Ich wünscht‘ ich wär‘ wieder dort oben

Er ist wieder da.

Der bittere Geschmack auf der Zunge.

Und ich weiß, er kommt vom Magen.

Es sind die Sorgen und Gedanken, welche schneller zurückkehrten als ich es mir je erlauben wollte!
Neue kamen hinzu – und sauer stößt der Alltag bereits jetzt schon, am Mittwoch, auf.

Es drückt und schmerzt.

Dabei waren es doch eben erst noch Kaiserschmarrn und Marillen-Marmelade, welche liebevoll jenen garstigen Magen streichelten und wärmten!

Sie sind wieder da.

Die dunklen Schatten unter den Augen.

Sie zeugen von…

…zu wenig Schlaf und zu vielen Aufgaben in nur vierundzwanzig Stunden.

Dabei war da letzte Woche doch noch dieses Strahlen und Funkeln!

Leuchteten und glühten nicht die Wangen ob der hellen Sonnenstrahlen und frischen Höhenluft!?

Warum nur blicke ich jetzt in fahle Haut, die Sicht getrübt und verschleiert durch heimliche Tränchen, die sich leise ihren Weg nach unten bahnen.

Ich schmecke das Salz und sehne mich nach nichts mehr, als wieder das leise Bimmeln und Plätschern „dort oben“ zu hören.

Welches nunmehr wieder so fern und unwirklich scheint.

Ich tue es wieder.

Nervös sitze ich im Auto – wie so oft – , kneife wahlweise Lippen zusammen, balle angespannt Fäuste – oder beiße zittrigen Fingers an der Nagelhaut, beinahe bis es blutet.
Spüre die einschnürende Enge um die Brust.

Als wäre die Luft nicht dort oben – wo ich mich doch so glücklich wähnte – ein kleines bisschen zu dünn, sondern im eigentlichen, echten Leben.

Gedankenspiele bereiten Angst.

Vorbei.

Vorbei der tiefblaue Himmel, fast vergessen die Leichtigkeit trotz des geschulterten Rucksacks.

Denn der, den ich hier im Alltag trage, wiegt so viel mehr.
Mag gar nicht reingucken, der Inhalt mundet mir gerade nicht sonderlich gut.
Will die Brocken gar nicht herunter schlucken oder gar mich zusammenreißen.

Verstecken wollte ich mich, nur ein Weilchen noch.

Vorm Stark-sein-müssen und Entscheidungen-treffen, vorm Organisieren und Kopf-bewahren, vorm Zuversichtlich-bleiben und Rücken-stärken, vorm Erwachsen- und Eltern-sein.

Vor Veränderungen und Verantwortung.
Vor Vernunft.

Und vorm Trost-spenden und Gut-zureden, wo es mich doch selbst gerade so schmerzt.

Ich wünscht‘ ich wär‘ wieder dort oben!

Was wünschte ich mir jetzt gerade, wieder dort oben zu sein.

Dort, wo sich immer wieder neue Wege auftaten – und die Schönheit jener Welt mir zu Füßen lag.

Wo jeder weitere Schritt mich lebendiger fühlen ließ.

Wo sich Augen an Farben nicht satt sehen konnten und wo ich mich mit all‘ der Trauer, Leid und Gefühlen versöhnt wissen konnte.

Und wo jeder Atemzug Stärke bedeutete, kein Zwicken und Drücken die Seele am Lachen hinderte.
Wo ich mich jünger und gesünder denn je fühlte – im Inneren schön!

Was wünschte ich, wieder die alten Holz-Dielen des betagten Bauernhauses unter den Füßen zu spüren und nichts zu besitzen, außer der mitgebrachten Dinge.

Wie befreiend das doch ist, wie groß gerade wieder das Bedürfnis, Ballast aus Haus und Seele zu werfen.

Wie schön es war, zeitweise nichts tun zu müssen, außer die eigenen, wunderbaren, geliebten Kinder zu beobachten (meinetwegen auch das Gemeckere zu ertragen) und Blätter im Wind tänzeln zu sehen.

Weil nichts drängte, nichts forderte.

Weil vieles so einfach – und Gedanken weniger kompliziert und verworren schienen.

Ich wollte die Leichtigkeit wahren

Ich wollte es konservieren, das Glück – so schrieb ich noch vor ein paar Tagen.

Wollte zehren und ob wunderbarer Erinnerungen leise vor mich hin lächeln.

So lange, bis der Alltag mich wieder im trüben Herbst-Dunst verschluckt hat.

Nun, das hat er – mit all‘ seinen Konflikten, neuen Sorgen und unbeantworteten Fragen.

Jetzt schon.

Eure 

Alex

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