Solange wir sind: Vom Halt im Leben – Corona-Tagebuch – Tag 18

13+

Donnerstag.
Es sind meine Kinder.
Meine Kinder sind es, die mich immer wieder aufstehen lassen und mich lehrten, auch in den kleinsten Dingen des Lebens das ganz große Glück zu erkennen.
Es sind meine Kinder, die mich zu dem machten, was ich heute bin.
Die mich lehrten, mutig und tapfer immer und immer wieder erhobenen Hauptes das zu bestreiten, was sich Leben nennt.

Meine Kinder lassen mich auch in den dunkelsten Zeiten lächeln – und vor Freude klatschen und grunzen.
Sie sind mein Motor, mein Antrieb.
Und mögen die nervtötenden Quälgeister ( 😉 ) mich noch so oft an den Rande der Verzweiflung bringen, so formen mich alle Drei – und geben dem eigenen Dasein überhaupt Sinn.

Jeden einzelnen verdammten Tag.

Und fast glaube ich, es sind auch meine Kinder, welche mir buchstäblich den Arsch retteten – und es noch immer tun.

Ihnen möchte ich zeigen und vorleben, auch in Krisen Freude und Zusammenhalt zu empfinden.

Sie sind es wert, Rahmen und Struktur für den nötigen Halt zu schaffen und gerade in diesen Tagen eigene Bedürfnisse zurück zu stecken. Weil es sich auszahlt und Kummer nimmt.
Und nicht zuletzt auch mir gut tut.

Eigentlich geht es uns gut!

Erst heute schrieb ich in einer Nachricht, dass mir selbst diese außergewöhnlichen Zeiten ganz gut gelingen.
Ja, nahezu zeige ich mich selbst verwundert ob der Selbstverständlichkeit mit dieser wir nun unseren neuen Alltag bestreiten.
Auch wenn ich hin und wieder zweifle und das was wir hier tun für Resignation und Gleichgültigkeit halte – denn ändern können wir die Dinge gerade ohnehin nicht.

Doch mehrten sich die Tage, an welchen ich abends anerkennend nicken konnte!
Tage, an denen ich mich kaum traute mir insgeheim einzugestehen, dass der vergangene ein gänzlich guter Tag war!

Richtig schön sogar!

Oft blickte ich auf einen Tag voller Sonnenschein und blauem Himmel zurück.
Geprägt von gemeinsamen Spaziergängen in der Natur, dem Duft frisch gebackenen Brotes.
(Ja, auch wir sind dem Hype nun verfallen – die Kinder planen schon den nächsten Brot-Back-Contest).
Ein Tag gefüllt von Scherzen und Lachen, kreativen Dingen, welche wir gemeinsam schufen und Phantasie-Welten, in welche wir tauchten.
(Ok, die Gummipferde langweilen mich noch immer! 😉 )

Wir hatten in der letzten Zeit durchaus schöne Momente und viele kostbare Stunden!

Geschwister fanden wieder zueinander – mehr denn je.
Und es gelang uns, uns endlich wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen!

Wir befinden uns in unserer ganz eigenen Blase – und eigentlich ist es für eine Weile ganz nett und kuschelig hier.

Nicht jeder hat diesen Halt

Doch was ist mit den Menschen, die diesen Halt in jener Zeit nicht haben?
Menschen, die wir nicht sehen und wahrnehmen, weil wir mit uns selbst zu beschäftigt sind.
Menschen, die an Dingen zerbrechen, geplagt von Existenzängsten und Kummer.
Und für die eine Krise wie jene möglicherweise das Zünglein an der Waage darstellt?

Vor einiger Zeit sinnierte ich darüber, was die jetzigen Zeiten wohl aus uns Menschen machen.
Welche psychischen Auswirkungen all‘ dies längerfristig auf Einzelne von uns haben könnte.
Was sie für diejenigen bedeuten, die sich ohnehin verloren fühlen, kinderlos – und den Halt nicht mehr zu finden vermögen?

Vielleicht sollten wir gerade in diesen Tagen einmal mehr hinhören und versteckte Botschaften, leise Untertöne wahrnehmen.
Bevor es zu spät ist.
Vielleicht aber auch haben wir Dinge einfach nicht in der Hand. 

Wir bekamen heute einen Anruf, welcher uns sehr erschütterte.

Und der mich einmal mehr lehrte, dass wir niemals in die Köpfe der Anderen hineinblicken können.

Denn auch wenn wir glauben, Menschen zu kennen, so sollten wir uns niemals in jener trügerischen Gewissheit zurücklehnen.
Es könnte irgendwann zu spät sein.

Wenn es zu spät ist

„Liebe S.
Du sagtest einmal zu mir, es gäbe niemanden, der um Dich weinen würde, wenn Du eines Tages nicht mehr bist.
Denn Du hättest keine so wundervolle Familie wie ich.
Ich solle dankbar für meine Kinder sein.

Nun weißt Du, das bin ich jede einzelne Minute, jeden verdammten Atemzug!
Doch bin ich mir sicher wärst auch Du niemals gänzlich alleine gewesen.
Ich weiß nicht, was in Dir vorging, dazu hatten wir zuletzt viel zu wenig Kontakt.

Doch hätten mich diese Worte vor einigen Jahren aufschrecken lassen sollen.
Ich aber tat damals, was wir Menschen nun einmal machen.
Wir spielen Dinge herunter, antworten mit einem
„Ach Quatsch….“ und haken Gesagtes als kurze Spinnerei und exzentrisches Getue ab.

Nun, war es nicht.
Wenn ein Mensch gehen will, dann möchte er gehen. Irgendwann.
Vermutlich heimlich, wenn es keiner verhindern und reagieren kann.
Dann ist wohl diese fixe Idee so fest verankert, dass es niemand hätte ahnen und verhindern können.
Vielleicht sogar nicht einmal man selbst, wer ahnt das schon.

Ich hatte Dich gerne auf einem Kaffee bei uns zu Hause und hörte Dich liebend gern reden.
Der Akzent gefiel mir und ich bewunderte die intelligente Frau hinter den vielen petit Wörtern.

Du sahst in mir die schöne Frau, welche ich noch immer suche.
Vielleicht hättest Du nicht aufhören sollen, das Leben durch die Linse zu betrachten?
All‘ die hübschen Details, welche sich bieten, wenn man nur genauer hinsieht.
Aber was weiß ich schon.

Nur Eines weiß ich nun einmal mehr.
Dass Du Recht hattest!
Ich kann dankbar sein und von großem Glück sprechen. 

Ich bin dem Leben unendlich dankbar für meine ganz eigene Familie!

Dem Mann an meiner Seite (ich weiß, Du mochtest ihn sehr!!) und diesen wundervollen Kindern!
Ich empfinde tiefste Demut, gerade jetzt und Ehrfurcht vor dem Leben.
Denn es ist so kostbar und so endlich!

Ich wünschte, Du hättest das ähnlich sehen können.“

Ich danke dem Leben!

Kein Herzschlag und Atemzug sind selbstverständlich und ich möchte dankbar sein!
Für jeden einzelnen Morgen, an dem für mich die Sonne wieder aufgeht.
Für jedes Kinderlachen, welches noch lange in den Ohren nachhallt – und jedes dicke, fette Eis auf unserer Terrasse.

Und für all‘ die lieben Menschen, welchen ich im Laufe meines Lebens begegnete – und die mich ebenso wie die Kinder ein klitzekleines bisschen formten und zu dem machten, was ich heute bin!

Au revoir.

 

Alex

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Ein Gedanke zu “Solange wir sind: Vom Halt im Leben – Corona-Tagebuch – Tag 18

  1. Lena Antworten

    Hallo,
    in diesen schweren Zeiten machen deine Worte Mut. Vielen Dank dafür. Ich lese in deinem Tagebucht seit einigen Tage fleißig mit und freue mich über jeden neuen Bericht. 🙂

    Grüße
    Lena

    0

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