Überspringen zu Hauptinhalt

Für Oma & über die Liebe – Ein Brief aus längst vergangenen Zeiten

Es ist die Zeit, in welcher Tage immer dunkler und trüber werden und es aufgrund all‘ jener Umstände in diesem Jahr nicht allzu viel zu tun gibt.

Wochen liegen vor uns, in welchen wir es warm ums Herz haben möchten – dieses Jahr vielleicht sogar einmal mehr als sonst – und viel Lichterglanz und Glitzer dustere Gedanken vertreiben soll.

Wir dekorieren und backen, kuscheln – und träumen uns in bessere Zeiten.

Auch wir.

Krank zu Hause

Die letzten Tage gab‘ es hier auf dieser Seite nicht allzu viel zu berichten.

Ich war zu Hause mit einem kranken Kind, welches sich offenbar aber lediglich eine gewöhnliche Erkältung eingefangen hatte und zudem glücklicherweise vollständig geimpft ist.

Aber wir waren nun einmal zu Hause ob jener Umstände.

So, wie es uns in diesem Winter – und vielen, vielen Anderen auch – sicherlich noch des Öfteren ergehen wird.

Es ist für mich gerade auch die Zeit des Trauerns, denn vor genau zwei Jahren verlor meine liebste Patentante den jahrelangen Kampf gegen den Krebs.

Mit nur 56 Jahren.

Und es ist für uns alle die Zeit der Weihnachtsfilme und Romanzen!

Der Erzählungen voller Herzschmerz und Magie, denn wenn wir an Eines in dieser vorweihnachtlichen Zeit glauben möchten, dann ist es die Liebe.

Über die Liebe…

Doch was ist Liebe?

Ist sie wirklich immer großartig und beflügelnd?

Wunderbar und lebendig?

Lässt sie über uns hinaus wachsen und das Leben umarmen – oder zerreißt und zerschmettert Liebe nicht manchmal?

Ist sie eine dumme, unglückliche Schwärmerei?

Sie tut weh, auch das wissen wir.

In manchen Situationen – und nicht immer wird Liebe erwidert und erfüllt uns in der Form, in welcher wir es uns so sehr wünschen.

Liebe bedeutet auch Kummer und viele, viele Tränen.

Sie lässt uns verzweifelt schreien oder gar niedergeschlagen und selbstzerstörerisch – verstört – zurück.

Und manchmal wünscht man sich vielleicht sogar, diese Liebe wäre einfach nicht da.

Nicht präsent, würde nicht existieren, würde uns nicht fühlen lassen – und letzten Endes nicht so sehr quälen.

Ein Märchen über eine Liebe, die nicht sein sollte

Ich möchte Euch gerne eine Geschichte erzählen, denn es ist gerade sicherlich auch die Zeit der Erzählungen.

Erzählungen aus längst vergangenen Tagen.

Ich darf eine Geschichte über die Liebe, die nicht sein sollte, in den Händen halten – und möchte jenes Märchen gerne mit Euch teilen.

Als meine geliebte Oma ebenfalls im Jahr 2019 (immerhin sind somit beide um diese verkackt-beschissene Pandemie gekommen) verstarb, verschwand kurze Zeit später auch ein altes, ächzendes und zerbrechliches Haus.

Ich schrieb bereits oft davon.

Und wie es so ist, geht ein geliebter Mensch, treten auch Dinge und Geheimnisse zum Vorschein – und fast scheint es so, als lernen wir die geliebten Menschen nach ihrer Zeit hier auf Erden einmal mehr kennen.

Ein jeder hütet Geheimnisse

Auch meine Oma hatte ihre Geheimnisse.

Jahrzehnte aufbewahrt und verborgen, begraben unter dicken Staubschichten – irgendwo versteckt in den letzten Ecken der betagten Schränke.

Aber sie waren da, als wollten sie entdeckt werden, als hätte meine Oma sich gewünscht, niemals zu vergessen.

Ich weiß nicht, ob meine Oma eine glückliche Ehe führte, sie war nicht immer leicht, das weiß ich gewiss.

Noch heute erinnere ich mich an den alten, stets leicht grummeligen, Pfeife-rauchenden Mann, meinen lieben Opa, den meine Oma noch sechszehn Jahre überlebte.

Doch weiß ich, wie verworren die Liebe nun einmal sein kann.

Wo die Liebe hinfällt – Fulda im Jahre 1946

Wir schreiben das Jahr 1946.

Ein junges Fräulein lebt mit ihrer Familie inmitten der Fuldaer Innenstadt.

In der „Drogerie zum Krokodil“ lernt die anmutige Frau mit dem dunklen Haar und den funkelnden blauen Augen, wohnt wenige Häuser entfernt in der Löherstraße.

Stets in feine, selbst genähte Kleider gehüllt scheint die junge Dame durchaus eine Augenweide!

Wie sie durch die Gassen der Barockstadt flaniert, groß und wohlgeformt.

So, wie sie es wohl ebenfalls an jenem sonnigen Tag im Spätsommer tat – und flüchtige Worte mit dem schüchternen Horst tauschte.

Vielleicht war ihr nicht bewusst, wie sehr jene Begegnung den jungen Mann prägte und in Erinnerung blieb, wie von fortan dessen Welt auf dem Kopf stehen musste.

Und niemand wird mehr erzählen können, ob nicht vielleicht auch das Herz meiner Oma ob jener Bekanntschaft ein klein wenig hüpfte.

Und doch gibt es hier jene Geschichte, aufgeschrieben und verfasst in einem herzzerreißenden Brief.
Von einer unglücklichen Seele.

Ein verzweifelter Versuch, Herz und Frau für sich zu gewinnen.

Was war geschehen?

Denn man begegnet sich im Leben immer zweimal.

Sich in einer misslichen Lage wähnend, wusste der junge Horst sich nicht anders zu helfen, als meiner Oma bei einer erneuten Begegnung in Fulda hinter her zu laufen.

Fühlte er sich doch zu unsicher, zu schüchtern, um das hübsche Mädchen anzusprechen.

Eine wahre „Verfolgungsjagd“ entstand, wie er es später in seinem fünfseitigen (!!!) Entschuldigungsbrief (oder ist es gar ein Liebesbrief? ;) ) selbst schildert.

Ein Brief, welcher uns dreiundsiebzig (!) Jahre später in die Hände fallen sollte! 

Ein (Liebes-) Brief aus längst vergessenen Zeiten

Erlaubt mir bitte hier zu zitieren, denn mir rinnen beim Lesen des Briefes die Tränen.

(Ich wünschte ICH hätte jemals in meinem Leben einen solchen Brief erhalten!)

„Jedoch wäre mir kein Weg zu weit und kein Pfad zu steil erschienen, wenn es galt, Ihre Nähe zu erreichen und geduldig setzte ich die Verfolgung fort, sah ich mich doch meinem Ziele näher kommen“

„Nun müsste ich versuchen, mein Inneres mauerstark zu festigen, bevor ich mit bebendem Herzen auf alles gefasst, Ihnen entgegentrat“

Leider, so berichtet mir (oh wenn er nur hätte ahnen können, dass eines Tages die Enkelin diesen Brief in den Händen hält!) Horst, fand er im endlich stattfindenden Gespräch am Frauenberg – hoch über den Dächern Fuldas – nicht die passenden Worte, um meine Oma für sich zu gewinnen.

Dumm fühlte er sich, berichtet von seelischen Kämpfen, unfähig, der Frau gegenüber seine Liebe zu gestehen.

Und ich sehe ihn vor mir, den jungen Mann!

Wie er um anerkennende Worte ringt und sich gleichzeitig so sehr ins Bodenlose stürzen sieht.

„Unter mir lag nicht mehr die Stadt, der scheue Blick in Ihre lieblichen Augen verwandelte den grauen Alltag in ein goldenes Paradies“

(Ooookay, Horst, nu‘ mach‘ mal halblang! ;) )

Er hatte sie verloren…

Leider muss der junge Mann meine liebe Oma in seinem Auftreten doch gar erschreckt und bedrängt haben.

Horst berichtet in seinem Brief weiter von Kühle und Abweisung und jener wunderschönen Frau, die resolut und bestimmt ALLEINE ihren Weg nach Hause antrat.

„Das Kreuz am Wege brachte unsere Trennung“

Nun, Horst gab auf und blieb unglücklich zurück.

Niemals wollte er sich vorwerfen, sich aufdringlich und respektlos benommen zu haben.

Ein paar weitere Male sah er die Frau schemenhaft durch die Gässchen der Altstadt laufen, doch sollte es wohl nie wieder zu einer Begegnung kommen.

Meine Oma verschwand – wie von höherer Gewalt gelenkt – stets im dichten Straßenverkehr.

Zurück blieb eine unglücklich verliebte arme Seele.

Zwei Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht zusammen kommen sollten!

Zwei Herzen, die vielleicht auch gar nicht im Einklang waren?

Eine Frage, für immer unbeantwortet…

Ich kann Euch nicht die folgenden Zeilen zitieren, denn ich selbst schwanke beim Lesen zwischen „Rotz und Wasser heulen“ und – zu meiner Schande – ebenfalls „fremdschämend laut auflachen“.

Horst verspricht seiner Angebeteten wahrhaftig die Sterne vom Himmel (gut, war vielleicht meeega angesagt seinerzeit ;) ) und beteuert ewige Liebe, bittet sehnlichst die Oma um eine Antwort.

Ich weiß nicht, ob meine Oma jemals Horst in einem Brief geantwortet hat, noch ob sich die Wege der Beiden abermals kreuzten.

Auch weiß ich nicht, welche Empfindungen meine geliebte Oma wirklich verborgen hielt!

Wohl aber weiß ich, dass dieser Brief noch immer da ist!

Jetzt gerade in meinen Händen.

„Hoffentlich wird mein Brief nicht allzu rasch mit dem Papierkorb bekannt, auch dann nicht, wenn mein etwas aufdringliches Benehmen Sie aufgebracht hat“

Sie hat ihn NIE weggeworfen

Der Brief vermischte sich nicht „mit dem übrigen Inhalt eines Papierkorbes“!

Er wurde aufbewahrt.
Viele, viele Jahrzehnte lang.

Er überlebte eine ganze Ehe, zwei Töchter, drei Enkel und vier Urenkel.

Was auch immer in meiner Oma seinerzeit vorgegangen ist, sie hat diesen Brief nie weggeworfen.

Lieber Horst,

Er hat ihr etwas bedeutet – und ich wünschte von ganzem Herzen, Du, lieber Horst-Waldemar, hättest das in all‘ den Jahren gewusst.

Aber vielleicht hast Du es ja geahnt und gespürt – und die Hoffnung auf eine Begegnung, ein Wiedersehen, nie aufgegeben.

Ich bin mir sicher, auch Du wirst Deinen Weg gefunden und eine ganz wunderbare Familie gegründet haben.

Und hoffe, der Schmerz währte nicht noch viele, viele lange Momente nach.

Und wer weiß?

Vielleicht sitze ich ja hier, weine leise Tränchen ob der vielen Fragen rund um die Liebe – und ihr beide seid bereits „irgendwo da draußen“ vereint?

Allen Anderen:

Seid lieb zueinander, steht zu Euren Gefühlen & habt eine besinnliche Vorweihnachtszeit!

Eure 

Alex

P.S.

Liebe Patentante Regina „Daddie“ ,

ich trage Deinen Namen mit Stolz!

Wann immer ich reise oder „wichtige Dinge“ erledigt wissen möchte.

Dieser Brief ist nicht nur für die Oma, sondern auch für Dich!

Du fehlst!

So sehr.

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

Teilt den Beitrag gerne auch über Facebook. Dazu einfach auf den Button klicken.  ;)

Keinen Beitrag mehr verpassen?

Dann mach es wie viele Andere und folge mir! Gib dazu einfach Deine Email-Adresse ein und klicke auf 'MamaStehtKopf folgen'. Dann wirst Du über neue Artikel von mir persönlich informiert. So einfach kann's sein... :-) Beachte auch meine Datenschutzhinweise.

 

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Es ist toll, wenn man durch die Vergangenheit stöbert <3 Meine Mama hat letztens ihre Oma gegoogelt, eine Vertriebene aus dem heutigen Polen, und tatsächlich eine Zeitungsanzeige von vor über 60 Jahren gefunden, in der jemand sie gesucht hat! Da wollte tatsächlich jemand Kontakt aufnehmen, was für eine schöne und zugleich traurige Vorstellung, weil es sicher nicht geklappt hat.

Kommentar verfassen

An den Anfang scrollen
%d Bloggern gefällt das: