Weihnachten: Der Zauber besonderer Erlebnisse

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Aufgeregt kaut sie wahlweise auf ihrem Zeigefinger oder aber am Bündchen des von mir sorgfältig ausgewählten Pullis herum.
Reckt das Köpflein und den Hals so weit es nur geht, um auch bloß nix zu verpassen.
In spannenden Momenten kommt die kleine warme Hand und drückt feste die Meine – oder aber der ganze zerzauste Haarschopf sucht die schützende Nähe meiner Schulter!

Und während ich da auf einem der unzähligen Stühle sitze, bin ich froh, meiner kleinsten Tochter gerade dieses Erlebnis ermöglichen zu können.
Denn ich muss an dieser Stelle gestehen:

Ich hatte meine Zweifel!

Wollte beinahe das Handtuch werfen und mit einem Zähneknirschen (ich knirsche unheimlich oft mit den Zähnen in letzter Zeit! 😉 ) auf das bereits ausgegebene Geld pfeifen und mit dem kleinen, trotzigen Wirbelwind einfach zu Hause bleiben.

Denn das war sie zum Zeitpunkt der geplanten Abfahrt von Zuhause:
Unendlich trotzig.
Die Jacke passte nicht, der Rock zwickte und überhaupt, die weiche gemütliche Couch nunmehr zu verlassen, es vermochte mir nicht gelingen, mein Kind davon zu überzeugen.

Dabei hatte ich Großes geplant – für meine kleine Tochter und mich.
Seit Wochen stand der Plan.
Das Buch zur Einstimmung und Vorbereitung war bereits zu Nikolaus verschenkt, die Karten für das Theater in der Heimatstadt längst bestellt!
Ja, ich wollte nur mit meiner Kleinsten ein Familien-Musical besuchen.
Wir beide ganz alleine.

Quality-Time mit nur einem Kind

Meiner Meinung nach noch immer so wichtig, von Zeit zu Zeit!
Davon abgesehen, dass sich bereits beide (!) Geschwister für zu alt für einen derartigen Theater-Besuch hielten!
Selbst schuld kann ich da nur sagen, gut aber für den mütterlichen Geldbeutel! 😉

Ich hatte also die Hoffnung auf ein paar Stunden Abstand vom Alltag und stattdessen einer ordentlichen Portion vorweihnachtliche Stimmung.
Auf ein besonderes Erlebnis – als ich verzweifelt versuchte mein Kind davon zu überzeugen, doch bitte Stiefelchen und Jacke anzuziehen.

Denn wenngleich ich mit Vollgas in den diesjährigen Advent startete, alles gab, damit dieses Jahr der Zauber der Weihnacht wieder erwacht und wir alle (!) eine ganz besonders besinnliche (und neuerdings auch kreative 😉 ) Weihnachtszeit erleben, so waren die vergangenen Tage alles andere als besinnlich.

Ungeahnte Probleme taten sich auf

Probleme, die das mütterliche Herz vor Schmerz und Sorge sich zusammen ziehen ließen.
Dunkle Regenwolken trübten die Seele und warfen bedrückende Schatten auf das Familienleben, welches doch gerade jetzt harmonisch und frei von trübseligen Gedanken verlaufen sollte!
Doch wie der übellaunig-grummelnde Grinch in mir ja schon seit jeher behauptet:
Der Heilige Abend ist auch nur ein Tag. Genau so wie alle anderen Tage drum herum. Entweder es wird schön, oder eben nicht.
Das Leben (und der Haushalt, und die Wäsche 😉 ) fragen nun einmal nicht danach, ob denn gerade Weihnachten ist.

Vielleicht legte ich in der Vergangenheit deshalb nie solch eine Gewichtung auf eben jene Zeit!

Denn irgendetwas ist doch eigentlich immer!
Irgendein Grund mag sich immer finden, der uns diese Zeit, die doch auf Biegen und Brechen verdammt nochmal so wunderhübsch sein soll, ein klein wenig vermiesen könnte!

Vielleicht sollten wir deshalb einfach mal absehen, von diesen ganzen Instagram-Bildchen mit den perfekt geschmückten Weihnachtsbäumen und weihnachtlich dekorierten Fenstern. Von all‘ den Festtags-Rezepten und Geschenkideen, von den Gewinnspielen und Verlosungen, die uns derzeit virtuell bombardieren!

Von diesem verflixt selbst auferlegten Druck, dieses Weihnachten etwas ganz Besonderes werden zu lassen!
Von diesem nervtötenden Hype, der jede vorweihnachtliche Stimmung wieder zunichte macht!

Und dennoch:
Heute wollte ich ein klein wenig Zauber.

Heute stand mir das Gemüt nach etwas Besonderem! Nach Abstand von Sorgen und Alltag!

„Oh Mama! Ich mag das Biest so sehr!“

Nun, er scheint sich tatsächlich einzustellen!

Der Zauber eines besonderen Erlebnisses.

Zumindest bei meiner kleinen Tochter!
Die Geschichte von „Die schöne und das Biest“ zieht sie in ihren Bann und bleibt hoffentlich noch lange in ihren Erinnerungen.
Prägt und erweitert den Horizont.

Denn genau dies machen derartige Erlebnisse.
Genau eine solche Erfahrung wollte ich der Kleinsten ermöglichen!

Lange spricht sie auf der Heimfahrt noch von den zuvor gesehenen Szenen, versucht zu verstehen und verarbeiten und bemerkt dabei nicht mein glückseliges, leicht gefühlsduseliges Lächeln! 😉

Ja, es ist mir gelungen, dem Alltag und den Sorgen einer Mutter mit mehreren Kindern unterschiedlichen Alters zu entfliehen.
Für einen kurzen Moment.
Ein Moment, den ich nur einem meiner Kinder schenkte und welcher hoffentlich noch lange in ihren Erinnerungen bleibt!

Zu Hause angekommen treffe ich eine weitere Entscheidung, welche mich nun doch auf ein unvergessliches Weihnachtsfest hoffen lässt:

Ich greife endlich zum Telefon und rufe meine Oma an!

Die Oma, von der wir vor exakt einem Jahr am Krankenbett Abschied nehmen sollten!
Dazu wurde uns geraten im Krankenhaus, man machte uns wenig Hoffnung, dass die geliebte Oma und Urgroßmutter meiner Kinder den Heiligen Abend noch erleben würde.

Es war keine schöne Zeit, so viel sei gewiss. Weder für meine Mutter, noch für uns alle.
Die Oma rang mit dem Tod, meine Kleinste fieberte just am 24. Dezember hoch und ließ uns beide den Heiligen Abend ganz alleine zu Hause auf der Couch verbringen, während Mann und Geschwister bei den Schwiegereltern feierten.

Letztes Weihnachten war in der Tat grinchig doof und zum Abgewöhnen.

Noch bevor wir das neue Jahr begrüßen durften, verstarb die liebe Bekannte und Lebensgefährtin des besten Freundes und irgendwie brauchte der Himmel im vergangen Winter ein klein wenig länger, um wieder aufzureißen und Sonnenstrahlen und Freude in unser aller Herzen einziehen zu lassen.

Und vielleicht liegt es auch an der letzten verkorksten Weihnachtszeit, dass ich es dieses Jahr einfach „besser machen“ wollte.
Dass ich mich hineinstürzte in einen Wahn aus exzessivem Plätzchen-Backen und den kreativsten vorweihnachtlichen Bastel-Ideen!

Ich wollte endlich diese besondere Zeit im Jahr genießen können!

Und meinen Kindern einzigartige und prägende Erlebnisse ermöglichen!

Und sollte morgen alles gut gehen, dann bin ich wirklich großer Hoffnung, den Zauber der Weihnacht wieder aufleben lassen zu können!

Dann nämlich, wenn wir alle bei uns zu Hause feiern und zusammen sind.
Schwiegereltern und Eltern, Oma und Großtante, alle vereint an einem Tisch!
In unserer Mitte tatsächlich also die Uroma, welche ohne meine Einladung den Heilig Abend ganz alleine zu Hause verbracht hätte und sich ein Jahr nach der schweren Erkrankung zäher denn je erweist. 🙂

Ja, sollte das tatsächlich gelingen, dann ist auch für mich wirklich Weihnachten!

Habt alle eine schöne Zeit!

Eure 

Alex

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