Morgenroutine: Und plötzlich muss ich loslassen

30+

Sie ist so schön warm morgens.
Ihren ganz eigenen Duft – ich könnte ihn ewig in mich aufsaugen und mich an das kleine Menschlein – das gar nicht mehr so klein ist – im Eulen-Schlafanzug kuscheln.
Nur darf ich das die meiste Zeit ausschließlich am Wochenende.

Denn sonst muss es ja schnell gehen. Früh morgens.
Und sie tut mir dabei so leid.
Denn noch Kindergarten-Kind bestünde keine Notwendigkeit, das Mädel vermutlich noch aus dem Tiefschlaf heraus zu reißen, mit Engelszungen davon zu überzeugen, dass JETZT der Tag beginnt und ein flottes Anziehen mehr als angebracht wäre.
Doch ist sie nun einmal mein drittes Kind. Und das dritte Kind muss immer und überall mit hin.
War schon immer so.

Nur allzu gut erinnere ich mich daran, wie ich den frisch geborenen Säugling in der Umkleide irgendeines Fussball-Vereins stillte und wickelte.
Und wie dankbar ich für die Erfindung der Isofix-Base für Babyschalen war!
Kind raus, Kind rein. Immer und immer wieder. Mehrmals am Tag.
Und auch wenn das bereits etwas mehr als fünf Jahre her ist, so hat sich in einigen Situationen daran nix geändert.

Ein ganz gewöhnlicher Morgen

Wie eben beispielsweise früh morgens.
Bin ich unter der Woche alleine mit den Kindern, weil der Gatte am aktuellen Ort seiner Tätigkeit nächtigt, so muss die Kleinste das Haus verlassen, wenn es die mittlere Schwester tut.
Denn die möchte und muss ja von mir in die Schule gebracht werden.
Die Schule, welche praktischerweise direkt an die Kita grenzt.

Nur interessieren pragmatische Gründe, den noch völlig verschlafenen und übermüdeten Körper der Kleinsten wohl kaum!

Zu gerne würde ich sie dann noch schlafen lassen. Aber leider ist dies nicht möglich.
Zumindest könnte ich es niemals über’s Herz bringen, das Kind alleine zu Hause zu lassen.
Auch wenn die Autofahrt in der Summe nicht mehr als fünfzehn Minuten betragen würde.
Nicht auszudenken, das Kind wacht auf und sucht mich oder gar ich selbst werde aus irgendwelchen Gründen aufgehalten!

Doofe Morgenroutine! 😉

Somit ist meine morgendliche Routine seit vielen Monaten die Folgende:

Pünktlich um 06.10 reißt mich der Handy-Wecker mitten aus einem nicht allzu tiefen Schlaf.
Leicht“ sagt mein Schlafprotokoll, welches mir ebenfalls erzählt, auch diese Nacht nicht mehr als 5 Stunden und 30 Minuten ruhend im Bett verbracht zu haben und mir die 0 Minuten Aufsteh-Zeit auf brutalste Weise unter die vom Heuschnupfen-geplagte Nase reibt!

Denn der Sohn muss gleich mit dem Bus in’s Nachbarstädtchen zum Gymnasium fahren.
Und ich fände es ebenso herzlos, diesen alleine aufstehen zu lassen.
Könnte ich – will ich aber nicht!

So verbringen wir beide schweigend Zeit im Bad, putzen Zähne, muffeln um die Wette und verfluchen den noch viel zu frühen Vogel!
Gegen 06.35 muss mein „armes“ größtes Kind bereits das Haus verlassen und – tut er dies im Winter – in völliger Dunkelheit über die teilweise Regen-durchtränkte Wiese zur Bushaltestelle stapfen. Schluck!
Ihr seht, es hat auch viel mit dem mütterlichen Gewissen zu tun – ich könnte es durchaus einfacher haben!
Doch dazu gleich.

Während ich mit einem Auge aus dem Wohnzimmer-Fenster blickend sicherstelle, dass der Sohn auch tatsächlich den Bus erreicht hat
(don’t call me Helikopter-Mom 😉 ), schmiere ich die Stullen für die Mädels, koche Tee, bereite mir selbst überdimensionalen großen ersten Kaffee zu und schlurfe – mittlerweile tiefgefroren – (ich hasse noch immer Bademäntel!) zurück in’s Bad.
Wenige Minuten „me-time“ (wer hat eigentlich diesen dämlichen Begriff nun schon wieder erfunden?), bevor ich die Mädels wecken muss. Beide!

Die Mädels müssen raus

Von diesem Zeitpunkt an bin ich die grausamste, gemeinste und furchtbarste Mutter der Welt!

Ich werde die nächsten fünfundvierzig Minuten angemault, schlichte Zicken-Krieg im Bad und wecke Tote vom flauschigen Badezimmer-Teppich wieder zum Leben!

„Nein! Deine Schwester muss in die Schule! Ich kann Dich jetzt nicht mehr schlafen lassen!“
„Und schon mal gar nicht hier-auf-dem-Teppich!!“

Nun, das könnte ich schon. Aber ihr versteht…

Kurz vor acht parkt der große Familien-Van vor den Toren des Schul-und Kita-Geländes und ich muss ein kleines Mädchen noch immer halb schlaftrunken den Berg zum Kindergarten hinauf schieben.
Und ich weiß an dieser Stelle, dass es Tausenden von Müttern und Kindern ganz genau so geht.
Ich schreibe hier von einer ganz normalen – wenn auch lästigen – Morgen-Routine!
Doch was, gelingt es ab und an, diese Routine zu unterbrechen?
Wenn Frau einmal bewusst erleben darf, wie es auch funktionieren könnte?

Plötzlich ist alles anders

Ich durfte es gestern erfahren!
Und zwar schneller, als mir eigentlich lieb ist. 😉
Denn einmal mehr konnte ich mit ansehen, dass nix beständig bleibt und alles im Wandel ist.
Eigentlich ist alles nur eine Frage der Zeit. Auch die doofe Morgen-Routine.

Die mittlere Tochter wollte alleine zu Fuß zur Schule gehen!

Und zwar bereits um sieben Uhr in der Früh.
Wollte die Freiheit und Unabhängigkeit genießen, ein bisschen durch’s Städtchen streunen, bevor der Unterricht beginnt, die Brotdose zu Hause lassen und stattdessen ein Teilchen beim Bäcker organisieren.
Und wenngleich wir über den teuren Teilchen-Erwerb noch einmal sprechen werden (die Stulle muss mit! 😉 ), so war ich zugegebenermaßen schon sehr stolz auf mein Mädchen!

Stolz und ein klein wenig beängstigt zu gleich – also doch Übermutter! 😉
Ihr kennt das:
Das Kind ist noch nicht allzu oft (die knapp 30 Minuten) am frühen Morgen zur Schule gelaufen und vor dem mütterlichen geistigen Auge spielen sich die abenteuerlichsten Szenarien ab! Weiße Kastenwägen kamen mir in den Sinn, unvorsichtige und selbst noch übermüdete Auto-Fahrer oder einfach nur ein unvorhergesehener Platzregen.
Egal wie, ich war um mein Mädel, welches unter dem überdimensionalen Rucksack so zart aussieht, besorgt.

Eine Chance

Doch bot sich hier gerade auch eine Chance!
Und ich erwähne ausdrücklich an dieser Stelle:
Weil ich nicht an die Arbeit fahren muss, sondern aktuell (ich möchte jetzt bitte nicht näher darauf eingehen, wie lange das „aktuell“ schon anhält) zu Hause bin.
Sonst hätte es gewiss keinen Unterschied gemacht, dass mein mittleres Kind plötzlich zur Schule läuft.

Und an alle früh morgens arbeitenden Mütter (Ja, ich entwaffne Euch gerade hiermit! 😉 ):
Ich weiß, wie hart es ist, ganz früh morgens aufstehen zu müssen, alle Kinder aus dem Haus zu bekommen und weiter an die Arbeit zu düsen.
Ihr habt meinen größten Respekt!
Aber bis acht Uhr ähneln sich unsere Abläufe etwas, denn ziemlich früh aufstehen muss ich ja auch.

Gestern also konnte ich die Kleinste aber ausschlafen lassen!

Und ich freute mich so sehr für mein kleinstes Kind!
Viel mehr als das. Ich freute mich auch für MICH!

Denn jetzt konnte ich endlich noch einmal für zwanzig Minuten in das warme Bett (mein Bett) zurück krabbeln und mit dem kleinen Wesen da um die Wette schnauben. Wir kamen an diesem Tag erst kurz vor neun im Kindergarten an.
Wie sehr wir beide diese uns geschenkte Stunde genossen!

Endlich Zeit!

Endlich durfte sich mein Kind in Ruhe anziehen, mit gaaanz viel Getrödel.
Endlich einmal kein Gezicke und Gekreische im Badezimmer, sondern diese angenehme Ruhe!
Nur wir zwei, jede Menge Leichtkämm-Spray, Haargummis und Spängchen! 😉

Endlich konnte mein Kind viel aufgeweckter und zugleich entspannter im Kindergarten ankommen.
Hand in Hand schlenderten wir dorthin, hielten hier und da inne, um Vögelchen oder Kreide-Kunstwerke zu begutachten.
Braucht mein Kind sonst für gewöhnlich eine ganze Weile, um im Kindergarten „anzukommen“, gestaltete sich der Abschied heute viel einfacher!

Denn mein jüngstes Kind kam inmitten des bereits vorherrschenden Trubels an.
Und was für einige Kinder möglicherweise ein Problem darstellt, da sie so nicht mehr in das laufende Spiel aufgenommen werden und Anschluss finden, stellt für meine selbstbewusste Tochter keines dar.
Sie schafft es immer, sich noch mit hinein zu mogeln. 😉

Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass es ihr nun wirklich leichter viel, sich von mir zu verabschieden.
Denn heute musste sie nicht in die „Frühschicht“, sondern konnte gleich mitten in’s Geschehen einsteigen.
Entsprechend spartanischer fiel nun auch der Abschied von mir aus.

Ich musste an diesem Morgen zwar loslassen, denn noch immer fühlt es sich ungewohnt und befremdlich an, läuft die mittlere Tochter alleine zur Schule, doch konnte und durfte ich auch einmal locker lassen!

Und das tat gut!
Sowohl der Kleinsten, als auch mir!

Und wenngleich die Sache mit dem Laufen möglicherweise nur eine kurz-andauernde Phase ist, so will ich diese genießen!
Nach den Ferien möchte sie wieder zu Fuß gehen.
Ich freu‘ mich schon auf’s Schnuppern, Dösen und Kuscheln.
Mit meinem kleinsten Kita-Kind! 🙂

Kommt gut in die Ferien!

 

Eure 

Alex

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Ein Gedanke zu “Morgenroutine: Und plötzlich muss ich loslassen

  1. Dresden Mutti Antworten

    Oh, das klingt abenteuerlich bei euch morgens. Ich entziehe mich dem ganzen, indem ich 6:30 Uhr schon im Büro sitze und meinem Mann den Spaß überlasse. Es sind aber nur 2 Kinder und sie stehen eigentlich früh auf, wobei er oft auch anderes berichtet. In der Woche kommen sie wohl auch nicht gut aus dem Bett, nur am Wochenende stehen sie spätestens 6:30 Uhr parat.

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