Under Attack: Heuschnupfen

Es ist jedes einzelne verdammte Jahr das Gleiche! Ich freu mich wie Bolle auf den Frühling, überrede mit Engelszungen die schläde Holle doch endlich mit dem Väterchen Frost zu brechen und sich schleunigst mit dem dahergelaufenen Softie, welcher sich da Frühling nennt, zu versöhnen und stelle kurze Zeit später fest:
Ich bin im Arsch! So was von!

Es überfällt mich! Jedes einzelne Mal! Jahr für Jahr von Hochsommer bis April erfolgreich verdrängt (nach mir die Sintflut!) holt er mich doch wieder ein.
Der denkbar größte Mist, der einem zur allerschönsten Blüte- und Brunft-Zeit widerfahren kann!: F……, besch…… Heuschnupfen!

Jeden Tag das Gleiche:

Ich versuche der Tochter das Übungsdiktat vorzulesen und kann es nicht, muss ja erst die Nase zum Abschwellen bewegen.
(Ich finde es ganz entsetzlich mit verstopfter Nase zu sprechen!)
Ich möchte eine Nacht entspannt schlafen und kann es nicht.
Muss erst versuchen, die Nase frei zu bekommen und saufe in folge jenes gescheiterten Versuchs eine ganze Wasserflasche leer.
Ei, Schnarchen und Röcheln trocknet halt den Mund so furchtbar aus 😉

Ich schminke mich am Morgen akribisch mit dem teuren, neuen Maskara, um mich direkt im Anschluss inmitten eines apokalyptischen Niesanfalles wiederzufinden.
Clown-Look, Abschminken und erneutes Wimpern-tuschen inklusive.

Die Nase juckt und kribbelt, der Hals kratzt, ich fühle mich angeschlagen. Dauerangeschlagen!

Und dann die Sache mit den Augen. Diese verdammte Kiste mit dem Augen-Jucken!

PicsArt_04-17-07.08.57Erst gestern picknickte ich mit der Kleinsten im eigenen Garten. Vor der noch größeren hübsch mit Blumen bewachsenen Wiese. Was sich ja nun einmal auch anbot in Anbetracht des endlich erwachten, wunderschönen Frühlings. Ich hätte gleich ahnen können, dass eben dieses Saft- und Kekse-Mahl im Grünen kein gutes Ende nehmen würde.

Kurze Zeit später hatte ich verloren.

Konnte dem Drang, mir die Augen nahezu auszuribbeln, nicht widerstehen und sollte die Quittung wenige Minuten später im eigenen Spiegelbild zu Gesicht bekommen. Insofern man von dem meinen Gesicht überhaupt noch sprechen konnte. Ich hatte nicht nur rote Augen, nein (!) wir reden hier von überdimensional angeschwollenen Bindesäcken, verziert mit eklig fiesen Pusteln! In einer anderen Variante schwillt  mir gerne auch einmal das Augeninnere, sprich die Bindehaut an. Ich sollte zu jener Zeit vielleicht doch einmal ernsthaft eine Rolle als Statistin in The Walking Dead in Erwägung ziehen.

Nun, dachte ich mir Stunden später und noch immer verquollen, muss ich mir und meinen Augen eben etwas Gutes tun. Irgendeine verwöhnende, abschwellende Creme aus dem Spiegelschrank sollte also Abhilfe schaffen. Ich wählte „Bachblüten-Salbe“ weil’s so wunderbar natürlich und gesund klang. (Anscheinend auch einer der Gründe gewesen, weshalb ich das Zeug überhaupt erst kaufte)

Während ich mir also hingebungsvoll die allheilende Augensalbe mit dem vielversprechenem Namen  um die Augen klopfte (Augensalbe soll ja immer einfühlsam geklopft statt geschmiert werden), hatte ich vor meinem geistigen Auge eben jene wunderschönen Bachblüten.
Irgendwo im Wald. Die Sonne scheint durch das Dickicht, die Felsen sind von hellgrünem Moos überzogen, das Wasser glitzert und funkelt wie von einem silberfarbenen Schleier überzogen in der Spätnachmittags-Sonne. Und eben diese wunderschönen Blüten am beschaulich vor sich hin plätschernden Wasser.
(Funktioniert offensichtlich gut bei mir, das mit der Werbung – richtige Region im Hirn angesprochen)
Hach! Wie wunderbar!
Gleich wird gewiss alles wieder gut sein!

Ich ging wirklich nur ganz kurz ins Schlafzimmer, um mir die wenigen Teile, welche ich zum Nächtigen benötige, anzuziehen (hasse Schlafanzüge) und blickte nichtsahnend erneut in den Spiegel:
Statt der zauberhaft frisch erholten und regenerierten Waldfee erblickte ich einen armseligen Panda!
Mit roten Kreisen um die Augen!
Sie wollten halt einfach nur noch ihre Ruhe haben, diese vom listigen Frühling gebeutelten Kaninchen-Äuglein.
Entnervt holte ich aus und flammte die Salbe direkt in’s kleine Badezimmer-Mülleimerchen. Soviel Rache muss sein!

Ach und was die verflixte Nase betrifft:

Heuschnupfen-Nasenspray hilft im übrigen einen Sch…..!
Wenn ich das mal so offen und ehrlich gestehen darf. Denn auch wenn mich in der Drogerie die Augen-Cremes mit dem Aufdruck: „Naturkosmetik“ & „Bachblüten“ allzu sehr reizen, hier setze ich voll und ganz auf Chemie-Keule!
Ich habe heute allein schon ungefähr viermal stinknormales Nasenspray benutzt, weil dies das einzige (!) Mittel ist, welches zubetonierte Nasen zum Durchatmen und Abschwellen bewegt! So! Und nun schlagt auf mich ein, liebe Globuli-Fanatiker, ich sprühe derweil noch einmal nach.
Denn der Empfehlungen und Risiken bin ich mir durchaus bewusst, weiß allerdings aus der Vergangenheit, dass es mir bislang jedes Mal (!) gelungen ist, diesen hinterlistigen und teuflischen Kreislauf mit einer Leichtigkeit wieder zu durchbrechen. Folgeschäden sind mir noch nicht aufgefallen.
Und ich lehne mich hier gerade seeehr weit aus dem Fenster – soviel muss ich mir gerade selbst eingestehen 😉

Ich kaufe zu dieser Zeit dann also echte Nasentropfen. Zwar nicht in Loriot-verdächtigen Mengen, aber stets mit dem Wissen im Hinterkopf  „nicht okay was Du da tust….“
Dafür bedarf es zusätzlich auch hier etwas schauspielerischen Talents. Meistens verhält es sich dann nämlich so, dass ich mein allerscheinheiligstes Lächeln aufsetze, artig nicke  und heuchlerisch versichere, mich strikt an die Regeln zu halten und mit den Anwendungshinweisen vertraut zu sein. Nun, in unserem Ort gibt es nur eine einzige Apotheke! Meinen „Stoff“ werde ich mir wohl künftig anderweitig besorgen müssen 😉

Auch möchte ich nicht gerne Tabletten nehmen.

Da diese ja bekanntlich eine unüberwindbare, narkotische Müdigkeit mit sich bringen. Also den Allgemeinzustand einer Mutter wiedergeben und zu allem Überfluss auch noch höchst verschärfen!
Wer bitte schön will denn so etwas!? Ich weiß gar nicht mehr WIE mein tägliches Pensum an Kaffee noch zu steigern ist, noch habe ich keine Lust abends auf dem Crosstrainer schnarchend (ihr wisst schon, die Nase) zusammenzubrechen.

Ich wurschtel mich dieser Tage also mit Akut-Augentropfen, Xylometazolinhydrochlorid Nasenspray (hah! wunderbar abgeschrieben!) und immens schlechter Laune durch.

Nicht mehr so neuerdings mein Sohn!

Denn der war klug! Beziehungsweise waren dessen Eltern sehr klug (selbst auf die Schulter klopf)! Ihr wisst wie das ist, als Eltern möchte man alles besser machen als das eigene Elternpaar früher. Alle verpassten Dinge nachholen und alle Fehler am eigenen Kind ausbügeln. Wenn ICH schon nicht in den Genuss einer Hyposensibilisierung kam (jetzt isses eh zu spät), dann bitte sehr mein armes Kind!

Und zwar zu Recht!
Musste ich ihn doch tatsächlich mehrmals in der Vergangenheit im Frühjahr aus der Kita abholen! Mit dem „Verdacht auf ansteckende Bindehautentzündung“, wohlwissend, dass mein armes Kind einfach nur den blöden Heuschnupfen hatte vererbt bekommen!
Nun, noch hoffte ich damals auf Besserung, doch als jene ausblieb und das Gegenteil der Fall werden sollte, fiel die Entscheidung zur Attacke nicht schwer!
Und fragt nicht erst, ob es da nicht eine natürliche Alternative gegeben hätte!
Es hilft, nutzt langfristig und stört ihn nicht mehr sonderlich, kassiert er doch pro Spritze fünf Euro für’s „Spritzen-Schwein“ ein!
Welches nach Ablauf der drei bis fünf Jahre mit dem Hammer zwecks Anschaffung von
I Phone & Co. geschlachtet werden darf! Geschickt eingefädelt, gell? 😉IMG_20180417_114300118

Ob’s tatsächlich funktioniert mit dem gespritzten Frontal-Angriff, wissen wir aktuell noch nicht ganz so genau.
Nur soviel: Nach einem neunzig-minütigen Training auf dem Fussballplatz inmitten geballter Natur empfand er gestern laut eigenen Angaben nur einen Hauch von Drang kurz dem klitzekleinen Kitzeln im Augenwinkel nachzugeben. Nun, es gelang ihm standhaft zu bleiben und nach Nasenspray hat er noch nicht einmal verlangen müssen. Seine Augen strahlen zumindest noch! 😉

Und nun hoffe ich aufgrund der fast schon sommerlichen Temperaturen auf eine vorzeitige Öffnung des hiesigen Freischwimmbades.

Das kühle Nass käme mir und meinem verfluchten Kopf sehr gelegen. Sollte mich dann jemand suchen: Ich bin auf Tauchstation. Dauerhaft. Sagen wir bis Anfang Juli.
Dann kann ich mich wieder an die Oberfläche trauen!

Ich wünsche Euch allen noch einen wunderschönen, pollenfreien, Frühling!

Eure

Alex


2 Gedanken zu “Under Attack: Heuschnupfen

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