Vom Martin, der dummen Gans & Schaukelpferden: Die Fortsetzung

Es gab für uns tatsächlich noch einen Martin an diesem windigen und regnerischen November-Nachmittag. Trotz der Wetter-Apokalypse. Und auch ein Pferd, einen nackten Bettler, zwei leuchtend-helle Laternen, selbst einen Kaiser sowie Unmengen von Keksen und teilbaren „Mänteln“. Nur gab’s das alles eben nicht draußen auf dem eigens für dieses Prozedere vorgesehen Umzug.

Und ich musste mich noch nicht einmal schlecht fühlen dabei. Nicht mal ansatzweise. Wie immer waren meine eigenen Befürchtungen, war das schlechte Gewissen größer als sich später dann die Realität einstellen sollte. Ich weiß nicht, ob der Umzug jemals stattgefunden hat -es regnete seinerzeit noch immer aus Eimern- doch für uns war Sankt Martin. Einen Tag vor dem eigentlichen Gedenk- Erinnerungs- und Zelebrier-Date. 

Und ich hatte Wort gehalten! Hielt mein Versprechen, denn das ist wenn ihr mich fragt enorm wichtig. Locke Deine Kinder nie, aber auch niemals mit Dingen, die Du nicht einhalten und umsetzen kannst! Wir kauften gemeinsam Kekse und machten Kakao. Im verdunkelten Wohnzimmer bei Kerzenschein trabten eine Mutti und drei Kinder bei den drei Laternen-Klassikern rundenweise um den Pfosten. Ja, der Pfosten! Hab ich doch schon immer gewusst, dass der mal von Vorteil sein würde. Beim Musterhaus vorgesehen, vom Mann seit jeher verhasst. Ich wollte ihn. Zusätzliche Dekofläche, Raumaufteiler und so herrlich zum Fangen und Verstecken-spielen geeignet. Oder zum Laterne-laufen.IMG_20171110_174256204.jpg

Der Bettler wurde vom gnädigen Martin, der wiederum hoch zu Schaukel-Ross saß, versorgt. Der Mantel mit dem Holzschwert geteilt, die Gans schnatterte und so weiter. Außerplanmäßig war jedoch nicht ich die Nackte, sondern die Mittlere. Von der -vor einer Weile neu entdeckten- Vorliebe zur Freizügigkeit angetan (ich tippe auf Vorpupertät) bat sie mich nun einmal händeringend um die Rolle als Nudisten-Bettler. Was hätte ich tun sollen? Immerhin konnte ich sie davon überzeugen, wenigstens einen Teil der Kleider, die Lumpen, anzubehalten.

Und bei uns ging die Geschichte sogar weiter! Der arme Martin, bei uns ein bisschen als Trottel durch den frisch zubereiteten Kakao gezogen, musste nochmal in die französische Stadt reiten. Bepackt mit Unmengen von kaiserlichen Mänteln in der Form meiner guten Bettlaken. Denn warum nur einem armen, hageren Kerl helfen? Der fromme Bischof in spe hatte also die Auflage ALLE armen Menschen der Stadt mit Mantelhälften zu versorgen. Diese wiederum sollten sich dafür erkenntlich zeigen und des Kaisers Pferdeställe ausmisten. Hah! Versucht mal DIE Story zu toppen!

Nun, nach einer Stunde wurde ich endlich aus meiner Rolle aus Kaiser, Martin und dumme Gans zugleich befreit. Solange hätte der echte Umzug womöglich gar nicht gedauert. Die Belohnung? Kam in Form einer Bemerkung der Mittleren: „Mama, das war das Lustigste Sankt Martin, das wir je hatten“.

Hach! Und da war sie wieder die Erkenntnis: Alles ist gut!

Wir Mamis müssen nicht immer perfekt und vorbildlich sein. Manchmal wollen Normen und Zwänge auch mal durchbrochen werden. Egal was die anderen denken und machen. Ich hatte an diesem Tag zwar meine Kleinste um einen Laternenumzug gebracht, von dem ich noch immer nicht weiß, ob es ihn je gegeben hat. Doch auch gleichermaßen (wahrscheinlich) vor einer mächtigen Erkältung, nassen Füssen, kalten Händen und Näschen bewahrt. Zwei Kinder hätten definitv in der Zwischenzeit alleine zu Hause vor der Playstation gehangen, weil sie sich ohnehin weigerten bei DEM Wetter mit zu marschieren. Was mir wiederum neue, weitere Gewissensbisse beschert hätte, denn wer lässt schon gerne Kinder alleine zu Hause warten. Gehetzt und angespannt wäre ich gewesen. Nicht der dappige, alberne Martin mit ’ner schönen Tasse Kaffee auf’m Esstisch. Womöglich hätte ich die Kleinste im Schweinsgalopp durch die Altstadt gejagt um schnell checken zu können, dass zu Hause alles mit Rechten Dingen zugeht. Hätte ich ihr damit einen Gefallen getan?

Und auch wenn das alles nun klingt, als versuche ich meine Entscheidung zu legitimieren: Es war nicht meine! Ich hatte ja gesagt, Mutti steht hinter der Vierjährigen. Ganz gleich wie ihre Lösung ausfallen wird. Nun, sie war der Meinung alle anderen würden eigentlich auch ganz gut ohne uns klar kommen und wären ohnehin bei dem Wetter nie und nimmer am „place to be“ vorzufinden. Und manchmal schein tatsächlich ICH die dumme Gans zu sein, mir im Vorfeld dermaßen den Kopf zu zerbrechen! Denn wieder einmal waren’s meine eigenen Kinder, die alles in’s rechte Licht rückten und damit jegliches schlechte Gewissen erfolgreich im Keim erstickten!

P.S. Wie feiert Ihr Sankt Martin? Und wie verlaufen bei Euch die alljährlichen Laternenumzüge? Über Eure Kommentare freue ich mich!

Eure Alex

 


Ein Gedanke zu “Vom Martin, der dummen Gans & Schaukelpferden: Die Fortsetzung

  1. Huhu Alex. Brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich hab mich dieses Jahr auch verdünnisiert und meinem Mann mit Kindern und Laterne laufen lassen. Ich genieße jetzt ein Wellnesswochenende und tanke Kraft für die vielen kommenden Vorweihnachts-Events. LG Saskia Sp.

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