Super-Hypochonder? Der Bruchsack

13+

Krampfadern? Dicke, alte Omis
Plötzlicher Herztod? Fauler, fetter Rauchersack
Leistenbruch? Übergewichtige, unsportliche Männer mit Bierbauch

Wir Menschen denken in Schubladen! Seit jeher! Auch ich.

Nur passe ich weder in eine Schublade – genauso wenig, wie manch Anderer übrigens auch – noch sind meine Gedanken stets allseits verständlich und nachvollziehbar! 😉

In einem Zeitungs-Interview gab ich mal an, nicht über Krankheiten schreiben zu wollen.
Warum aber eigentlich nicht?
Ich respektiere den Wunsch nicht über Krankheiten Anderer zu berichten.
Aber meine? Oder zumindest die Eingebildeten? Die, die mich als eingefleischter Hypochonder – mit gleichzeitiger mangelnder Bereitschaft in eigener Sache zum Arzt zu gehen – aufsuchen? 
Können ruhig alle wissen.
Denn ich möchte hier nun auch ein wenig versuchen,  mit Vorurteilen und Irrglauben aufzuräumen!

Aber was ist mir denn nun widerfahren?

Vergangene Woche suchte mich ein Infekt heim.
Nix Besonderes eigentlich.
So’n bisschen Schnupfen, viel Niesen und noch stärkerer Hustenreiz.
Und da waren sie plötzlich:
Diese eigenartig ziehenden Schmerzen rechts des Bauchnabels.
In einem ohnehin dieser Tage leicht labilen Zustand fürchtete ich unverzüglich eine sich anbahnende und steigernde Blinddarmentzündung!
Musste so sein!

Doch da sich der meine Wurmfortsatz offensichtlich dazu entschied, sein armseliges Wurmdasein fortzusetzen (es kam nix mehr), musste es etwas Anderes sein. Plipp-Plopp merkte ich, wie beim Husten etwas Eigenartiges, das definitiv nicht dahin gehört, ruckartig hervorflutschte und genauso flugs wieder seinen Weg zurück bahnte.
Das kam mir schon eher bekannt vor. Nur nicht an einer derartigen Stelle!?

Sollte ich schon wieder einen Bruch haben?

Für die Laien unter Euch:

Die Rede ist von einem Bauchdeckenbruch, welcher ein Zeichen – meist angeborener – Bindegewebsschwäche darstellt.
Die Unterhaut reißt und im ungünstigen Fall treten durch den Riss Gewebeteile und bilden den sogenannten Bruchsack.
Hierbei kann es sich nun um bloßes Fettgewebe oder auch Organteile (ja, Darm, was sonst?) handeln.
Klingt bekloppt, is‘ aber so.
Meist ist das Ganze von Außen durch eine unhübsche Beule zu erkennen.
Gefahr besteht dann, klemmt sich der ganze Käse (Scheiß wollte ich an dieser Stelle nun nicht wirklich schreiben 😉 ) ein.
Dann ist eine Operation unumgänglich.
Und sollte ich das Alles jetzt nicht absolut korrekt wiedergegeben haben, so entschuldigt – bin kein Mediziner.
Wen’s jedoch vor Eintreten des Ernstfalles schon stört und belastet, der greife einer solchen Situation vor.
Nun, dies tat ich bereits zwei Mal. Als Frau!
Ein Hühnerei in Form eines Leistenbruchs in der hübschen Bikini-Hose kommt mit Anfang 20 genauso wenig gut, wie eine Kartoffel-Knolle als Bauchnabel nach dem dritten erfolgreich übertragenen Kind!  😉

Ich habe eine Lieblings-Jeans.

Diese hat genau unter der rechten vorderen Tasche, in Leistennähe, ein modisch-zerfetztes Loch.
Habe ich den Autoschlüssel einstecken, so bohrt sich allerdings das weiße Täschchen samt Inhalt durch eben jenes stylische Loch.

„Schaut mal Kinder! Meine Hose hat einen Bruchsack!“

habe ich schon des Öfteren den Kindern albern präsentiert.
Dass ich überhaupt weiß, was denn eigentlich ein Bruchsack ist, spricht also schon für sich! 😉

Schwaches Bindegewebe, was bedeutet das alles?

Klar denkt Ihr jetzt an unschöne Dellen an Oberschenkeln und Dehnungsstreifen.
Cellulite at it’s best und so. Mag sein.
Doch ist dem nicht immer so!

Zwar plagen und stören mich weniger Dellen an Arsch (Pardon!) und Schenkeln (bis zu fünfmal Sport in der Woche muss sich schließlich auszahlen!),
doch habe ich trotzdem das bescheidenste Bindegewebe ever!
Mit 40 Jahren kann ich bereits stolz auf zwei Bruch-Operationen zurückblicken, ein beidseitiges Krampfader-Stripping sowie diverse Sklerosierungen (googelt’s selbst 😉 ) sowie zwei Schulter-Luxationen nach Stürzen – und diverse andere Kleinigkeiten.
Denn Schlank bedeutet eben nicht immer gleich straff und gesund! (Kommt mir jetzt bloß nicht mit „skinny fat“!)

Nun stimmte also wieder etwas nicht

Ihr wisst um meine lebhafte Phantasie.
Und wem die meinen verqueren Gedankengänge nun gänzlich unbekannt sind, dem sei hier nun eine Auswahl der im Geiste ersponnenen potentiellen Möglichkeiten präsentiert!

Meine ganz eigenen Top-Diagnosen lauten wie folgt:

Ein überdimensionaler Bandwurm, der an eben jener Stelle der eigenen Eingeweide Samba tanzt,
Eine nicht minder feiernde Ansammlung zappeliger Madenwürmer (jetzt seid doch nicht so! Eklig ist geil!),
Ein Spiralen-Baby welches gezwungenermaßen dann den Vornamen Kyleena tragen müsste und nur an einer einzigen Stelle aktiv sein Dasein demonstriert,
Die letzte Kohlroulade, welche steckengeblieben ist und sich beim Lachen und Husten ebenso freut wie ich (ich esse gar keine Kohlrouladen!),
Stau im Verdauungstrakt (ok, das ist langweilig),
Ein kleiner Bauchdeckenbruch an ungewöhnlicher Stelle,
Der unentdeckte und rasant gewachsene Tumor (das muss ich als Hypochonder nun so angeben)

Wirklich zum Arzt? Nee oder?

Und jetzt sitze ich hier, am Vormittag vor dem Termin, und huste künstlich aus Leibeskräften – und spüre nix mehr! War ja klar, ’ne?
Und somit stellt sich mir nun die Frage:
Sollte ich lieber Alles abblasen und als tatsächliches Hirngespinst hinnehmen?
Den Vorführ-Effekt so sehr fürchten und bloß nicht dumm da stehen wollen?
Oder gar darauf hoffen, dass es sich „wenigstens gelohnt hat“ hinzufahren?
Das wäre allerdings genauso bekloppt, wie Mütter hoffen, Kinder seien wirklich krank, um nicht in die hypochondrisch-hysterische Schublade gesteckt zu werden  – wo wir wieder beim Schubladen-Denken wären.

Doch als Mutter hängen mit einem dämlichen Termin nun einmal noch viel mehr Faktoren zusammen!

Und so streiten sich mal wieder das Engels-zarte Gewissen und der scharfzüngige Teufel persönlich auf meiner Schulter!

„Du musst dafür drei Kinder unterbringen und betreuen lassen – nur damit Du Deinen Wahnvorstellungen nachgehen kannst!“
spricht der reumütige Engel.

„Ey wie geil! Endlich mal alleine unterwegs!“
grölt Lucifer und malt sich im Kopfe die schönsten Dinge aus, die während der erschaufelten „Freizeit“ angestellt werden könnten!

„Geh doch noch im Anschluss shoppen und sag es hat einfach eeeewig gedauert!“
Lacht er nun hämisch in mein Ohr.

„Pah! Shoppen? Haste ja eh keine Kohle für!“
hör ich es nun aus einer anderen Stelle zynisch murmeln. WER ist das jetzt schon wieder?!

„Lass‘ das sein und konzentriere Dich auf das Wichtige im Leben, statt Stunden für nix zu verplempern! Deine Kinder brauchen Dich!“

Prima!
Denke ich mir nun und verbiete allen Dreien die vorlaute Klappe!
Zerrissen kann ich wohl! So oder so! 😉

Kurzerhand entscheide ich mich, die Sache doch einmal schnell abklären zu lassen.

Keine zwei Stunden später brause ich wieder auf der Autobahn ‚gen Heimat.
War weder shoppen, noch habe ich die große Freiheit genossen.
Der schleimig-schmalzige Engel im Ohr hatte schließlich gewonnen und ich selbst bin um eine Erkenntnis reicher!

Ja, Dinge abklären zu lassen, die stören und Gedanken kreisen lassen,  ist völlig in Ordnung!
Schließlich ist jetzt hier dadurch ein ganzer Text entstanden – wenngleich sich über Content und Mehrwert gewiss streiten lässt.  😉

Und Nein!
Es ist anscheinend kein Bruch. Dieses Mal.
Zumindest konnte zum aktuellen Zeitpunkt nichts nachgewiesen werden.
Man(n) vermutet eine Zerrung. Ich – nicht so.
Denn ich hingegen diagnostiziere mich nun selbst nachweislich, mit einem Achselzucken und leichtem Augenzwinkern, als an akuter Einbilderitis leidend!
Sicherlich hervorgerufen durch chronischem Schlafmangel.
Und mit einem ebenfalls leichten Schmunzeln über mich selbst und derartige unerklärliche Phänomene drehe ich den Lautstärke-Regler im Auto höher – und genieße jetzt doch die klitzekleine außerplanmäßige Freiheit am hellichten Tag!

Übernächste Woche habe ich im Übrigen einen Termin beim Phlebologen – ich vermute neu entstandene Krampfadern 😉

Passt auf Euch auf!

Eure 

Alex

P.S. „Es“ trat dann doch wieder auf. Vereinzelt und leider nur ganz „unwillkürlich“. Das zeigt mir zwar, dass aktuell etwas in der Tat nicht stimmt (für mich fühlt’s sich noch immer wie ein Bruch an), doch derzeit anscheinend nicht feststellbar ist. Ich werde wohl geduldig warten müssen, bis Dinge offensichtlicher werden oder gar wieder verschwinden. Ganz gleich wie – irgendwann krieg ich den Bastard! 😉

P.P.S. Ich bin jetzt vierzig. Ich werde Euch nun künftig in regelmäßigen Abständen von eingebildeten oder bereits diagnostizierten Krankheiten meinerseits unterrichten! 😉 

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex! 😉

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2 Gedanken zu “Super-Hypochonder? Der Bruchsack

  1. Schokodil Antworten

    Das mit dem Bindegewebe habe ich auch und leider an die Kinder vererbt. Wusste davon allerdings nichts bis Kind 2 da war. Nervt echt.

    0
    1. Mama steht Kopf Antworten

      Das stimmt! Fällt in die Kategorie “Dinge, die die Welt nicht braucht!“ 😉 Liebe Grüße! Alex

      0

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