Hallo Kita! Goodbye Kanada? – Vom täglichen Umdenken – Corona-Tagebuch

14+

Ich bin ein Mensch der Widersprüche.
Das war ich schon immer.

Zum Einen widerstrebt es mir seit jeher zu machen, was ALLE machen – und toll zu finden, was jeder geil findet.
Weshalb man mich auch so gut wie nie bei irgendwelchen Instagram-Challenges oder hitzigen Twitter-Diskussionen findet.

Von einigen Dingen distanziere ich mich bewusst, weil’s mir selbst einfach zu viel ist – und ich kostbare Zeit lieber mit dem echten Leben und den Herzens-Menschen darin verbringen möchte!

Auch als Bloggerin fühle ich mich keiner ganz bestimmten Sparte zugehörig.
Irgendwie passe ich nirgends rein – mach‘ und schreibe ich ja eh trotzig was ich will!

Ich träume davon Bücher zu schreiben, die sonst keiner verfassen möchte. (Weil eklig 😉 )
(Aber Leute! Die Welt braucht nicht noch den achtmillionsten Familien-Ratgeber! Echt nicht!)

Und rufe und schreibe offensichtlich lieber „Leute!“ statt einem dahin gehauchten „Ihr Lieben“.
(Das kauf‘ ich ja selbst nicht jedem ab! 😉 )

Und ich könnte die Liste der eigenen verqueren Sichtweise wohl noch in’s Unendliche fortsetzen, doch ich schweife vom eigentlichen Thema ab.

Von Tag zu Tag leben – oder doch lieber alles planen?

Auch mir selbst widerspreche ich immer wieder.

Ich träume davon, von Tag zu Tag zu leben.

Frei von Auflagen, Terminen, Restriktionen und gesellschaftliche Zwängen.

Möchte unbeschwert sein und das Leben mit einer Leichtigkeit feiern.
Jeden einzelnen Tag auf’s Neue.

Auf der anderen Seite jedoch lassen mich Dinge, welche ich nicht umgehend (er-)klären kann verzweifeln!

Dann möchte ich wiederum Planungs-Sicherheit und Struktur.
Will wissen, was in der Zukunft – oder wenigstens in den nächsten Wochen – auf mich zukommt.

Von Tag zu Tag leben durften wir alle die letzten Monate zu Genüge!

…gehört auch zum Leben: Sich immer wieder neu (er-)finden! 🙂

Und noch immer muss ich zugeben, dass ich in dieser eigenartigen Zeit auch ein gewisses Freiheits- und auch Glücksgefühl empfand. 

Fast schon fühlte ich mich ein kleines bisschen weniger depressiv und traurig verstimmt, als ich es in einem alten Alltag tat.
Aus welchen Gründen auch immer.

Vielleicht weil auf einmal alles anders war – und anders sein musste!

Weil Regelmäßigkeiten durchbrochen wurden – und das Hirn nur noch resetten konnte!

Dieses ständige Umdenken-müssen!

Doch fiel es mir gleichermaßen schwer, in den letzten Wochen immer wieder umdenken zu müssen.

Neue Hiobsbotschaften zu verarbeiten, Änderungen, Lockerungen, Umentscheidungen – was eine Woche zuvor noch galt, war schlagartig wieder veraltet und überholt.

So etwas bereitet mir innerlich Stress, doch wachse ich gerade mit meinen Aufgaben.

Ich werde erwachsener, das merke ich  – und gewiss auch ein kleines bisschen reifer und älter.

Auf einmal fühle ich mich weniger emotional aufbrausend (außer der Gatte programmiert wieder Jalousien um!!!!), ergeben sich abermals Dinge anders als Tage zuvor noch geplant.

Unser Alltag ändert sich derzeit wöchentlich.

Und Zentimeter für Zentimeter stolpern wir wieder in ein neues, altes Leben hinein.
Manchmal aus freien Stücken, manchmal werde ich auch einfach geschubst.
Und auch das ist gut und richtig so!

Zurück in die Kita!!

Glaubte ich vor zwei Wochen noch das Ende der Kita-Zeit für meine Kleinste, schreibe ich heute Vormittag diese Zeilen alleine im Untergeschoss!

Oben sitzen zwei Home-Schüler an ihren Schreibtischen – hier unten wuselt gerade niemand mehr.
Und ich freue mich gerade sehr darüber!
Für mein liebstes Kind!

Ja, ich habe meinem kleinsten Kind nicht mehr genügt, als Alleinunterhalter.

Auch konnten die größeren Geschwister diesen Job irgendwann nicht mehr erfüllen.
Mein Mädchen wurde unzufriedener und trauriger.
Jeden Tag ein bisschen mehr.

Denn für immer vermag es mir nicht gelingen, mit einem Lächeln gleichaltrige Freunde zu ersetzen – und mangelnde soziale Kontakte mit abenteuerlichen Spaziergängen, ausgiebigen Bastelaktionen und eigens ausgedachter Vorschul-Arbeit zu kompensieren.

Mein Kind war sich meiner möglicherweise sogar ein klitzekleines bisschen überdrüssig geworden!

„Ich will auch mal wieder etwas OHNE Dich machen“

so die erst kürzlich mir entgegen geschmetterte Aussage! 😉

Der erste Kita-Tag seit Monaten!

Es war eine E-Mail in Schönschrift, die vor zwei Tagen abermals unseren neu-geordneten Alltag ändern sollte!

Meinem Kind war ab sofort als Vorschulkind tatsächlich wieder die Möglichkeit gegeben, vormittags in den Kindergarten zu gehen.
Und zwar jeden Tag!

Und das ist eine ganz wunderbare Nachricht, denn es ist nun einmal an der Zeit, mein Kind gehen zu lassen.

In ihre ganz eigene Welt, zum Freunde treffen und Erfahrungen sammeln.
Um in Phantasie-Geschichten einzutauchen und Erkenntnisse zu speichern, die sie formen und für’s Leben festigen.

So etwas kann ich temporär ersetzen, aber nicht für immer!

Nun, ich könnte Euch hier berichten, wie bitterlich mein Glucken-haftes ICH nunmehr gestern weinte.

Als es sein kleines Kind in die „große, weite Welt“ entsandte.
Wie riesig die Wiedersehensfreude bei Beiden am Mittag war und wie sehr wir uns wieder in die Arme schlossen.

Doch – Cut – Nope!
Dem war nicht so!

Auch hier war es, als hätte es die vergangenen drei Monate nicht gegeben.

Was abermals beweist, dass wir Mamas uns ALLE viel zu sehr ’nen Kopf machen!

(Und auch, dass dieses ganze „Corona-Eltern“ Hin und Her, die Aufstände und Fernsehauftritte irgendwann rückblickend von uns nur noch belächelt werden könnten – steinigt mich jetzt an dieser Stelle gerne!)

Regeln und Änderungen wurden von meinem Kind ganz toll als solche respektiert und angenommen.

Vielmehr als das:
Mich erwarteten Tränen des Zorns, als ich meine Tochter eine halbe Stunde „zu früh“ abholte.

Auch saß ich selbst nicht trauernd zu Hause.
Ich putzte und schrubbte (ganz unspektakulär und wenig emotional) erstmal ordentlich die Bude!

Dass ich dabei mit dem Müllsack durch’s Zimmer der Kleinsten schlich, bleibt bitte an dieser Stelle unter uns! 😉

Habe ich ein gutes Gefühl in Sachen Kita?

Ja habe ich!
Die Vorschulkinder sind unter sich und Gruppen werden nicht durchmischt.

Dass das Außengelände mittels rot-weißem Absperrband in einzelne Bereiche unterteilt ist, dürfte zu diesen Zeiten auch keinen (kein Kind!) mehr erschrecken – und wir Muttis dürfen halt das Gebäude nicht betreten!

Damit kann ich im übrigen sehr gut leben, denn urplötzlich sieht sich das große Vorschulkind doch in der Lage alleine Schuhe zu wechseln und seinen Kram an der Garderobe zusammen zu halten!
Hah!

Schön finde ich auch, dass sich jetzt „die Großen“ mehr denn je kennen lernen.
Sie verbringen jetzt intensiv letzte Kindergarten-Tage (Ende Juli ist offiziell endgültig Schluss) und werden so gut auf eine – hoffentlich kommende – Einschulung vorbereitet.

Der geistige Haken an die Kindergarten-Zeit kann gesetzt werden und ich erfreue mich zudem (zumindest bei einem Kind) an einer gewissen Regelmäßigkeit.
(Denn ganz ehrlich? So ganz ohne? Ist’s doch auch Nix! 😉 ).

Und was ist mit Kanada?

In den nächsten Tagen werden wir wohl noch eine weitere Entscheidung treffen müssen.

Vielmehr zeichnet es sich ab, als ob uns diese sogar aus der Hand genommen wird.

Und so sehr es mir das Herz zerreißt, muss ich auf der anderen Seite zugeben, dass mich diese Tatsache ein klein wenig erleichtert.
Wo wir wieder bei den Widersprüchen sind! 😉

Noch sind die Flüge nach Toronto (YYZ – eine Zeitlang war der Lester B. Pearson Int. Airport mein zweites Zuhause 😉 ) für den 03. Juli gebucht – und vor allem bezahlt!.
Doch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bis dahin tatsächlich Fünf abheben allmählich gen Null.

Die Nadel ist schon angesetzt!

Es könnte durchaus sein, dass ein lang gehegter Traum (aber wie hätte der auch ausgesehen zur Zeit?) zerplatzt.
Die Ohren?
Halte ich mir schon einmal vorsorglich zu!

Hatte ich also letzte Woche noch mit und für den Sohn einen Express-Reisepass für den „Eventuellen-Fall-Dass“ beantragt, werde ich wohl auch diesen bezahlen müssen – aber zumindest in diesem Jahr nicht brauchen.

Es bleibt die neue, verlängerte Reisewarnung mit möglichen Ausnahmen abzuwarten.
Eine Stornierung bei der Fluggesellschaft ist noch immer nicht sinnvoll und möglich.

Der Krimi geht weiter – mögliche Täter und Opfer noch unklar! 😉

…is‘ schon ganz ok, das was sich „Das Leben“ nennt! 😉

Ungewissheit? Kann ich!

Die allgemeine Ungewissheit – und meine damit verbundene innere Zerrissenheit – werden wohl noch eine ganze Weile anhalten!

Doch sofern uns weiterhin auch hin und wieder positive Neuigkeiten erreichen, soll’s für mich ok sein.

Denn auch das nennt man wohl schlicht und einfach „Das Leben“!

Ich versuche, mich daran zu gewöhnen und weiter zu wachsen!

Wird schon schief gehen! 😉

Eure 

Alex

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