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Ich fahre zum Corona-Test – Corona-Tagebuch – Tag 25

Donnerstag.
Abermals scheint die Sonne und ich bin alleine im Auto unterwegs.

Doch ist mir heute nicht zum Singen und Grölen hinterm Steuer zumute.
Obwohl ich es doch könnte, so alleine und frei!

Nur leider überwiegt dieses eigenartige, surreale Gefühl zu sehr.

Mir ist gerade nicht nach singen.

Genau genommen könnte ich stattdessen gerade unentwegt mit dem Kopf schütteln, während ich die Autobahn entlang fahre.
Nur dieses eine Mal darf ich das wohl noch – Auto fahren – die nächsten zehn Tage nicht mehr.
Denn ich befinde mich ja bereits innerhalb der auferlegten Quarantäne welche für mich bis einschließlich den 20. April andauern soll.

Tausend Fragen im Kopf

So zumindest die aktuellen Aussagen.
Ob sich dies ändert, ist auch für mich noch offen.
Und dennoch, wenngleich ich dieses Datum im Kopf habe und bereits das erste Telefonat mit dem Gesundheitsamt hinter mir liegt, obwohl ich gerade auf dem Weg zum Corona-Test bin, fühlt sich das alles so weit weg und unwirklich an.

Wieso hatte ausgerechnet ich Kontakt zu einer Person, welche wenige Tage nach eben jenem Kontakt positiv auf Covid-19 getestet wurde?

Warum ausgerechnet während der notwendigen Physiotherapie-Behandlung?
Wo ich mich doch sonst artig und vorbildlich an alle Empfehlungen gehalten hatte?

Wieso huste ich dann aber noch nicht?
Was, wenn ich alle Anderen im Haus bereits angesteckt habe?

Was wird auf uns zukommen – und würde ich über ein negatives Testergebnis erleichtert sein?

Oder wäre ohnehin nur eine Sache aufgeschoben – und jene Situation wiederholt sich in Zukunft abermals.

Es sind viele Fragen, die mir auf der knapp 20-minütigen Autofahrt durch den Kopf schießen.

Ich biege auf den neugebauten Parkplatz des Krankenhauses ab und erkenne bereits von weitem die Schilder, welche mir den Weg zum “Testzentrum” weisen.
Viel ist nicht los, wie ich erleichtert feststelle.
Außerdem gab man mir ja sogar freundlicherweise einen Termin, wofür ich sehr dankbar bin!

Es geht los!

Gleich außen vor der Türe werde ich von einer sehr netten und gut gelaunten Dame empfangen, was zum Einen die Surrealität der ganzen Sache unterstreicht, ihr aber auch glücklicherweise den Ernst nimmt.

Und so ertappe ich mich dabei, wie ich mit der Frau hinter der Maske und dem Kittel scherze und lache.

Nach meiner Telefonnummer werde ich gefragt und der Krankenkassen-Karte.
Ebenfalls nach dem Vorfall, dem Grund warum ich hier zum Testen erscheine.
Das war’s. Ganz unspektakulär.

Wenige Minuten später sitze ich mit drei weiteren Personen geschützt mit Gesichtsmaske und großem Sicherheitsabstand auf Aluminium-Stühlen in einer großen, zweckentfremdeten Fahrzeughalle.
Zwei husten, zwei (unter anderem ich) zeigen auf den ersten Anblick keinerlei Symptome.

Doch bleibt mir keine Zeit zum Beobachten, ich werde schneller aufgerufen, als mir lieb ist.

Auf ein mit Klebestreifen gepapptes Kreuz am Fuss-Boden soll ich mich stellen, hinter der Türe der Fahrzeughalle.

Hier kommt mir nun doch wieder das Singen in den Sinn.

Kennt man solche Positionierungen doch sonst eher von diversen Casting-Shows im Fernsehen.

“Wartezimmer-Romantik”

Doch in Anbetracht der ernsten Miene des mich testenden Arztes verkneife ich mir die Frage, ob ich nun, nachdem man mich korrekt platzierte, los singen solle.

Stattdessen bittet man(n) mich, den Mundschutz zu entfernen, kratzt und schwingt ein paar Mal beherzt mit dem langen Wattestäbchen im Rachen herum und – auch das war’s schon.

Sie können gehen”

Bitte. Danke – Und jetzt schnellstmöglichst verpissen! 😉

Alles in allem dauerte das gesamte Schauspiel keine fünfzehn Minuten.

Es geht so schnell, dass der Parkautomat nicht eine einzige Münze von mir verlangt und ich mein Auto wieder ansteuern darf.
Was mich einerseits froh stimmt und erleichtert, auf der anderen Seite jedoch ein klein wenig ratlos wieder nach Hause fahren lässt.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wann man mich zwecks Mitteilung des Testergebnisses nun anrufen wird.

Noch immer habe ich allerdings die vage Befürchtung, dass mein Mobiltelefon wohl erst nach den ganzen Oster-Feiertagen klingeln wird. Dann, wenn so oder so schon alles gelaufen sein wird.

Eine sinnvolle Entscheidung!

Und doch bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein.

Ganz gleich, was dabei heraus kommt.
Noch immer sehe ich es als meine Verantwortung auch den anderen Familienmitgliedern gegenüber!

Vielleicht war es nur eine Generalprobe für eine etwaige Situation in der Zukunft – vielleicht aber auch nicht.

Vielleicht sind der lästige Schnupfen, die Angeschlagenheit und das Hüsteln der letzten Tage schlichtweg die alljährliche Allergie?
Und vielleicht aber ereilt mich mein richtiges Schicksal erst in den nächsten kommenden Tagen.

Hier kommt nun unweigerlich auch das Wunschdenken aller in’s Spiel:

Und möglicherweise bin ich ja positiv, merke nix Ernsteres davon, stecke niemanden sonst an – und bin in einigen Tagen mit dem ganzen Käse durch!
Das wiederum wäre fast zu schön um wahr zu sein. 😉

Wie wird unser Osterfest?

Ich weiß nicht, was die nächsten Tage bringen werden.

Sonnenschein hoffentlich, Oster-Geschenke im eigenen Garten. (Oh Gott! Ich muss das alles noch einpacken!!)
Vielleicht einen netten, selbst-gebackenen Kuchen und ganz gewiss viel Familien-Zeit!

Nur wir Fünf.

Mal hinterm Mundschutz, dann aber auch wieder nicht.
Sie werden hoffentlich viel Gemeinsamkeit bei gutem Essen, nicht weniger guten Filmen und gemeinschaftlicher Spielezeit bringen – und erneut ein Osterfest unvergessen machen.

Alles andere wird die Zeit zeigen.

Kommt gut in’s Oster-Wochenende!

Eure 

Alex

P.S. Wer nochmal nachlesen möchte, wie es überhaupt dazu kam, dass ich zum Corona-Test sollte, der klicke gerne hier

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