Grinch meets Hulk: Baumschmücken

Ich glaube ja mittlerweile: Bei mir ist alles eine emotionale Achterbahnfahrt. Selbst so banale Dinge wie das vorweihnachtliche Christbaum schmücken! Beinahe in kaum einer anderen alltäglichen Situation spielen sich schönere „Dramen“ in der mütterlichen Gefühlswelt ab als bei diesem alljährlich wiederkehrendem Ereignis.

Denn ich muss zugeben: Noch nie hab ich so wenig Bock auf Baum schmücken gehabt wie dieses Jahr! Ich weiß nicht woran es liegt. Vielleicht an der Eile, der Schnelllebigkeit der letzten Wochen. Vielleicht an der Tatsache, dass sich die weihnachtliche Stimmung einfach so gar nicht einstellen will. Was diesen Punkt betrifft hasse ich übrigens das Erwachsensein! Das wird von Jahr zu Jahr schlimmer! Vielleicht bin aber auch nur ich es einfach selbst. Meine derzeit vorherrschende üble Stinker-Laune.

Die Tatsache, dass der Hulk und der Grinch in mir sich zu dieser Zeit hämisch lächelnd die Hände schütteln.

Oder weil ich ganz genau weiß, WAS da jetzt wieder auf mich zukommt! Alle grummel-grinchig-verdammten Jahre wieder.

Der Papa ist mit den Kindern Baum holen und gleich werden drei durch und durch auf Weihnachtszeit getrimmte Halbwüchsige voller ekelhafter Vorfreude das Haus stürmen. Für das bevorstehende Chaos muss ich gewappnet und vorbereitet sein. Und nun im Eiltempo die Küche aufräumen und Platz im Wohnzimmer schaffen! Und bei der (durchaus günstigen) Gelegenheit heimlich Dinge aus dem Erdgeschoss verschwinden lassen.

Im heutigen Fall sind’s die alten verschrammelten Ikea-Kinder-Schwingsessel. Kennt ihr bestimmt. Finden wir Muttis erst unendlich süß und putzig, bis nach einigen Jahren intensivster Nutzung ins Gewebe gefressene, unauswaschbare Kakao-Flecken um die Wette strahlen, Schrauben fehlen und die schwedische Sitzfläche an Spannkraft verloren hat. Kurzerhand entscheide ich: Die Stühle machen Tannenbaum-Urlaub. Auf dem Dachboden. Denn ganz wegwerfen kann ich sie noch nicht. Das ist der Trick! Lasse erst alles „verschwinden“ und wenn nach Monaten keiner mehr danach fragt: Ab zum Sperrmüll. Dabei ist selbstverständlich der Moment abzupassen wenn die Müllabfuhr am Tag X  in die eigene Straße abbiegt und die Kinder nichtsahnend vor der Glotze sitzen. Yup! „Grinchige“ Mütter können SO gemein sein!

Draußen schlägt die Autotür zu und nach Hause kommen sie schließlich mit einem mittelgroßen Baum und drei Extra-Zweigen für die Kinderzimmer.

Oh hätte ich das bloß nie angefangen! Extra Zweige für die Zimmer!

Wie konnte ich vor ein paar Jahren auf diese gefühlsduselige, vom Fertigplätzchen-Duft umnebelte Idee kommen? Gut, ersteinmal zur Seite legen das überflüssige Grün. Keine zwei Minuten später soll ich auch diesen unüberlegten Schritt bereuen. Dann nämlich wenn die Kleinste die Weihnachts -Zeit leider mit Ostern verwechselt und die von mir achtlos auf dem Fußboden  gelegten Zweige als Palmwedel benutzt. Olè! Ihr könnt Euch vorstellen wie fatal die Folgen sind. Schnaubend schleife ich meinen neuen Liebhaber bei. Nicht ohne dabei erneut vor mich hin zu grummeln und muffeln. Und ich werde an diesem Nachmittag noch oft den Dysi benutzen!

Leider hat es sich in den letzten Jahren ebenfalls so eingebürgert, dass der Baum zwar für mich vom Gatten frei Haus geliefert wird. Ihr wisst schon: Der Jäger und Sammler. Der Rest ist allerdings meine Sache. Alles! Auch die verfluchte Lichterkette! Aber dazu gleich.

Denn ersteinmal muss ich die nordmännische Edel-Tanne  aus ihrem hübschem Ganzkörper-Kondom befreien. Bäh! Prompt rieseln tote Spinnen, Dreck und Harz auf mein mütterliches Haupt.

Es kostet mich weitere fünf laut fluchende Versuche das Ding gerade in die Fassung zu bringen. Beim erneuten Ausruf des Unmutes eilt noch einmal mein rettender Held herbei. Es soll nicht das einzige Mal für diesen Nachmittag sein. Doch davon weiß ich noch nix.

Und da hocke ich nun. Vor der Tüte mit der Lichterkette.

Unweigerlich bekomme ich jetzt Bauchkrämpfe. Ich hasse die Lichterkette! Seit Jahren not my best friend! Denn, egal was ich mache, selbst wenn ich das Ding feinst ordentlich nach den Feiertagen im noch jungfräulichem neuen Jahr auf Pappe anbringe: Ich krieg das Ding IMMER verkuddelt!

Es macht wirklich keinen Unterschied, ob ich die grünen Kabel so wie früher einfach achtlos vom Baum rupfe und in die Tüte knalle oder Kerze für Kerze an den Pappstreifen zwicke! Am Ende sitzt IMMER die hysterische Mutti inmitten von Kabeln und Birnchen kurz vorm Heulkrampf und schwört sich nächstes Jahr die schweine-teuren kabellosen Dinger anzuschaffen. Wo ich doch sowieso auf kabellos stehe!

In diesem Augenblick vermutet mein argwöhnisches Ich übrigens auch den Sadisten im Gatten zu erkennen. Wie er da sitzt und mich einfach machen lässt! Pah! Meine vorwurfsvollen Gesichtszüge scheinen mich zu verraten, behauptet ER doch jetzt tatsächlich an dieser Stelle Jahr für Jahr durch meiner selbst an der Anbringung der Lichterkette „gehindert“ zu werden.

Immerhin, nennt mich einen Helden, bin ich dieses Jahr so schlau zuvor zu testen ob die zwei (!)  Ketten funktionieren, bevor ich sie im Schweiße meines Angesichts an den Baum werfe.

Natürlich geht eine von beiden….nicht. Und los geht’s mit der lästigen Kerzen-Schrauberei. Los Muddi! Suche den Fehler!

Welch beruhigendes Lächeln mir doch zehn Minuten später über die Lippen huscht als selbst der Mann im Haus ebenfalls ratlos vor der Kette hockt und „den ohmschen Widerstand misst“. Was ich mir übrigens habe erklären lassen, um jetzt Euch gegenüber besonders klug dastehen zu können 😉

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Es dauert weitere zwanzig Minuten bis alle kaputten Kerzen ausgetauscht sind und das Wohnzimmer zumindest vom Fussboden aus in hellem Glanz erstrahlt.

Da ich mich nach der Sache mit dem Widerstand nun für besonders schlau halte, entschließe ich mich dazu, die Kette einfach über den Baum zu werfen.

Zack, Zack fertig. Denn: Ich bin schlichtweg zu blöd eine Leuchtkette kreisförmig um einen Baum zu wurschteln. Unglücklicherweise treffen weitere zwei Birnen dabei den Wohnzimmer-Glastisch. Mann! In Sachen Lichterkette habe ich einfach keinen Raff WAS ich da überhaupt mache! Am Ende klemmt aber doch jedes Birnchen am Zweig und ich entschließe mich dazu, das Massaker aus verknoteten Kabeln einfach mit Schleifchen zu übertünchen. Klappt schon.

Endlich können die Kinder zum Einsatz kommen.

Die während des Kettenmassakers in ihre Zimmer verbannt wurden. SO müssen die ihre Mutter nicht erleben. Freudig stürmen sie nun die Treppe herunter und schnell verwerfe ich die Idee wieder den Baum ausschließlich in Rot und Silber zu schmücken. Die Mädels wollen ALLES am Nadelbaum wissen. Oh hätte ich nur vorher aussortiert!

„Ist das nicht ein wenig übertrieben“ fragt im Anschluss der Purist in meinem Sohn und verschwindet nach vier Minuten getaner Arbeit mit dem Handy in seinem Zimmer.

Die nächste halbe Stunde verbringe ich nun damit, klammheimlich Kugel-Kreationen der Kleinsten wieder umzuhängen. Der Baum würde sonst definitiv Schlagseite bekommen. Von den durch die Last der Kugeln abgebrochenen Zweigen ganz zu schweigen. Und stehe letztendlich alleine da. Ihr kennt das ja. Nach ’ner Weile hat auch der größte Schmück-Marathon seinen Plastikkugel-Glanz verloren.

Und da steht er nun. Funkelt und strahlt uns an.

Der Streber! Hat sich zu allem Überfluss auch noch mit „Echo“, alias „Computer“ alias „Alexa“ angefreundet und hört nun auf’s Wort! „Echo: schalte Weihnachtsbaum ein“. Herrlich!

Und zum Schluss bin ich doch wieder versöhnt mit dem Baum.  Der Grinch ist schlafengegangen, nicht ohne dem anderen grünen Gesellen zuvor eins auf die Nase gegeben zu haben. Und ich ertappe mich beim leisen Summen:

„mmmmm mmmm…Tannenzweigen-Duft und ein Hauch von Heimlichkeiten liegt jetzt in der Luft“

Viel Spaß beim Baum-schmücken!

„…..bis Weihnachten, bis Weihnachten ist’s nicht mehr weit!“

Eure Alex


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