Der Arsch in mir: Warum Mutter-sein manchmal „sucks“

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Zornesrot funkelt er mich an. Mein Größter. Schreit mich mit zitternder, bebender Stimme an: „EY! Du bist SO doof!“

Bämm! Mitten in’s Gesicht! Das saß.
Und jetzt muss ich es sein. Ich muss jetzt der Arsch sein.
Der Arsch der reagiert, agiert und als Spielverderber in Person fungiert.
Aber das bin ich ja bereits. Pardon. Doof natürlich! Ich meinte ich bin doof.
Geht man zumindest nach dem pupertären Halbstarken. Ja, ich werde den Begriff „vorpupertär“ in diesem Zusammenhang nicht mehr verwenden! Denn wir sind hier definitiv eine Ebene weiter.

So viel steht fest. Und mir graut vor all dem was jetzt noch kommen mag. In den nächsten Jahren. Bin ich dem schon gewachsen? Nun, ich werde es gezwungenermaßen sein müssen. Muss mich an diese Rolle nur noch gewöhnen. An die des unfairen nervigen Spielverderbers. Vermutlich werde ich auch an der Aufgabe Pupertät wachsen, reifen und später weise und milde über diese Zeit lächeln und berichten können.

Denn ich befürchte in der Tat: „The best is yet to come!“. 

Was geschah? Nun, die beiden Großen wollten zusammen mit dem Freund Minecraft (was sonst) spielen. Bei uns im Wohnzimmer. Solche Gelegenheiten nutze ich sehr gerne um meine Hausarbeiten zu erledigen. Begrenzte Gelegenheiten, denn die Konsolen-Zeit ist bei uns auf max. eine Stunde pro Tag beschränkt. Und da während dieser Zeit die Kleinste mit Feuer und Eifer mitkuckt und auch ein bisschen am Controler spielen darf – sie kann da mehr als ich – habe ich Zeit Liegengebliebenes aufzuarbeiten. So der Plan.

In der Praxis „durfte“ die Kleinste heute nicht mitmachen. Controler waren besetzt und wirklich Bock auf akustische Untermalung in Form von Ratschlägen und Weisheiten einer Vierjährigen hatte niemand der mehr als doppelt so Alten. Das Resultat? Presslufhammer-lautes Geplärre und schiere Verzweiflung. Nutzte nix. Es lies sich niemand von beeindrucken und erweichen. Sehr zu meinem Ärgernis.

Nun, ich gebe zu in solchen Situationen überwältigt mich einfach das eigene Temperament. Kurzentschlossen schaltete ich die Konsole aus. Wenn die Kleine nicht darf und „integriert“ wird, dann spielt eben keiner! Die Reaktion darauf kennt ihr ja jetzt bereits.

Hat er Recht? Vermutlich. Sicherlich hätte ich die Sache auch irgendwie anders lösen können und somit fielen vier Kinder meiner forschen Kurzschlussreaktion zum Opfer! Andererseits kann und DARF ich es nicht akzeptieren, dass mein Kind mich vor den Augen und Ohren anderer derart bezeichnet und anschreit. Das ist ein No-Go! Da müssen Konsequenzen folgen! Nun, das Pulver hatte ich ja bereits verschossen. Wie unklug von mir. Gut, schickte ich den Großen eben auf sein Zimmer und den Nachbarn heim. Denn ich muss in solchen Situationen Autorität zeigen und verdeutlichen, dass ein solches Verhalten der eigenen Mutter gegenüber nicht folgenlos bleibt. Richtig?

Aber es macht verdammt nochmal keinen Spaß!

Das Arsch-sein-müssen! Und dennoch werde ich es in Zukunft immer und immer wieder sein müssen. Im heutigen Fall hat der große Knall jedoch auch eine gute Seite. Die Mittlere und die Kleinste haben gerade wunderbar zusammen Faschings-Clowns aus Tonpapier und „Play-Mais“ gebastelt und spielen gerade mit diesen. Warum geht das nicht gleich so? Warum muss Mutti erst zum sabbernden-keifenden Motz-Saurier mutieren, damit’s wieder läuft!?

Und der Große? Ist zur Oma geflüchtet. Hat sich abholen lassen. Damit ist die Situation zwar nicht gelöst und das Problem angepackt, aber vorerst entschärft. Es wird nachher noch ein Mutter-Sohn-Gespräch in Ruhe geben müssen. Ganz klar. Aber vielleicht ist es ganz gut so. Vielleicht haben sich unser beider Gemüter bis dahin wieder ein klein wenig beruhigt. Ich werde nicht nur eine Entschuldigung vom Sohn verlangen, nein, auch ich habe meinen Fehler einzugestehen. Es war vielleicht wirklich unfair von mir gleich das Spiel für alle zu beenden. Das Entschuldigen von meiner Seite ist also wichtig. Und vermutlich werden wieder mal neue Regeln festgelegt und ausgehandelt werden müssen. Regeln, was den respektvollen Umgang miteinander betrifft sowie den der Geschwister untereinander.

Ich mach’s nicht gern. Aber genau das bedeutet Eltern sein. 

Ich habe einmal gelesen, Mütter-Blogs würden aussterben sobald die Kinder dem Kleinkindalter entwachsen sind. Weil die Muttis dann nix mehr zu berichten hätten. Weil es dann nicht mehr gilt Beikost- und Trage-oder gar Still-Tipps zu verbreiten. Weil all die süßen Themen verschwunden sind. Weil die Muttis wieder arbeiten gehen, nicht mehr nur Glucke und Muttertier sind und der Fokus nicht mehr komplett auf dem Kind liegt.

Das ist Quatsch! Mutter sind wir ein Leben lang! Nur die Themen und Probleme ändern sich! Zu erzählen und berichten wird es IMMER genug geben! Ganz gleich wie alt die Kinder sind und welche Phase diese gerade durchleben. Der Blog wird sich wandeln im Laufe der Zeit, so wie wir es selbst tun.
Doch ein Mutter-Blog ist nicht zum Aussterben verdammt, nur weil er den Pampers und Baby-Schühchen entwachsen ist.
Er wächst nur einfach selbst mit. Das ist alles, wenn Ihr ich fragt 😉

Wir hatten diese Woche übrigens noch mehr solche Momente. Der Große und ich. Mal war ich die Böse weil wir morgens „zu spät“ los fahren (er kam immer pünktlich in die Schule), mal war’s das Handy-Verbot vor der Schule. Ich hatte eigentlich nur an diese Regel (schon wieder eine!) erinnert.

Wie dem auch sei: Blöd war ich diese Woche schon oft.
Daran sollte ich mich wohl gewöhnen. Wir können es uns noch so sehr vornehmen. Es überall und Allen kundtun: „Uns erwischt die Sache nicht mit der Pupertät. Das Mutter-Kind-Verhältnis ist zu innig, zu gefestigt, als durch SO etwas nachteilig beeinflusst zu werden“.

Bullshit! Am Ende gehen wir wohl einfach als „die Blöden“ durch diese Zeit.
Besser wir akzeptieren es und versuchen trotzdem drüber zu lachen.

Probier ich gleich auch mal aus. Muss nur noch vorher irgendwas kaputt machen. ‚Nen Karton zerreißen. Oder in’s Kissen schreien. Dann geht’s gleich wieder.

Und heute Abend, wenn er wieder nach Hause kommt, nimmt die doofe Mutter das große Baby ganz feste in den Arm. Mit Bussi! Voll blöd, peinlich und eklig! Aber von Nöten!

Ganz später am Abend dann, wenn auch der Kerl mit der mittlerweile gleichen Schuh-Größe wie Mutter endlich eingeschlafen ist, erhebe ich mein Glas!

Auf alle blöden Eltern da draußen! Und auf alles was DA noch kommen mag! 

Eure

Alex

 

 

 

 

 


6 Gedanken zu “Der Arsch in mir: Warum Mutter-sein manchmal „sucks“

  1. Hauptstadtpflanze Antworten

    Hui, keine leichte Auseiandersetzung.Danke, dass Du auch von dieser Zeit berichtest. Mein Sohn und ich sind noch 5 Schuhgrößen auseinander, aber nen Karton zerreißen könnte ich natürlich auch schon. Ab und an.
    Und sicher hat es auch etwas tolles, wenn die Kinder so groß sind, dass man in den Schuhen des anderen laufen könnte – zumindest symbolisch. Liebe Grüße, Svenja

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  2. Mama steht Kopf Antworten

    @ Svenja: Sehr schön beschrieben! Ja, diese Zeit hat auch ganz viele tolle Seiten! Zusammen Achterbahn und Inliner fahren oder in’s Kino gehen sind nur einige Beispiele. Ich werde vermutlich noch viel zu berichten haben! 😉

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  3. kunterbunt79 Antworten

    Oh ja, das kenne ich von uns…ich mit unserer Großen…verstehe dich da zu gut…bin auch immer die böse, schlimme Mama

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  4. kleinstadtloewen Antworten

    Ich lese immer gerne in Blog von älteren Kindern (meine sind aktuell 4 und 6), dann hab ich schon eine Ahnung, was da noch so alles kommen kann 😀 ALso, keine Sorge, die Leser werden Dir bestimmt nich ausgehen! 🙂

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  5. flitzerglitzer Antworten

    Ja, so ist es leider. Mamas sind doof. Zwei meiner Kinder haben meine Schuhgröße längst überholt und ich kann nur sagen, es wird nicht besser, aber anders ;-). Doch hoffe ich, dass ich nicht mehr allzu viele Kartons brauchen werde ?

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    1. Mama steht Kopf Antworten

      …sind keine Kartons vorhanden helfen abends auch gerne Bier und Eierlikör 😉 LG!

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