„Corona ist bald vorbei“ – Bin ICH hier der Freak!?

„Corona ist bald vorbei!“

ruft mir ein Nachbar freudestrahlend draußen entgegen.

Kinder gehen in die Schulen zurück – und auf dem nahe gelegenen Dorfspielplatz herrscht nicht nur reges Treiben, sondern nahezu Hochbetrieb!

Achtzehn Kinder zähle ich, fast genauso viele Mütter, gebündelt in sehr offensichtlich verabredeten Grüppchen.

Denn sie bringen Kuchen, Picknickkörbe und Thermoskannen mit.

Und lachen und schnattern angeregt und gelöst – eine Pandemie scheint es auf dem Land nicht zu geben.
Sie ist schlichtweg in den Köpfen vieler nicht existent.

Das mag auf dem Dorf sogar fast stimmen, doch ich bleibe skeptisch.

Wippe mit meinem jüngsten Kind abgesondert auf der Wippe – als sie mal frei ist – und desinfiziere mir nach dem Spielplatz-Besuch die Hände.
Mehr als das, erinnerte mich das Kind selbst daran, denn sie habe ja „alles dort angefasst“.

Sind wir die „Weirdos“?

Und für einen kurzen Moment…

…muss ich schlucken, komme ins Straucheln.

Bin etwa ICH der Weirdo?
Sind WIR komisch?

Viiiel zu ängstlich und verbissen?
Nehmen wir es zu genau mit den Empfehlungen und Maßnahmen – und machen uns mit unserem Verhalten lächerlich?
Verbiete ich meinen Kindern aktuell zu viel?

Nehme ICH ihnen Leichtigkeit und Lebensfreude?

Hinterm Lenkrad auf der Heimfahrt ertappe ich mich dabei, wie ich irritiert den Kopf schüttele.

Warum mache ich das alles?

Warum mache ich das dann alles? Um mich zu schützen?
Nun, auf meine ganz eigene Gesundheit legte ich nie viel Wert.
Sollte ich aber, denn ich werde noch gebraucht.

Meine Kinder will ich aber schützen, die Familie – um jeden Preis!!

Aber das kann ich ja ohnehin nicht mehr so richtig.

Denn sie gehen zumindest zu fünfzig Prozent ihrem alten Alltag nach.

Das ist auch schön, das macht meine Kinder glücklich und ich gönne es ihnen – und vor allem ganz vielen anderen Kindern, denen es in den letzten Wochen aus diversen Gründen deutlich schlechter ging – von Herzen!

Erstklässler und Masken? Klappt das?

Aber wie es um die Sache mit den Masken bei Erstklässlern bestellt ist, weiß ich längst.
Das kann sich jeder denken!
Denn es gibt wichtigere Dinge, wie das Vergleichen von Wackelzähnen!

Und ganz im Ernst?

Wer kann es Erstklässlern verdenken, dass sie phasenweise Hygienevorschriften vergessen – und wer kann von Lehrkräften erwarten, immer und überall ihre Augen zu haben?
Das geht nicht!

Das kann kein Mensch und mir tut es um diese immense Verantwortung leid!

Ich habe aktuell größten Respekt vor den Aufgaben und Herausforderungen unserer Lehrkräfte!!

Was kommt da auf Familien zu?

Am Vormittag bekam ich die überarbeitete Test- und Quarantänestrategie des hiesigen Gesundheitsamtes zu Gesicht – es ist demnach nur eine Frage der Zeit, bis ganze Familien in angeordnete häusliche Absonderung müssen!

Alles der neu-gewonnenen Freiheit und zurückgekehrten „Normalität“ wegen.

Vielleicht sollte ich einfach auch auf alles pfeifen und meine Kinder ziehen lassen?

Zu Freunden und Freundesfreunden? (Das mache ich aber natürlich nicht!) 

Vielleicht bin ich ja hier der Freak.
Vielleicht sind wir eine eigenartige und übervorsichtige Familie!
Und vielleicht analysiert der Mann zu viel und studiert zu genau Kurven.

Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich fast schon ein bisschen so an.

Habe ich Angst vor der „Normalität“?

Ob es gar daran liegt, dass ich mich vor einer Rückkehr in die Normalität fürchte?

Weil ich nunmehr für sehr, sehr lange Zeit auf „Spielplatz-Geschnatter“ verzichtete?
(Ich mag es aber ohnehin nicht so – das mal am Rande bemerkt! „Nicht-Kinderthemen“ beim Glas Wein sind mir lieber! 😉 )

Oder vielleicht weil ich nicht mehr weiß was das ist?

Sozialkompetenz? Begegnungen? Miteinander? Spaß? Kontakte und Berührungen?

Weil ich zum grausigen, grummeligen Waldschrat geworden bin, der die Menschheit nunmehr fürchtet – und wie ein ausgesetztes verwahrlostes Wesen erst wieder an das, was man zwischenmenschliche Beziehungen nennt, herangeführt werden muss?

Ganz sanft, sachte und vorsichtig?
Mit schrittweisen Lockerungen?

Liegt es daran, dass ich mich nicht mit Alltagsproblemen und wiederkehrenden Sorgen beschäftigen möchte – und krampfhaft versuche, eine Blase unter dem Deckmantel der Pandemie heile zu lassen?

Um mich vor dem tiefen Fall zu schützen?
Dann, wenn alle Anderen jubeln und feiern?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass sich das alles gerade sonderbar anfühlt.

Nicht richtig und zu früh.

Irgendwie fühle ich kein „bald vorbei“ und keine Leichtigkeit.

Ich sehe (noch) keinen unbeschwerten Sommer, in welchem alles wieder gut ist. Einfach so.

Aber vielleicht liege ich ja falsch und bin im Unrecht!

Ich kann es nur sehr hoffen! 

Eure 

Alex

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