Heute bin ich traurig: Wenn die Seele heilen muss

Sie hat es auf mich abgesehen. Diese lästige, verflixte Fliege.
Eine der wenigen Überbleibsel eines viel zu warmen, doch ganz und gar zauberhaften Herbstes. Lässt sich immer und immer wieder penetrant auf meinem Kopf nieder, surrt mir laut ins Ohr und will mich einfach nicht in meinem Trübsal in Ruhe lassen.

Als wolle sie mich aufscheuchen, mich zum Wieder-Aufstehen zwingen, mich davon zu überzeugen, dass das Leben wunderschön und schillernd ist.
Als wolle sie mir lautstark in’s müde Ohr summen, endlich an all‘ meine eigenen Worte zu glauben. An das Feuerwerk im Kopfe und im Herzen, von welchem ich erst vor wenigen Tagen drüben auf Instagram schrieb.
Welches in genau jenem Moment auch präsent war und mein Herz mit Wärme und Dankbarkeit erfüllte. Dankbarkeit, diese wundervolle Familie, diese fantastischen Kinder zu haben. Dankbarkeit am Leben zu sein!

Und als wollten sie es ihr gleichtun, kitzeln mich nun ebenfalls Sonnenstrahlen auf der Nase. Draußen ist der Himmel knallblau und ich sollte einfach jetzt nicht hier liegen. Sollte an diesem freien, mir zur Verfügung stehenden Vormittag, an diesen drei Stunden, raus gehen! Die frische Luft in mich aufsaugen und mich bewegen. Ein- und Ausatmen und Sport machen. Ganz alleine, nur ich draußen am See.
So, wie ich es so gerne pflege zu tun, bietet sich einmal die Möglichkeit dazu.

Doch heute kann ich nicht.

Denn ich möchte einfach nur versinken. Hier auf der Couch, die Decke tief über den Kopf gezogen. Möchte alles um mich herum nicht wahrnehmen, möchte ruhen und ausblenden. Eine Stunde (so lange habe ich mir den Handy-Wecker gestellt) möchte ich nicht Sein!
Lediglich den eigenen Herzschlag möchte ich hören, die Atemgeräusche und keinesfalls eine Fliege! Denn selbst diese zu jagen: Ich bin zu müde dazu.

Ich schlief furchtbar schlecht die letzten Tage. Sorgen und Gedanken quälten mich, hielten mich bis spät Nachts wach, trieben mich dazu, monoton durch’s Haus zu geistern und einfach erst gar nicht den Weg in das eigene Schlafgemach zu finden. Doch muss ich funktionieren und für meine Kinder da sein. Eine funktionierende und vor allem glückliche Mutter! Voller Energie, Zuversicht und Tatendrang.
Nicht übermüdet und mit einer schmerzenden Seele.

Denn es ist die Seele, die brennt!

Dinge, die mich belasten und trotz aller Offenheit nicht von mir hier auf diesem Blog geteilt werden möchten. Dinge, über die ich nicht schreiben kann!
Menschen, die mich ignorieren und trotz aller gut gemeinten Versuche meinerseits, trotz allem Entgegenkommen, trotz allen Empfindungen die Türe vor mir zuschlagen.
Enttäuschungen, Niederschläge, Rückschläge und Entscheidungen, die ich traf.

Der Pfad, in den ich abgebogen bin, nun er erscheint mir im Moment ein klein wenig duster, lässt mich zweifeln und frösteln und mag mich noch nicht so richtig überzeugen, stramm weiter zu marschieren. Zu sehr peitschen Äste in’s Gesicht, liegen Steine im Weg und lassen das Licht nur schwach durch’s Dickicht scheinen.

Ich verharre aktuell in Schockstarre, beraube mich selbst jeglicher Energie und muss erst einmal innehalten.
Muss einfach nur ruhen und atmen!

Und so lausche ich weiter stur dem eigenen Herzschlag, denn der erhoffte kurze Schlaf, der heilsame Power-Nap am Vormittag, mag nicht auf Kommando eintreten.
Das Schlafdefizit wird mich wohl durch diesen Tag begleiten, doch hoffe ich ein wenig auf Erholung und Regeneration.

Ja, die Seele mag mal wieder heilen. Sie ist erschöpft und lässt traurig Tränchen die Wange herunter laufen. Lässt mich geplagt von Selbstvorwürfen und offenen Fragen auf der weichen Couch niedersacken. Denn wenn etwas kränkelt und heilen muss, dann braucht der Körper Schlaf und die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.
Und auch wenn sonst der Sport eine ganz fantastische Möglichkeit dazu ist und vorübergehend die leuchtendsten Glücksgefühle ausschüttet, so wähle ich bewusst heute diesen Weg.

Es ist ein unruhiger Herzschlag, Dinge plagen mich. Dinge, über die ich nicht immer drüber stehen kann!

Eines meiner Lieblingslieder ist „Mitten unterm Jahr“ von Christina Stürmer.

Ich mag sonst deutschsprachige Lieder nicht so sehr, doch dieses habe ich die letzten Stunden wieder öfter gehört. Denn auch Musik heilt und kann helfen zu verstehen. Sich selbst, die Anderen.

Möglicherweise interpretiere ich sehr viel in diesen Text hinein, zu viel.
Aber er hat mir schon das ein oder andere Mal sehr geholfen.
Wenngleich man ihn auf zweierlei Sicht auslegen kann.
Ich finde ihn einfach wundervoll und werde mich hier in diesem meinen Text nun gleich einzelner Phrasen bedienen.
Weil’s meine Seele wieder aufpäppelt und streichelt.
Weil’s ihr zwar die kurze Ruhepause eingesteht, dann aber wieder das mütterliche Gemüt zum Weitermachen bewegen möchte!

Ich glaube übrigens, das ist es was Menschen, die wirklich schwer an Depressionen leiden, an’s Bett fesselt.

Der klägliche Wunsch und Drang, die Seele heilen zu lassen.
Nun, mir soll eine Stunde reichen.
Die Fliege hat gewonnen!
Fünfzehn Minuten bevor der Handy-Wecker klingelt, raffe ich mich wieder auf.

Die Krone sitzt nur ein bisschen schief, will nur zurecht gerückt werden.

Draußen scheint nun einmal verdammt nochmal die Sonne und bietet mir die Gelegenheit einen wunderbaren Nachmittag mit meinen Kindern zu verbringen!
Ja, ich denke ich werde heute wirklich einmal die mittlere Tochter beim Hunde-ausführen begleiten. Den Haushalt einfach liegen lassen.
Ich möchte durch die Wiesen streifen und wieder das Leben schmecken, mag diese wunderbaren Wesen feste an mich drücken und wieder mit beiden Beinen im Leben stehen. Voll da sein und einfach mal „drüber stehen„!

Ich möchte dem Leben wieder „mit einem Lachen begegnen und mich nur an mir selbst messen“!

PicsArt_11-07-11.59.31Ganz so, wie es der Text dieses Liedes aussagt. Ich möchte gar kein Gewinner sein und Anderen nacheifern. Denn „die Welt ist so, wie man sie sieht“!

Und ich werde verdammt nochmal wieder das Feuerwerk am Himmel sehen!
Und das Strahlen in den Augen meiner Kinder!
Meine Seele ist stark genug, um nicht an dieser ollen Couch kleben zu bleiben und sich von anderen Menschen, bei denen es vielleicht „mitten unterm Jahr schneit“, runter ziehen zu lassen!

Meine Seele ist ein Kämpfer!
So wie jede einer Mutter, die ihre Kinder über alles auf der Welt liebt!
Ich bin eine Mutter, die „krumme Sachen wieder grade biegen“ kann und durchaus „stark genug ist, um auch mal klein zu sein“. Denn eigentlich ist die Welt draußen „sonnenklar“!

Eure

Alex

P.S.
Ich möchte Euch an dieser Stelle etwas über die Augen im Titelbild dieses Blogs erzählen:

Meine Augen. Diese Augen, die ein klein wenig nachdenklich drein blicken. Und auch traurig. Denn während jenes Shootings vor ungefähr zwei Jahren empfand ich eine ähnliche Traurigkeit wie ich es heute tue. Ich fand es ist der Fotografin sehr gut gelungen, diesen Moment einzufangen. Und wenngleich dies hier ein Familien-Blog ist, so finde ich dieses Bild noch immer passend. Habe es nie geändert.
Denn es geht hier nun einmal auch viel um mich. Um meine Gefühle, Gedanken und Empfindungen. Ganz ungeschönt und ab und an dramatisch philosophisch!
Das bin ich! So bin ich! 

Und jetzt steh‘ ich endlich auf! 😉 


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