Ein Sommer ohne Freibad IST KEIN Sommer! Corona-Tagebuch

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Solange ich mich erinnern kann bedeutete Sommer hauptsächlich Eines:
Viele, viele Stunden im jeweiligen heimischen Freischwimmbad.

Ich erinnere mich an Tage auf Tauchstation und rot-unterlaufene Augen im Anschluss.
An den Duft des noch vom Tau-überzogenen Grases, radelte ich gleich nach dem Frühstück ins geliebte Schwimmbad, um eine der Ersten zu sein, die in’s blaue, noch wellenlose Nass hüpften.

Der Duft von Kokosöl und Sonnencreme liegt mir in der Nase – und noch immer kitzelt und sträubt sich die Zunge beim Gedanken an „saure Gurken“ und all‘ den anderen „verbotenen“ Leckereien, für welche das wöchentliche Taschengeld gut und gerne einmal drauf ging.

Ich erinnere mich an Nachmittage auf der karierten Decke und Tupper-Dosen voller Aprikosen und Apfel-Schnitzchen.
Auch an Flusen am Badeanzug-Hinterteil von vielen exzessiven Rutsch-Wettkämpfen – und das Kribbeln in der Nase nach dem gewagten Sprung vom 3-Meter-Turm.

Der Geruch von Chlor und wilde, nasse Haare gehörten genau so zum Sommer wie Omas Erdbeeren im Garten und das alte, geröstete Brot auf dem Grill.

All das war und IST nicht wegzudenken!

Auch später bedeutete Schwimmen mein Ausgleich.
Viele, viele Tage in den jeweiligen Sommerferien verbrachte mein Teenager-Ich im Schwimmer-Becken, die täglichen 1000 Meter waren mir ein willkommenes Ziel – und sind es bis heute geblieben.

In diesem Sommer soll es für uns kein Freibad geben.

Wenngleich Schwimmbäder nunmehr wieder öffnen dürfen, und es zum größten Teil bereits getan haben, soll in diesem Sommer in meinem Wahl-Heimatort keine Freischwimm-Saison stattfinden.
Obwohl dies unter Einhaltung gewisser Auflagen durchaus denkbar und möglich wäre!

Und mir blutet das Herz und es macht mich so unfassbar traurig.

Für meine drei Kinder – aber auch für mich!
Aus so vielen unterschiedlichen – und teilweise auch individuellen Gründen!

Wenn doch Andere es schaffen, sich Hygiene-Regeln auszudenken und notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um weiterhin ein einigermaßen gewohntes Leben aufrecht zu erhalten – warum ist es hier nicht möglich?

Und hat sich überhaupt irgendwer Gedanken um die Auswirkungen einer solchen Entscheidung gemacht?
Jetzt, wo man hätte frei (und somit durchaus anders!!!) entscheiden können?

Die großen Kinder verkrümeln sich in ihre Höhlen

Freibad-Liebe

Im letzten Sommer war das Freibad der einzige (!) Grund, meinen pubertierenden großen Sohn einmal aus dem Haus zu locken und sich zu bewegen.

Schmunzelnd sass ich am Beckenrand und beobachtete Horden blasser, pickliger Jungs, welche ganz offensichtlich Dank Playstation & Co. nur noch selten das Tageslicht zu sehen bekommen.

Und hier und da zeichnete sich der damit verbundene Mangel an Bewegung ebenfalls auch optisch ab.
Ich möchte nicht wertend klingen und  traue es mich kaum zu sagen, doch hegte ich damals schon den Verdacht, dass Fortnite (ich weiß, es ist schon wieder out) und Gleiches, nicht unbedingt förderlich für die körperliche Gesundheit und Fitness so mancher Kinder zu sein vermag.
Auch nicht für meine ganz eigenen.

„Wie gut, dass sie sich wenigstens hier bewegen“

stieß es mir damals unweigerlich durch den Kopf, auch eben in Hinblick auf meinen Sohn.

Nun, so wie es aussieht, werden sie alle in diesem Sommer ihre dunkle Muffel-Höhle gar nicht mehr verlassen.

Die großen Kinder.
Nix lockt nach draußen – und mögliches Übergewicht ist eine meiner leichtesten Sorgen was das betrifft!

Monatelang konnten sich Kinder nicht ausreichend bewegen – und jetzt soll ihnen auch diese Möglichkeit genommen werden?

Es gibt so viele Kinder, die nicht schwimmen können!

Ich denke an all die Kinder, die gerade erst schwimmen gelernt haben – oder es noch gar nicht können!
Wie soll sich Wissen festigen und vertiefen, ohne auch nur ansatzweise die Möglichkeit zum Schwimmen zu haben!?

Mit Schrecken musste ich in den vergangenen Jahren beobachten, wie viele Nichtschwimmer es tatsächlich noch im Grundschul-Alter gibt.
Als es darum ging, den Schwimmunterricht innerhalb des Schulsportes zu planen.

Meine Kinder waren hier mit dem Silber-Abzeichen eine große, große Ausnahme!
Ist das nicht bedauerlich?

Nun also werden viele Kinder in diesem Sommer keine Gelegenheit haben, das Schwimmen zu erlernen – die Sache mit dem Schwimmunterricht kann wohl aus dem Lehrplan der Grundschule gestrichen werden.

Freibad – wenn nicht hier soziale Kontakte, wo dann?

Als wir vor einigen Jahren in unser neu gebautes Haus zogen, kannte ich in der neuen Wahlheimat niemanden.

Ich war junge Mama und sehr oft mit meinen Kinder alleine zu Hause – und bin bis heute nicht in den alten Beruf zurückgekehrt.

Und ich schrieb es hier auf diesem Blog schon oft:

Teilweise empfand ich auch große Einsamkeit und ein Gefühl der Isolation.

Das tue ich teilweise heute aus den diversesten Gründen auch immer noch – die Sache mit Corona jetzt einmal ganz beiseite geschoben.

In den Sommer-Monaten fiel die Sache mit dem Allein-sein allerdings nicht ganz so gravierend in’s Gewicht.

Denn es war ganz ehrlich das Freibad, welches mir den eigenen Hintern rettete und mich aus der Tristesse und Tagen des Allein-seins mit drei Kindern heraus holte!

Ich gehe unheimlich gerne in’s Freibad!

Auch hierzu äußerte ich mich auf dieser Seite zu genüge.

Selbst mit drei Kindern – und sogar als diese noch sehr jung waren und jede Sekunde beaufsichtigt werden mussten, empfand ich einen Freibad-Besuch als sehr willkommene Abwechslung vom Mama-Alltag!

Raus aus der Bude und Menschen sehen!

Die Sonne auf der Nase tanzen lassen und die Füße im kühlen (Pipi-) Planschbecken-Nass!
Kinder, die miteinander spielen und einmal nicht 24/7 an Mama kleben.

Das IST schön und tut der Seele gut!

Mit jedem Sommer wuchs unser Bekanntenkreis – und irgendwann war der Punkt gekommen, dass ein Besuch im Freibad immer ein Garant war für Kinder, die sich kennen und treffen und miteinander spielen!
Und Mütter, welche sich untereinander austauschen und plaudern können – und für einen Moment all‘ die Probleme zu Hause vergessen.

Ein Bild aus glücklichen (Freibad-) Tagen

Freibad ist für mich auch ein Inbegriff für soziales Leben! Und soziale Kontakte! 

Und das brauchen auch wir Erwachsenen, insbesondere wir Mamas!

Ich habe durch die aktuelle Situation seit Monaten kaum andere Mamas getroffen – traurigerweise wird dies wohl nun auch so bleiben.

Und nicht zuletzt waren unsere Kinder wochenlang eingesperrt!

Alle Hoffnung wurde in unserem Haus auf die Freibad-Karte gesetzt!
Wirklich! Alle!

Hier zerplatzt gerade ein Traum und Perspektiven schwinden.

Was ist mit den alten Menschen?

Seit bald vier Monaten setzen wir uns für die alten Menschen in unserer Gesellschaft ein.
Verzichten, isolieren uns und ließen Großeltern monatelang alleine – um ihre Gesundheit zu schützen.

Die älteren Menschen standen in der Corona-Krise an oberster Stelle – und müssen nun massiv zurückstecken!

Denn Freibad bedeutet doch nicht nur Gedrängel an der quietsch-bunten Rutsche!
Es besteht nicht nur aus halbstarken Jungs auf dem 5-Meter-Brett und auch nicht aus gackernden Mädels am Becken-Rand!

Es ist oft die einzige Möglichkeit für ältere Menschen sich schonend bewegen zu können und ebenfalls soziale Kontakte zu schaffen – oder eine gewisse Gemeinsamkeit zu erleben!

Verdammt!
(„Rafft es doch!“ möchte ich hier nun gerne schreiben – doch will ich versuchen mich zu zügeln…)

Auch hier erinnere ich mich an vergangene Sommer.
Wie ich selbst beim Bahnen ziehen vor mich hinschmunzeln musste.

Als *Erika die liebe *Helga traf und im Schneckentempo geschnattert und geschwommen wurde.
Ja, sie waren langsam und redeten viel!
Aber sie bewegten sich verflixt nochmal!

So, wie es ihnen eben möglich war!
Und sie waren glücklich, trafen sich jeden einzelnen Morgen am tiefblauen Becken – und mein Herz ging auf!
Jedes Mal beim Anblick all‘ dieser älteren, glücklichen Menschen!

Und das ist hier nicht geschleimt!
Die Rentner-Treffs gehören ebenfalls zum Freibad wie salzige Pommes und Wassereis!
Und süß und herzallerliebst sind sie zudem.

Auch diesem Personenkreis wird nun eine sehr wichtige Alternative genommen!

Scheiß auf Sport und die Gesundheit – oder was?

…selbst ohne Turmspringen – die Kinder würden sich bewegen!!!

Nochmal:
Für eine große Anzahl großer und kleiner Menschen ist das Schwimmen oftmals eine der sehr wenigen Möglichkeiten, sich bewegen zu können.
Sei es aus gesundheitlichen – oder anderen Gründen!

Wir beklagen, dass sich unsere Kinder nicht genügend bewegen, nehmen ihnen aber hier eine große Gelegenheit dazu!
Warum!?

Ich bin traurig

Ich fühle mich einfach so unfassbar traurig ob der Entscheidung unserer Heimatstadt.

Es mag Familien geben, die tangiert eine solche Sache rein gar nicht, für die ist Freibad gleich bedeutungslos.

Doch für uns bricht hier ein großer Teil Sommer weg!
Ein Inbegriff und vertrauter Freund.
Ein Stück Heimat, welches ich in der Fremde gefunden hatte, wird mir hier nun wieder genommen.

Mein Retter an quälend langen Tagen mit den Kindern und stickig-heißen Stunden.

Unser Schwimmbad ist eines der schönsten Freischwimmbäder, welche ich in meinem Leben kennen lernen durfte!

Und es ist eine Schande, dass es nunmehr brach liegt!

Es war (und ist!!!) ein Ort der Begegnung und eine Attraktion, welche das kleine hessische Örtchen ein Stück weit lebenswerter machte.

Aber nun?
Wüsste ich nicht, was ein Anreiz wäre, unser verschlafenes Städtchen überhaupt noch aufzusuchen.

Und das darf ich auch nach Jahren an diesem Ort so sagen!

Ganz, ganz ehrlich!

Traurige Grüße!

Eure 

Alex

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