Vom Vertrauen, der Menschlichkeit & der Kunst zu vergeben

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Hier der Euch bereits angekündigte Artikel. Eigentlich wollte ich diesen schon zu Beginn der Woche veröffentlichen, doch kam mir eben ein anderer Text dazwischen. Und auch wenn es sich hier ebenfalls wieder um einen Beitrag aus der Kategorie „Nachdenkliches“ handelt, möchte ich ihn Euch nicht vorenthalten, denn er liegt mir sehr am Herzen! Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen meines letzten Textes:

Ich habe kein bestimmtes Lebensmotto. Dafür bin ich vermutlich auch einfach noch zu „jung“. Noch nicht weise und lebenserfahren genug.  Doch ein ehemaliger Vorgesetzter meines Mannes hatte eines! Und dieses hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es am liebsten für mich kopieren möchte. Ich arbeite noch daran und muss mich des öfteren selbst an jenes erinnern. Aber so simpel es ist, so ist es gleichermaßen genial:

„Man muss vor jedem Menschen den Hut ziehen“

Jeder von uns kennt doch dieses Gefühl. Es gibt Menschen, die wir einfach nicht leiden können. Wo die Chemie nicht stimmt und das vom ersten Moment an. Solchen Menschen bin auch ich begegnet. Sie sind überall präsent. Genau wie diejenigen, die einem vom ersten Moment des Kennenlernens ans Herz gewachsen sind, die wir wahnsinnig gern haben und am liebsten alle umarmen und nie mehr los lassen wollen. Komme was auch wolle.

Die Kunst liegt meiner Meinung nach jedoch darin, auch den nicht so wirklich geliebten Menschen, mit Respekt und Höflichkeit gegenüber zu treten. Es steht uns nicht zu, unverschämt zu werden oder Personen anzugiften, nur weil wir sie einfach nicht so gerne mögen. Weil wir dieses Empfinden nicht ändern können.  Das ist nicht einfach. Und gelingt auch mir noch lange nicht immer. Aber es wäre nur fair. Und ist somit mein angestrebtes Ziel. Daran muss ich mich immer wieder erinnern. Keine Frage. Manchmal tut’s sogar mein Mann an meiner statt. Denn Zickenkrieg unter Männern? Kommt ja bekanntlich nicht so oft vor 😉  Da sind sie uns halt wieder in einem voraus, die lieben Kerle.

Nichtsdestotrotz finde ich , ist es unglaublich wichtig an diesem „Ziel“ zu arbeiten. Denn es macht auch das eigene Leben so viel leichter!

Doch hat dieses Motto sicherlich noch eine ganz andere Bedeutung. Nämlich die, dass JEDER Mensch etwas wert und etwas besonderes ist! Ob wir  diese Person und das was sie tut nun besonders toll finden, oder eben nicht! JEDER hat es verdient, mit Respekt behandelt zu werden! Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und Gründe, die zu dem führten, was er heute ist.

Jeder Mensch, ob studiert oder nicht, ob arbeitssuchend oder gerade hoch erfolgreich ist kostbar! Da zählt keine Behinderung, kein Lebensstandard, keine persönlichen Entscheidungen, jeder hat es verdient, dass man „vor ihm den Hut zieht“! Die Mutter, die entschieden hat für ihre Kinder zu Hause zu bleiben, ebenso wie die Frau, die in Vollzeitbeschäftigung den Lebensunterhalt der Familie verdient!

Und jetzt kling ich wie ein Prophet. Oder eine Predigerin 😉 Obwohl es mir eben noch lange nicht selbst immer gelingt. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Aber ich will es nun einmal lernen!

Denn mir wurde zum Teil ein gewisses Misstrauen in die Menschen anerzogen. Was in einigen Situationen wahrlich auch angebracht und von Nutzen sein kann. Und es war sicherlich nur zu meinem Besten gedacht. Aber so darf es eben nicht stetig sein! Und ich muss zugeben, es hat mich Jahre gekostet, diesen Argwohn, diese Unsicherheit abzulegen. Was soll ich sagen? Mit einer naiven Leichtigkeit, dem Glauben an das Gute in fast jedem Menschen (ich schließe jetzt an dieser Stelle mal den Typ Massenmörder aus)  lebt sich’s einfach besser! Eine Erkenntnis, die erst in meinem Erwachsenenalter reifen musste und auch heute noch der ein oder anderen Enttäuschung trotzen muss.

Urteile nicht vorschnell über Menschen, wenn Du es nicht kannst

Es gab Situationen im Leben, da habe ich mich von Menschen verletzt und zurückgewiesen gefühlt. Es hat weh getan und mich innerlich zerrissen. Das waren „Vorfälle“, kleinere oder größere, Worte, Geschriebenes , Taten oder einfach dass ich mich allein gelassen fühlte.

Doch im Nachhinein, mit etwas Abstand betrachtet, standen mir der Zorn und die Enttäuschung  in vielen Fällen gar nicht zu. Und manchmal lag ich sogar schlicht und einfach falsch!

Denn ich wusste nix über die Hintergründe. Warum es so gekommen ist, was in diesen Personen vorgeht oder vielleicht auch was ICH dazu beigetragen hatte. Es ist immer leicht über die anderen zu urteilen, ein Feindbild aufzubauen, sich selbst als das unumstrittene Opfer der ganzen „Kiste“ zu sehen. Doch wenn wir es uns dann ehrlich eingestehen: Wir wissen es in den meisten Fällen gar nicht richtig und besser!

Kann man nicht erst urteilen wenn ALLE Fakten und Beweggründe bekannt sind? Vielleicht ist der „gemeine“ Mensch gerade selbst durch eine schwere Zeit gegangen, hat Sorgen und Schwierigkeiten von denen Du nix weißt. Von denen vielleicht keiner weiß. Weil es niemand wissen und verstehen muss. Wir haben oft keinen Schimmer, was in der Gefühlswelt der anderen vor sich geht und was sie dazu bewegt hat Dinge zu tun oder zu sagen. Vielleicht hatte er/sie schlicht und einfach auch nur einen furchtbar miesen Tag ?

Irgendwann habe ich deshalb für mich entschieden, mich zu bemühen nicht mehr nachtragend und „für immer böse“ zu sein. Die Menschen zu nehmen, wie sie nun einmal sind. Das ist wirklich nicht einfach und kostet Selbstüberwindung. Und gelingt mir nur schwer, sind dabei sogar meine eigenen Kinder betroffen. Es kostet sogar noch sehr viel mehr Überwindung als das ewige Opfer zu spielen. Aber, die eigentliche Wahrheit ist, so schwer ist es gar nicht! Vielleicht ist diese Einstellung für uns selbst, für alle sogar besser und einfacher?

Denn, ist sie nicht bedeutsam? Die Fähigkeit zu versuchen, Verständnis für die (wenn vielleicht auch unbekannte) Situation des/der anderen aufzubringen? Die Einsicht und das Vertrauen „Es wird schon alles einen Grund gehabt haben“ ? Ich möchte daher versuchen zu verzeihen, wenngleich ich auch nicht immer alles vergessen kann.  Aber „Einmal verschissen, immer verschissen?“ So ein Quatsch! Bullshit wenn ihr mich fragt!

Menschen tun  manchmal unkluge Dinge, dafür sind wir eben menschlich. Aber wir  haben hoffentlich immerhin auch genug Grips um wieder vergeben zu können!

Ich möchte versuchen,  in Zukunft niemals mehr vorschnell über Menschen zu urteilen, solange ich nicht wirklich alle Hintergründe kenne. Das steht mir nicht zu.

Worauf ich aber vertraue ist nach wie vor mein „Bauchgefühl“. Wenn es sich gut und richtig anfühlt, dann vergesse und verzeihe ich. Wenn es sein muss tausendmal! Ist dies nicht der Fall, dann ist es besser loszulassen. Nicht für immer böse und nachtragend sein, aber eben weniger gemeinsame Wege im Leben haben. Ich schreibe jetzt bewusst nicht „getrennte Wege gehen“. Das klingt saublöd und wieder nach der Fähigkeit eben doch nicht vergeben zu können.

Desweiteren versuche ich mich selbst nicht für so wichtig zu nehmen

Versucht es auch mal! Damit lebt es sich so sehr leichter! Hirn aus. Einfach machen und sein!

Ich habe „früher“ zu viel nachgedacht, über das was ich tun und sagen soll.  Jedes Wort habe ich zuvor analysiert, überlegt was ich wie formulieren könnte.  Passiert mir auch heute noch ab und an. Dann muss ich mich selbst zwingen, damit aufzuhören. Denn: Das ist Quatsch! So wichtig sind wir nämlich nicht! Und wer das erkannt hat, dass sich nicht die ganze Welt um einen selbst dreht und jeder exakt darauf achtet, was man sagt, wie man sich verhält, der hat’s meiner Meinung nach wirklich einfacher. Geht zumindest mir so. Und so wich mit der Zeit einem “geht das denn?“ ein “ich mach das jetzt einfach!“.

Klar trete ich so auch öfter in das gefürchtete Fettnäpfchen. Ich sogar gefühlt so viel mehr als andere ;).  Aber Ehrlichkeit zahlt sich immer aus. Ich versuche die Dinge so zu sagen, wie sie sind. Über Gefühle zu sprechen und Sorgen anzusprechen. Offen und ehrlich. Das gelingt aber nur, wenn ich nicht so viel grübele und mich eben nicht selbst für zu wichtig nehme. Denn täte ich das, hätte ich wiederum Angst vor der Reaktion des Gegenüber.

Und Angst und Unsicherheit schränken ein und beklemmen. Und lassen uns arrogant, komisch  oder hochnäsig wirken. Yup! Ziel definitiv verfehlt!

Lieber zieh ich mich selbst durch den Kakao, lache über meine eigenen Fehler und eigenartigen Eigenschaften und steh einfach drüber.  Kann ich auch hier nicht immer. Aber: Ihr wisst schon, der Weg ist das Ziel! 😉

Fakt ist, wer über sich selbst lachen kann und sich selbst nicht zu ernst nimmt, für den ist das Leben bunter und beschwingter.

Ich finde, auch das ist ein Versuch wert! Ihr seht, es gibt noch viel zu tun 😉

Aber diese drei Dinge, diese Vorsätze sind es wert an sich zu arbeiten. Zumindest sehe ich das für mich so.

Und warum sollte man eigentlich nicht das Motto eines Anderen sein Eigenes werden lassen? Warum nicht versuchen danach zu leben, auch wenn wir’s vielleicht nicht selbst „erfunden“ haben. Ich finde, in diesem Fall, ist „klauen“ und „teilen“ durchaus legitim, wenn nicht sogar erwünscht! 😉

In diesem Sinne, nachdenkliche, liebe Grüße an Euch alle!

Eure Alex

 

 


Ein Gedanke zu “Vom Vertrauen, der Menschlichkeit & der Kunst zu vergeben

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