Was mich die Corona-Zeit lehrt – ein Mutmach-Text (Corona-Tagebuch – Tag 22)

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Corona macht mir Angst.
Ich sehe Bilder, Berichte und sichte Statistiken (höre dem angeheirateten Analytiker zu 😉 )  – und bekomme Angst.
Angst davor, auch bei einem von uns Fünfen könne eine Infektion schlimmer verlaufen und nicht gut enden.

Davor, dass es eben nicht bei leichten Symptomen bleiben könnte, denn noch habe ich keine Erklärung dafür gefunden, warum es außerhalb der Risikogruppen manche so – und manche eben anders trifft.

Auf den Erklärungen mit den Vorerkrankungen scheint sich wohl kaum jemand ruhigen Gewissens ausruhen zu können.

Seitdem ich Mutter bin, fürchte ich um die eigene Gesundheit!

(Das war mir früher so was von schnurz;) )

Es schaudert und schüttelt mich bei dem Gedanken, meine Kinder könnten früh ihre liebe Mama verlieren.
Das darf niemals geschehen!
Die Volljährigkeit des letzten Kindes ist hier mein selbst gestecktes Ziel – was im Grunde völliger Schwachsinn ist.
Als wenn sie mich dann nicht mehr bräuchten! 😉

Ich habe Angst um unser Gesundheitssystem und eine ganze Wirtschaft, welche zu Grunde gehen könnte – und davor, was diese ganze Kiste hier aus den Menschen macht!

Ich sichte Berichte von Mitmenschen, welche gerade jetzt dem eigenen Leben ein Ende setzen.
Und bekomme es schmerzlichst selbst im näheren Umfeld mit. (Warum!!?!)

Das alles IST furchtbar Angst-einflössend!

Doch soll dies hier ein Mutmach-Text werden und daher…

Schluss damit!

Erst vorhin las ich einen Artikel in einem renommierten deutschen online-magazin, welchen ich für so gut befunden hatte, dass ich ihn auf Facebook teilen musste.

Denn wir daheim gebliebenen, wir jammern im Grunde noch immer auf hohem Niveau!

Wir, die nicht tagtäglich in Krankenhäusern und Arztpraxen kämpfen, im Supermarkt hinterm provisorisch aufgestellten Plexi-Glas um die eigene Gesundheit fürchten, haben es eigentlich gut!

In unserem gemütlichen Heim.
Nebst der warmen Kaffee-Tasse und mit Blick auf diesen sagenhaft blauen Himmel!
Und darauf will ich versuchen mich jeden einzelnen Tag zu besinnen!
Auf die schönen Seiten dieser ganz und gar außergewöhnlichen Zeit!

Einige Erkenntnisse davon habe ich hier einmal für Euch zusammengetragen:

Kinder können selbstständig Schularbeiten machen!

Wie viele Stunden lernten wir in der Vergangenheit gemeinsam für Klassenarbeiten.
Stets mit dem Klappstuhl neben wahlweise dem Sohn oder der Tochter spiegelte ich Formen und füllte Lücken-Texte mit Vokabeln.
Erklärte, gab Hilfestellung und fragte ab.
Das ist auch alles gut und richtig so!
Doch nur in einem gewissen Maß!
Welches mir zugegebenermaßen in den vergangenen Monaten selbst zu viel war.

Doch auf einmal klappt es!

Der Sohn muss nun lernen, sich selbst zu organisieren.
Es ist jetzt seine Verantwortung, Aufgaben einzuteilen und die Übersicht zu behalten.
Ganz eigenständig erledigen plötzlich beide großen Kinder ihre Homeschooling-Aufgaben – nur selten muss ich hier und da Hilfestellung geben.

Sicher, ich kontrollierte hier bewusst nicht alles – es sind außergewöhnliche Zeiten und ich möchte auch darauf vertrauen, dass die Kinder sich gewissenhaft selbst um ihre Aufgaben kümmern.
Denn auch das muss ich selbst lernen  – und tue es gerade.

Wir sind auf neuen Wegen –  und entdecken die Schönheit der Natur

Wir entdecken die außergewöhnlichsten Pflanzen und seltsamsten Tiere bei unseren Streifzügen durch die Natur.
Ergründen Wege, die wir so nie gemeinsam gegangen sind – buchstäblich.

Erklimmen knorrige, alte Apfelbäume und beobachten Störche am tiefblauen Himmel.
Googeln nach Flusskrebsen und deren natürlichen Feinden, weil wir die Welt und den Bach ganz in der Nähe plötzlich bewusster wahrnehmen.
Wir finden verwunschene Pfade und wunderhübsche Steine zum Bemalen.

Wie oft hatte ich mir in der Vergangenheit gewünscht, mit den Kindern zum Fluss zu spazieren und dort Steine zu sammeln.

Für Schlecht-Wetter-Tage zum ausgiebigen Bepinseln.
Doch immer war irgendetwas los.
Ein Termin, keine Zeit – oder ob der ganzen anderen Ablenkung, die da wartete schlichtweg keine Lust seitens der Kinder.
Nun holen wir all‘ dies nach.

Und finden es sogar richtig, richtig schön!

Geschwister finden wieder zueinander

Hand-in-Hand laufen sie vor mir her. Bei unseren Spaziergängen.
Der große Bruder und die kleinste Schwester.
Ein Bild, welches sich mir nicht allzu oft bietet.

Oder gar alle drei Kinder – so sehr die Altersabstände auch sein mögen – beim gemeinsamen Buddeln im Sandkasten beobachten zu können! Das ist einfach nur schön!
Sie haben aktuell nur sich selbst und arrangieren sich damit.
Vielmehr als das:
Konkurrenz-denken und Frust entfallen, denn in diesen Tagen gibt es wenig Ablenkung von außen.

Wir können uns selbst genügen

Wir blättern in alten Fotobüchern und lachen Tränen ob des ein oder anderen lustigen Schnappschusses.
Schwelgen verzückt in Erinnerungen und danken für die ganz und gar wunderbaren Jahre, die wir miteinander hatten.
Denn auf einmal haben wir Zeit dazu!

Verstaubte Erinnerungen leben wieder auf und leuchten in den hellsten Farben.
Sie helfen genau jetzt, den Blick genauso zuversichtlich und mutig in die Zukunft zu richten.

Denn solange wir zusammen sind, ist alles gut!

Und auch wenn ich mich hier und jetzt als Loser oute:
Aber ich bin ohnehin kein Mensch, der einen riesig großen Freundeskreis braucht.
Schon einmal gar nicht der Bestätigung wegen und um des Mittelpunktes willen.
Zwar fand man(n) mich früher auch in den coolsten Clubs der Stadt, doch gewiss war ich nie irgendwo tanzend auf dem Tresen vorzufinden.
Und die Zelt-Disco draußen auf dem Land war mir stets ein Graus.

Auch heute sind meine Freunde einige wenige, ausgewählte.
Dafür aber bleiben sie für lange, lange Zeit.

Und meistens reicht mir sogar meine ganz eigene Familie aus.

Nicht umsonst freue ich mich jedes Jahr riesig auf den gemeinsamen Familien-Urlaub.
Diese besondere  Zeit zu Fünft – und das beruhigende, besänftigende Gefühl am Ende jeder Reise, die liebsten Lieblings-Menschen einfach wieder mit in’s Gepäck stopfen zu können.

Meine treusten Begleiter leben mit mir unter einem Dach.

Das kommt mir auch in dieser Zeit – welche mehr oder weniger auch eine ganz Besondere ist –   zu Gute.

Wir finden das Glück in den kleinen Dingen

Wir bepflanzen unser Hochbeet und basteln Insekten-Hotels.
Stechen Oster-Kekse aus und zocken uns gegenseitig beim Monopoly-Spiel ab.
Schauen alte Filmklassiker (Tipp für alle Disney+ Neulinge: Saving Mr Banks – begeistert und rührt mich immer wieder!)
Und finden diese kleinen Momente ganz großartig.
Hände knatschen in Mehl und erfreuen sich wenig später am Duft frisch gebackenen Brotes.

Struktur und Grenzen tun gut!

Es ist in Ordnung, Kindern Grenzen zu setzen und diese schriftlich festzulegen.
Sie brauchen es sogar!
Niemand muss sich zwingend und strikt an vorgegebenen Zeiten halten, das funktioniert längerfristig auch gar nicht immer.

Und dennoch ist es essentiell, einen gemeinsam (!) zusammengestellten Plan zu haben.
Das hat uns sicher und zuverlässig durch drei Wochen Homeschooling gelotst!

Und schon jetzt weiß ich, dass ich jenen Plan nun in den offiziellen Ferienwochen, die da kommen werden, vermisse!
Er gab Halt und Verlässlichkeit, Orientierung und Struktur in einen neuen Alltag.

Ein Alltag, der abends nicht noch im Schlafanzug vom Morgen enden sollte!
Tat er auch nicht.

Was die Ferien (welche gefühlt noch nie unnötiger waren!!!) aber betrifft, habe ich da arge Zweifel. 😉

Das Landleben kann auch von Vorteil sein!

Wir sind frei!
Das, was ich in der Vergangenheit als einengende Ödnis empfand, gibt mir gerade jetzt viel zurück.
Denn ich kann in dieser Zeit voller Regeln, Empfehlungen und Gebote  – die durchaus und unumstritten essentiell und lebensrettend sind! – einfach die Türe öffnen!
Und ganz schnell die große Freiheit spüren.

Ich laufe einfach geradeaus und bin in der großen Weite.
An der frischen Luft.
Erfreue mich an diesem wahnsinnig blauen und klarem Himmel und marschiere nach Lust und Laune über Felder, Wege und Wiesen.
Freue mich nach einem strammen Marsch wieder auf das heimelige zu Hause – und tanke dieser Tage mehr Frischluft als je zuvor! 😉

Einkaufen genügt auch einmal pro Woche

Ich muss nicht täglich alles verfügbar haben, wonach mir der Sinn steht!
Auch die Kinder nicht!

Denn eigentlich leben wir seit jeher im Überfluss!
Hungern müssten wir eigentlich lange, lange Zeit nicht.
Im Vorratsschrank ist immer etwas aufzufinden und die Tiefkühl-Fächer sind oftmals prall gefüllt.

Meistens reden wir doch hier von Luxus-Problemen, ist mal nicht das da, wonach uns gerade begehrt.
Meine Kinder müssen nicht jeden Tag Chilli-Chips und Schokolade vorrätig haben!
Und gang gewiss nicht gehe ich für solche Dinge dieser Tage mehrmals pro Woche einkaufen.
Denn wisst Ihr was? Knäckebrot ist das neue Chips!
(Als diese ausgingen, schmierten sich die Kinder in ihrer Verzweiflung tatsächlich Nachmittags Knäckebrot mit Butter! 😉 )

Und wenn ich mich nun zurücklehne und diesen Text hier betrachte, sind es doch eigentlich ganz schön viele Dinge, welche wir aus dieser Zeit mitnehmen können.

Dinge, die es gilt zu konservieren und bitte nicht zu vergessen, sollte eines Tages alles wieder „normal“ sein.

Vielleicht – sofern wir dies alles relativ gesund überstehen – sollten wir diese unbestimmte Zeit als Bereicherung und Erweiterung des eigenen Horizonts betrachten.

Und dunkle, ängstigende Gedanken immer wieder emsig beiseite schieben!

Passt auf Euch auf und bleibt zu Hause!
Eure 

Alex

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