Vom kranken Kind & großen Plänen

Ich habe ein Deja Vu. Seit Wochen hat sie sich auf das Event gefreut. Meine mittlere Tochter. Und wieder einmal handelt es sich um ein Weihnachtsgeschenk. Dieses Mal ein verfrühtes. Es sollte ein Highlight zum Abschluss des Jahres werden. Etwas ganz Besonderes und der Plan stand. Worum es geht?

Nun, gemeinsam mit dem Opa und dem Papa sollten meine zwei größeren Kinder heute mit dem ICE nach München fahren um dort das heutige Bayern-Spiel in der Allianz Arena zu sehen. Mit anschließender Übernachtung. Die Lehrer waren informiert, beide Kinder für den morgigen Tag freigestellt. Alles gut.

Bis zum „Mama mein Hals kratzt irgendwie so komisch“.

„Wie jetzt? Das geht doch jetzt nicht! Ihr wollt doch aber….Bestimmt geht’s ja einfach wieder weg.“ So meine Reaktion, abermals mehr an mich als an das Kind gerichtet.

Nun, das tut es in den meisten Fällen nicht 😉

Ich erinnere an dieser Stelle an den geplatzten Legoland-Besuch im Sommer diesen Jahres. Als ebenfalls die Mittlere mit Halsschmerzen und hohem Fieber weinend vor mir stand. Alte Wiederholungstäterin mit echt grottenschlechtem Timing!

Und schon geht’s wieder los: Das große Kino im mütterlichen Hirn! Gedankenexplosion hoch Tausend. Die imaginären Hauptprotagonisten sitzen auf der Schulter und flüstern mir in’s Ohr: Der überfürsorgliche Muttertier-Engel links und der gespielt lässig-coole Teufel rechts. „Fettes Brot“ lässt grüßen 😉

„Aber sie hat sich doch SO darauf gefreut!“. „Und wenn’s vielleicht nicht so schlimm ist?“ „Hör ma‘ auf mit der Panikmache“. „Auf einmal ist sie heute Abend wieder gesund und wird es Dir NIE verzeihen, dass DU darauf bestanden hast sie daheim zu lassen“.

„Quatsch! Niemals darfst Du ein fieberndes Kind nach München in’s Stadion schicken!“ „Was wärst Du für eine Mutter!?“ „Sie ist viel zu schwach und hätte keine Freude daran!“ „Du darfst sie jetzt nicht mit Saft vollpumpen in der Hoffnung, dass es geht! Das ist verantwortungslos“. „Das Kind gehört zum Arzt und nicht in den Zug!“

Shit! Was mach ich denn nur!? Egal wie ich entscheide, Richtig gibt’s jetzt sowieso nicht mehr. Höchstens ein „Jein“.

Zum Glück eintscheide ich heute nicht ganz alleine und wende mich fragend an den Papa. Denn Fiebersaft allein ist eben doch kein Allheilmittel. Angewendet bei Müttern hilft’s zumindest nicht gegen krankhafte Grübelein und Gewissensbisse! Ich muss Euch jetzt nicht erzählen, wer von den zwei Plage-Geistern auf Mutti’s Schulter gewonnen hat 😉

Saft gab’s aber trotzdem. Und die Couch mit vielen weichen Kissen. Kennt ihr das? Eine Stunde später wünschen wir uns, wir hätten den Nurofen-Saft ganz zufällig nicht gefunden. „Oh, JETZT will ich prickeln“ „Wo sind die Wasserfarben?“ „Spielst DU jetzt mit mir?“ „Hui!! Mir geht’s schon viiel besser!“

Und sie hätte so schön schlafen können! Ich Weichei! Das nächste Mal warte ich länger.

„Aber sie hatte doch solche Kopfschmerzen!“ meldet sich jetzt wieder der Streber-Engel.

Was mich das Ganze nun aber lehrt?

Ich sollte endlich aufhören zu denken und zu planen. Denn das habe ich nach drei Kindern noch immer nicht kapiert! Mit Kindern ist nix fest planbar und sicher! Und es kommt sowieso immer alles anders als Frau Mutter denkt!

Wir verbringen viel zu viel Energie mit der Vorbereitung und Planung irgendwelcher Dinge und Events. Immer ist alles wichtig und muss perfekt organisiert werden. Immer machen wir uns diesen verdammten Stress selbst. Wir jammern über die hetzige Vorweihnachtszeit, weil wir nix abgeben können und nicht einfach mal alles locker nehmen oder auch mal etwas absagen können. Uns freischaufeln und nicht überall dabei sein – davon träumen wir immer nur.

Bis wir zwangsausgebremst werden.

Und auf einmal geht’s ja doch!

Da hocke ich also nun auf der Couch. Muss mich ausruhen. Muss Händchen und Kotzschüssel halten, Tränchen trocknen und alle Termine des Tages über Bord werfen. Und dabei ganz nebenbei lernen, dass so eine auferlegte Auszeit auch mal ganz schön, vielleicht sogar wichtig sein kann.
Denn Fakt ist, ich weiß nicht mehr wie das geht. Ausruhen. Nix tun. Den kompletten Tag zu Hause bleiben. Und treibe damit, mit meinem übertrieben Aktionismus, regelmäßig meinen Mann in den Wahnsinn! 😉

Und überhaupt! Wann habe ich eigentlich das letzte Mal hier zu Hause mit meinen Mädels einfach nur auf der Couch geschmust? So wie jetzt gerade?
Immer ist irgendwas, immer fällt mir etwas ein, das sofort und gleich erledigt werden muss. Immer gibt’s irgendwelche unaufschiebbaren Termine und Verpflichtungen. Gerade jetzt im „besinnlichen“ Advent.

Bitte versteht es auch nicht so, dass ich mir nicht Zeit für meine Kinder zum Spielen nehme. Die gibt’s natürlich.
Aber so ein ganzer, langer, ununterbrochener Nachmittag? Unter normalen Umständen schwierig.

Und nun lerne ich die Rädchen langsamer drehen zu lassen.

Und bemerke, dass das auch durchaus geht und mal nicht schlimm ist!
Ab und an einfach mal nicht da sein, nicht nur funktionieren.
Und, wenn wir ganz ehrlich sind, wir Mamis trösten und schmusen doch sooo gern.

Gut, dass dabei im Hintergrund „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ läuft, nicht wirklich meine Idealvorstellung eines perfekten Gammel-Nachmittages. Aber eben auch ein noch abzuhakender Punkt auf der Advents-To-Do-Liste. 😉

Trotz alledem: Ein gewisser Chillfaktor stellt sich gezwungenermaßen nun auch bei Mutti ein. Die Kunst ist es nur, diesen beizubehalten oder zumindest im Hinterkopf. Abrufbar dann, wenn’s mal wieder drunter und drüber geht und wir nicht wissen WO wir anfangen sollen. Wäre es nicht schön genau dann zu wissen, dass es auch anders, viel langsamer geht? Muss dazu immer erst einer krank sein?

Nun, es ist mir bislang leider noch nicht gelungen. Und aufgrund dieser Tatsache sollte ich mich eigentlich in den alten, blassen Arsch beißen!

Männer dagegen scheinen das zu können! Und kranke Kinder! Die sind plötzlich wie kleine Erwachsene (Männer). Legen sich freiwillig auf die Couch und chillen. Ganz vernünftig, ruhig und verändert.

Zeit zum Durchatmen.

Zum besinnlich werden 😉 Auch für mich. Und ganz wichtig: diese Erkenntnis dieses Mal nicht wieder vergessen! So wie die fünfmillionen Male zuvor.

Denn Gas geben können wir auch später wieder! Der Weihnachts-Trubel holt uns schon schnell genug wieder ein. Und das nächste tolle Event kommt auch bestimmt. Ganz sicher!

P.S.: Der altkluge Streber-Engel -also known as Mutti’s Bauchgefühl- sollte Recht behalten. Besser wurde heute nix mehr. Das Kind fiebert hoch, geht morgen zum Arzt und wird hoffentlich ganz, ganz bald wieder gesund.


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