Religionsunterricht zu Corona-Zeiten: Nächstenliebe – oder billigend in Kauf nehmend? #BildungAberSicher

Unser hessischer Kultusminister scheint ja ein netter Kerl zu sein.

Viele umfangreiche Briefe erreichten uns zumindest im vergangen Jahr, viele lobende und aufmunternde Worte der Anerkennung und des Dankes an uns Familien.

Dafür, was wir alles während des letzten Jahres geleistet und auch ausgehalten haben.

Zuversicht und Besonnenheit schwangen stets mit, in den vielen, teils ausschweifenden Schreiben, welche sich aktuell wöchentlich erneuern.

An warmen, herzlichen Worten wird stets nicht gespart.

Und doch reagiere ich mittlerweile allergisch auf Schreiben des netten Herrn mit dem ähnlich klingen Namen wie dem meinen.

Nicht etwa kann der arme Mensch etwas dafür, stellt er doch in seinem letzten Schreiben an uns Eltern Besserung in Aussicht, spricht fast ein klein wenig euphorisch vom „Licht am Ende des Tunnels“.

Denn ja, Fakt ist, immer mehr Menschen werden geimpft!

An Schulen wird ausgiebig getestet, in „schweren Zeiten“ übernimmt die Bundesnotbremse – und für alles Andere gibt es jetzt sogar einen scheinbar wunderbar durchdachten Stufenplan!

Bedenkt der „Stufenplan“ für die Schulen wirklich ALLES?

Gegliedert nach…

…Inzidenz wird differenziert zwischen reinem Distanzunterricht, Wechselunterricht  – oder sogar der vollständigen Rückkehr in den Präsenzunterricht!

Und diese scheint in einigen Landkreisen in Hessen sogar in greifbarer Nähe!!!

Das ermuntert, das schafft Hoffnung, Zuversicht und Freude!

Das gibt unendlich vielen Familien eine lang herbei gesehnte Perspektive und rettet (leider ist es so!) auch sicher viele Kinderseelen!

Darüber darf man sich freuen, das kann man mit neu gewonnener Leichtigkeit und Zuversicht ankündigen.

Das verstehe ich voll und ganz!

Auch wir wünschen uns wieder „Normalität“

Ich freue mich über jedes kleinste Stückchen Normalität, welches MEINEN Kinder zurück geschenkt wird!

Auch ich befürworte die Testpflicht an Schulen – und fahre jeden möglichen Unterrichtstag meine Kinder von Herzen gerne in die jeweilige Bildungseinrichtung!

Unsere Kinder haben wieder ein Leben verdient und haben lange genug darauf gewartet, unbeschwert wieder unter ihresgleichen zu sein!

Und auch ich sehne mich danach, irgendwann wieder nachmittags in der Betreuung unserer Grundschule mitwirken zu können!
Ich vermisse „meine“ Kinder sehr!

Die Pläne zur Umsetzung aller Infektionsschutzmaßnahmen haben Hand und Fuß.
Und beruhigen sicherlich alle gleichermaßen!

Uns Eltern, Lehrkräfte und die Schüler selbst!

Der Weg scheint geebnet!

Das Licht kitzelt uns schon am verunsicherten Näschen – und lässt uns tapferen Schrittes einem „Ende“ der Pandemie entgegen eilen!

Alles gut!!! Bin ich dabei!

Wäre da in Hessen (und womöglich in anderen Bundesländern) nur nicht ein kleiner – aber nicht unbedeutender – Haken!

Religionsunterricht als Schwachstelle

Denn aktuell verhält es sich bei uns in Hessen noch immer so, dass zu Zwecken des Religionsunterrichtes sorgsam gebildete Klassengruppen, die tunlichst nicht gemischt werden sollen, letzten Endes DOCH aufeinander treffen!

Ja, sie werden FÜR den Religionsunterricht durchmischt!

(Das sind meist je zwei Klassen und alle Klassen eines Jahrgangs für die verbleibenden Kinder des Ethikunterrichts)

Mindestens einmal in der Woche also treffen Schüler aus Parallelklassen zum Religionsunterricht aufeinander.

Zumindest ist das am Gymnasium meiner beiden großen Kinder derzeit (!) so.

Der Unterricht findet – auch in Zeiten von Corona – in Hessen konfessionsgebunden statt!

Dass hier das Prinzip der von Virologen empfohlenen „Blasenbildung“ nicht mehr funktioniert, erklärt sich mit einem bisschen Logik von selbst!

Die Sichtweise bleibt scheinbar starr und eingefahren

Und man weicht aktuell scheinbar leider auch nicht von der Sichtweise, dass der Religionsunterricht genau so stattzufinden hat, ab.

Nicht so beispielsweise in Bayern!

Denn dort gibt es bereits seit letztem Jahr eine entsprechende Vereinbarung zwischen Kirchen und Land!

Diese lässt es zu, einen kooperativen Religionsunterricht anzubieten!

Und das wurde auch schon längst umgesetzt.

Damit sich NICHT Schüler, die im strikten Klassenverband lernen sollen, letzten Endes doch zum Gruppen-übergreifenden (aber dafür konfessionsgebundenen) Religionsunterricht begegnen.

Leider scheinen sich in Hessen Schulämter und Kirchen hinsichtlich dieser Problematik nicht einig zu werden.

Oder bringen schlichtweg kein Ergebnis zustande, das eine Schule auch wirklich umsetzen kann.

Die Schule unserer Kinder selbst gab an, dass hier nun einmal „Hände gebunden“ seien.

Bald wieder Präsenzunterricht?

Sinkt auch in unserem Landkreis die Inzidenz unter 100, so werden alle unsere drei Kinder wieder vollständig in den Präsenzunterricht zurückkehren.

Und es würden sich noch mehr Schüler für den Religionsunterricht mischen.

Was (trotz regelmäßiger Tests) die Durchseuchung in den Schulen verstärken dürfte.

Wie viele Familien damit indirekt miteinander in Kontakt gelangen, möchte ich mir an dieser Stelle – gerade als Mutter von drei Schulkindern – nicht ausmalen.

Nicht zu vergessen ist, dass noch immer Leben auf dem Spiel stehen.

Ach ja, und die Sache mit der britischen Mutante sowie Long-COVID und PIMS gibt es ja leider auch noch!
Auch bei Kindern.

Was sagt „die Kirche“ dazu?

Ein Schreiben des Gatten an die entsprechende Landeskirche stieß zwar auf vollstes Verständnis, eine konkrete Lösung konnte uns allerdings nicht genannt werden.

Uns wird mitgeteilt, dass die Kirche sehr wohl Kontakt mit dem Schulamt aufnahm.

Und dass zumindest die evangelische Kirche dazu bereit sei, kooperativen Religionsunterricht im Klassenverband zu tolerieren.
Solange es kein Ethik-Unterricht ist.

Doch konnte derzeit offenbar noch kein gemeinsamer Weg erarbeitet werden. Leider.

Man scheint sich also schlichtweg – zu Lasten unserer Kinder und letzten Endes unser aller Gesundheit – nicht so richtig einig zu werden!

Vielmehr wird sich auf die Wichtigkeit des Religionsunterrichts für unsere Kinder – gerade zu diesen Zeiten – berufen.

Glaube als Stütze und Trost

Das kann ich auch absolut nachvollziehen und unterstreiche ohne Zweifel, dass gerade JETZT einige Kinder einen immensen Rede- und Austauschbedarf haben.

Hier kann Glaube helfen und die Kirche ein große Stütze sein!

Hier stellen die jeweiligen Unterrichtenden, die Schulpfarrer und Pfarrerinnen, eine sehr wichtige Bezugsperson dar!
Und gerade die Schulseelsorge ist in keinem Falle zu vernachlässigen!

Viele Kinder haben in den vergangene Monaten unglaublich leiden müssen.

Auch wenn ich hier aus einer sehr privilegierten Situation heraus schreiben kann und es uns im Grunde gut ging, kann ich das absolut nachvollziehen!

Viele brauchen jetzt den Sprung zurück in ein normales Leben und vieles muss mühsam wieder aufgebaut werden.

Narben bleiben und brauchen Zeit zum Heilen und nicht zuletzt die Hilfe und Arbeit der jeweiligen Lehrkräfte.
Und auch Pastoren/Pastorinnen als vertrauenswürdige Ansprechpartner.

Doch sollte man bei aller Nächstenliebe nicht das Infektions-Geschehen aus den Augen verlieren!

Und sollte trotz aller Starsinnigkeit nicht billigend in Kauf nehmen, dass Kinder erkranken, Folgeschäden davon tragen können – und wir noch immer ein Stückchen „Tunnel“ vor uns haben!

Vielleicht ist das unter Anderem ein Grund, warum ich all‘ die Briefe nicht mehr allzu gerne lesen mag.

Auch wenn der nette Kultusminister rein gar nichts dafür kann!

Ein Kommunikationsproblem?

Das können auch nicht die Kirchen.
Gibt es dieser Tage schlicht und einfach nur Ansätze bezüglich der Thematik – aber eben keine Ergebnisse.

Sollten sich Kirche und Schulamt nicht vielleicht einfach (virtuell) die Hand reichen – und eine gemeinsame Lösung finden?

Das dürfte doch nicht allzu schwer sein, geht es doch noch so viel besser!

Und ist in Bayern doch auch gelungen!

Bis es allerdings soweit ist, kann ich weder meine Kinder vollständig beruhigt zurück in die Schule schicken, noch die Euphorie mit glänzenden Augen und Luftsprüngen teilen.

Aber vielleicht hilft ja beten…

Eure 

Alex

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