Die Sache mit der Konsequenz

Sie bekommt immer diese Hektik-Flecken wenn sie sich furchtbar aufregt. Wie ein Streuselkuchen sieht sie aus, auf der Stirn. Und sitzt nun völlig aufgelöst und schluchzend hinten im Auto. Ja, gerade jetzt hat sie allen Grund sich aufzuregen. Doch ich nicht weniger. Ich bin gerade die furchtbarste und gemeinste Mutter auf Erden. Aus ihrer Sicht und aus der Sicht so manch Anderer womöglich auch.

Und diese Gewissheit bringt mich kurze Zeit später dazu, heulend auf der Treppe nieder zu sacken. Jetzt, wo sie es nicht sieht. Weil sie gerade mit irgendetwas Anderem beschäftigt ist. Denn sie hat sich mittlerweile längst wieder beruhigt. Nicht aber ich.

Denn manchmal fühlt sich Mutter-sein einfach nur elend an!

Dann bist Du ein Versager, bist hilflos, gemein, gefrustet, trotzig und verärgert und obendrein noch von immensen Schuldgefühlen geplagt. All‘ diese furchtbaren Gefühle vereint! Wer muss da nicht heulen? Und nur die Gewissheit, dass eben auch genau das Gegensätzliche existiert, nämlich dass wir vor tausenden unterschiedlichsten Glücksgefühlen nahezu platzen könnten, nur diese Gewissheit hält uns in solchen Situationen über Wasser!

Nicht über Wasser halten aber kann ich die Kleinste.

PicsArt_06-07-04.21.51Ununterbrochen, jede einzelne Sekunde, die wir im Freibad miteinander verbringen!
Sie möchte alles nicht mehr!
Der festen Überzeugung, mit ihren vier Jahren nunmehr sämtlichen Gewalten, darunter eben auch der in flüssiger Form, trotzen zu können, weigert sie sich vehement!
Sie weigert sich Schwimmringe, Schwimmflügel oder Schwimm-Gurt zu tragen. Nicht einmal die super-coole, einzigartige Haifischflosse kann punkten! Nein! Wir wollen ohne! Die ganze Zeit und das noch lange jenseits des Seepferdchens! Denn der Papa hat mit ihr Tauchen geübt. Ich kann es ihm nicht zum Vorwurf machen, sicher hat er es ja nur gut gemeint:
Mein vierjähriges Kind springt nunmehr ins Wasser und taucht 1,50 Meter tief nach einem Ring und paddelt wie ein Hündchen wieder an die Oberfläche. Das ist wahnsinnig erstaunlich, faszinierend und bemerkenswert und zeugt von unfassbarem Mut und Selbstbewusstsein!

Aber leider verlor sich dadurch ein gewisses Maß.

Sie traut sich leider nun mehr zu, als es mir Recht und ihrer Gesundheit dienlich ist.
Ein Mittelweg? Noch nicht gefunden. Ich stehe also gefühlt den kompletten Nachmittag im Wasser und rette meine Vierjährige, immer und immer wieder. Ihr macht’s wahnsinnig Spaß, mir aber nicht. Denn weder kann ich meinen Blick auch nur eine Sekunde abwenden, noch kann ich meine Aufmerksamkeit auch nur einem Geschwisterkind widmen, geschweige denn mich mit anderen Müttern unterhalten!
Ich muss nunmehr mit Argusaugen aufpassen! Das will ich nicht! Ich will und fordere, dass mein Kind mit Schwimmflügeln im Wasser spielt, wenigstens die Hälfte der Zeit!

Die andere Hälfte beobachte ich eben das emsige Tauch-Treiben und greife zur Not tatkräftig ein.

Das ist anstrengend! Und sie macht das schon sehr gut, ohne Zweifel! Nachdem meine Vierjährige bereits mit zwei Jahren Fahrrad-fahren konnte und mittlerweile Kunststücke auf Pferde-Rücken vollführt, würde es mich nicht wundern, wenn sie tatsächlich in der Lage ist, noch vor dem fünften Geburtstag das Seepferdchen zu erlangen. Doch noch sind wir in keinem Schwimmkurs. Und es müssen nun dringendst Lösungen und Regeln bei! Und ich kann mich leider nicht daran erinnern, bei den beiden großen Geschwistern, die Gott-sei-Dank beide mittlerweile Silber haben, so gekämpft haben zu müssen!

Heute also musste ich kämpfen.

Sehr. Vorschläge doch bitte dort zu tauchen wo sie noch stehen kann, prallten ab. Schwimmflügel wurden motzig wieder abgestreift und selbst ohne meine Zustimmung in’s tiefere Wasser gesprungen. Und so kam es nun einmal wie es kommen musste.
Den Plan hatte ich bereits im Hinterkopf, wohlwissend dass ich ihn auch durchführen muss, sobald einmal ausgesprochen! Denn keine Aussage hat einen größeren Bullshit-Faktor als die Drohung, bei Nicht-hören-Wollens nach Hause zu fahren. Und es dann doch nicht zu tun. Weil gerade so viele Gründe dagegen sprechen.

„Weil man eben erst angekommen ist.
Weil man keinen Bock darauf hat, jetzt alles wieder einzupacken.
Weil die Sonne gerade so schön scheint.
Weil die Freunde gerade gekommen sind.
Weil die Geschwisterkinder gerade so viel Spaß haben.
Weil die Anderen dann komisch kucken werden.“

Einmal ausgesprochen gibt es der Konsequenz halber kein Zurück.

Sonst verliert Mutti an Glaubwürdigkeit und jedweden Respekt!

„Wenn Du jetzt nicht sofort auf mich hörst, gehen wir nach Hause“
Bämmm! Draußen war’s.

Sich in absoluter Sicherheit wähnend, wurden nun meine Grenzen ausgetestet. Sie hörte NICHT und sprang mir davon. Gen tiefes Wasser. Selbstverständlich ohne Schwimmhilfe.

Das darauffolgende Szenario, nun es ist mir wahnsinnig peinlich und unangenehm.
Doch es war nun einmal zwingend notwendig.

Wir sind gefahren! Mit riesigem Paukenschlag!

Denn ihr glaubt ja nun nicht, dass mein Kind mich friedlich an der Hand in Richtung Ausgang begleitet hat!? Nein, es war das typische Horror-Szenario einer jeden Mutter:
Ich habe mein kreischendes Kind unter den Arm geklemmt.
Liebe andere Mütter: Ich weiß wie das ausgesehen haben muss, doch hatte ich wirklich keine andere Wahl!

Und ich schreibe nun auch darüber, denn ich will eben auch auf diesem Blog über die unschönen Dinge berichten. Über die ganz blöden Seiten des Mama-seins! Über Dinge, die ich falsch gemacht habe und hätte anders lösen können!

Sicher, vielleicht hätte ich ruhiger bleiben können, weniger selbst trotzig. Doch das ändert nix an der Tatsache, dass ich konsequent bleiben musste. Damit es den restlichen Sommer funktioniert. Damit mein Kind auf mich hört und die nächsten von uns allen geliebten Freibad-Besuche gerettet sind. Damit mein Kind im Zweifel „gerettet“ ist.

Und doch fühle ich mich so scheiße!

Die Sache mit der Konsequenz und dem Durchgreifen, wer macht das schon gerne?
Und nutzt es wirklich? Hat es jetzt etwas bewirkt? Ich weiß es nicht, ich werde es beim nächsten Besuch im Lieblings-Schwimmbad sehen. Doch erst einmal möchte ich nicht mehr. Morgen mag ich nicht. Wir müssen uns erholen und runter kommen. Und bitte vergesst schnell, was ihr gesehen habt 😉

Wir haben uns längst wieder vertragen, die Kleinste und ich. Und während ich gerade diesen letzten Satz schreibe, sitzt sie neben mir
„Mami, ich hab Dich lieb!“
Ich muss wieder schlucken und mir heimlich die Tränen aus dem Gesicht wischen. Und jetzt hol‘ ich uns erst einmal ein dickes, fettes Eis aus der Kühltruhe.
Das, welches es heute vom Schwimmbad-Kiosk nicht mehr geben wird.

Eure

Alex

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2 Gedanken zu “Die Sache mit der Konsequenz

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