Mach’s gut Juli! – Wenn Haustiere sterben

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Eigentlich sollte jetzt an dieser Stelle ein gänzlich anderer Text stehen.
Ein leichter, beschwingter Text.
Eben mitten aus den Ferien gegriffen.
Lustig und ohne großen Tiefgang wollte ich Euch darüber berichten, wie gerade in den Sommerferien unsere Welt auf ganz chaotische Weise Kopf steht.

Wie sich Regelmäßigkeiten nun um Stunden verschieben – und Kinderscharen noch lange nach Einbruch der Dunkelheit wild glucksend durch den eigenen Garten toben.
Wie ich mich stets zu bemühen pflege, weit nach Mitternacht endlich den eigenen Nachwuchs von der Notwendigkeit des Schlafens zu überzeugen und wie wir alle zerzaust in Unterhose – aber immerhin ausgeschlafen – am Frühstückstisch sitzen, der eigentlich einem „Mittagstisch“ nahe kommen würde.

Ich wollte Euch davon berichten, dass ein eigentliches Mittagessen in den Ferien des Öfteren gar erst nach 15 Uhr von sechs hungrigen Mäulern verspeist wird – und wie ich die alte Heimat wieder für mich entdeckte.
Von unserem „Besuchs-Kind“ wollte ich berichten, das eine ganze Woche bei uns übernachten wird und damit dem großen Sohn eine Riesen-Freude bereitet.
Von Kino und leckeren Waffeln mit Schlagsahne ebenfalls und vom glitzernden Wasser im Freibad!

Bloß keine Emotionen oder gar tiefere Gefühle wollte ich zulassen und in Wort und Schrift wiederspiegeln, denn die Woche setzte mir bislang ohnehin schon sehr zu.
So sehr, dass viele Konflikte und Sorgen schmerzlich an der Seele nagten.
So sehr, dass ich das Fühlen und Denken gänzlich abschalten wollte.

Gerne hätte ich mich abgeschottet, um keine Tränchen mehr vergießen zu müssen – und mich einzig und allein um solch Banalitäten wie das Packen der Schwimmbad-Tasche zu kümmern.
Denn manchmal hilft es nur noch, auf Durchzug zu schalten und sich die Welt so zu machen wie man will – und einfach für eine Weile weder hinzuschauen noch zu grübeln.

Und dann musste ich doch hinkucken

Doch in manchen Situationen kann man einfach nicht wegkucken und stur den Kopf in den Sand stecken!
Weil alles anders kommt!

Dann muss man gerade als Mama an einem Donnerstag-Vormittag gegen Ende der Sommerferien, die doch eigentlich wundervoll und frei von Trübsal sein sollten, mit zwei schluchzenden Mädchen durch das hiesige Gartencenter schlurfen.
Weil es in diesem Moment nichts Wichtigeres auf der Welt gibt!
Weil es den Kindern hilft zu verarbeiten und abzuschließen und allen einen angemessenen Abschied ermöglicht.

Denn der „Juli“ hatte für uns alle diese Woche nun einmal auch noch andere Pläne.

Wenn das geliebte Haustier stirbt

„Juli“, unser Hamster, wollte nämlich gesehen werden und gebührend verabschiedet werden.
So schien es mir fast, als ich das lieb gewonnene Tierchen schnell atmend und orientierungslos im Käfig vor der eigenen Trinkflasche vorfand. Ich hatte mich bereits umgezogen, wollte mir nach einem langen Tag Auszeit auf dem Crosstrainer nehmen, während die Kinder zusammen im Zimmer des Großen spielten.
Doch Gefühle und Vorahnungen täuschen leider nie, schnell musste ich erkennen, dass nun gerade ganz Anderes von Nöten war.

Da war er also, der Moment, den ich seit Monaten fürchtete.

Die magische Grenze von zwei Jahren war bereits überschritten und wenngleich wir alle unendlich stolz und beruhigt waren, dem kleinen Nager ein bislang doch recht komfortables, schönes und bequemes Hamster-Leben beschert zu haben, ließ sich ein gewisser Prozess der Alterung nicht leugnen. Oder verdrängen.

Wie froh ich in diesem Moment war, dass der Gatte an diesem Abend bereits von der Dienstreise zurückgekehrt war – und auf mein Rufen zur Hilfe eilen konnte. Ich weiß nicht, wie ich ich das hätte alleine bewältigen sollen – zu sehr weinten die Kinder.
Später in der Nacht las ich – noch etwas aufgewühlt – dass Hamster meist unbemerkt gehen.
Sie kommen einfach nicht mehr aus ihrer kuscheligen Höhle hinaus – und müssen vom besorgen Finder aus eben dieser befreit werden.

Nun, unser Juli war halt schon immer ein bisschen anders.
Stets auf der Trinkflasche am obersten Punkt des Käfigs hockend, wartete das liebe Tierchen spätabends nur darauf, von uns herausgehoben zu werden.
Schnell wurde er damals nach dem Kauf handzahm und genoss Streicheleinheiten der Mittleren sichtlich.
Das geliebte Joghurt-Leckerli war ihm stets garantiert.
Dass er dazu nur am Holz-Hamsterrad drehen musste wurde ihm schnell zum gewohnten und willkommenen Spiel. 😉
Fast hätte man meinen können, das Haustier, welches laut der Kritik so manch Anderer gar keines ist, hätte unsere Nähe gesucht.

Minuten des Abschieds

So auch in diesen Minuten.
Leider gelang es uns weder das arme Tierchen zu stabilisieren, noch zur Flüssigkeits-Aufnahme zu bewegen.
Minuten bevor sich die Situation so sehr verschärfte, lag er noch bei der mittleren Tochter auf dem Bauch und ließ sich ausgiebig streicheln und beruhigen – welch kostbarer Moment im Nachhinein betrachtet!

Juli starb nicht alleine und unbemerkt, sondern in unser aller Beisein in den Händen meines Mannes.
Das mag nun äußerst dramatisch und schrecklich klingen, doch wirkte unser so sehr in’s Herz geschlossenen Nager durch unsere Stimmen und Nähe beruhigt – und schlief letztendlich für immer ein.

Wir entschieden uns noch in dieser Nacht dazu, das nunmehr so hübsch und friedlich anzusehende Tierchen im Garten zu beerdigen, denn die Kinder sollten genau diesen Anblick ohne jegliche Veränderung in Erinnerung behalten.
Ein einfaches Behältnis, welches ich liebevoll mit weichem blauem Stoff ausschmückte musste in der Eile zu diesem Zweck leider reichen.

Aber es war wichtig! Und richtig!

Die Kinder wären ohnehin in dieser Nacht nicht mehr früh eingeschlafen.
Und fast schienen sie gelöst, dem kleinen Freund noch in der Nacht seinen letzten Platz zuweisen zu dürfen.

Ein richtiges, kleines Grab

Ganz schnell war für mich klar, dass hier ein „richtiges“ Fleckchen für unser aller erstes Familien-Haustier entstehen sollte.
Weil das meiner Meinung Kindern hilft!
Hier darf und sollte nichts schön geredet oder gar verdrängt werden!
Auch ein Haustier ist ein Familienmitglied – und ja (verdammt!) auch ein Hamster!
Auch bei einem winzigen Lebewesen will Trauer durchlebt und verarbeitet werden und die Kinder sollen in den gesamten Prozess eingebunden werden.

Und so entstand vorhin ein wunderhübsches Hamster-Grab.
Den im Gartencenter ausgewählten Stein ließ ich von der Mittleren mit Acryl-Farbe bemalen und ich sah, wie sie dabei zusehends beruhigter und entspannter wurde.
Weil sie mitwirken konnte!
Weil sie etwas Letzes für ihren Hamster tun konnte.
Etwas Beständiges und Wunderschönes.
Das kleine rote Stein-Herz wurde eifrig von der Kleinsten bemalt und der große Pflanzen-Stecker rundet meiner Meinung nach ein schönes Eckchen im eigenen Pflanzen-Beet ab.

Wie geht es jetzt weiter?

Erst einmal gar nicht!
Denn auch das ist wichtig!
Ein Haustier ist ebenfalls eine eigene Persönlichkeit und wird nicht einfach so ersetzt!

Das wäre gänzlich falsch und würde das verstorbene Tierchen als ganz und gar wert- und bedeutungslos darstellen!
Einmal davon abgesehen, dass die mittlere Tochter (es war offiziell ihr Hamster) das auch gar nicht möchte.
Trauer braucht Zeit.

Auch werde ich den Käfig so lange nicht anrühren, bis meine beiden Töchter dazu bereit sind.
Der Hamster war nicht krank und ging ganz plötzlich und unerwartet, so dass hier mit keiner gesundheitlichen Gefahr zu rechnen ist, bleibt der Käfig samt Streu einfach noch eine Weile an seinem Platz stehen.
Gänzlich falsch wäre es nämlich auch, hier mit falsch angebrachtem Tatendrang alles „abzureißen„!

Nächstes Jahr wollen wir für eine längere Zeit nach Kanada gehen – die gesamten Sommerferien lang.
Ich glaube kaum, dass wir uns in den Monaten davor ein neues Haustier anschaffen werden.

Juli war etwas ganz Besonderes und darf bewusst hier nun eine gewisse Leere hinterlassen.

Und starb am letzten Tag des Monats, nach welchem er seinerzeit benannt wurde.
Weil es der Lieblings-Monat der Tochter ist – und dies nach alledem hoffentlich noch immer bleibt!!

Ich weiß, dass nicht jeder die Haltung eines Hamsters als Haustier befürwortet.

Doch möchte ich hier an dieser Stelle eines versichern:

Meine Tochter hat das ganz großartig und vorbildlich gemacht!
Das Tierchen wurde nie tagsüber aus dem Holz-Käfig gerissen und während seines wohlverdienten Tagschlafes gestört.
Nur abends, als er ohnehin wach war durfte Juli im Badezimmer tollen und genoss dies sichtlich.

Stets darum bemüht, dass dem Tier auch wirklich nichts zustößt, durfte keinerlei Plastik im Käfig vorzufinden sein.
Selbst das Hamster-Rad ist aus Holz und biologisch abbaubar.
Trocken- und Frischfutter dosierte die Tochter stets achtsam und setzte das liebliche Tierchen keinerlei Stress aus.

Im Gegenteil:
Juli war sogar beim örtlichen Tierarzt registriert, besaß sündhaft teure Augentropfen gegen Hamster-Bindehautentzündung – und war bis zuletzt quietschfidel.

Und so wage ich zu behaupten, hatte der kleine Nager ein relativ langes und sorgenfreies Hamster-Leben in unserem kleinen Einfamilien-Häuschen!

Wer nun gerne noch mehr zum Thema Hamster als Haustier inklusive Tipps  dazu lesen möchte, der klicke gerne hier auf meinen etwas älteren Text über unseren Juli!

Mach’s gut Du kleiner Kerl!

Eure 

Alex

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