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“Slipping through my fingers” Wenn Zeit vergeht – kommt manches aber auch wieder. Eine Auszeit zu zweit in Hamburg.

Freitag Abend.
Ich hatte erst befürchtet, mich würden die vertrauten Lieder und Texte “in deutsch” nicht zu sehr berühren und packen, würden mich weniger in ihren Bann ziehen.

Und mich nicht allzu sehr selbst situativ erkennen lassen.

Dachte, sie würden mich NICHT emotional zu sehr triggern und nachdenken lassen oder gar hellauf und freudig begeistern und mitreißen!

Jetzt aber sitze ich da und zähle.

Heimlich. In Gedanken. Um mich zu konzentrieren.
(“Eins, zwei, drei, vier – weiterzählen! NICHT dem Text lauschen! Mach-es-bitte-genau-jetzt-nicht!!!”)

Nicht etwa, weil es so furchtbar langweilig wäre und ich wünschte, die Zeit vorspulen zu können.

Ganz im Gegenteil!!!

Sondern eben weil ich nicht losweinen möchte.

Es wäre mir peinlich, noch immer fällt es mir schwer, mich öffentlich gehen zu lassen.
Wenngleich ich es hier in Wort und Schrift doch nicht selten tue.

Ich möchte nicht weinen und auch nicht die Zeit vorspulen, denn genau um eben jene geht es in “slipping through my fingers” – dem altbekannten Lied aus dem Musical “Mamma Mia“.

Hier nur eben in deutscher Übersetzung gesungen.

Doch der Inhalt bleibt ähnlich – und was mich einst vor zwanzig Jahren, als ich jenes Musical mit dem Gatten seinerzeit in London das letzte Mal sehen durfte, zwar auch schon berührte, lässt mich JETZT mit den Tränen kämpfen.

Die Zeit rinnt uns durch die Finger

Denn auch ich muss in letzter Zeit so oft beobachten, wie “endlich” Phasen unseres Lebens doch sind – und vor allem wie unfassbar schnell unsere Kinder wachsen und groß, ja erwachsen, werden.

Die Zeit rinnt wie Sand durch die Finger und es gibt nichts – wirklich rein gar nichts – was wir dagegen tun können.

Außer jeden kostbaren Moment unseres so kurzen Lebens, insbesondere dem mit unseren Kindern, zu genießen und in uns aufzusaugen.

Und NICHT an grämende Gedanken und selbstauferlegten Kummer, an Grübeleien, zu vergeuden.

Es ist tatsächlich ein Vorsatz, den ich – ganz unabhängig vom Jahreswechsel ;) – für mich selbst gefasst habe.

Wie oft habe ich meinen Kindern nicht richtig zuhören können – in der lezten Zeit – weil ich mich zu sehr in unnötigen (!!!) Gedanken verloren habe?
Und dabei wichtige Momente der gemeinsamen Zeit verpasst!?

DAS möchte ich nicht mehr, denn die Zeit rast – und ich werde älter.
So wie “Donna“.

Meine mittlere Tochter reift immer mehr zur jungen Frau, auch wenn sie “erst” Teenie ist, doch die Zeit bis zur Volljährigkeit kann ich an einer Hand abzählen.

Beim Sohn ist’s noch schlimmer, die Kleinste wird im Sauseschritt folgen.

Und-ich-kann-nichts-dagegen-tun.

Muss mich immer wieder von Lebensphasen verabschieden.
Und das Glück in neuen finden!

Slipping through my fingers…

Aber es kommen auch Momente wieder

Doch ebenso wie mir jenes Musical – welches mir also kein fremdes ist (hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich Musicals liiiebe!?) – verdeutlicht, dass das Leben nun einmal schmerzt und lebendig ist, vollster Gefühle und Kopf-Chaos und so sehr gefüllt von Liebe und schönen Momenten, erkenne ich gerade auch, dass alles wieder kommt.

Hier an diesem Abend in der Neuen Flora in Hamburg.

Dem Theaterhaus,  in welchem ich einst als junges Mädchen mehrmals das Phantom der Oper bestaunte.
(Ich war Fan – nennt es peinlich – und reiste selbst ganz alleine an, nur ums nochmal kucken zu können. Und nochmal. Und nochmal…)

Jetzt sitze ich wieder hier. Nach 25 Jahren.

Dieses Mal jedoch nicht alleine, sondern als Ehefrau und Familienmama.

Ebenfalls nach 20 Jahren schauen wir also endlich wieder Mamma Mia zusammen und besuchen damit überhaupt wieder einmal ein Musical.

Und das erste Mal seit zehn Jahren befinden wir uns ganz alleine – als (vorübergehend) kinderloses Paar – auf Städtereise.

Alles kommt wieder.

Man muss es nur im Zweifel zulassen, sich einen Ruck geben.
Oder sich zu organisieren wissen.

Nicht umsetzbar war eine Städtereise nur zu zweit in der Vergangenheit, zwar übernachteten die Kinder früher hin und wieder einmal bei Oma und Opa, doch ist es nie leicht, gleich drei kleinere und größere Kinder auf einmal irgendwo unterzubringen.

Und auch wollten wir stets in Reichweite bleiben.
Nicht viele Stunden entfernt.

Doch ist die Zeit nunmehr für uns wiedergekommen.

Zwei Tage Hamburg – nur wir zwei

Der liebste Freund der Familie betreut während unserer Abwesenheit unsere Kinder, bleibt über Nacht, gibt den Kids – die im Alter von 9, 13 und 15 Jahren vielmehr eine Begleitung statt “Rund-um-die-Uhr-Betreuung” benötigen – aber auch ihren Freiraum.

Und es funktioniert.
Wir können wieder sein. Als Paar.

Konnten uns am Nachmittag treiben lassen, ohne nach links und rechts schauen – und so viele Bedürfnisse berücksichtigen zu müssen.

Es gab die letzten Stunden nur uns zwei, so wie früher – noch lange vor den Kindern.

Fast schon fühlte ich mich auch wie damals, als junges Paar – auch Momente wie diese kommen offenbar wieder – und musste mich stets ein klein wenig beim Blick in den Fahrstuhlspiegel erschrecken! ;)

Ja, ich bin “alt” geworden.

Noch immer die Gefühlschaotin, die ich nun einmal bin, zu nachdenklich, zu sensibel zu extrem in so vielen Belangen.

Aber ich bin das, was man auf dem Papier offenbar “mittelalt” und “erwachsen” nennt.
Es fühlt sich nur nicht immer so an! ;)

Heute aber konnten wir wieder “junges Paar” sein.

Und auch wenn solche Tage nur vorübergehend sind und der Alltag ganz schnell wieder anklopft, so sind jene Stunden durchaus schön!

Alles was zählt – solange wir sind!

Und rufen in Erinnerung, was wirklich zählt.
Wo unser Platz im Leben ist – und wofür es sich hin und wieder auch zu kämpfen und Zähnchen-zusammenbeißen lohnt! ;)

Ich wünschte, meine Kinder könnten für immer jung und teils klein bleiben und mich für immer ganz dolle brauchen.

(Das werden sie hoffentlich in einigen Lebensbereichen auch immer wieder und ich bin aus tiefstem Herzen dann da)

Aber ich fange auch an, die Zeit zu genießen, die da gerade wieder kommt.

Bis auch diese durch die Finger rinnt.

Unsere Kinder werden selbständiger, brauchen uns Eltern nicht mehr in jeder Stunde ihres Alltags – das haben sie in den letzten zwei Tagen einmal mehr bewiesen.

Doch sollen meine Arme und auch das Herz für immer offen bleiben!

Und ab sofort gilt es einmal mehr, gemeinsame Stunden aufzusaugen und zu genießen!

Zu Fünft. Alleine mit je einem oder zwei oder drei Kindern. Als Paar.

Solange unsere Zeit im Leben – welches im Grunde doch ein schönes ist! – währt.

Eure 

Alex

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