Eingesperrt und festgefahren: Wir stecken im Stau

8+

Wäre ich heute morgen nicht bereits knappe 7 Kilometer um den See gerannt und nunmehr in einem – beinahe schon besorgniserregenden – Zustand der Tiefen-Entspanntheit, ich würde jetzt heulen!
Oder mir zumindest verzweifelt die Haare raufen!

Jetzt gerade, da ich konzentriert ein- und ausatme und stattdessen googel.

„Kann eine Blase wirklich zerbersten?“

bin ich im Begriff in das Suchfeld einzugeben, als hinter mir die Kleinste plötzlich aufschreit.
Die große Schwester hat geschubst und ein lautstarker Streit droht zu entfachen.
Was es gerade gilt, mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern!

Denn wir sitzen hier gefangen, im faradayschen Käfig, können uns der Situation in keinster (!) Weise entziehen!
Und haben Hunger! Und müssen alle auf’s Klo! Dringendst!

Knappe 8 Kilometer vor der eigenen Haustüre, genau zwischen zwei Autobahn-Abfahrten – ohne rettenden Rastplatz dazwischen – scheinen nun vier Familienmitglieder an ihre ganz eigenen Grenzen zu gelangen.

Ein Drama mitten im Nirgendwo.

Nicht ganz, es ist die Autobahn, welche mir vertrauter als die eigene Westentasche sein könnte, wenn ich denn eine „Westentasche“ besäße! Da es aber auch noch stockdunkel und leicht verregnet ist, finde ich mich gerade in einer ungewohnten Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit wieder.

Ich habe keinen Dunst, wann endlich die heimische Abfahrt , ab welcher im übrigen dann die Autobahn auch komplett gesperrt sein soll, kommt. Einzig und allein google maps verrät mir den Ernst der Lage: Wir bewegen uns im Zeitlupen-Tempo fort!
Und noch nie (!) habe ich sie so sehr herbei gesehnt! Die eigene Autobahn-Abfahrt!

Noch ahne ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass wir die restlichen sieben Kilometer zum erleichternden Klo und den im Geiste schon längst gebackenen Pizza-Brötchen in unendlich langen 2,5 Stunden zurücklegen sollen!
Denn noch sind wir alle einigermaßen gut drauf.
Das sind wir allerdings nur so lange, wie Sprit, Heizung, abgestandenes Mineralwasser, alter aus der Tasche hervor gekramter Traubenzucker und Handy-Akku vollste Leistung zeigen!

Und dennoch bin ich gerade dankbar und erleichtert!

Denn ein Stau mit drei Kindern auf’m Rücksitz?
Kurz vorm Abendessen und der Bettgeh-Zeit?
Wenn ohnehin schon die Zeit drängt und Dir jetzt tief im Nacken sitzt?
Diesen ob der ungeplanten (immensen!) Zeitverzögerung nunmehr hämisch grinsend krault?
Das könnte durchaus unangenehmer ausfallen!
Nein! Meine Kinder sind prima!

Die Kinder, die meinen Eltern kurze Zeit zuvor  zu „unbequem“ wurden, weil heute etwas wilder (noch wilder) und lauter (noch lauter) als gewöhnlich, zeigen sich mehr als verständnisvoll, mitfühlend und kooperativ in Anbetracht unserer verzwickten Lage!
Denn wenn’s drauf ankommt, dann können Kinder sehr wohl empathisch und einfühlsam sein!

Wir halten also durch. Alle.

Telefonieren mit dem sich auf Dienstreise befindlichen Papa und diversen anderen Menschen und warten ab.
Ganz geduldig harren wir der Dinge, die da kommen.
Und das sind einige: An uns vorüber ziehen Abschleppwagen, noch größere Abschleppwagen, undefinierbare Tank- und „Straßen-wieder-Säuberungs-Fahrzeuge“ und Streifenwagen.

Für einen kurzen Moment überlege ich mich aus der misslichen Lage (nur ganz kurz!) zu befreien und über die Leitplanke im Dunkeln zu verschwinden. Doch verwerfe ich diesen Gedanken schnell, hatte ich doch auch soeben dem Sohn die Erleichterung (welche als Mann beneidenswerter durchaus einfacher von Statten geht!) untersagt!
Zu sehr gruselt es mich hier im Dunkeln. Zu sehr fürchte ich die Situation, alleine mit Kindern auf der Autobahn zu stehen statt zu fahren! Denn aktuell ist meine schlimmste Befürchtung, die Kinder könnten ungeduldigerweise versuchen ihrem Bewegungsdrang nachzukommen und irrsinnigerweise versuchen, jetzt das Auto zu verlassen!! (Wisst schon worst-case-szenario und so 😉 ).
Tun sie nicht!
Und dennoch drücke ich heimlich vorne auf’s Verriegelungsknöpfchen.

Aber selbst lachen können wir ob unserer misslichen Lage noch.

Vom Hunger geplagt, malen der Große und ich uns aus, wie es wohl wäre, jetzt einfach die Scheibe herunterfahren zu lassen und zu bestellen. Imaginär beim „drive in“ (welches korrekterweise eigentlich ein „drive through“ ist!) des gelben Fast-Food-Giganten.
Einmal Pommes und Chicken-Nuggets. Das wär’s jetzt!

Und wie wir dann zum Spaß tatsächlich die Scheibe herunterfahren lassen und unsere Bestellung in die Dunkelheit rufen, sehe ich ihn vor meinem geistigen Auge aus dem dunklen Gebüsch hinter der Leitplanke hervor hechten! Unseren Retter in der Not!
Mit prall gefüllten, gut duftenden braunen Tüten!
Fast vergesse ich vor lauter Spaß, wie dringend ich eigentlich jetzt gerade auf’s Klo muss!
Nur allzu sehr lachen, darf ich gerade nicht! 😉

Ebenfalls im Geiste verfasse ich bereits das Entschuldigungs-Schreiben für die Lehrerin.
Denn noch nicht gemacht sind alle Hausaufgaben der mittleren Tochter! So war das ja schließlich auch nicht eingeplant!
Nach unserem Heimatbesuch bei Oma und Opa und dem Arzt-Termin mit dem Sohn wollten wir ja nunmehr längst zu Hause sein.
Die Pizza-Brötchen (hatte ich erwähnt, dass ich Hunger habe!?!) bereits im Ofen, die Tochter konzentriert an den restlichen Hausaufgaben.

Nun, der Ablauf heute Abend würde wohl ein Anderer sein.

Und mit nun doch leicht nervösem Blick auf die Uhrzeit und realistischen Hochrechnungen wird mir klar, dass heute Abend kein Kind mehr satt vor 22.30 Uhr den Weg ins eigene (oder meins) Bett finden wird.
Und vielleicht ist es in solchen Situationen dann auch einfach besser, sich der Sache ganz hinzugeben.
Diese anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

So kommt es, dass sich ein vorpubertäter Junge an meiner Lauf-Playlist vom Morgen erfreut, eine mittelgroße Tochter sich derweil mit dem freundlicherweise vom Bruder zur Verfügung gestellten Mobiltelefon beschäftigt und eine kleine wilde Hilde sich ebenfalls an Handy-Spielen (Spiele, von deren Existenz ich gar nicht wusste!) auf meinen Telefon erfreut!

Ich weiß gar nicht mehr wie es geschieht, doch irgendwie kommen wir letztendlich doch zu Hause an.

Zentimeter für Zentimeter bewegten wir uns anscheinend doch vorwärts und dürfen wenige hundert Meter vor der Haustüre (der Verkehr wird bei Autobahn-Sperrung durch unsere Stadt geleitet) endlich dem Stau den Rücken kehren.

Und wenn ich eines bei der ganzen Kiste gelernt habe, dann vor Autobahnfahrten künftig IMMER das Navi (das hätte uns möglicherweise gewarnt und umgeleitet) einzuschalten!
Selbst wenn ich die Strecke blind und im Schlaf zurücklegen könnte. 😉

Allseits gute Fahrt!

Eure 

Alex

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2 Gedanken zu “Eingesperrt und festgefahren: Wir stecken im Stau

  1. Saskia Antworten

    Liebe Alex, du Arme.Ich habe mir gestern verkniffen nach Slü zu fahren aufgrund der Verkehrslage. Radio hören ist auch ne gute Möglichkeit zu erfahren was los ist.LG

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    1. Mama steht Kopf Antworten

      Da magst Du Recht haben! Wusste ich’s doch, dass die Sache mit dem Spotify einen Haken hat! Das nächste Mal 😉 Habt ein schönes Wochenende!!!

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