Vom Bauchgefühl & der Kunst, immer das Richtige zu tun

Donnerstag. Lange habe ich überlegt, ob ich über den heutigen Tag tatsächlich einen Blog Post schreiben soll. Und bis noch vor wenigen Minuten war ich mir sicher:
Nein, das will ich auf keinen Fall! Dieser trübe und verschneite März-Donnerstag war schlichtweg das typische Beispiel eines Tages zum „in die Tonne kloppen“.
Er hätte restlos gestrichen werden können, bis auf die hübschen, neuen Schuhe, die ich mir vor lauter Frust bestellt habe, die Pizza und das Eis danach. Was soll es an einem solchen Tag also schon Unterhaltsames und Berichtenswertes geben?

Doch wenn mich dieser Tag heute etwas einmal mehr gelehrt hat, dann die Tatsache dass ich meine Kinder am Besten kenne! Oder vielleicht doch nicht? 😉

Dennoch wage ich zu behaupten, dass dies sicherlich bei jeder Mutter so ist und wir verdammt nochmal auf diese Gewissheit vertrauen sollten!
Auch wenn diese altkluge Weisheit uns in die verschiedensten Gewissenskonflikte bringt.
So wie mich heute.

Seit dem Vortag lag sie mir in den Ohren, die Mittlere. Der Finger schmerzte, eine andere Mitschülerin sei in der Hausaufgaben-Betreuung darauf getreten. Selbstverständlich sagte sie dies nicht ohne den üblichen -an mich gerichteten- vorwurfsvollen Blick:
DIE Hausaufgaben-Betreuung, die sie nun einmal deshalb besuchen musste, weil ICH Vertretungs-Kurs im kleinstädtischen Kindergarten geben musste.
Wäre ja alles nicht passiert, hätte ich sie einfach früh per Mama-Taxi nach Hause chauffiert!
Was ein einzelner Blick vermeintlich so alles verrät! 😉

Wie aber so etwas in der Schule passieren kann? Nun, meine Tochter war „der Hund“. Mehr möchte ich -nicht ohne ein heimliches Augenrollen- vom Inhalt des dortigen Spieles nicht erklären. Es ist auf jeden Fall typisch für die Mittlere.

Ebenso typisch ist das stete Gejammer bei auch nur der kleinsten Verletzung.
Und ich bin nicht etwa kaltherzig und ignorant! Sie übertreibt wirklich!
Denn sie genießt es, für diesen Moment ganz, ganz wichtig und fürsorgebedürftig zu sein!
Das macht es zum Einen schwer, den Ernst der jeweiligen Lage einzuschätzen
(gebrüllt wird ja immer) und außerdem greift hier offensichtlich das Klischee des vernachlässigten mittleren Kindes. Gott! Schon fühle ich mich wieder schrecklich! Was führt dazu, dass das immer so sein muss!? Bin ich daran schuld?
Ich tröste, umarme, wickele Kytta-Verband und beteuere, dass bestimmt alsbald alles besser ist. Vergebens.

Am Morgen geht’s weiter:
Ich bekomme detailliert sämtliche Bewegungen geschildert, bei denen der Finger schmerzt und vorgeführt, worin sich beide Mittelfinger unterscheiden.
Mist! Jetzt sehe ich leider auch den leicht bläulich-angeschwollenen Unterschied.
Und jetzt kommt eben dieser blöde Moment, an dem ich nicht länger ignorieren kann. Obwohl ich fast weiß, dass da nix gebrochen ist! Sie kann den Finger problemlos knicken. Und fast scheint es mir ein klein wenig so, als ob sie sich gerade Mühe gibt, einen besonders schmerzverzerrten Gesichtsausdruck aufzulegen.
Klar tut’s ihr sicher weh. Aber doch nicht SO!?
So zumindest meine Überzeugung zu diesem Augenblick.
Ich „kenne“ sie doch und muss nun trotzdem handeln. Allein meiner Verantwortung als Mutter wegen und auch ein klein wenig deshalb, um ihr zu vermitteln, dass ich sie ernst nehme und sie mir absolut wichtig ist!
Zu Hause bleiben ist also keine Option mehr. 

PicsArt_03-23-01.57.59Eine Stunde später finden wir uns in der Notaufnahme des Provinz-Krankenhauses wieder. Jedwede längere Fahrt wäre mir der Finger ehrlich gesagt auch nicht wert gewesen. Doch bereue ich schnell meine Wahl des Krankenhauses, müssen wir doch letztendlich nahezu drei Stunden dort verbringen!

Während wir uns die Wartezeit in der Cafeteria verkürzen wollen, um uns dort mit Kaffee und heißer Trink-Schokolade (von der ich ganz genau weiß, dass sie ihr nicht schmecken wird) einzudecken, gelange ich prompt in den nächsten Gewissenskonflikt:

Gedankenverloren rühre ich billiges „Kakao“-Pulver in heißes Wasser aus dem Automaten und verschließe den Pappbecher mit dem „To-Go“-Plastik-Deckel. Offensichtlich jedoch nicht feste genug. Ich befinde mich noch im Bezahl-Vorgang, als sich die Mittlere den Kakao sowie das ausgewählte Teilchen schnappt und kurze Zeit später laut aufschreit. Ihr könnt Euch denken, was passierte.

Es war meine Schuld, ganz klar und was darauf folgte war auch far away von dem, was eine anständige Mutter nun hätte tun sollen! Statt mein armes Kind zu schnappen und mit den vom heißem Kakao bedeckten Pfoten zum nächstbesten Wasserhahn zum Kühlen zu sprinten, schnappte ich mir perplex wie ich war als erstes alle auffindbaren Tücher. Und versuchte Herr der überdimensionalen Sauerei zu werden.
Mein Kind setzte ich einfach hastig tröstend, jedoch anscheinend völlig kopf- und gedankenlos auf den Stuhl.
Doch muss ich zugeben, ordnete ich unterbewusst bereits während des Verschüttungs-Vorgangs den eigentlichen Schmerzfaktor aufgrund des Brüll-Grades ein. Anscheinend stufte ich ihn als nicht ganz so bedenklich ein. Womit ich Recht behalten sollte, wie sich nach nur wenigen Minuten herausstellte!
Doch war ich diejenige, die nun strafende Blicke kassierte und wirklich saublöd dastand. Zu Recht.
Und um alle zu beruhigen: Selbstverständlich haben wir gleich darauf die Hände gekühlt und alles war halb so wild und gut. Weil ich mein Mädchen kenne. Und dennoch hätte geschickter handeln können!
Weil ich trotz der drei Kinder in diesem Moment eben nicht „das Richtige“ getan hatte. 

Weil ich aber auch mein Mädchen kenne, war der Finger Gott-sei-Dank (!) nicht gebrochen und ein erneuter Kytta-Verband sollte als einzige und alleinige Behandlung ausreichen. Oh! Was hätte ich in den drei Stunden alles tun können! Doch ein Ignorieren war nun einmal keine ernst zu nehmende Alternative gewesen.

Es sollte keine weitere halbe Stunde dauern, da bekam ich einen Anruf aus der Kita.
Die Jüngste hätte gebrochen und fühle sich nicht gut. Ich solle sie schnell abholen.
Was ich -gedanklich schon für den Rest des Nachmittags die Kotz-Schüssel haltend- auch tat. Stolz strahlte mich mein kleines Mädchen schon am Eingang ob des hübschen Ersatz-Pullovers an.
Sich-nicht-gut-fühlen sieht anders aus.

Auch zu Hause ging es ihr gut und so ließ ich sie sogar noch kurz die Oma im Nachbarort besuchen,  weil sie sich das so sehr wünschte. Während mein Baby auf Oma-Besuch war, rief mich nochmals die Kita an:
Die Information, dass sich mein Kind kurz vor dem Erbrechen arg den Kopf gestoßen hätte, sei beim Abholen völlig vergessen worden. Ach!
Ich solle dies bitte noch berücksichtigen und zur Kenntnis nehmen, mache man sich doch nun ziemliche Gedanken.
Ich fand das sehr aufmerksam und war dankbar für diese nachträgliche Information. Doch was soll ich sagen?

Wäre sie nun mein erstes Kind und würde ich mein kleines Mädchen nicht so sehr kennen: Womöglich wäre ich wieder panisch ins Krankenhaus gefahren. Ihr wisst, was dort beim Verdacht auf Gehirnerschütterung gemacht wird? Ich entschied mich für’s zur Kenntnis nehmen, abspeichern und ließ sie weiter bei der Oma. Als sie später wieder zu Hause war, konnte ich weder Beule noch andere Auffälligkeiten (Pupillen etc.) erkennen und war somit für meinen Teil beruhigt. Weil ich mein Mädchen kenne!

Wie sich später herausstellen sollte, hatte sie im Kindergarten während einer Geburtstagsfeier eigenen Berichten zufolge „eine eklige schwarze Rolle“ gegessen.
Offensichtlich fand sie Haribo-Lakritz-Schnecken halt schlichtweg zum Kotzen! 😉

Doch auch hier geriet ich kurz in’s Schwanken, ob denn nun meine Entscheidung zu leichtfertig war.
„Warum nimmst Du das jetzt nicht ernst und die jungen Erzieherinnen tun es?“.
Weil ich mein Kind kenne und sehe ob es ihm schlecht geht oder nicht!

Am Abend tobte die größte Kissenschlacht, mein Kind futterte Nudeln und alles war gut!

Nun aber war ICH erledigt.
Irgendwann zwischen meinem herrlich-egoistischen Lauf um den See und dem stundenlangen Popo-Plattsitzen im Krankenhaus entschied sich meine unterschätzte Erkältung mit voller Härte zurückzuschlagen und der Kehlkopf machte mir schwerst zu schaffen. „Anschreien“ konnte ich die Brut heute zumindest nicht mehr 😉
Leider auch keinen Nachmittags-Kurs im Kindergarten geben. Ich musste absagen. Kommt blöd, so ganz ohne Stimme 😉

Doch auch solche Tage, an denen alles durcheinander läuft,  muss es wohl geben.
Und wenn sie letztendlich am späten Abend dann doch noch zu einer Erkenntnis führen, können sie ja wohl nicht ganz so verloren gewesen sein.

Die Erkenntnis nämlich, dass wir Mütter ruhig auf unser Bauchgefühl vertrauen sollten! Das liegt in den meisten Fällen was unsere Kinder betrifft richtig! Weil nur wir so eng mit diesen verbunden sind und sie in- und auswendig kennen!
Und da gilt es einfach, sich nicht verunsichern zu lassen!

Und dann aber trotzdem dabei das Richtige zu tun!
Und ich befürchte, das gelingt mir selbst nach drei Kindern nicht immer! 😉

Eure

Alex

Nachtrag:
Am frühen Freitag Morgen rief mich das Krankenhaus an. Ich möchte mit meiner Tochter doch vorsichtshalber zum Schienen des Fingers vorbei kommen. Man(n) sei sich inzwischen nicht mehr sicher, ob nicht doch etwas mit der Sehne sei, eventuell eine Ausrissfraktur vorliegt.
Insofern war es zwar noch immer -entsprechend dem mütterlichen Bauchgefühl- kein richtiger Bruch aber es war nun unbestritten die RICHTIGE Entscheidung gewesen, gestern in’s Krankenhaus zu fahren!
Und vor allem mein liebes Kind ernst zu nehmen!

Hinter-listiges Bauchgefühl hin oder her 😉 

 

 

 


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