Es liegt also jetzt in der Verantwortung der Eltern – Gedanken zur Testpflicht an Schulen mit steigendem Inzidenzwert

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Donnerstag.

„Lass‘ uns mal bitte über Montag reden“

sage ich am Vormittag zum Mann.

Mails häufen sich, neue Informationen überschlagen sich stündlich, Elternbriefe sind zu sichten und Einverständniserklärungen auszudrucken und zu unterschreiben.

Das also ist unser neuer Alltag.

Doch füllt sich gerade nicht nur mein Email-Postkorb immens, sondern auch der eigene Kopf brummt ob der vielen Gedanken und Fragen bezüglich des anstehenden Schulstarts am Montag.

„Es ist noch zu früh – Sonntag vielleicht“

entgegnet der mir Angetraute.

Auch DAS wäre wohl vor etwas mehr als einem Jahr undenkbar gewesen!

Dass Pläne für den kommenden Montag an einem Donnerstag noch gar nicht überlegt oder gar manifestiert werden können.

Das ist unsere neue Realität.

Was morgen ist? Wer weiß das schon!

Kann ich mich…

…auf die Nachrichten, Informationen und Mail-Flut von heute verlassen? Nope!

Das kann wohl niemand.

Auch nicht die Schreibenden (und Schulen) selbst.

Denn es kommt eh erstens alles anders und zweitens als Frau denkt.

Auch das habe ich gelernt.
Und ich tue mir noch immer so unfassbar schwer damit, zu akzeptieren und einfach abzuwarten.
Auch nach über einem Jahr Pandemie.

Wie ist also der aktuelle Stand?

Laut aktuellem Stand also gehen zwei meiner drei Kinder ab Montag zurück in den Wechselunterricht.

Der große Sohn bleibt weiterhin zu Hause.

Das tut er bereits seit Mitte Dezember, eine kurzfristige Änderung jener Situation ist bekanntlich nicht in Sicht.
Der Sohn kommt erstaunlich gut mit der Situation klar und auch mit dem Distanzunterricht.

Vielmehr aber sorgt mich die Rückkehr der Mädels in die Schule!

Denn nicht nur steigt gerade der Inzidenzwert in unserem Landkreis täglich, sondern besteht nunmehr auch eine Testpflicht als Voraussetzung zur Teilnahme am Präsenzunterricht.

Unterstütze ich die Testpflicht?

Und vorweg lasst mich bitte Eines schreiben:

Ja, ich unterstütze die Testpflicht und verstehe Selbsttests an Schulen als ein weiteres Instrument zur Pandemie-Kontrolle.

Doch ob auf einen Selbsttest – durchgeführt von Erstklässlern – tatsächlich Verlass ist?
Oder Schnelltests im allgemeinen?

Gibt es nicht so viele „falsch“ negative oder positive Ergebnisse?

Denn meines Kenntnisstandes nach ist es durchaus möglich, dass Kinder symptomfrei die Schule besuchen, dennoch infiziert und bereits (!) infektiös sind – obwohl der Schnelltest noch (!) ein negatives Ergebnis aufweist.

Nutzt das dann noch?

Ich wage es noch immer zu bezweifeln, habe aber prinzipiell nichts gegen die Durchführung und Anwendung derer.

Auch habe ich aktuell noch Vertrauen darin, dass im Klasseraum darauf geachtet wird, dass die Testung, bei der logischerweise die Maske kurz (!) entfernt werden muss, so durchgeführt wird, dass sich niemand WÄHRENDDESSEN ansteckt.

Ebenso wie ich es den Lehrkräften und allen anderen Beteiligten auch zutraue, sich einem positiv getesteten Kind fürsorglich anzunehmen und eine Situation damit abzumildern und das Kind da durch zu begleiten.

Ja, ich traue es den Lehrkräften zu, dass hier kein Kind vorgeführt, stigmatisiert oder traumatisiert wird.

Was aber, WILL sich das Kind nicht testen?

Meine mittlere Tochter führte die Tests schon vor den Osterferien im Unterricht durch und zeigt sich mittlerweile lässig routiniert, was diese Vorgehensweise betrifft.

Nur habe ich hier ein Kind zu Hause, welches allein beim täglichen Haare-kämmen fürchten lässt, dass beim nächsten Türklingeln das Jugendamt vorm Haus steht.
(Als würde ein Schwein geschlachtet….. 😉 )

Eben jenes Kind hat eine panische Angst vor dem Schnelltest entwickelt, auch dann wenn sie ihn im Grunde selbst durchzuführen hat.
(Und natürlich rolle ich ob des Dramas des Kindes mit den Augen – ändern kann ich es aktuell aber nicht!)

Leider wurde die Furcht beim notwendigen Schnelltest beim Arzt Anfang der Woche nicht wirklich geschmälert, so dass wir nicht mit allzu günstigen Voraussetzungen in den Wechselunterricht starten.

Nicht mein Problem könnte ich nun sagen!

Da müssen die Lehrer wohl durch.

Doch welche Mutter sagt das schon!?

Wie muss ich mich fühlen, schicke ich mein Kind in die Grundschule, welches nur wegen dieses (doofen – aber notwendigen) Tests Angst vor der Schule hat?

Eine Erstklässlerin sollte mit Freude in die Schule gehen, andere Kinder sehen dürfen, Kontakt zur Lehrkraft haben und aus der Bude zu Hause einmal herauskommen!

DAS sind Beweggründe, WARUM ich den Wechselunterricht auch zu diesen Zeiten mitmachen und unterstützen würde.

Nicht aber möchte ich, dass mein Kind Angst vor dem Schulbesuch entwickelt.

Wir werden es wohl einfach versuchen müssen.

(*Hierzu gibt es am Ende des Textes noch ein erfreuliches update vom Freitag-Abend! 😉 ) 

Die Entscheidung wurde uns Eltern übertragen

Nie aber wurde es uns in den letzten Monaten leichter gemacht, die Kinder einfach zu Hause zu lassen und im Distanzunterricht zu beschulen.

Hierzu müssten wir lediglich in ein paar Zeilen der Testpflicht widersprechen – und die Sache wäre geritzt.

Ohne Attest, ohne uns einer PräsenzPFLICHT zu widersetzen.
Denn das ist die aktuelle Regelung.

Doch möchte ich davon Gebrauch machen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht!

Und ein bisschen bin ich niedergeschlagen, ob der Tatsache, dass man eine solche Entscheidung nunmehr einfach den Eltern überlässt – um hier nicht zu schreiben diese auf uns abwälzt.

Ich kann also einerseits meine Töchter ganz aus der Schule heraushalten und sie in der eigenen Familien-Bubble schützen und beschulen.

Auf der anderen Seite bin ich aber daran schuld, dass sie dann eines Fetzens „Normalität“ beraubt werden.

Denn auch ich habe Vorstellungen, was ich mir für meine Kinder wünsche.

Wenngleich die Gesundheit hier IMMER an erster Stelle steht !

Was möchte ich für meine Kinder?

Ich halte es für wichtig, dass meine Kinder wieder so etwas wie Struktur und Routine erfahren.

Sicher, die kann ich auch zu Hause gewährleisten.

Doch in einem Klassenraum zu sein, vermittelt meiner Meinung nach auch ein bisschen Sicherheit, Verlässlichkeit und Alltag in diesen Zeiten.

Die Kinder begegnen aktuell teils nur in der Schule Gleichaltrigen und haben direkten Kontakt zur Lehrkraft!
Hier kann Hilfestellung „in person“ gegeben werden, Stoff aus den Heim-Arbeits-Tagen wird besprochen und vertieft und die Kinder kommen einfach mal „zu Hause raus“.

Das kann ich allein nicht alles ersetzen, das möchte ich meinen Kinder nicht unbedingt verwehren!

Nur muss ich mich eben darauf verlassen können, dass Räume regelmäßig gelüftet werden, Masken konsequent auf Mund und Nase bleiben und Schnelltests ordnungsgemäß durchgeführt werden.

Ich muss mich darauf verlassen können, dass ein jeder vor Ort so viel Grips besitzt, dass die Kinder geschützt und sicher lernen können! 

Höre ich aber meine Kleinste sagen sie wünschte, die Schulen blieben geschlossen, zerreißt es mir das Herz…

Vielleicht sollte ich einfach die Inzidenz am Sonntag abwarten.

Wo sind unsere Grenzen?

Denn genau da liegt unsere persönliche Grenze!

Bei 200 ist Schluss. Aktuell liegen wir bei 177.

Das war „so ausgemacht“ und daran möchten wir festhalten.

Und zieht sonst keiner die Notbremse, so treten wir feste und ordentlich darauf.
Und die Kinder bleiben zu Hause.

Wir müssen noch immer aufpassen, sind noch lange nicht aus dem Gröbsten raus.

Zwar sind – mich eingeschlossen – mittlerweile einige Familienmitglieder teils vollständig geimpft, doch meine Eltern sind es beispielsweise noch lange nicht.

Wie lange also sollen meine Kinder noch durch die Schule eine „Gefahr“ sein?

Wir werden wohl das Geschehen wachsam beobachten  – und entsprechend reagieren – müssen.

Die Entscheidung liegt einzig bei uns Eltern.

Eltern, von denen viele noch lange nicht geimpft sind, weil wir einfach untergehen und übersehen werden. Obwohl wir auch systemrelevant sind! 

Doch ist dies wohl ein Thema für sich.

Wovor habe ich Angst?

Und klar habe ich Angst, schicke ich meine Kinder zurück in die Schule!

Keine Mutter möchte, dass sich die eigenen Kinder infizieren!

Niemand kann mir einen milden Verlauf bei Kindern garantieren – und auch Folgeschäden wie beispielsweise PIMS sind nicht ausgeschlossen!

Möchte ich das? Absolut nicht!

Ich habe Angst, dass meine kleinste Tochter keine Freude mehr am Schulbesuch empfindet – und kann nur hoffen, dass hier der „Gruppenzwang“ zieht und sich mein wildes, durchsetzungsstarkes, kämpfendes Mädel zusammenreißt und wieder einkriegt!

(Denn natürlich weiß ich, dass beim Selbsttest nichts weh tut! Erklär das nur jemand meinem Kind! 😉 )

Ich habe Angst, dass sich auch in einem Jahr noch nicht viel geändert hat – und nicht nur wir Erwachsenen immer mehr zu zermürbten Einzelkämpfern werden, sondern auch die Kinder untergehen und resignieren.

Doch noch ist Donnerstag.

Warten wir der Dinge, die da kommen….

Eure 

Alex

Update Freitag-Abend:

Vorausschauenderweise hatten wir an die 100 sterile lange Wattestäbchen bestellt.
Nach etwas Geduld und einer Handvoll spielerischen Test-Durchläufen wäre dann wohl mein kleinstes Kind bereit für den Selbst-Test-Einsatz in der Schule. Halleluja!!!
Hat sie gut gemacht! 🙂

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