Ich bin an diesem Wochenende dem Tod begegnet und reiste durch die Zeit. Ich war…
Wenn Mütter krank sind: “Ohne mich läuft der Laden aber nicht!” – Oder vielleicht doch?
Mich hat es erwischt. Seit zwei Tagen schon spielt der Körper nicht mehr mit, wie ich es gerne hätte.
(Und da habe ich ziemlich hohe und deutliche Anforderungen – und sollte etwas netter zu meinem “Zuhause” sein.)
Ich “funktioniere” nicht mehr und fühle mich so richtig scheiße dabei.
Stattdessen schleppe ich mich von Stuhl zu Couch, muss immer wieder innehalten und mich an der Küchenfläche abstützen.
Fieber lässt mich wahlweise frierend unter gleich drei (!) Couch-Decken kauern oder Socken (und am liebsten das T-Shirt auch) von mir reißen, das Herz pocht und Schweißperlen bilden sich bei der kleinsten Anstrengung auf der Stirn. Ich hasse das.
Glaubte ich Sonntag noch an den Beginn der Perimenopause (was ja durchaus sein kann – Gott bewahre – aber anderes Thema) und schrieb die Watte im Kopf, das Frieren und die große Erschöpfung jener bedrohlichen Sache zu, so kam die Gewissheit Dienstag Mittag.
Schnell gesellte sich zum anfänglichen Halskratzen noch die laufende Nase und nur wenige Stunden später starker Husten und hohes Fieber dazu.
Aber ich kann doch nicht einfach ausfallen!?
Und ich fiel aus. Gefühlt von jetzt auf gleich.
Und während ich noch immer auf der Couch liege, zwar mittlerweile fieberfrei aber noch immer mit zu hohem Ruhepuls (ich war vorhin dann doch mal bei einer Ärztin zum Abhören), merke ich, was ich im Normalzustand noch immer alles hier alleine leiste und mache!
Heute habe ich Hilfe durch den Mann, der seine Dienstreise absagte, als ich noch immer hoch fieberte.
Und dennoch klemmt und hakt es allein an Tag 2 schon an so vielen Ecken und Enden!
Ich, die sich manchmal schuldig fühlt, weil sie an nachdenklichen und vermeintlich “schlechten” Tagen nicht viel geleistet und erreicht hat, erkenne jetzt, WAS ich eigentlich alles im Alleingang für meine Familie mache!
Und auch, dass das in dieser Form so gar nicht sein müsste – und ich unbedingt lernen sollte, Aufgaben abzugeben und Hilfe einzufordern!
Denn jünger werde ich nicht und mein Immunsystem scheint in diesen Sommermonaten (ausgerechnet!) ohnehin am Rad zu drehen.
(Frau, die gleich googlen wird, ob die Perimenopause das Immunsystem einer Frau schwächt. Es könnte eine interessante These sein.)
Es ist gerade einmal Tag 2 des “Totalausfalls” (ich habe mir dennoch nicht nehmen lassen, auf Ibuprofen hier und da Dinge zu managen, doch dazu gleich) und ich merke, was ICH eigentlich alles dazu beitrage, dass hier zu Hause der Laden läuft und jeder seinen Dingen nachgehen kann.
Ich mache noch immer zu viel!
Spoiler: ich mache viel zu viel!!!
Und ich merke, dass ich noch immer – und sind die Kinder schon so groß (das wird jetzt mein Standard-Spruch auf dieser Seite hier) – Ansprechpartnerin Nummer 1 hier im Hause bin.
Ich bin im normalen Alltag für alles rund um Care-Arbeit verantwortlich, schleppe die gesamte mentale Last auf meinen Schultern – und bin im Zweifel immer schuld, weil ich’s dann ob der vielen Dinge hier und da auch verbocke.
Und ich übertrage zu wenige Aufgaben an Kinder und Ehepartner!
Das merke ich jetzt, da ich ausgenockt hier hocke, einzig und allein umtrieben von der Frage, wann ich wieder normal schaffen und funktionieren kann.
Im Geiste fertige ich schon die ToDo-Liste der jetzt aufgrund meiner Erkrankung liegen gebliebenen Dinge an und kalkuliere sogar schon, wann ich wohl wieder Sport in den ohnehin vollen Alltag schieben kann.
(Der aber in der Tat – zumindest im gesunden Zustand – mir den Arsch rettet und gut tut!)
Ich-blödes-Schaf.
Manchmal ist es ratsamer, sich komplett rauzunehmen
Heute morgen erst hätte ich besser liegen bleiben sollen.
Schließlich hatte ich ob Fieber und meines Infektes den Mann gebeten, die Kinder zur Schule zu fahren (der große Sohn ist ebenfalls krank). Ich hätte nicht unbedingt aufstehen müssen!
Doch abermals konnte ich das nicht.
Das Gewissen plagte mich und ich fühlte mich verantwortlich.
Verantwortlich dafür, dass die Toastbrötchen geschmiert werden und Tee gekocht wird, dafür dass ein Kind rechtzeitig aufsteht.
Weil ich das ja alles sonst auch mache.
Erst einmal im Sichtfeld der Teenie-Kinder, war ICH aber auch die Verantwortliche dafür, dass das Lieblings-T-Shirt nicht verfügbar ist, ein Ausdruck für die Schule fehlte – und eine Sport-Entschuldigung sollte ich nebenbei auch noch schreiben.
Dinge, die ich sonst gar nicht merke und nebenbei noch vor sieben Uhr morgens mache, ließen mich heute aber beinahe vor Erschöpfung heulen.
(Und JA, es kam zum Streit, weil ich nicht mehr konnte. Ich-hätte-liegen-bleiben-sollen.)
Warum sind Mütter für alles alleine verantwortlich? Oder fühlen wir nur so?
Ich ließ es mir später nicht nehmen, dennoch das Lieblings-Mittagessen der Mittleren zu kochen – obwohl es hätte der Mann tun können.
Ich spülte “mal kurz” Bretter und Messer und stellte die Spülmaschine an, weil es die Kinder – trotz Bitte – vergessen hatten.
Und ich schrieb sogar zwischen Fieberpausen einen Text fertig, den ich jemandem versprochen hatte und ich legte Wäsche zusammen.
(Sie ist aber noch lange nicht verräumt, das schaffe ich nicht – und sollte im übrigen auch nicht einzig und allein meine Aufgabe sein.)
Ich sah mich dennoch – trotz starkem Infekt – für alles verantwortlich!
Und weil ich das auch immer so tue, bleibt ohne mich auch alles liegen.

Ein Teufelskreis?
Und das ist vielleicht der berühmt-berüchtigte Teufelskreis.
Weil wir Mütter immer glauben, ohne uns liefe der Laden nicht, reißen wir unbewusst so viele Aufgaben an uns.
Und weil wir das Gemeckere und die Konfrontation fürchten, fordern wir Kinder (und Mann 😉 ) eben doch nicht vehement zur fleißigen Mitarbeit auf.
Statt also zu delegieren und Kinder (und Ehemänner) in ihre Aufgaben einzuweisen und einzuarbeiten, machen wir lieber “schnell” selbst.
Was wiederum dazu führt, dass ohne uns “alles” liegen bleibt.
Das tut es aber gar nicht! Denn im Zweifel funktioniert alles!
Es geht zwar nicht “perfekt” – aber es geht auch (mal 😉 ) ohne uns!
Schließlich geht die Welt auch nicht unter, wenn ich einmal im Jahr mehrere Tage mit der Freundin verreise.
Klar ist es dann nicht so sauber und ordentlich wie ich es gerne hätte und es liegt nicht mehr alles an seinem Platz (und Kinder meckern zudem, weil der Papa sie zu sehr einspannt 😉 ) – aber die Bude steht im Zweifel auch ohne uns Mamas!
Warum also fällt mir das im Krankheitsfall so schwer einzusehen?
Wieso schleppe ich mich auf Ibuprofen zu Geschirrspüler und Waschmaschine, um im Nachhinein noch erschöpfter wieder auf die Couch zu sacken?
“Mach langsam und schone Dich”,
sagt die Familie.
Was ich aber verstehe ist:
“Wenn die Ibu erstmal wirkt, dann kannst Du ja wenigstens die Küche aufräumen und die nächste Waschmaschine anstellen, Müll-rausbringen sollte auch noch klappen und kein Kind hat weiße Socken mehr. Die lege ich noch zusammen und die weißen T-Shirts ebenso und die schwarze Wäsche blockiert auch gerade den Trockner. Das mache ich noch, das werde ich schon schaffen. Ach ja, der Mülleimer quillt ja auch über, frische Luft tut doch kurz gut. Dann – danach – kann ich mich ja wieder ausruhen und schonen.”
Ich-blödes-Schaf.
Das Herz pocht, Schweiß bricht aus und die Beine wackeln.
Was ich aber denke:
“Du blöde Mama! Jetzt ist Dein Kind enttäuscht von Dir! DU weißt doch, wie wichtig ihm der allererste Elternabend in der neuen Klasse ist. Und jetzt? Bist DU wieder die Mama, die nicht hingeht. (Der Vater kann ebenfalls nicht.)”
Denn das schlechte Gewissen scheint selbst unter einem Infekt noch wunderbar zu funktionieren.
Warum mache ich es nicht wie die Kinder – zumindest im Krankheitsfall 😉
Zugegeben, während der wachen und fieberfreien Momente auf der Couch, fiel mir auf, wie nett wir es dort doch eigentlich haben.
Und wie gemütlich es doch sein kann, wären da nicht all’ die zu erledigenden Aufgaben.
Warum also sollte ich es mir nicht wenigstens im Krankheitsfall genehmigen, einmal vorübergehend das Leben eines Teenagers zu führen und in den weichen Kissen zu leben? Am helllichten Tag, über mehrere Stunden lang.
Die Kinder können das ohne schlechtes Gewissen (Männer auch 😉 ) – und ich schaffe das nicht mal fiebrig und ausgeknockt? Das sollte nicht sein!
Dabei handelt es sich keinesfalls um Faulheit, sondern den Kindern gegenüber vorgelebte, gesunde Selbstfürsorge!
Und vielleicht läuft der Laden ja trotzdem und große Kinder freuen sich, wenn die Mama endlich mal Zeit hat zum Serien-gucken.
Oder wenn sie friedlich schlummert, statt wie von der Tarantel gestochen zu räumen, wischen – und nicht zuletzt zu meckern. 😉
Bleibt gesund & lasst auch mal los!
Eure
Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

Comments (0)