Schlechte Aussichten? Oder eine Frage des Lichts? Ein November-Samstag.

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„Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen, und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann“ 
(Soeren Kierkegaard, dänischer Philosoph)

Samstag.

Ich hatte mich eigentlich darauf eingestellt, Euch hier nun einen ziemlich traurigen Text zu schreiben.

Nachdem ich mir bewusst ein paar Tage Auszeit nahm – und aus den unterschiedlichsten Gründen weder schreiben wollte noch konnte.

Da war zum Einen der Bericht über unser ganz und gar einzigartiges Familienprojekt – die Dokumentation mit der Österreich Werbung (ihr könnt alles gerne hier nochmal nachlesen), den ich ehrlich gesagt ein wenig wirken lassen wollte.

Denn ein solch außergewöhnliches Erlebnis?

Wollte ich einfach nicht so schnell hinter dem nächsten – und übernächsten – Blog-Post verschwinden lassen.

Ich nahm mir bewusst eine kleine Auszeit vom Schreiben.

Und dann waren da noch andere Dinge.

Sorgen und Gedanken – teilweise diejenigen, die wohl viele von uns in dieser unberechenbaren Zeit plagen – aber auch andere.
Ganz persönliche.

Und ich war mir sicher, all‘ dies nunmehr verarbeiten zu wollen, niederzuschreiben, was mich jüngst plagte und grämte.

Ein „Jammer-Post“ eben, wie er in diesen Zeiten doch so passend daher kommen könnte!

Jammern? Gehört doch gerade zum „guten Ton“!

Und weil es beinahe schon zum guten Ton gehört, alles und jede Situation dieser Tage einfach nur doof und ganz furchtbar schrecklich zu finden.

Dummerweise nur liegt mir das Jammern und Winseln nicht immer und in jeder Situation allzu sehr!

(Man behauptet durchaus von mir, „zäh“ zu sein! 😉 ) 

Und doch fühle ich mich nahezu dazu verpflichtet!

Weil schöne Tage und glückliche Momente ja im Widerspruch zu dieser doch so eigenartigen Zeit stehen – und einfach jetzt gerade nicht hierher gehören!

Denn hin und wieder habe ich das Gefühl, wer sich in diesen Zeiten freut und noch immer (situativ) glücklich zählt, der sollte sich wohl gefälligst schämen und seinen Übermut strikt zügeln!

Positiv gestimmte Texte ziehen in Tagen des „Lockdown light“ einfach nicht.
Sind so ziemlich schlecht für die „Quote“.
Isso.

Doch was schert es mich eigentlich, was Andere denken und machen? 😉

Gewiss, auch mich plagen SO viele Fragen, Sorgen und Ängste!

Weil kein Tag mehr planbar ist – und der freie Fall ohne Netz und doppelten Boden greifbar nahe scheint. Wenngleich „greifbar“ hier ein gänzlich fehl gewähltes Vokabular zu sein scheint.

Denn scheint nicht gerade MEIN Leben – unser aller Leben – nahezu zu entgleiten und aus den Fingern zu flutschen?
(Gewiss werde ich darüber noch berichten)

Weil alle Verlässlichkeit verschwunden ist – und der kommende Winter als dunkler, trister Schatten bereits irgendwo da draußen am Horizont lauert?

Doch nicht heute!

Heute haben Wolken und düstere Gedanken keine Chance.

Ich kann gerade nicht jammern.

Hab‘ sie weggeschoben, die blöden Gedanken –  und den im Kopfe zurecht gelegten trübseligen Beitrags-Entwurf einfach verworfen!

Dummerweise geht es mir heute gut!

Denn jetzt gerade?

Wo die meinen Wangen wohlig warm glühen – und sich eine gewisse besänftigende Müdigkeit auf mich legt, mich schützend einhüllt – und Gedanken, welche mich gestern noch plagten, abwehrt, kann ich einfach kein Trübsal blasen.

Jetzt, wo die gepackten Ausflugs-Rucksäcke noch im Flur stehen, nebst vier paar Wanderschuhen (und vielen, vielen Schlammklumpen und Kieselsteinchen) – jetzt möchte ich gar nicht weinen und jammern.

 

Denn genau jetzt?
Möchte ich dieses Gefühl der Unbeschwertheit noch ein wenig halten und hinauszögern!

Mag mich am liebsten nicht bewegen – nur ganz vorsichtig – und den Kopf nicht zu sehr in alle Richtungen drehen.

Damit es noch ein wenig bleibt.
Dieses Gefühl, dieser schöne Tag!

Damit ich gar nicht sehe und wahrnehme, was um mich herum geschieht – und damit die Magie der letzten Stunden nicht verschwindet.

Ja, ich will sie einfach noch nicht gehen lassen, jetzt da es mir bis zu diesem Zeitpunkt gelungen ist, das gewöhnliche Leben – den neuen Pandemie-Alltag – für einen einzigen, ganz und gar wunderbaren und sonnigen Samstag auszusperren!

Denn gleich holt mich eh wieder alles ein!

Das weiß ich.

Dann wird mich die Mittlere daran erinnern, dass wir gleich noch Diktat und Englisch lernen müssen.

Dann fällt mir wieder ein, dass der Gatte ja länger auf Dienstreise ist und ich an diesem Wochenende – und auch in der darauf folgenden Woche – ganz allein(erziehend) bin mit drei Kindern!

Und dies zu erst schon umständlichen Pandemie-Zeiten.

Dann wird mir wieder bewusst, dass ich alleine klar kommen MUSS.

Und dass ich in diesem Zusammenhang auch gleich vom Sohn daran erinnert werde, dass die Schule sich nunmehr jener gefürchteten „Stufe 3″ nähern wird.

Und ich neben zwei Kindern im Präsenzunterricht ein weiteres Kind hin und wieder im Distanzunterricht zu Hause haben werde!

Auch werde ich damit verbunden wieder realisieren, wie blöd und umständlich das alles mit mehreren Kindern doch ist!

Mit der doofen Mama-Taxi-Fahrerei, weil wir die Kinder – aus nachvollziehbaren Gründen – NICHT mehr Bus fahren lassen.

Dann lastet gleich das Leben wieder schwer – und dann lähmt die Angst und möchte am Weitergehen hindern.

Doch noch bin ich gerade nicht so weit!

Noch hocke ich hier auf der Couch und habe Corona und den Alltag (und Dreckwäsche und Geschirr) einfach ausgesperrt!

Heute war mein Päckchen leicht

Es lief sich heute nämlich ganz gut mit dem geschulterten ganz persönlichen Rucksack, der auf einmal mit einer unerwarteten Leichtigkeit zu tragen war.

Mit der Sonnenbrille auf der Nase und dem Blick stoisch nach vorne und auf das Schöne im Leben gerichtet.

 

Mit dem Handy in der Gesäßtasche, welches ich lediglich zückte, um Momente der Unbeschwertheit und des Familien-Zusammenhalts festzuhalten.
Um Farben einzufangen und all‘ diese wundervolle Natur.

Die Natur, die mir in diesem Jahr so sehr ans Herz gewachsen ist!

Die wir alle endlich wieder zu achten und schätzen gelernt haben!

Ich sah heute glückliche Kinder WANDERN- meine Kinder!

Kinder, welche am frühen Morgen noch zaghafte Proteste ob der geplanten Aktion wagten!

Kindern, die Stunden später über Wurzeln und Baumstumpfe hüpften, Felsen erklommen und Händchen-haltend neue Wege gemeinsam gingen!

Auch die großen Kinder!

Denn einmal mehr sah ich heute, dass es sich immer lohnt, am eigenen Tagesziel festzuhalten und an die Sache an sich zu glauben. 😉
(„Neihein!!! Wir fahren da JETZT hin! Jaaaa jetzt SCHON!!!“😉 )

Ich lernte einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir alle gemeinsam aus dem Alltag ausbrechen und Kopf und Seele mit frischer Luft tränken und auch, dass Menschen durchaus wieder zueinander finden können!

Und das ist schön!

Schöne Momente in schwierigen Zeiten

Zusammen mit meinem Bruder, der lieben Schwägerin und dem kleinen Neffen wanderten wir in der Rhön und ich bin froh und dankbar darüber, dass sich die Dinge so fügten wie sie es nun einmal taten.

Dass ich ohne Pläne (und ohne Mann) war an diesem Samstag – und dass der liebe Neffe so sehr seine Cousinen treffen wollte!

Dass die Sonne schien und dieser Himmel so unfassbar blau daher kam.

Und auch dafür, dass einfach alles passte – und der Tag nur so danach schrie, ein guter und versöhnlicher zu werden.
Wenn ich es nur zulasse.
(Und alle Kinder rechtzeitig aus dem Bett schmeiße! 😉 )

Es waren die ersten gemeinsamen Stunden mit meinem kleinen Bruder seit vielen, vielen Jahren – und ich danke den Umständen für diese Chance und Gelegenheit!

Gemeinsam gingen wir Wege, welche ich zuletzt vor fast dreißig Jahren mit den Eltern lief – und seinerzeit selbstverständlich unfassbar blöde und öde fand.

Und so muss ich an dieser Stelle wohl erwähnen, wie froh ich bin, dass selbst der Dreizehnjährige friedlich und bereitwillig mit uns marschierte!

Und ganz ehrlich?

Solange es solche Erlebnisse gibt, solange die Sonne scheint und die Welt um uns herum in dieses unfassbar schöne Licht taucht, solange es frische Luft zum Atmen und Händchen-haltende Kinder gibt, KANN das Leben gar nicht schlecht sein!

Trotz Corona.

Eure 

Alex

P.S. Ich habe mich heute gegen das klassische „Wochenende in Bildern“ entschieden, weil manchmal einfach EIN Tag allein einen Text füllt – und ein Wochenende wertvoll macht und gänzlich abrundet.
Ich möchte diesen Samstag gerne einfach so stehen lassen! 😉

P.P.S. Und dennoch – noch mehr Familienwochenenden in Bildern gibt es wie immer drüben bei grossekoepfe zu sehen! (Werbung durch Verlinkung)

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

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