Mutti goes Wellness Teil 2

Ich liege und sehe Wolken ziehen. Einfach so. Mache nichts anderes. Fast lass ich sogar gehen und schließe die Augendeckel. Ganz kurz, will mich vergessen. Dabei fand ich noch vor zwei Minuten kollektives Rumliegen oder gar Einschlafen doch arg verwunderlich. Ein Ruheraum reiht sich an den anderen. Jeder einzigartig und liebevoll gestaltet. Jeder riecht, pardon duftet, irgendwie anders. Und überall liegen Leute rum. Sie liegen einfach nur so da rum, manche schlafen sogar!
“Wieso zahlt man teures Geld, um dann letztendlich irgendwo rum zu liegen, faul und nichts tuend und zu pennen?“
schießt es mir für einen Moment durch den Kopf.

Diese Betten, man möchte sie fast schon als “Spielwiesen“ bezeichnen, auf denen kuschelnde Pärchen liegen oder eben Mädels-Trupps hocken und kichernd flüstern. Irgendwie suspekt. Und ohne jemals da gewesen zu sein, flüstert mein leicht irritierendes ICH fortwährend, ja geradezu hämisch “Swinger Club!!“ in mein Ohr. Ich weiß so etwas kann nur ein Erholungs-Stoffel, ein Ignorant gut gemeinter Spa-Auszeit denken.
Wir würden nicht so eigenartig aneinander kleben, mein Mann und ich. Nicht hier! Nicht nach fast vierzehn Jahren Ehe! Sind es doch alles schmusende junge Pärchen oder Olle frisch Verklebte, äh Verliebte, im zweiten oder dritten Frühling.
Ich drifte ab.

Aber warum nochmal für das alles so unendlich viel Geld bezahlen?
Für kostenfreien Fußpilz oder gar einen der ganz anderen Sorte? Ok, jetzt werde ich auch noch gemein und eklig. Far away vom Chillmodus!

PicsArt_02-25-11.13.51Doch genau jetzt, in diesem Moment, während ich in’s Handy diesen Text wische statt ebenfalls zu ruhen, erschließt sich’s mir: Weil wir es zu Hause tagsüber niemals tun würden! Zumindest wir Mütter nicht! Dafür lassen also Menschen Geld springen!
Und ich könnte jetzt auch mal loslassen! Das sollte ich jetzt eigentlich wirklich verdammt nochmal unbedingt tun! Doch das letzte Quentchen Überwindung fehlt.
Entspannungs-Legastheniker durch und durch! Noch immer!

Mein Rücken zwickt und zwackt ein wenig.

Ich glaube, ich bin der einzige Mensch, der aus einer hawaiianischen Rücken/Ganzkörpermassage (ja, ich hab’s doch gemacht) noch verspannter als zuvor wieder heraus kommt! Aber schön glitschig und schleimig bin ich jetzt. Durch und durch eingeölt und nicht weniger schwammig, schmierig belullt im Kopf. So was macht immer so benebelt, so’ne Massage finde ich!
Könnte aber auch am Sauerstoff -Mangel liegen, hatte ich doch penetrant anhaltend das Gefühl der verstopften Nase beim Blick nach unten durch’s Loch der Massageliege.
Stets darum bemüht, nicht auch noch Sabber bedingt durch die schlechte Luftzufuhr zu verlieren! 😉

Das Gesichtgequetsche liegt mir nicht ganz so, stelle ich wiederholt fest. Ebenso wenig wie das “verordnete“ Stillliegen nach vollendeter Kneterei. Einmal musste ich sogar aufpassen nicht versehentlich loszukichern oder gar lauthals zu prusten, als die gute Masseurin doch tatsächlich begann auf meinen Po Backen rumzuklatschen und zu wackeln! Und das auch noch synchron mit der Massage-Nachbarin! What!?
Nun lieg ich also hier. Glitschiger, eingeölter Fisch. Und habe Zeit zu vermissen.

Was würde ich wohl gerade zu Hause tun? Was läuft gerade daheim? Wie geht’s meinem kranken Mädchen? Hier gibt’s keinen Handy-Empfang, was mir bei Erkenntnis jener Tatsache schon den ersten unangenehmen Adrenalinstoß versetzte. Ja, ich tue mir sehr schwer mit dem Müßiggang und der Leichtigkeit des Seins.

Wellness: Ich muss es wirklich erst wieder lernen.
Konnte ich es überhaupt jemals?
Wellness! Was ist das überhaupt? Die Fähigkeit die Gedanken schweifen zu lassen? Nun, das tue ich gerade. Oder etwa ganz das Hirn auszuschalten? Kann ich nicht! Ist es Langeweile oder Bereicherung? Verschenkte Zeit oder wieder gewonnene Achtsamkeit? Braucht der Mensch Wellness oder gaukelt uns das Etwas oder Jemand vor? Wäre nicht auch ein Spaziergang durch den Wald im Schnee Wellness? Ist nicht sogar die schweißtreibende Runde um den See Wellness? Alles Ansichtsache glaube ich!
Ein “Macher“ – und dazu zähle ich mich dieser Tage – tut sich schwer, eingepackt in Bademantel und Handtüchern einfach so auf ’ner Liege rumzuliegen. Genau wissend dass ich mir sehr wahrscheinlich vierundzwanzig Stunden später in den geölten und durchgeschüttelten Arsch beißen werde und mir eben diese Liege und Ruhe zurück wünschen werde.

Dann werde ich mir wünschen ich hätte verflixt nochmal gepennt und nicht geschrieben!

Es gibt im Anschluss die verschiedensten Sauna Gänge, Kuchen und Kaffee, viele nette Gespräche unter Müttern und Kolleginnen. Nackt (schon mal nackt geschwommen? Not my cup of tea) planschen wir im Pool und entspannen in der Salzgrotte. Wenngleich entspannen bei mir grübelndes an die Steinwand Glotzen bedeutet. Möchte ich schon wieder die Augen schließen? Nah! Des moag I net! Nicht schon wieder! 😉
Ich vermisse die Kinderstimmen um mich herum. Die vertraute Hektik und das Gewusel. Locker lassen und in mich kehren? Den Moment richtig ausgiebig genießen und auskosten? Einatmen, ausatmen. Boah! Fällt mir das schwer!

Kurze Zeit später bin ich die Erste, die duschen geht. Nach sieben Stunden kapituliere ich und mag nicht mehr. Genug des Ausruhens.

Was im Anschluss folgt, es ist für mich persönlich schon fast das alles abschließende Highlight des Experiments “Mama im Wellness Tempel“.

Das Abendessen bei Wein und Kerzenschein mit viel Geschnatter unter Frauen hab ich mir aber auch nach so viel geduldiger Entspannungsversuche verdient!
Mal abgesehen von der nach “Streichelzoo“ schmeckenden italienischen Vorspeisen-Salami 😉

Und mein ganz eigenes Fazit?

Ich habe nette Menschen kennengelernt und eine ganz besondere Auszeit vom Alltag erleben dürfen. Auf der Wellness-Welle surft und reitet Mutti zwar noch immer nicht und die Sache mit der Geduld und hawaiianischen Tiefenentspannung, die will noch ein paar Jährchen reifen.
Noch schnür ich lieber Laufschuhe, jage tagein tagaus der Brut hinterher oder doppe aufgeputscht infolge überdosiertem Kaffees im Dreieck. Beim Versuch mal wieder alles in einem Tag schaffen zu müssen.

“Nix tun“ ist jetzt wieder Vergangenheit. Die Wolken können getrost wieder ohne mein Wissen weiter ziehen. Ich werde sie erst einmal nicht mehr beobachteten, mag für heute keine nackten Menschen mehr sehen und morgen einfach wieder ein Macher sein!

Ohne Blumenkranz im Haar aber mit ein paar Erkenntnissen mehr in der noch immer klammen Badetasche!

Eure

Alex

P.S. Selbstverständlich bekommt der Gatte auch noch seinen Wellness-Thermen-Samstag mit mir! Diesen allerdings schön effektiv auf ein Maximum von vier Stunden begrenzt! 😉

Sollten wir mal wieder die Möglichkeit zu einem Wochenende nur zu Zweit haben, so ziehe ich einen Städte-Trip dem Wellness-Hotel vor! Und das nächste Mal teste ich einfach mal  Bungee-Jumping,  Lasertag mit dem Großen oder lerne endlich Wasserski-fahren! 😉 


6 Gedanken zu “Mutti goes Wellness Teil 2

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