Reisetagebuch „Wenn Fünf eine Reise tun“: Nachtflug in den Süden

Sonntag Nachmittag, 17 Uhr.
Wir haben das Haus noch lange nicht verlassen, schon eröffnen sich mir die ersten Nachteile bei einem anstehenden Nachtflug:

Die Kinder haben noch den gesamten Abreisetag Zeit, das komplette Haus zu verwüsten und sich zu verletzen!

Und so versorge ich die offene Wunde der Mittleren.

Hat sich mit der Hundeleine irgendwelcher mir unbekannten Hundebesitzer am nackten Bein aufgescheuert. Beim Gassi führen. Dabei wollte sie nur ihre Freundin besuchen!? Jetzt nässt es und lässt bereits erahnen, welch Vergnügen sie die nächsten Tage im Salzwasser haben wird. Mist aber auch!

Schon jetzt also halte ich eine Abfahrt von zu Hause abends um 20.00 Uhr für keine glückliche Fügung. Doch liegt es ja nicht in unserer Hand.

Es hat etwas von Warten auf’s Christkind.

Alle sind irgendwie nervös, aufgeregt und durch den Wind! Ganz besonders die Mama 😉 Und kläglich versuche ich Müll und Geschirr weg zu räumen, Sabber Flecken vom Fußboden zu wischen und alles ordentlich zu halten. Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich hab’s halt gern sauber und aufgeräumt geht es in den Urlaub. Für einen kurzen Moment überlege ich sogar, noch einmal das ganze Haus durchzuwischen. Was definitiv von zu viel Wartezeit zeugt! Dabei wäre es besser, die Kräfte einzuteilen. Die Nacht wird gewiss lang und anstrengend werden…

Flughafen Albrecht Dürer in Nürnberg, 1.00 Uhr morgens.

PicsArt_07-24-11.38.46Ich blicke in fahle Gesichter, alle müde irgendwie in’s Leere starrend. Oder lustlos am Handy rumwischend – solange es noch geht. Einige haben es sich auch auf den Bänken gemütlich gemacht, kurz Schlummern in einer Nacht, die nicht wirklich stattfinden wird.

Wir sind am Gate angekommen und warten auf den Flieger. Den verspäteten Flieger. Erstaunlicherweise sind alle Kinder ringsum hellwach. Nicht nur die Eigenen.
Und schon jetzt habe ich ein klein wenig Mitleid. Mitleid mit mir selbst und all den anderen Müttern, die noch einen seeehr langen Montag vor sich haben. Bis zum weichen Bett. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich meine Kinder am Mittag auf ein Schläfchen hinlegen werden. Zu aufgeregt werden sie wohl sein. Alles zu neu. Alles muss erkundet werden.

Doch will ich nicht schon im Vorfeld jammern und meckern.

Immerhin sind alle drei Kinder lieb und machen ganz toll mit. Und so bilden sich die ersten Freundschaften gleich hier im Wartebereich. Denn es sind schließlich meine Kinder, die Kinder eines IT-lers, die mit Tablets und Kinderserien punkten. „Wie unvorbildlich“ sprach mein innerstes Gewissen noch vor wenigen Minuten zu mir. “Andere Mütter lesen vor, wir räumen die Tablets raus!“
Nun, jetzt bildet sich eine Traube an kleinen Menschlein um die Vierjährige und ich meine fast einen kleinen Funken Dankbarkeit und Entspannung in den Gesichtern der anderen Mütter zu erkennen! 😉
Nachts darf das Gewissen schließlich ruhig mal Pause haben!

Auch gestaltete sich übrigens die Hinfahrt zum Airport als ziemlich entspannt. Einem gemütlichen Pizza Essen beim Lieblings-Italiener auf dessen Dachterrasse folgte eine knapp zweistündige Fahrt auf freier Autobahn. Alles gut. Soweit 🙂

Montag Abend, 20 Uhr Ortszeit

“Mama darf ich bitte ins Bett gehen? Ich bin wirklich sehr müde“.
Verblüfft fällt mir beim Abendessen beinahe die Gabel aus der Hand, eine derartige Äußerung ausgerechnet aus dem Munde des großen Sohnes zu hören!
Derjenige, welcher sonst niemals im Traum daran denken würde, freiwillig den Gang ins Schlafgemach anzutreten bittet mich nun! Dass wir überhaupt hier gemeinsam alle fünf am Tisch sitzen glich einem Kraftakt, waren doch alle Kinder während des mütterlichen Duschvorgangs kurz eingeschlafen. Was bitte nicht auf die Dauer meiner Badezimmerzeit schließen lässt! 😉

Zu kaputt sind wir einfach alle! Haben wir schließlich schon einen kompletten ersten Pool-und Strandtag hinter uns!

Was natürlich sehr cool ist, erreicht man am frühen Morgen den Urlaubsort, doch ist ein solcher erster Urlaubstag erschöpfend zugleich! Irgendwie fast ein wenig wie im Delirium. Immer wieder nicken wir alle zwischendurch mal ein, um uns erneut aufzuraffen und wenigstens bis zum Abendessen durchzuhalten!

Und so muss ich tatsächlich zugeben, ein Nachtflug mit drei Kindern ist schon Hardcore!

Insbesondere wenn kein Kind an Bord schlafen möchte bzw. kann! Erneut will ich aber nicht meckern, die Kinder haben das Ganze wirklich wahnsinnig prima mitgemacht! Und somit wäre die Feuerprobe bestanden und einem Flug nach Kanada dürfte in Zukunft nichts mehr im Wege stehen! Schließlich waren wir in der Summe auch 12 Stunden unterwegs…

Erschöpft falle ich allerdings direkt nach dem Abendessen endlich in’s Bett. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass wir ALLE in dieser Nacht 11 Stunden schlafen werden. 😉

To be continued…

Eure

Alex

 


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