Reizüberflutet – #CoronaEltern: Hört auf zu meckern – Corona-Tagebuch – Tag 37

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„Schuhu! Schuhu!“
„Kuck mal Mama wie meine Eule fliegen kann!“
„Schau, gleich fliegt sie die Treppe runter!“
„Kuck! Kuhuuuck!“

Sekunden später flattert geschnippeltes und geklebtes Papier im Eiltempo in’s Untergeschoss.

„Ja, ja, voll schön!“

höre ich mich hastig murmeln, ohne wirklich hinzukucken.
Und das tut mir leid.
Aber ich kann gerade nicht.
Denn ich werde unterbrochen.

„Mamaaa!“
„Du musst mir mal mit der Aufgabe hier helfen“

Die große Tochter hockt am Schreibtisch und braucht kurz Hilfestellung.
Das braucht sie meistens auch wirklich nur kurz – und dennoch stöhne ich entnervt auf.
Das tut mir ebenfalls leid.

Zwei Zimmer weiter höre ich einen wütenden Aufschrei – und die Faust des Sohnes haut frustriert auf den Tisch.
Und ich zucke beim Geräusch zusammen.
Das Lyrics-Programm für den Englisch-Unterricht funktioniert nicht.
Wir blöken uns daraufhin gegenseitig an – und es tut mir leid.

„Du darfst nicht so gereizt sein, das färbt alles auf die Kinder ab“

höre ich den Gatten sagen.

Ich atme und zähle.
Schließe die Augen und wünsche mich an einen anderen Ort. Ganz weit weg von allen.

Ich fühle mich Reiz-überflutet!

Heute fühle ich mich eigenartig aggressiv und Reiz-überflutet.

Stimmen hallen lange im Kopf nach, Kinderworte schmerzen doppelt laut in den Ohren – und irgendwo im Brustkorb sind Schmerzen.
Das Herz? Die Nerven?

Reißen hier gerade Stränge, die ich so sehr geflochten, gekittet und zusammengehalten habe?

Oder ist einfach alles für einen vorübergehenden Moment zu viel?

Nehme ich mir die Allgemeinstimmung „da draußen“ vielleicht ein klein wenig zu sehr zu Herzen?
Adaptiere ich sie gerade sogar selbst?

All‘ diese Wut in den sozialen Netzwerken

Denn Fakt ist, ich fühle mich nicht nur ob der Menschen, welche hier mit mir bereits seit Wochen in den eigenen vier Wänden ausharren, Reiz-überflutet, sondern noch aus einem ganz anderen Grund.

Und ich muss mir jetzt einfach mal Luft machen!

Denn ich kann sie dieser Tage nicht mehr sehen und lesen!
All‘ diese Wut und Aggressionen auf sämtlichen Plattformen der sozialen Netzwerke!

Ganz ehrlich?
Seit zwei Tagen mag ich am Liebsten nicht mehr bei Facebook reinschauen.

Denn – und jetzt feuert gerne hemmungslos auf mich ein – mich reizt diese Welle der #coronaEltern unfassbar!
Es ist mir gerade zu viel und ich möchte diese ganzen Texte gar nicht mehr verfolgen und lesen.

Dieser Tage scheue ich den Blick in öffentlichen Gruppen.
Ich sichte bösartige Kommentare und Anfeindungen bezüglich diversester Meinungen –  und werde einfach nur unfassbar traurig.

Es sind nicht nur die Stimmen der Kinder, die in meinem Kopf heute noch lange nachhallen, sondern auch die unzähliger Eltern.

Mütter, die gehört werden wollen, die laut Dinge bewegen und einfordern möchten, für die es einfach meiner Meinung noch zu früh ist. Privates soll politisch werden und das ist auch gut so!

Doch um welchen Preis?

Gegenseitig fordern sich Eltern auf unter dem Hashtag #CoronaEltern gemeinsam aktiv zu werden – und  für künftige Entscheidungen sichtbar!
Ich lese von Einzel-Schicksalen, Familien-Konstellationen und Problematiken.

Eine nie zuvor dagewesene Situation

Und muss zweifelsohne zugeben, es IST gerade eine schwierige, noch nie da gewesenen Situation.
Für uns alle!
Und eben auch auf die unterschiedlichste Art und Weise.

JEDE Familie hat dieser Tage ihr eigenes Päckchen zu tragen, muss improvisieren, umdenken – und nicht zuletzt überleben.
Nicht nur finanziell.

Doch anstatt alle an einem Strang ziehen, verspüre ich dieser Tage vielmehr eine Kehrtwende!

Vorbei der Zusammenhalt der Anfangszeit, als wir uns alle noch für vorübergehende (!) Zeit in einem Boot sitzen wähnten.

Weg die Menschlichkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft.
Wir rufen zum gemeinsamen Hashtag auf – und sind letzten Endes anscheinend doch nur Einzelkämpfer.

Freute ich mich in den ersten Wochen der Krise noch ob der Tatsache, dass wohl endlich erst einmal Ruhe ist mit diesen irrsinnigen Konkurrenzkämpfen, geht’s jetzt – auf andere Art – doch schon wieder von Vorne los!

Der Wettkampf geht von vorne los

Ich fühle mich einem Wettkampf ausgesetzt, wer hier unter der gegebenen Situation mehr zu leiden hat.

Mamas im Homeoffice mit zwei Kindern? „Hausfrauen“ mit vier oder fünf Kindern?
Eltern mit Kindern unterschiedlichsten Alters?
Mütter, die nun 24/7 Kita-Kleinkinder bespaßen müssen?

Fakt ist doch, keine Familie gleicht der Anderen – und somit sind auch alle Vergleiche völlig sinnlos und belasten nur zusätzlich.

Ich möchte mich also gleichermaßen gerne dem entziehen – und schreibe dennoch jetzt gerade drüber.

Springe nun selbst waghalsig auf den laut scheppernden, motzig und hitzig dampfenden Zug auf.
Eine Fahrt, deren Endstation noch lange Zeit ungewiss ist.

#coronaEltern

Wirklich ein geeigneter Hashtag für mich?
Bin ICH mit unserer Familienkonstellation ohnehin ganz und gar nicht System-relevant?

Die „dumme, rückständige Nudel“, welche sich gemeinsam mit dem Mann dazu entschieden hatte, auf unbestimmte Zeit zu Hause bei den Kindern zu bleiben?
Bin ich mit dieser Einstellung nicht sogar ein naiver System-Sprenger?
Weil ich – Exot – nirgendwo hineinpasse?

Weil ich gerade gar nicht das dringende Bedürfnis nach umgehenden Kita- und Schul-Öffnungen verspüre?

Oder weil ich zurecht komme?
Und vor allem weil ich es eben gar nicht anders kenne?

Ich war schon immer oft alleine für meine Kinder verantwortlich

Denn Überraschung (!):
Ich bin es gewohnt, mich rund um die Uhr um die eigenen Kinder zu kümmern!
Gerade, war der Gatte in der Vergangenheit oft auf Dienstreise  – und ich hielt ihm bereitwillig den Rücken frei.

Ich kenne es nicht anders und komme nun sogar besser klar, als vor der Corona-Krise!
Denn ohne ständige Taxi-Fahrten zu Kita, Schule und Hobbys, ohne den Druck ständiger Termine, haben wir mehr Zeit für einander.

Und die genieße ich sehr!

Dass ich Lehrerin, Entertainerin, Bastel-Tante, Köchin, Putze, Taxi-Fahrer und Haushalts-Organisatorin bin ist mein Alltag.

Es macht mir nichts aus – und ich leide dieser Tage nicht mehr wie in einem alten Alltag auch.

Glücklich ist, wer gerade nicht im Homeoffice arbeiten muss!

Doch habe ich eine Stimme NICHT im Ohr – eine fehlende Stimme, die mir hier einen weiten Vorteil und zeitlichen Vorsprung verschafft.

Die Stimme eines Chefs.
Oder einer Chefin.
Die nach Abgabe-Terminen und Videokonferenzen fragen und dadurch zusätzlichen nervlichen Druck aufbauen.

Das muss ich hier offen und ehrlich eingestehen!

Und denke daher, dem seit zwei Tagen kursierenden Hashtag gar nicht würdig zu sein.
(Womit wir irgendwie doch wieder bei alten Diskussionen und Problemen, Differenzen zwischen Müttern wären)

Ich brauch das nicht alles.
Jetzt. Sofort. Gleich.

Ich möchte einfach nur, dass wir gesund bleiben – und nicht voreilig Schritte unternommen werden, welche wir später bitter bereuen!

Denn fast habe ich das Gefühl, wurde mit den ersten Lockerungen der kleine Finger gereicht, reißen nun zahlreiche #coronaEltern gleich am ganzen Arm.

Auf einmal soll alles im Hau-Ruck-Verfahren von statten gehen, was wochenlang ruhen durfte?

Nach Wochen der Vorsicht und Vernunft scheint das nun alles hinfällig und vergessen.
Corona ist ja jetzt Alltag, bekommen wir eh alle früher oder später.
Der Nervenkitzel ist rum, Italien vergessen – weiter geht’s bitte endlich!

Ich sehe das leider nicht so.

Klar weiß ich, dass Menschen Perspektiven brauchen und ein Datum, auf das es hinzuarbeiten gilt!
Aber bitte nicht um jeden Preis!

Eltern mit Vorerkrankungen und alte Menschen (unsere Omas und Opas!) sind genauso kostbar wie Andere auch!

Noch wissen wir nicht, wie groß die Gefahr ist, dass Kinder dann erst Recht andere Familien-Angehörige infizieren.
Sind die, die dann „hopsgehen“ hier die Kollateral-Schäden?
Würden das die Kinder der eventuell verstorbenen Eltern-Teile auch so sehen?

Das klingt drastisch und überzogen? Soll auch so sein!

Ich lese Texte schimpfender Mütter – alle mit dem Fazit

„Ich kann nicht mehr!“

Die Mutter als Lehrerin

Mütter, die sich unter Anderem nun in der Rolle der Lehrerin sehen – und von Stunden am Schreibtisch berichten.
Auch ich habe heute erst einmal mehr erkennen müssen, dass es schon sehr wichtig ist, „dahinter her“ zu sein.
Doch möchte und muss ich auch darauf vertrauen können, dass meine Kinder ihre Aufgaben ALLEINE erledigen – und ich nur überfliege, kontrolliere oder hier und da Hilfestellung gebe.

Bin ich zu lasch? Zu sorglos? Zu ungebildet?
Ich weiß es nicht.

Ich für meinen Teil habe einfach entschieden, mir meine Kräfte einzuteilen!

Für einen Dauerlauf auf unbestimmte Zeit.
Ich möchte nicht in ein paar Tagen mit der Visage auf dem Asphalt kleben!
Weil ich versuchte, alles zu geben. Mach ich nicht.

Dann tun sich eben in dieser besonderen Zeit Lücken auf.

Und dennoch bin ich eine gute Mutter! 

Das sind übrigens ganz gewiss sehr, sehr viele von Euch da draußen!
Ich möchte mir nicht ausmalen, wie viele Tränen der Verzweiflung schon die vergangenen Wochen geflossen sind.
Doch müssen wir noch immer einen kühlen Kopf bewahren.

Wir sollten nicht nach Dingen fordern und schreien, welche aktuell einfach noch unangebracht und unüberlegt wären!
Und dazu gehört für mich auch eine voreilige Öffnung von Schulen und Kitas.

Sparen wir uns bitte die Puste und hören auf, übereinander herzufallen.
Denn auch wenn sich hier gerade Fronten auftun und viele, viele Familien unterschiedlichster Meinung sind:
Wir sind alle nur Menschen!

Menschen voller Ängste und Emotionen, wir fühlen uns perspektivlos und verloren, vielleicht sogar übersehen.
Wir bangen und weinen um die Kinder und die Chancen, welche diese nun verpassen. 
Und diese innere Zerrissenheit kann uns keiner abnehmen. 

Die Schultüte für die Kleinste? Müssen wir nun zu Hause basteln 🙁

Ich wünsche mir…

Und so sehr ich heute auch gereizt sein mag.
So sehr Stimmen hallen und mir all‘ diese Bewegungen heute ins Mark gehen, am Zahnfleisch kratzen und piksen (Wirkung erzielt! 😉 ) – so sehr fühle ich mit allen Eltern da draußen mit.

Und ich wünsche uns ein greifbares Ziel!

Perspektiven und Hoffnung – und Frauen, die wieder selbstbestimmt durchs Leben ziehen können!

Kinder, die Gleichgesinnte treffen und zusammen Matsch-Kuchen backen.
Meinetwegen auch wieder Sportfeste und Kaffee-Tafeln oder Elternabende.

Ich wünsche mir selbst auch nichts sehnlicher als die alte Normalität!

Aber vielleicht sollten wir nicht allzu früh daran festhalten – und Verständnis für jede (!) andere Meinung haben. 

Alles wird gut. Irgendwie. Irgendwann. 

Eure 

Alex

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11 thoughts on “Reizüberflutet – #CoronaEltern: Hört auf zu meckern – Corona-Tagebuch – Tag 37

  1. Nene Antworten

    Wie wunderbar geschrieben! Ich kenne auch eine Mutter ohne Job von 1! Kindergartenkind, die erwartet, dass die Kita wieder aufmachen. Sie argumentiert, dass so viele ja nicht sterben und sie! langsam genervt ist. Das macht mich traurig, den jedes Leben sollte bewahrt werden. Aus Sich einer Angestellten kann ich sagen. Auch wir haben es nicht leicht, müssen uns mit neuen Herausforderungen auseinander setzen. Meine Firma (Callcenter) arbeitet für verschiedene Verkehrsunternehmen (Busse, Bahnen, Züge). Hier gibt es sehr viele änderen, teilweise ist das was morgens die Information war, nachmittags ganz anders. Da müssen wir oft überlelgen, den Kunden Änderungen erklären (…aber ich fahre schoon seit Jahren so). Dazu sind viele in Homeoffice gegangen, die Systeme sind dann anders.
    Als Verfechterin von Freilernen glaube ich, dass es die Kinder nicht Verdummen wird, wenn sie ein paar Monate keine Schule haben.

    0
  2. Shadownlight de Antworten

    Das hast du ganz toll geschrieben! Ich sehe es auch als definitiv zu früh an. Das Virus ist nun mal da und damit sollte man nicht spaßen nur weil man sich die Normalität zurück wünscht. Ignorieren ist hier der falsche Weg, eher arrangieren. Gut, dass du dir Luft gemacht hast und ich bestätige jeden einzelnen deiner Worte gerne!
    Liebe Grüße!

    0
  3. K. Antworten

    Liebe Alex,

    sehr schön geschrieben…
    was mich erschreckt, ist diese unbändige Wut der Coronaeltern…
    Ich bin definitiv gegen eine zu frühe Öffnung der Kitas. Und ich sage das als Alleinerziehende in berufsbegleitender Ausbildung zur Erzieherin, die Notbetreuung leisten muss. Ich habe zwei Kitakinder, die an meinen Arbeitstagen stundenweise bei ihrem Vater bleiben. An meinen Schultagen und sonst sind sie bei mir, wir machen viel gemeinsam. In den letzten Wochen habe ich von der Berufsschule einige Aufgaben bekommen, die ich schriftlich erledigen muss. Seit neuestem über ein Online-Portal. Diese Aufgaben erledige ich ab 21.00 täglich. Es ist wahnsinnig anstrengend und ich bin sehr oft verzweifelt. Aber ich schätze es sehr so viel Zeit mit meinen Kindern zu haben, die ich nie hatte… aber wenn ich die beiden Lachen sehe oder höre, dann weiß ich wofür ich das alles leiste.

    0
    1. Daniela Antworten

      Da bist Du ja, wie sehr habe ich Dich vermisst. Mama, die Du denkst, fühlst, und sogar lebst wie ich es tue. Danke für Deinen Artikel. Auch mir geht es so mit #coronaeltern. Letzte Woche schrieb ich auch dazu einen Artikel. Dann fühlte ich wie Du, völlig überreizt, denn der Artikelinhalt folgte nicht dem Mainstream.
      „Wir Eltern tragen die emotionale Verantwortung für unsere Kinder“
      Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Liebe
      Daniela
      http://www.la-famille-fidele.net

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      1. Mama steht Kopf

        Ganz lieben Dank für Deine Worte!!! Dann les ich doch glatt auch mal bei Dir rein!! LG! Alex

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    2. Mama steht Kopf Antworten

      Danke für Deine Worte! Ich genieße auch sehr die extra Zeit mit den Kindern und weiß jetzt schon, dass ich diese schmerzlichst vermissen werde! LG! Alex

      1+
  4. Ilona Felber Antworten

    Du sprichst mir so aus der Seele. Bei mir in der Nachbarschaft, Bekanntenkreis und in den sozialen Netzwerken, geht es um nix anderes mehr, wie scheiße auf deutsch gerade alles ist und die Kinder sooooo anstrengend. Parolen wie macht die Kitas und Schulen wieder auf, knallt mir mindestens einmal am Tag entgegen. Man ignoriert jede Art von Anweisungen der Landesregierung, macht was man will, egal ob zu den Großeltern fahren oder Partys in Garten feiern, draußen im Hof die Kids mit zig anderen Kindern spielen lassen. Ich kann das alles gar nicht nachvollziehen und ich bin berufstätig!! Die Zeit mit den Kindern ist doch so wertvoll und gerade die Mütter die zu Hause sind, motzen am meisten. Mein Zwerg, 4 Jahre, ist das ausgeglichendste Kind, seit er daheim ist, er akzeptiert es voll und ganz und das ohne groß Drama, im Gegenteil, wir genießen so sehr die Zeit zusammen. Ich hatte die letzten 3 Jahre nicht mehr so viel Zeit mehr mit ihm. Kein Termin- und Zeitdruck. Kein abhetzen zwischen Kindergarten und Arbeit. Die vier Wochen die ich in Kurzarbeit war, sind die relaxesten 4 Wochen gewesen. Ich konnte endlich mal das machen zu was ich die letzten Jahre nicht gekommen bin. Entschleunigen, runter kommen, genießen, einfach mal sich auf das wesentliche besinnen. Das hat mich für die Arbeit unheimlich gestärkt. Danke für deine Worte!

    0
    1. Mama steht Kopf Antworten

      Gerne! Wir haben aktuell – ehrlich gesagt – auch sogar einige Probleme weniger und genießen sehr die entschleunigte Zeit zu fünft!! LG!!!

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  5. Doris Antworten

    Vielen Dank für den Artikel. Als berufstätige Mutter von einer Erstklässlerin und einem Kindergartenkind sehe ich angstvoll den Öffnungen entgegen. Unser Kindergartenkind gehört zur Risikogruppe. Damit steht man gefühlt komplett alleine da und wird von der Gesellschaft übersehen.
    Liebe Grüße.

    2+
  6. Kristin Antworten

    Ich kann deine Meinung absolut nachvollziehen, und ich genieße die Zeit mit meinen beiden Kita Kindern. Das ist alles gar nicht das Problem.
    Allerdings brauchen wir zum Beispiel eine Kitaöffnung bzw Notbetreuung (ich bin Kinderkrankenschwester), damit wir nicht in den finanziellen Abgrund rutschen. Wir haben nämlich beide Berufe, welche nicht im home office möglich sind. Da mein Beruf zu den systemrelevanten gehört, haben wir das „Glück“ eine Notbetreuung in Anspruch nehmen zu dürfen. Zumindest ab Juni. Denn jetzt haben wir die Zeit versucht zu überbrücken mit den Reszen unser Elternzeit und Urlaub. Aber das ist langsam alles aufgebraucht. Das heisst, wenn wir kein Anspruch auf notbetreuung hätten, müsste einer von uns unbezahlt zu Hause bleiben. Das würde für uns auf Dauer den Verlust unseres Hauses, welches wir vor 1,5 Jahr sehr günstig gekauft haben und wirklich kleine Raten haben, bedeuten und damit den Verlust des zu Hauses meiner Kinder. Denn mit Eigentum hat man leider nicht viel Anspruch auf Unterstützung
    Verstehe ich ja auch, dass der Staat nicht unser Haus abbezahlen will.
    Grosseltern können/sollen und wollen die Betreuung nicht übernehmen, wohnen eh weiter entfernt.
    Ich will damit nur sagen, dass bei einigen Familien vielleicht gar nicht die überforderung der Betreuung der Kinder im Vordergrund steht, sondern die massive und berechtigte Bedrohung der Existenz.
    Und auch diese Familien muss man berücksichtigen.
    Wenn ich könnte, würde ich zu Hause bleiben und mir eine tolle stressfreie Zeit mit meinen Kinder machen. Da mein Mann leider trotz Studium richtig mies bezahlten Job hat und ich Teilzeit arbeite, können wir leider auf kein Gehalt verzichten. Und wir leben wirklich nicht auf großem fuss.
    Diese Virus ist natürlich gefährlich und kostet Menschenleben, aber es kann auch ganze Existenzen von Familien (natürlich auch Einzelpersonen) kosten
    Deswegen muss es bald einen Fahrplan geben, wie es weiter geht, denn das Virus wird erstmal bleiben, und ob und wann ne Impfung gefunden wird, steht in den Sternen. Das heisst wir müssen es schaffen mit dem Virus zu leben und es schaffen Infektionszahlen und todesrate niedrig zu halten, aber wir müssen es auch schaffen dass nicht ein grossteil der Bevölkerung ihre Lebensgrundlage verliert.
    Einfach ein schwieriges Thema.

    1+
  7. Barbara Pramböck Antworten

    Leider ist Dein Artikel, so wie viele andere, sehr einseitig. Du siehst vor allem Deine Seite und verkündest, basierend auf Deiner Lebenswelt, dass es ja wohl nicht sein könne, dass so viele jetzt nach einer Öffnung der Kitas und Schulen verlangen. Obwohl es Dir gegen den Strich geht, dass geurteilt wird, tust Du das jetzt ebenfalls. Denn: Das was für Dich passt, soll bitte für die anderen auch passen. Auch mit der unterschwelligen Wertung, dass ja diejenigen, die es jetzt nicht so schaffen (oder die es nicht schaffen „wollen“, weil sie auf ihre Ressourcen achten und sie das, was Dir Freude bereitet, Kraft kostet), es eigentlich besser schaffen und nicht jammern sollten (seht her, ich kann‘s ja auch!). Damit machst Du genau in das, was Du zu Beginn Deines Posts als negativ beschreibst.

    Fakt ist: Du kommst gut zurecht und möchtest, dass die Kinder noch zu Hause bleiben. Das ist legitim. Das sollst Du gerne auch äußern. Es gibt ja genug Daten, die auch dafür sprechen, einiges noch abzuwarten. Für andere ist das aber trotzdem nicht das Richtige. Und auch das ist legitim! Die Regierung muss einen Weg finden, der möglichst viele Menschen entlastet, bei gleichzeitiger Abwägung des Risikos. Das ist nicht einfach und irgendwer wird wahrscheinlich nicht glücklich damit sein.

    Bei uns in AT gibt es die Regelung, dass Eltern, die ihre Kinder noch zu Hause lassen wollen, sie zu Hause lassen können. Allerdings ohne Online Angebot. Man muss sich die Lernunterlagen also wieder selbst organisieren. Auch nicht angenehm, aber für Risikofamilien eine Möglichkeit.

    Ich selbst bin dzt zu Hause mit „nur“ einer 4-Jährigen (Eine Leserin hat sich über eine Mutter mit genau der Konstellation mokiert, da diese meinte es wäre mühsam.). Ich falle sicher in keines der typischen Schemata (Home Office plus Home Schooling, mehrere Kinder, etc). Trotzdem geht mein Kind ab Mo wieder in den Kiga (mit 1 anderen Kind dzt.). Nicht, weil ich es zu Hause nicht schaffe – wir schaffen es soweit sehr gut (auch wenn die Tage mit nur einem Kleinkind seeeehr lang werden können – das sind dann halt andere Themen als bei mehreren), sondern weil Einzelkinder ganz besonders auf die sozialen Kontakte mit anderen Kindern für das soziale Lernen angewiesen sind. 7 Wochen ohne andere Kinder ist wohl ohne größere Schäden zu überstehen, aber bis September? Never ever! Ja, dadurch steigt das Risiko, an Covid19 zu erkranken. Aber es sinkt das Risiko, dass mein Kind in seiner sozialen Entwicklung behindert wird (meine ist da eh eher später dran).

    Es zeigt sich hier einfach, wie verschieden die Bedürfnisse und Lebensrealitäten sind. Welche davon „wichtiger“ sind – das ist praktisch unmöglich zu bewerten, auch wenn genau das getan werden muss. Leider fällst auch Du, wahrscheinlich ungewollt, in den Bewertungsmodus bzw. den Verurteilungsmodus. Es gibt gute und nachvollziehbare Stimmen für eine Öffnung und gegen eine Öffnung. Beides ist legitim und darf sein, auch wenn es der anderen Partei nicht gefällt.

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