„Wenn der Storch nicht von alleine kommt“: Interview mit der Autorin Melanie Croyé

„Dann müssen Sie halt Hormone nehmen.“

Noch immer kann ich mich ganz genau an jenen Satz erinnern. Damals.
Mit achtzehn im Behandlungszimmer meiner Gynäkologin in der Heimatstadt.

„Wenn das so weiter geht, können Sie später keine Kinder bekommen, das muss Ihnen klar sein“,

setzte sie mit strafend-mahnendem Blick fort. Zu Recht!
Denn heute, rückblickend betrachtet, war dies ein an mich gerichteter und völlig wirkungsvoller Weckruf!

Ich hatte mir schon immer Kinder gewünscht!

Seit ich denken und mich erinnern kann, wusste ich, dass ich aus tiefstem Herzen später einmal eine Mama sein möchte.
Doch an jenem Nachmittag in den Neunziger Jahren war ich das sture, fast magersüchtige Mädchen. Das, welches trotzig das Essen aufgab.
Um das Gefühl der Kontrolle zu haben, über den eigenen Körper und damit vermeintlich das junge Leben.
Ich war das Mädchen, dessen Zyklus zwei Jahre aussetze und drohte „sich nicht mehr zu erholen“, sollte ich dem Hunger-Wahn kein jähes Ende bereiten.

Hormone! Kinderlos!

Das saß! Und machte mir Angst. Fürchterliche Angst. Angst vor Nebenwirkungen und somit wiederum Angst, die Kontrolle zu verlieren. Da fing ich lieber wieder an zu essen. Nein, vielmehr als das:
Ich begann,  wieder das Leben zu kosten, es zu fühlen und zu schmecken.
Und wurde dafür später reich beschenkt.
Trotz anfänglicher Negativ-Prognosen.

Denn auch dem Gatten wurde einst die Aussicht auf ein rasches, kinderreiches Leben ein klein wenig gedämpft und genommen, wie er mir einst berichtete.
Keine ganz so rosigen Voraussetzungen, was die künftige Familienplanung betraf, oder?

Und heute? Haben wir drei Kinder!

Alle auf ganz natürlichem Weg bekommen, alle innerhalb kürzester Zeit.
Ohne jemals penibelst auf Temperaturen, Ovulations-Zeitpunkte & Co. geachtet zu haben. Ohne jemals Kalender geführt zu haben oder uns Druck und Stress aussetzen zu müssen. Es passierte einfach so. Und dass ich hier von einem ganz großen Glück berichten darf, das ist mir bewusst. Und dies ganze drei Mal!
Und dafür Danke ich von ganzem Herzen.

Denn ich weiß, dass viele Paare nicht solches Glück erleben dürfen.

Dass der Weg zum Wunschkind, zu den Wunschkindern, ein langer, steiniger ist.
Und ich möchte sie kennen lernen: Diese andere Seite.
Möchte sie verstehen und mitfühlen, denn auch dies ist ein Thema, das alle angeht und welches es gilt, anzupacken und anderen Mut zu machen. Es ist so wichtig, Zuversicht zu schenken und zu zeigen, dass alles geht und machbar ist!

Eine, die sich genau dies zur Aufgabe gemacht hat und die weiß, wofür es sich zu kämpfen lohnt und insbesondere niemals Mut, Hoffnung und Glaube an den eigenen Körper aufzugeben ist Melanie Croyé.

PicsArt_10-10-12.55.12Die Berliner Journalistin hat ihre ganz persönlichen Erfahrungen nun in einem Buch zusammengefasst. In „Wenn der Storch nicht von alleine kommt“ berichtet sie ganz offen und ehrlich über ihren ganz persönlichen Weg zum Wunschkind, über gleich zwei Kinderwunsch-Behandlungen!

Sie selbst fühlte sich während dieser Zeit oft hilflos und vermisste einen offenen, ehrlichen Ratgeber, der nötiges Wissen kompakt vermittelt und ganz nebenbei auch Mut und Zuversicht vermittelt. Nun schrieb sie diesen einfach selbst! 😉

Ich durfte die Autorin interviewen und ihr während eines sehr sympathischen Telefonates einige Fragen zu jenem Thema stellen.

Diese und die ehrlichen und insbesondere Mut-machenden Antworten möchte ich Euch hier gerne einmal schriftlich zusammenfassen:

Liebe, Melanie, wann habt Ihr das erste Mal vermutet, dass „da etwas nicht stimmt“?

Als ich die Pille nach 13 Jahren absetzte, blieb direkt nach vier Wochen die Regel aus. Als aber selbst nach einem Zeitraum von drei Monaten sich weder eine Monatsblutung einstellte, noch Schwangerschaftstests positiv ausfielen, vermuteten wir relativ schnell, dass etwas nicht in Ordnung sein kann.

Wie bekamt Ihr dann die endgültige Gewissheit, dass sich eine Schwangerschaft nicht auf natürlichem Wege einstellen kann?

Der erste Weg führte zur Frauenärztin, welche mittels Blutabnahme einen Hormonspiegel machen ließ. Doch mussten noch weitere Dinge abgeklärt werden, wie etwa eine vorliegende Schilddrüsenunterfunktion und so begann direkt ein langer Weg von der Frauenärztin über die Hausärztin zu Spezialisten, alles verbunden mit diversen Untersuchungen und Tests. Das End-Ergebnis bestätigte dann die Vermutung, dass ich einfach keinen Zyklus hatte – und ohne Follikelreifung und Eisprung kann man eben auch nicht schwanger werden.

Wie lange sollte man also warten, bevor man eine mögliche Unfruchtbarkeit und deren Ursachen abklären lässt?

Man sollte niemals zu lange warten! Bereits nach einem Jahr „versuchen“ gilt man schließlich als unfruchtbar und dann sollte ein Paar auch nicht lange zögern und nach den Ursachen forschen lassen! Gleich aktiv werden heißt hier die Devise!
Wer nicht gleich ins Kinderwunschzentrum gehen will, kann erst mal zum Gynäkologen gehen, Männer sollten bei Verdacht beim Urologen ein Spermiogramm machen lassen. Wichtig für Frauen ist zunächst, die Hormonwerte zu überprüfen und mittels Ultraschall mögliche Zysten ausschließen zu lassen.
Die Krankenkassen verlangen auch oft bestimmte Untersuchungen beider Partner, damit sie die Kosten weiterhin übernehmen. Schließlich ist es wenig sinnvoll, wenn die Frau Hormone nimmt, der Mann aber zusätzlich unfruchtbar ist.

Was aber passiert in dem Moment des Realisierens mit einem Paar?
Wie verhindere ich es, in ein großes, dunkles Loch zu fallen? Wie bewahre ich mir dennoch Mut und Zuversicht und schöpfe neue Kraft, um möglichst schnell aktiv zu werden?

Wichtig ist, trotz der niederschmetternden Diagnose zu versuchen, eben nicht in das Loch zu fallen oder sich gar in sein Schneckenhaus zurückzuziehen. Die Diagnose „unfruchtbar“ ist kein Weltuntergang und man kann ganz oft etwas dagegen tun. Auch wenn’s schwer fällt und Überwindung kostet, sollte man nicht lange abwarten oder sich gar schämen, sondern sich immer wieder um Alternativen bemühen und neue Wege gehen!

Woher habt Ihr so schnell diese Kraft genommen?

Ich wusste bereits mit 15 Jahren, dass ich Mutter werden möchte und bin schon mit meinem Mann zusammen, seit wir 18 sind. Ich hatte immer einen starken Kinderwunsch und habe nur aus Vernunftgründen gewartet. Als wir dann endlich Kinder wollten und es nicht klappte, wurde mein schlimmster Albtraum war. Aber uns war immer klar, dass wir im Fall der Fälle nicht lange zögern würden und niemals die Hoffnung aufgeben wollten. Selbst Adoption wäre eine Alternative gewesen. Ich habe also von vornherein niemals andere Möglichkeiten ausgeschlossen.

Doch wo wären Eure persönlichen Grenzen gewesen?

Leihmutterschaft und Eizellenspende sind in Deutschland ja sowieso verboten. Doch ersteres wäre für uns ohnehin nicht in Frage gekommen, weil die Situation der Leihmütter oft unklar ist und Frauen dafür ausgenutzt werden. Das ist ein sehr schwieriges Thema, ethisch und moralisch sehr komplex.

Welche Behandlungsmethode führte bei Euch letztendlich zum Erfolg? 

Zuerst wurde eine Hormontherapie mit Clomifen-Tabletten durchgeführt. Hierdurch wird ein Eisprung ausgelöst, doch hat dieses Mittel ziemlich starke Nebenwirkungen. Hinzu kam, dass ich relativ schnell immun dagegen wurde. Der gewünschte Erfolg stellte sich also hierdurch nicht ein.
Es folgte die Behandlung mit Hormonspritzen, in unserem Fall wählten wir zuerst eine niedrige Dosierung, um einen natürlichen Zyklus zu simulieren, in dem nur eine Eizelle heranwächst. Als das auch erfolglos blieb, haben wir eine klassische künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) machen lassen – sprich die Befruchtung meiner Eizellen mit dem Sperma des Mannes im Reagenzglas. Daraus entstanden zwei Mehrzeller, die mir dann eingesetzt wurden – und einer hat sich festgebissen, ist heute drei Jahre alt und hält uns ordentlich auf Trab!

Wie wirkt sich die Hormonbehandlung auf die Frau aus? Ist dies nicht eine große körperliche und psychische Belastung? Wenn Frauen doch selbst schon unter Dingen wie PMS leiden, was passiert dann während einer solchen Behandlung? Was hat Frau dann zu erwarten bzw. zu befürchten?

Ich selbst litt zum Glück nie unter PMS und hatte somit weniger mit den Hormonen zu kämpfen. Dies lag sicherlich aber auch darin, dass ich die Hormontherapie als etwas Positives annahm. Endlich hatte ich das Gefühl, etwas tun zu können, die Sache voran zu bringen. Ich sah das Ganze als Hilfsmittel und als etwas Gutes, auch wenn einige Nebenwirkungen, wie etwa Gewichtszunahme oder blaue Flecken am Bauch, nicht ausblieben.

Was kann der Mann während dieser Phase tun, um die Frau emotional zu unterstützen und ihr Halt zu geben? Was kann er sonst noch beitragen?

Es lässt sich nun einmal nicht verhindern, dass die Frau die Hormone nimmt und die Sache körperlich durchstehen muss – selbst wenn die Unfruchtbarkeit am Partner liegt. Doch auch als der sogenannte „Verursacher“ hilft der emotionale Support des Partners ungemein. Er sollte der Frau das Gefühl geben, voll und ganz hinter der Sache zu stehen. Außerdem hilft es sicherlich, viel zu reden und die Frau zu unterstützen.
Im Vorfeld kann jedoch auch der Mann einen kleinen Beitrag leisten, als da wäre für eine bessere Spermien-Qualität zu sorgen, sich gesund zu ernähren, mit dem Rauchen aufzuhören und Sport zu treiben.

„Aber stürzt so etwas nicht in den finanziellen Ruin?“
Dies ist doch bei jenem Thema eine weit verbreitete Befürchtung.
Was genau ist dran?

Dies ist in der Tat ein weit verbreiteter Irrglaube. Ja, es gibt Paare, für die bedeutet die künstliche Befruchtung hauptsächlich einen großen Batzen Geld. Es gibt aber auch einige Krankenkassen, die die Kosten komplett übernehmen. Es ist also möglich, dass man unter bestimmten Voraussetzungen gar nichts bezahlen muss! Dies war in unserem Fall so. Ist ein Paar verheiratet und die Frau zum Zeitpunkt des Kinderwunsches unter 40 Jahren, der Mann unter 50 Jahren, stehen die Chancen recht gut! Was auch kaum jemand weiß: Die Kassen müssen unter bestimmten Voraussetzungen ohnehin 50 Prozent der Kosten tragen,  in Deutschland gibt es zudem inzwischen sechs Bundesländer, welche zusätzlich etwas beisteuern oder sogar den Rest übernehmen! Teilweise auch bei unverheirateten Paaren!
Es lohnt also auf jeden Fall, sich im Vorfeld über Kostenübernahmen zu informieren!
Vorsichtig muss man nur sein, versuchen die Kinderwunsch-Praxen einem weitere Therapien und Behandlungsmöglichkeiten „anzudrehen“, die manchmal sinnvoll sein können, aber nicht unbedingt notwendig sind.

Wie befreit Man(n)/Frau sich gedanklich davon? Gibt es Möglichkeiten sich abzulenken? Wie gelingt es während dieser Zeit, der Sache nicht ganz so viel Raum zu geben? 

Es ist natürlich nicht möglich, NICHT daran zu denken. Mir hat ganz gut geholfen, mich mit Sport und Ausflügen abzulenken. Wir haben auch einmal bewusst Urlaub gemacht, auch vom Kinderwunsch, und so zwischendurch einige Zeit ausgesetzt.
Auch nach dem Embryo-Transfer wird inzwischen empfohlen, ganz normal weiterzuleben!
Das Leben zu genießen, nicht zu übervorsichtig zu sein, entspannt zu bleiben – auch wenn das natürlich super schwierig ist! Aber keine Angst: Die Eizellen können nicht wieder rausfallen 😉

Was passiert nach dem positiven Schwangerschaftstest?

Ich konnte mich anfangs gar nicht richtig freuen. Zu groß war die Angst, dass etwas schief gehen könnte. Zu groß ebenfalls die Angst vor dem erneuten Aufwand, wenn es nicht klappt.
Als mir das bewusst geworden ist, habe ich die Freude dann aber nach und nach zugelassen – und beim zweiten Kind fiel es mir schon viel leichter.

Welche Kraft aber benötigt es, das alles sogar ein zweites Mal zu durchleben?

Ehrlich gesagt, habe ich mich auf das zweite Mal gefreut! Ich bin da ganz optimistisch und positiv ran gegangen, weil ich wusste, nun wieder etwas bewirken zu können.
Und als es dann auch noch super-schnell klappte, war das umso schöner!

Melanie, welchen ultimativen Tipp, welchen Ratschlag kannst Du hier abschließend anderen Paaren mitgeben? 

Niemals aufzugeben! Immer aktiv bleiben und nach Alternativen und Optionen suchen. Man sollte sich nicht entmutigen lassen und stets auch Dinge hinterfragen und sich Zweitmeinungen bei anderen Ärzten einholen!

Und schon während des Telefonates bin ich mir sicher, allein durch diese wunderbare, positive und optimistische Einstellung, durch dieses Annehmen der Alternative als etwas ganz Fantastisches – allein mit dieser Einstellung hat Melanie Croyé ganz viel zur finalen Erfüllung des eigenen Kinderwunsches beigetragen! 

Ebenfalls während des Telefonates stillte die aufgeschlossene und super-freundliche Berlinerin übrigens ihre zweite Tochter, welche vor wenigen Wochen auf die Welt gekommen ist. Dank Kinderwunschbehandlung 🙂

Viel Spaß beim Lesen,

Eure

Alex

Und wer nun gerne selbst das Buch der Autorin lesen möchte, Kraft, Mut und Zuversicht erfahren mag, hier der entsprechende Amazon- Link dazu!


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