. Und hat sich einfach auch noch nicht wieder in den blöden, verflixten Alltag eingefunden.

In diesem Sinne: klonische Grüße an all Euch Mamas da draußen, die jeden Tag den Alltag mit den Kindern ganz alleine,  aber mit tausend Armen, Augen und Händen meistern!

P.S.: Ich habe mir übrigens vom Experten (mein Sohn) erklären lassen, dass es sich bei dem von mir auf dem Beitragsbild verwendeten Stormtrooper NICHT um einen Klon handelt.

Noch einer meiner Klone würde endlich Star Wars Fan werden…;)


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