Die Einsamkeit der Mütter

Sie schleicht sich in unser Leben. Ganz klammheimlich und unbemerkt. Und plötzlich ist sie da. Ist ES da: Dieses Gefühl tiefster und elendigster Einsamkeit. Ganz ohne Vorwarnung, niemand hat es uns zuvor verraten! Und doch bist Du es auf einmal, kannst es Dir vielleicht gar nicht erklären. Schon gar nicht, wie es überhaupt jemals dazu kommen konnte! 

Denn was waren wir vor unseren Kindern?

Ich versuche mich selbst mal zu erinnern:

Wir waren tolle Frauen, selbstbewusst, selbstständig. Jung und schön! Womöglich stets unterwegs. Auf Reisen. Am Feiern. On tour mit Freunden. An sozialen Kontakten mangelte es nicht, waren wir an der Arbeit doch jeden Tag unter ausgewachsenen Menschen. So sehr, dass der Couch-Abend vor dem Fernseher (der heute fast gar nicht mehr stattfindet) eine willkommene, ruhige Abwechslung war.
Wir hatten Verehrer und Bewunderer, haben geflirtet und gescherzt.
Wir saßen mit der besten Freundin in der Mittagspause im Cafe und haben gelästert, über das andere Geschlecht, über den Chef, über das Umfeld. Vergaben vom Eiscafè aus Noten an die vorbeilaufenden Passanten, bewerteten belustigt Klamotten und Stylings und genossen unser Leben in vollen Zügen.

Und dann wurden wir Mutter.

Selbstverständlich waren wir glücklich, erfüllt von unfassbarer Liebe zu diesem neuen Wesen und überwältigt von uns bislang völlig unbekannten Gefühlen!
Aber auch einsam. Sehr einsam!

Denn plötzlich bist Du die ganze Zeit in Deinem eigenen Zuhause. Von früh bis spät. Starrst stillend die Wohnzimmer-Wand an. Wandelst erschöpft und übermüdet das schreiende Baby tragend und schaukelnd von Raum zu Raum. Das, wofür Du Dir früher gerne auch mal „frei“ genommen hast, wird Dir immer mehr zur erdrückenden Last:
Das „Daheimsein“.

Nun, ich muss zugeben, ich komme ganz gut zurecht mit dem daheim bleiben. Sonst hätte ich es längst nicht so lange ausgehalten. Und die derzeitige Situation zwischen Daheimsein und wohin zu meinen Projekten fahren, die gefällt mir sogar ganz gut!

Aber es gibt so unendlich viele Mütter, für die insbesondere das erste Babyjahr keine reine glückselige Freude ist.

Sondern nicht allzu selten sogar eine triste, einsame Qual.
Und manchmal ist es einfach nur das, dieses Empfinden, welches diese Frauen so schnell wie möglich wieder zurück in den Beruf drängt.
Wie ein Vogel, der aus dem goldenen Still-Wickel-Sabber-Käfig entfliehen darf.
Für ein paar kurze Stunden. Ich kann das voll und ganz verstehen und nachvollziehen, auch wenn es mich selbst nicht wieder zurück zum alten Arbeitsplatz zog. Bis heute nicht. Nach all den Jahren. Eine Entscheidung, die noch immer auf mich wartet.

PicsArt_03-05-11.07.15Auch ändert sich dieser Zustand, dieses Gefühl des Alleinseins, nicht so schnell. Es tut mir leid, jetzt einigen diese Illusion zu nehmen. Auch nicht, wenn die Kinder älter werden. Schon gar nicht wenn mehrere Kinder vorhanden sind!
Selbst ein Wiedereinstieg in den Beruf ändert nur ein klein wenig, denn ihr werdet am Feierabend erst Recht keine Zeit mehr für Freunde haben, denn dann ist die Familie wichtig! Und das ist auch gut und richtig so! Somit kehren zwar die ersten sozialen Kontakte durch die Arbeit wieder zurück, aber es wird eben nur die Arbeit sein.

Doch nochmal zurück zur allerersten Anfangszeit:

Freundschaften gehen leider kaputt in der Babyzeit, sei es durch unterschiedliche Interessen und Tagesabläufe oder einfach mangels Zeit. Kontakte verlieren sich. Am Anfang, noch in der Baby-Blase fällt uns das vielleicht noch nicht einmal auf. Doch ist diese erst einmal zerplatzt schleicht es sich ein: Das Gefühl völlig alleine da zu stehen. Dann ist zwar die Blase geplatzt und wir erfinden und entdecken uns selbst wieder neu. Werden wieder mehr Mensch statt nur Mutter, finden zu uns und unseren neuen, eigenen Interessen. Aber wir tun dies ganz alleine. Ist ja keiner mehr  da. Das müssen wir uns alles im Zweifelsfall wieder zurück erkämpfen!

Ich zog damals mitten in der Elternzeit um. Wir hatten unser Haus neu gebaut und einen hübschen kleinen Ort zum Großziehen unserer Kinder gefunden. Wohlbehütet können sie hier aufwachsen, können sich ohne Ängste draußen bewegen, wachsen quasi „auf dem Land“ auf. So, wie man sich eine unbeschwerte Kindheit eben für die Kleinsten wünscht! Doch für mich war’s nicht ganz so leicht. Am Anfang. Noch weiter weg von der Heimatstadt und dem dortigen alten Arbeitsplatz. Kaum Anschluss , denn ich war ja mit Kleinkindern zu Hause. Dieser Herausforderung war ich mir anfangs gar nicht bewusst.

Was ich daraus erkannt habe?

Wir Mütter dürfen auch während der Babyblase den Kinderwagen nicht blind durch’s Leben schieben! Wir sind auch wichtig und brauchen Anschluss und soziale Kontakte! Und Kinder bieten wiederum auch Möglichkeiten eben jene neue Kontakte zu knüpfen und andere Mütter und Gleichgesinnte kennenzulernen!

Vielleicht besuchen wir Mütter deshalb diese ganzen Dinger: Pekip, Babyschwimmen, Musikgarten. Unter dem Deckmäntelchen des Förderns hoffen wir einfach nur mal rauszukommen und unter andere Erwachsene zu kommen! Verzweifelt suchen wir Kurse und Kontakt zu anderen Müttern. Um uns dann letztendlich nur noch über Kinderkrankheiten & Co. zu unterhalten! 😉

Aber die Themen werden besser, je größer der Nachwuchs wird!
Wer hätte mich beispielsweise noch vor zehn Jahren am Rande irgendeines Fussballfeldes vermutet! 😉

Doch auch ich verspüre heute noch, obwohl meine Kinder bereits 10, 8 und 4 Jahre alt sind, ab und an noch dieses verflixt-unbefriedigende Gefühl des Alleinseins.

Wir sind also auch mit größeren Kindern noch immer eingebuddelt und hängen fest zwischen all den Terminen für und mit den Kindern, den eigenen Arbeitsstunden (ob nun Vollzeit, Teilzeit oder gerinfügig) und dem Haushalt.
Wir können einfach nicht auch noch Freundschaften in dem Umfang pflegen, wie wir es früher vielleicht getan haben!

Ich mache mittlerweile wieder Dinge. Für mich. Komme raus und knüpfe soziale Kontakte. Durch die Sache mit dem Kindergarten-Englisch/Musik und Anderes.
Doch das sind Kolleginnen und die Mütter meiner Schüler.
Es sind noch immer nicht die guten Freundinnen, die Dich in den Arm nehmen und stundenlang bei einer Flasche Wein, gerne auch Bier, gemeinsam über das Leben philosophieren.

Ich beobachte immer mehr in meinem Umfeld, dass die meisten Familien einfach nur unter sich sind.

Die haben alle keinen riesengroßen Freundeskreis mehr. Weil dazu keine Zeit ist.
Wir Familien haben unseren eigenen Kosmos, unser eigenes Universum und nehmen den Rest im Alltag gar nicht war. Weil dazu einfach keine Reserven mehr vorhanden sind.

Umso mehr freue ich mich übrigens, dass wir dieses Jahr vermutlich wieder gemeinsam mit unseren Freunden in den Urlaub fahren werden!
Freunde, die leider nicht vor Ort wohnen, uns aber dennoch ans Herz gewachsen sind! Weil wir unseren Kosmos auch einfach mal verlassen müssen! Ich dachte lange Zeit in den Sommerurlaub fährt man als Familie alleine. Bullshit! Wir alle neun haben den letzten gemeinsamen Urlaub sehr genossen! Kinder, die miteinander spielten, Erwachsene, die miteinander reden konnten, Ehepaare, die sich nicht vor lauter zu vielem Zusammensein ankeiften! Das ist einer Wiederholung wert!

Und vielleicht ja schon einmal ein kleiner Anfang!

Denn ist es nicht beruhigend zu wissen, dass alles wieder kommt?
Wir müssen nur selbst auch etwas dafür tun und die Möglichkeiten, die sich uns bieten sehen, wahrnehmen und schnell greifen! Solange, bis es sich genauso wieder aus unserem Mama-Leben verzieht, wie es sich eingeschlichen hat. Dieses Gefühl.
Denn vielleicht ist es ja auch nichts Anderes? Einfach ein Gefühl, das kommt und geht. Mal mehr, mal weniger!

Und jetzt geht raus, liebe Mamas! Trefft Euch wo immer ihr wollt, auf dem Spielplatz, beim Kinder-Yoga, im Cafè. Telefoniert und schreibt wann immer es Euch möglich ist! Und klappt das alles mal eine Weile nicht, verlasst Euch auf die Gewissheit:
Mit all‘ diesen Gefühlen und Gedanken seid ihr eben eines nicht: Alleine!

Eure

 

Alex

 

P.S. Wie habt Ihr die erste Zeit mit Baby empfunden? Und wie geht es Euch heute, mit vielleicht schon älteren Kindern? Erzählt, berichtet, kommentiert, widerlegt hier an dieser Stelle doch gerne! 


8 Gedanken zu “Die Einsamkeit der Mütter

  1. Ich hatte mir von Pekip und den ganzen Kursen auch soziale Kontakte versprochen, allerdings ergab sich daraus nur in einem Fall etwas. Im zweiten Geburtsvorbereitungskurs lernte ich eine andere Mutter kennen, mit der ich mich auch anfreundete. Ansonsten blieb es leider immer nur eine nette Kurs-Zeit, aber darüber hinaus keine Freundschaft. Vielleicht bin ich zu wählerisch.^^

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  2. Das hast du sehr schön geschrieben. Ich hab als Mama auch ganz von vorne angefangen. Ich war vorher eh relativ neu in der Gegend, komme aus einer Stadt 300 km nördlich, und als ich als erste Mama aus dem neuen Bekanntenkreis wurde, hat das das zarte Pflänzchen dieser Freundschaften ganz schön belastet. Einige sind dabei auf der Strecke geblieben, und ich habe mich gerade in dem ersten Babyjahr sehr oft allein gefühlt. Aber wie das so ist, das gibt sich alles mit der Zeit. Heute – vier Jahre später – bin ich sehr sehr angekommen. Und die kinderlose Freundin aus der damaligen Zeit, die mir geblieben ist, die ist es auch wirklich wert. ❤ Ganz liebe Grüße, Sonja

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  3. Ich habe das etwas anders erlebt. Mit meiner Großen bin ich im zweiten Semester an der Uni schwanger geworden. Zu diesem Zeitpunkt war Familiengründung für meine Freundinnen natürlich noch kein Thema. Aber an unserer Freundschaft hat das nichts geändert. Klar, ich bin nicht mehr mit ihnen fort gegangen, aber wir haben halt immer wieder zuhause gefeiert 😉 Im Kindergarten meiner Mädels haben wir dann viele neue Freunde gefunden. Zu vielen haben wir einen engen Kontakt, obwohl unsere Kinder nicht zusammen zur Schule gehen. Da aber die Zeit bei uns Mamis immer ein bisschen knapp ist, laden wir die anderen Mamis gemeinsam zu uns ein. Dann spielen alle Kinder miteinander und die Erwachsenen können sich in Ruhe bei einem Glas Prosecco unterhalten.
    Gemeinsam mit Freunden in den Urlaub fahren, finde ich übrigens auch ganz toll. Das ist mit Kindern viel entspannter, wenn es mehr Spielkameraden gibt 🙂
    Liebe Grüße, Simone

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  4. Ja, irgendwie dreht man sich im Kreis. Bei uns war noch eine lange Krankheit des Kindes sehr isolierend für mich. Wenn man den ganzen Tag nicht raus kommt und Abends platt ist.

    Aber jetzt wenn es wieder wärmer wird, sind z. B. die Spielplätze ein toller Treffpunkt im Ort.

    Danke fürs Mitmachen bei #bestofElternblogs

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