24 Stunden: Paar auf Zeit

21+

Am liebsten würde ich ihm jetzt die Hand schütteln und mich bedanken.
Möchte mich verabschieden, von dem fremden Mann, der mir doch so vertraut ist.
Denn es gleicht einem nahenden Abschied.
Dieses wehleidige Gefühl, welches mich gerade jetzt – nach vierundzwanzig Stunden – heimsucht.

Ein Abschied von Stunden der Auszeit und einer Reise in die Vergangenheit.
Er wird nicht wirklich gehen. Er bleibt!
Womöglich sogar genau da, wo er jetzt sitzt.
In der Ecke. Auf der Couch.

Und doch geht ein Stück Unbeschwertheit.
Weicht einer ordentlichen Portion Leben, unfassbarer Liebe und noch unglaublicherer Lautstärke.
Lieb gewonnener und vertrauter Lärm, welcher gleich wieder in dieses jenes Häuschen einziehen wird.
Denn gleich werden wir zwei wieder Eines sein:

Eltern.

24 Stunden alleine

Vierundzwanzig Stunden gab es nur uns zwei – und jede Menge Stille im Haus.
Stille, welcher wir uns entzogen um die große, kleine Freiheit zu genießen.
Und auch Stille, welche wir endlich, endlich in den eigenen vier Wänden genießen konnten.

Wir waren nicht mehr vierzig oder gar schon kurz vorm nächsten Jahrzehnt (Ätsch Schatz, DER musste jetzt sein).
Wir waren wieder jung und frei.
Studenten“ (ich weiß, ich für meinen Teil bin’s nie gewesen) ohne jegliches Zeitgefühl und Verantwortung.
Und wisst Ihr was? Es war wunderbar!

Vierundzwanzig Stunden den Reset-Knopf drücken und sich als Paar wieder finden.
Getrieben einzig und allein von solch simplen und banalen Dingen, wie der Frage, wo wir etwas zu Essen herbekommen ohne kochen zu müssen – oder gar ob heute noch (mal) etwas läuft. 😉
Ohne nun Studenten eine derart naive und primitive Denkweise unterstellen zu wollen!

Wieder jung!

Wir waren wieder Mitte Zwanzig.
Das Paar von damals, das in der Fuldaer Altbau-Wohnung erst Samstags-Nachmittags diese verließ, um selbstvergessen durch die Altstadt zu flanieren oder noch schnell das Nötigste für’s Wochenende zu besorgen.
Wir waren wieder WIR!

Das tut gut und ist ein großes Geschenk – Danke liebe Großeltern dafür!
Denn alle paar Monate kommt es vor, dass es tatsächlich gelingen mag, drei Kinder aufgeregt und freudig bei Oma und Opa übernachten zu lassen.
Für die Kinder eine willkommene Abwechslung und klitzekleines Abenteuer – für uns essentiell!
Denn was braucht eine gut funktionierende Beziehung und Ehe?
Nun, in unserem Fall sind es sowohl Nähe als auch Distanz!
Die Distanz – auch über Nächte hinweg – mag sich durch den Beruf des Gatten ganz von alleine ergeben.
Doch mit der Nähe hapert’s bei drei Kindern des Öfteren ein wenig.

Eltern sein – Paar bleiben

Ich muss Euch nicht erzählen, dass bei drei lebhaften und lauten Kindern im Hause selbst die gemeinsame elterliche Konversation eine schier unüberbrückbare Hürde zu sein vermag!
Vielmehr als gar andere eheliche Aktivitäten! 😉
Und es ärgert mich manchmal und frustriert!
Ich mag es nicht, meine Kinder darum bitten zu müssen, mich auch einmal kurz mit meinem eigenen Ehemann unterhalten zu dürfen!
Bei aller Liebe – wir Eltern dürfen uns nicht verlieren!

Wir haben alles nachgeholt!

Kann man in vierzundzwanzig Stunden Versäumtes aus Monaten oder gar Jahren nachholen?
Ja! Ist vielleicht ein bisschen hektisch und bekloppt, tut aber wahnsinnig gut – und ist durchaus machbar.
So kam es, dass Zwei Händchen-haltend an einem Badesee unweit des eigenen Wohnortes spazieren gingen und bei Wein, gutem Essen und vor allem ununterbrochenen Gesprächen einen lauen Sommerabend auf der Terrasse des italienischen Restaurants genießen konnten.

Und wer uns nun doch für langweilige Leute mittleren Alters hält:
Ich überließ die Wahl der Location fürs gemeinsame Dinner dem Gatten, welcher bewusst nicht das Szene Lokal

mitten in der Stadt wählte. Weils so viiiel romantischer is‘ und wenn ihr mich fragt darum schon irgendwie süß. 😉

Und doch wäre es nicht mein Gatte, wären wir nicht an diesem einem freien Abend noch woanders gelandet!
So durfte ich mein allererstes „sneak preview“ in einem Kinosaal unweit von Frankfurt erleben!
Nun, das Glück schien auch dort auf unserer Seite zu sein:
Statt des befürchteten Horror-Gemetzels mit Ekel-Faktor erwartete uns eine locker-leichte Komödie mit doch wichtiger Botschaft!

Es war ein langer, schöner Abend!
Doch verzeiht mir, sollte ich an dieser Stelle nun weitere Details der freien Stunden zu zweit aussparen. 😉

Ich habe geschlafen!

Schlaf-Defizit kann man nie und nimmer nachholen?
Bullshit! (einmal Bullshit im Text muss sein!)
Und ob die Mutti kann!
Acht Stunden kann ich schlafen! Jawohl!
Bis zehn Uhr morgens!
(Ich sagte doch, ich werde es mir erlauben, Details zu unterschlagen).
Doch schlief ich wie in guten alten, kinderlosen Zeiten!

Wir waren sportlich!

Und daran erkennt man doch wieder das sehr wohl fortgeschrittene Alter!

Mit Mitte Zwanzig waren wir längst nicht so sportlich! 😉
Wie gut es aber tat, zu zweit insgesamt acht Kilometer durch Feld und Wiesen zum nächstgelegenen Ort und zurück zu laufen!
Doch wäre es nicht unsere verdiente Auszeit, unser Urlaub zu Hause, hätten wir nicht auch beim Laufen ein bisschen…geschummelt!
Wer kann schon einem Erdbeer-Becher mit zwei Löffeln widerstehen!?

Die Couch gehörte uns!

Ich kann Euch gar nicht sagen, wann ich das letzte Mal am helllichten Tag einen kompletten Film geschaut habe!
Wann ich überhaupt tagsüber auf der eigenen Couch lümmeln kann!

Doch heute, heute lag mein studentisches, junges ICH ungeschminkt im ollen, grauen T-Shirt vor der Glotze!
Und es tat gut!

Wenngleich ganz tief versteckt, leise Stimmen mir Anderes einreden wollten.
Wollten mich überreden, doch mal lieber wieder aufzustehen.
Kritisch fuhren sie mit dem Finger durch’s Regal und beäugten den leichten Staubfilm, welcher die Fingerkuppe bedeckte.
Sie wollten mir weismachen, dass doch jetzt (!) genau der richtige Zeitpunkt zum ordentlichen Hausputz wäre.
Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus und Mann und Hamster friedlich sind!
Nun, ohne Euch nun mit einer weitern Teufel-Engel-Geschichte zu kommen:
Ich verbat kurzerhand dem inneren Streber die verdammte Fresse!
Pardon für einen derart unmanierlichen Ausdruck – die Mutter in mir ist gerade auf Auto-Pilot! 😉

Und doch fehlten die Kinder

Später beim gemeinsamen Abendessen am Familien-Esstisch fiel sie uns beiden aber dann doch auf:
Die ungewohnte Stille.

Als urplötzlich das leise Summen der Lüftungsanlage zu vernehmen war und lediglich zwei einsame Tellerchen die lange Tafel zierten.
Ja, es war an der Zeit wieder los zu lassen.
Von der ungewohnten Zweisamkeit.

Uns beiden reicht stets die kurze Auszeit zu Zweit.
Es muss nämlich gar nicht der kinderlose Urlaub oder das freie Pärchen-Wochenende sein.
Beides ist in unserem Fall mit drei Kindern ohnehin nur allzu schwer umzusetzen.
Nein! Allein in vierzundzwanzig Stunden ist es möglich, sich als Paar wieder zu finden!

Zurück auf Start

Es klopft an der Türe.
Lächelnd blicken wir uns an.
Verabschieden das Paar in uns leise – und lassen es wieder rein:
Das pralle, laute und aufgeweckte Leben.
Den Dreck und die Unordnung.
Die Streiterein und das lautstarke Geheule.

Doch jetzt in diesem Moment öffnen wir mit den „quick-charge“ aufgeladenen Batterien.
Mit viel Geduld, neuer Kraft und Ausdauer!
Bis zu den nächsten vierundzwanzig Stunden.
Irgendwann in einigen Monaten. So Gott will!

Vergesst Euch als Paar nicht!

Eure 

Alex

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2 Gedanken zu “24 Stunden: Paar auf Zeit

  1. Dresden Mutti Antworten

    Schön zu lesen, dass ihr so einen tollen Tag hattet <3

    0
    1. Mama steht Kopf Antworten

      Ja das hatten wir wirklich! 🙂 Liebe Grüße!!!

      0

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