Im Ferien-Knast

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein ganz anderer Text stehen. Denn ich wollte Euch darüber berichten, wie herrlich ich die Ferien finde! Wie ich das Ausschlafen genieße!

Ich wollte Euch vorschwärmen, wie entspannt ich morgens den Tag beginne. Wie schön es ist, das lange Kuscheln mit der Kleinsten morgens im Bett. Der Duft der warmen Haut, die Käsefüße auf der aktuell faltenfreien Backe! Ja, faltenfrei! Ich wollte Euch auf beschwingt-beflügelte Weise davon berichten, wie toll es ist, vormittags in den Spiegel zu sehen. Eben keine eingefallenen Backen, pardon Wangen, und Augenringe zu erkennen. Ein frisches, ausgeschlafenes voller Lebensfreude sprühendes ICH. Als wäre Mutti in den temporären Jungbrunnen gefallen!

Dieses herrlich schöne Lotterleben auf das ich mich den ganzen Spätherbst gefreut habe! Dieser Schwebe-Zustand. Mutti ist eingetaucht und badet im riesigen Becken von Gammel-World. Ohne jegliches Raum- und Zeitgefühl. Klingt eigentlich schon geil!

Und auch die Kinder haben’s wirklich gebraucht. Das zu-Hause-sein. Frei von allem Termin- und Leistungsdruck. Einfach mal Kind sein. Zeit zum Spielen. Ich gönne es den Kindern wirklich von Herzen.

Dennoch:

Alles Bullshit!

Fakt ist: Ich bin wieder auf mich selbst reingefallen. Passiert mir jedes einzelne Mal wieder!

Völlig geschlaucht, ausgelaugt und erschöpft vom Alltag. Dem Alltag mit drei Kindern, Hausaufgaben, Taxifahrten, Terminen, Schul- und Hausaufgaben-Problemen verbunden mit Haushalt, meinen eigenen Schul-und Kita-Englisch Kursen…Genug der Aufzählung. Ihr wisst selbst, was wir Mamas alles am -in der Regel müden- Back haben.

In diesem Zustand jedenfalls freue ich mich jedes Mal wie Bolle auf die Ferien. Mache Pläne was wir alles in der Zeit tun, erledigen und aufarbeiten werden. Euphorisch und naiv hangel ich mich jedes einzelne Mal zu dem vermeintlichen Lichtblick.

Bis zum Koller! Zum absoluten Ich-dreh-hier-gleich-durch Koller! So wie heute!

Denn die Wahrheit ist: Nix ist besser in den Ferien! Nur anders! Nur andere Zeitpläne und Schlaf-Rhythmen. Mehr Schlaf! Das stimmt schon. Aber damit noch weniger Zeit!

Jedes einzelne Mal verfalle ich dem Irrglauben, Ferien würden MEHR Zeit für mich bedeuten! Was bin ich doof! Ich nehme mir Dinge vor, die ich aufarbeiten möchte, die ich für die stressige Zeit nach den Ferien vorbereiten möchte – und schaffe nix davon.

Für eine Weile bin ich jedes Mal richtig entsetzt, erschrocken über meiner selbst.

„Wie kann ich SO faul sein!?“, „Da muss doch noch mehr gehen!“ , „Wieso hast Du das immer noch nicht erledigt?“.

Bis zu der Erkenntnis:

Das bin gar nicht ich! Zumindest nicht vollständig und alleine. Das sind auch all die anderen Menschlein hier im Haus! Die sich langweilen, sich gegenseitig anekeln, mich fordern, den Kühlschrank durchforsten um mit empörtem Blick festzustellen, dass der Lieblingsjoghurt nicht vorhanden ist. Sich aber im gleichen Atemzug weigern mit mir gemeinsam das Haus zu verlassen und einkaufen zu fahren.

Es sind die drei bis teilweise sieben Kinder im eigenen Wohnzimmer weshalb ich nicht putzen oder in Ruhe Englisch-Kurse vorbereiten kann. Oder einfach auch nur diesen einen Text schreiben….

Die, die Nase-popelnd vormittags im Schlafanzug noch auf der Couch rum hängen. Die Trantüten, die sich weigern vor dem Mittagessen auch nur an’s Anziehen zu denken. Ok, vielleicht sind es nicht gerade die zwei Großen, die mich so aufhalten.Vielleicht auch nicht deren Freunde. Denn die hängen ja alle vor I Pad, Playstation & Co..

Genau genommen fläzen aber gerade jeden Morgen drei Kinder im Zottel-Flodder-Look auf meiner Couch herum. Doch dem ja nicht genug: Der Kleinsten ist’s furchtbar langweilig. Und wenn sie nicht nach „I Päääääd“ oder „Vanillääääh Milch!“ schreit, dann gerne dieser Tage auch ein „Mama! Spiiiel mit mir!“.

Aber ich will nicht andauernd spielen. Ich schaffe so schon in den Ferien immer nur die Basics im Haushalt. Den Rest der Zeit bin ich ja mit Streit-schlichten, Kinder-Kram wegräumen und krampfhaften Versuchen alle mal aus dem Haus (wenigstens zum benachbarten Supermarkt!) zu bekommen beschäftigt. Und ich wage außerdem zu behaupten: Der Kleinsten ist’s zu Recht langweilig!

Denn was sollen ganze drei Wochen Weihnachtsferien?!

Der Grinch schläft schon längst tief und fest in seiner dunklen Höhe und alles was auch nur annähernd an die plätzchenduft-durchströmte harmonische Zeit der krampfhaften Besinnlichkeit erinnern könnte liegt bereits wieder sorgsam verpackt auf dem Dachboden.  Beziehungsweise meiner grausamen Kaltblütigkeit zum Opfer gefallen in der Pfütze vor dem Haus. „Knut“ wurde schon lange gefeiert und die teure Edeltanne entnervt schon Tage vor dem Dreikönigstag ausquartiert. Und wird hoffentlich bald vom örtlichen THW aus dem Schlamm gezogen 😉 Die Ferien haben also mit Weihnachten nix mehr gemein! Warum währen die also eigentlich noch immer?!

Sind vielleicht deshalb drei Wochen Ferien, damit wir Familien „Winterurlaub“ machen können?

Wieder Bullshit! Habt Ihr eine Ahnung wie teuer Winterurlaub mit drei Kindern ist! Wir sind dazu verdammt zu Hause zu bleiben und uns anzuöden! Welche mehrköpfige Familie kann sich schon Anfang Januar einen Skiurlaub leisten! Am besten noch im völlig überteuerten Familienhotel am österreichischen See, direkt am Skilift gelegen? Mit Skipass für fünf und Mini-Ski-Schule für drei! Ja, ich gebe zu, regelmäßig vom Fernweh gepackt habe ich natürlich schon gegoogelt. Um im Anschluss frustriert den Laptop in die letzte Ecke des Sofas zu schmeißen! Nope! Familie L. bleibt auch in diesem Winter zu Hause.

Zu Hause! Es nervt, kotzt und ödet mich an! Wieso um alles in der Welt hat Hessen drei Wochen Winterferien? Warum nicht 14 Tage und dann noch einmal die Woche Pfingstferien, die die ANDEREN jenseits des Weißwurst-Äquators alle haben! Dann, wenn der Sommerurlaub nicht monatelange Essen-gehen-Abstinenz im Anschluss erfordert. Wenn die Kosten dafür eben noch nicht in’s Unermessliche explodiert sind?

IMG_20180109_202000509Und ich bin gerade SO genervt, ich hab‘ noch nicht einmal Bock mich um Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder zu kümmern! Hüpfburg-Gedöns, Hallenbad, schon wieder Kino…WAS soll ich mit den Kindern machen? Wohin gehen? Mit drei Kindern unterschiedlichen Alters und Interessen. Im Winter. Ohne Sonne. Ohne Schnee. Ich fühle mich also antriebslos und eingesperrt zugleich.

Da die Brut jedoch nicht stundenlang vor I Pad, Playstation & Co. verbringen sollte, führe ich die altbewährte „Halbe-Stunden-Regelung“ wieder ein. Klappt zumindest noch bei der Kleinsten. Die beiden Großen schicke ich zwangsweise vor die Türe, die kurzen Sonnen-Momente in trüben Wintertagen ausnutzen . Notgedrungen mit der mir so verhassten Nerf-Pistole und Schutzbrille.

Wie die Regelung geht? Nun, ich spiele eine halbe Stunde mit der Kleinsten, danach „darf“ Mami wieder Hausarbeit machen. Um dem Kind ein fassbares und deutliches Ende zu setzen stets dabei: Die Küchenuhr, gerne auch der Wecker. Wenn’s klingelt is‘ die Spielzeit um. Klingt hart ist aber notwendig. Dumm nur, dass sie jetzt den Wecker auch neben’s Bügelbrett platziert! 😉

Und irgendwann zwischen Pferdchen-Spielen, Memory Kärtchen mischen, Kacka-abputzen, Kakao nachschütten und Pullover zusammenlegen überkommt mich dieses Gefühl vor lauter zu Hause sein und Ferien durchzudrehen. Völlig am Rad zu drehen und weder ein noch aus zu wissen.

Gelangweilte Vierjährige sind eben auch nicht besser als Säuglinge!
Nur mit dem Unterschied, dass die gar nicht mehr schlafen! Aktuell nicht mal vor 22 Uhr! Herrgott!

Es folgen im Anschluss die unnützen Beschäftigungs- und Unterhaltungsvorschläge einer sichtlich verzweifelten Mutter:
„Wollt ihr nicht mal alle zusammen Verstecken spielen?“ „Ist doch voll lustig!“
„Ihr dürft nachher ALLE in die Badewanne!“ (wieder ’ne halbe Stunde gewonnen)
„Spielt doch mal ein Brettspiel zusammen“ (Brettspiele sind out)  – oder der Klassiker:
„Ihr habt SO VIELE Spielsachen! Jetzt spielt doch mal in Eurem Zimmer damit“

In der Regel ernte ich nix als verständnislose Blicke…

Doch genug gemeckert. Irgendwie sind wir Mamis ja eh nie zufrieden. Mit der Gesamtsituation 😉

Nächste Woche wird mich der andere Stress dann wieder einholen. Soviel steht fest. Wenn die alte Furie auf Schlafentzug wieder alles auf einmal schaffen muss, weil’s ja eben nix geworden ist mit dem „in Ruhe vorbereiten“. Dann werde ich mich nach dem Schlaf sehnen, nach dem Gammeln.

Und ganz kurz vor Ostern stolpere und plumpse ich wieder rein. In die Falle. Hundertpro! Und wer weiß, vielleicht gerate ich auch wieder ins Schwärmen. Für ein paar Tage, geblendet von der Ruhe, die jedoch als eine trügerische anzusehen ist. Ich werde mich wieder treiben lassen und lange ausschlafen. Und erneut feststellen danach zu rein gar nix mehr zu kommen. Lernfähig? Scheine ich was diesen Punkt betrifft einfach nicht zu sein! 😉

Diesen Text habe ich im übrigen versucht trotz der Anwesenheit aller Kinder zwischendurch zu schreiben. Da er jedoch somit in mehreren Etappen verteilt über Stunden entstand, bitte ich über eventuelle wirre und widersprüchliche Aussagen hinwegzusehen! 😉

Gerne jedoch dürft Ihr meine neue Facebook-Seite zu „Mama steht Kopf“ besuchen, ich freue mich selbstverständlich über jeden neuen Abonnenten!

Viele Grüße aus dem Ferien-Knast

Eure

Alex

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