Happy Halloween! Von Schnitzverweigerung, Heulanfällen & erschreckenden Theateraufführungen

Gestatten, der da, der hagere, blasse Typ auf dem Beitragsbild. Da ist „Johnny“. Unser Johnny. Bevorzugter Lebensraum: der gemütliche, knarzende, stets von Spinnweben durchzogene Dachboden. Nur einmal im Jahr verlässt Johnny sein vertrautes Terrain um sich den eisigen Spätoktober-Wind um das empfindliche, nicht vorhandene Näschen wehen zu lassen. Dann trohnt er selbstsicher und zu allen scary-spooky Schandtaten bereit auf der ollen rostigen Laterne vor der Haustüre. 
Nun, dieses Jahr wird der arme knochige Kerl dort alleine sein Dasein fristen müssen. An Halloween. 

Und da stand sie nun neben mir, schluchzte, schnappte nach Luft. War völlig aufgelöst und untröstlich. Mein mittleres Kind. Einzig und allein aufgrund der Eröffnung, dass wir am diesjährigen Geisterfest nicht zu Hause sein würden. Dieses Jahr soll er nicht stattfinden, der übliche „Trick or Treat“-Abendspaziergang. Kein Erschrecken anderer Mini-Hexen, Vampire und Zombies vor der eigenen Haustüre. Wir wollten unsere Freunde in Mannheim besuchen. Die Gunst des Extra-Feiertags nutzen und einen hübschen, netten Geburtstag mit gutem Essen, Erwachsenengesprächen und miteinander spielenden Kindern verbringen. Schließlich hatten wir uns seit dem gemeinsamen Kroatien-Urlaub (Ihr wisst schon, der teure!) nicht gesehen. Und so sehr ich mich darauf freute, sollte ich in diesem Moment einmal mehr merken, welch Gewohnheitstiere Kinder doch nun einmal sind. Mit solch einer heftigen Reaktion hatte ich nun wirklich nicht gerechnet! Oh No! Weil es eben anderes laufen wird als jedes Jahr. Nicht nach Plan. Nicht wie immer und in der eigenen kindlichen Vorstellung. Ich hätte es gleich ahnen müssen!

Dabei bin ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich zutiefst enttäuscht die Abendwanderung dieses Jahr nicht durchführen zu müssen. Es läuft doch immer gleich ab. Aufgekratze Kinder rennen im Dunkeln, bevorzugt noch in dunkel, gruseligen Umhängen, kopflos über die Straße. Vor lauter Aufregung und Euphorie. Und Mutti sprintet hinterher: „Vorsicht! Kuckt nach den Autos!“ , „Ihr müsst an der Straße STEHENBLEIBEN!“, „NEIN! Jetzt darf dein Bruder/deine Schwester zuerst klingeln“, „Wie Du hast Deine Tüte zu Hause vergessen?“ „Dann müsst Ihr Euch eben eine Tüte teilen“ „Wollt Ihr nicht?“ (innerlich: „Herrgott-Nochmal!!“) . Kann Mutti gut und gerne drauf verzichten. Sich hinter den Büschen zu verstecken und ihre Brut beim Plombenreißer-Sammeln zu beobachten.

Gut, es half alles nix. Eine Notlösung musste her. Schnell! Aber hey! Sind wir Mamis nicht Meister im lösungsorientiertem Denken? Mit einem Pre-Halloween-Gruselfilm-Abend mit ihren Freunden, jeder Menge Popcorn, Kamellen und rotem Glotzaugen-Wackelpudding hatte ich sie! Yes! Situation entschärft und gerettet!

Auf dem Bild neben Johnny zu sehen: Kürbisse in diversen Varianten und Ausfertigungen. Denn, bislang sahen Halloween-Vorbereitungen bei mir immer wie folgt aus: Ich war der Depp, der auf Drängen meiner Kinder, drei schweine-teure Riesenkürbisse nach Hause hievte. Endlich dem wochenlangen Genöle wann wir denn wieder unsere Kürbisse machen, nachgebend. Und im Anschluss voller Tatendrang und Elan drei Kinder auf die Terrasse zitierte. Soll ja ne Gemeinschaftsaktion sein, das lästige Schnitzen. Die Sauerei. Mach ich doch nicht alleine! Denkste!

Es dauerte meistens keine fünf Minuten und da stand ich nun, ALLEINE, schwitzend und schnitzend. Den Terrassentisch mit Zeitungspapier und orangenem Schleim überzogen. Die Hände badeten in Kürbismatsche, die ich – ganz Kochbanause-  einfach entsorgte. Ehrlich Mamas!? Haben wir darauf Bock?

Seit ein paar Jahren bin ich schlauer!

Unsere Kürbisse werden seit geraumer Zeit nur noch mit Acrylfarbe bemalt. Das ist mega cool. Macht irre Spaß und beschäftigt immerhin alle meine Kinder für eine geschlagene Stunde. Einziger Job von Mutti? Dabei mit ner Latte am Tisch (im warmen Wohnzimmer!) sitzen und ein bisschen mit Spinnen auf`s orangene Riesen-Gemüse pinseln. Hah! Und jetzt geb ich ja doch noch Basteltipps! Probiert’s doch einfach mal aus und lasst die Schnitzerei einfach den Opa machen. So wie ich 😉

Wir hatten am vergangenen Wochenende einen Besuch in meinem Heimatort bei Oma und Opa geplant. Die Kleinste sollte mit Mama und Papa ins Kindertheater gehen. Die zwei großen derweil bei meinen Eltern verweilen. Nun, irgendetwas Schräges passiert halt immer wenn Mutti die Kinder mit dem Opa machen lässt! Das ist halt das Coole wenn Oma und Opa noch sehr jung sind. Stolz auf meine glorreiche Idee, überreichte ich also triumphierend dem Opa den Riesen-Pumpkin. Soll doch der Opa schnitzen, fluchen und schwitzen!

Tja, seht Euch an, was dabei raus gekommen ist! Ist halt doch der Beste mein Papa 😉kürbis opa Doch glaubt ja nicht, dass es in der Zwischenzeit im Kindertheater langweilig war.  Gut, das Stück war vielleicht nicht wirklich so fesselnd und prickelnd. Und meiner Befürchtung nach noch nix für eine Vierjährige. Aber irgendetwas muss man ja an einem stürmischen Oktober-Sonntag-Nachmittag schließlich unternehmen. Nun, wie es sich herausstellte, passte sie doch ganz aufmerksam auf. Nahezu vorbildlich. Denn es war selbstveständlich einzig und allein NUR mein Kind, das die Antwort auf die dort von der Hauptprotagonistin, dem „Nebelkind“, gestellte Frage  wusste. Jenes „Nebelkind“ ein bisschen naiv, unerfahren, unmenschlich und meiner persönlichen Meinung nach ein wenig verstrahlt, fragte den anderen Hauptdarsteller nach dem Unterschied zwischen Junge und Mädchen. Nun, MEIN Kind konnte die Erklärung prompt liefern. Lauthals und unüberhörbar durch den ganzen Saal kreischend. Während der Kerl noch herumdruckste was denn Jungs im Gegensatz zum weiblichen Geschlecht haben… Schrie sie es mit stolz blitzenden Augen einfach hinaus. In die große weite Theaterwelt. „Einen Penis!!!“

Hm. Ich weiß nicht was schlimmer oder gar erschreckender ist, die Tatsache, dass einzig und allein mein Kind das durch den kompletten Saal schrie, oder die, dass es mir noch nicht mal mehr etwas ausmachte. Nix da Schnappatmung, Fluchtgedanken, Hitzewallungen und Schamesröte! Stattdessen löste die Aktion bei uns Eltern nur noch einen unterdrückten Lachanfall aus. So isse halt. Unser Kind 😉

Denn es ist ja eigentlich auch nicht schlimm. SIE wusste es wenigstens. Im Gegensatz zum Nebelkind und allen anderen. Immerhin hat sie ja auch einen großen Bruder, den sie um den Besitz des genannten Stückes auch schon zutiefst beneidet hat. Und Bücher! Ihr wisst, ich lese viel vor. Und wenn das Kindersachbuch „Das bin ich und das bist Du“ aus der Reihe „Wieso, Weshalb Warum?“ nun auch den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen in Bild und Schrift verdeutlicht. Was habt ihr erwartet? Ja! Sie hat gut aufgepasst, mein schlaues Mädchen! 😉

Und nun müssen wir gleich los. Zu unseren Freunden. Einen ganz entspannten Anti-Halloween-Tag verbringen. Vielleicht. Vielleicht treibt es uns zu später Stunde ja doch noch in den Park. Zur Gruselparty.

Aber ganz egal, wie auch immer Ihr diesen extra freien Tag verbringen werdet! Ob als einmaligen, denkwürdigen Sonder-Feiertag oder eben als schaurig fröhliches Geisterfest: Viel Spaß und liebe Grüße!

Eure Alex

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