Happy Family? – Lasst Euch nicht von schönen Bildern blenden!!!

Ihr werdet gleich wieder viele hübsche Fotos und Momentaufnahmen unseres Samstags – als Teil des sogenannten „Wochenende in Bildern“ sehen.

Bilder, die vermuten lassen, dass wir einen richtig schönen, gelungen Tag als „happy family“ verbracht haben.

Doch was wäre eigentlich, wenn ich gleich jedes Foto unseres Samstags mal genau so kommentieren würde, wie es zustande gekommen ist?

Befänden wir uns dann immer noch in der heilen social-media-tauglichen Welt – oder sind wir vielleicht doch nur eine ganz gewöhnliche deutsche Durchschnittsfamilie, die längst nicht alles so harmonisch meistert, wie die gleich folgenden Bilder vermuten lassen?

Nun, probieren wir’s doch einfach aus – und lasst mich ehrlich sein!

Samstag

Kuschlig eingepackte Mama- und Kinderfüße am frühen Morgen im Bett?
Was soll daran denn bitteschön NICHT harmonisch sein?

Tja, harmonisch und ziemlich kuschelig-warm ist’s tatsächlich.

Doch eben nicht frühmorgens.

Das Foto entsteht um 10.20 am Vormittag, denn eher startet aktuell unser Wochenende in Bildern nicht!

Weil Freitag-Abend mal wieder alle Kinder viiiel zu spät in’s Bett gelangten.
Weil die Mama noch spät Abends (Nein, es war mitten in der Nacht) mit dem Glas Wein in der Hand gedankenverloren Netflix kuckte – und weil die aktuellen Wochen mir hin und wieder keinen Grund zum frühen Aufstehen geben.

Es sei denn ich muss (also werktags).

Wozu auch?

Gibt nix wirklich Spannendes da draußen – und die aktuelle Gefühlslage entspricht der am Freitag geschickten Textnachricht an die liebe Freundin…

 

Stylische Mama vorm Kleiderschrank?

Geschminkt und mit der neuen, schicken Strumpfhose?
Immer gepflegt und nett angezogen?

Warum hübscht die sich zu diesen Zeiten überhaupt so auf?

Eingebildete Tussi! Blöde Schnepfe die!

Denkt das nur – würde ich an Eurer Stelle auch tun!

Was ihr jedoch NICHT seht ist, dass ich noch dreißig Minuten vorher einer weiteren Freundin per Textnachricht (was auch sonst, ha ha – Telefon-Phobie!) vom „Tiefpunkt meines Lebens“ berichtete.

Zwar mit einem Augenzwinkern – aber ein bisschen Wahrheit steckt ja immer dahinter.

Warum?

Weil ich im Schlafanzug, ohne BH (!), ungeschminkt und mit ungekämmten Dutt einer lieben Bekannten die Türe aufmachte, diese herein ließ – und auch noch Kaffee anbot!!!

(Sie wollte ihn nicht, eventuell verschreckte doch das BH-lose Oberteil).

DAS IST ein Tiefpunkt in meinem Leben!

Das hätte ich vor Corona (oder vor der 41?) niemals getan!

Grund genug, sich heute im Anschluss besonders aufzuhübschen.

Ich mache mich für MICH hübsch

Damit ich mich wieder als Frau fühlen kann, denn auch das tue ich ehrlich gesagt in letzter Zeit nicht mehr allzu oft.

Wie auch?
Keine Cafes, keine Restaurants, keine Menschen, keine Flaniermeilen, keine Verehrer…. 😉

 

Schöne Bilder – nix dahinter?

Mama und Tochter im harmonischen Zwiegespräch?

Ja, das könnte durchaus eine schöne Situation sein, doch die Wahrheit liegt wie immer dazwischen.

Panisch von dem Gedanken gepackt, noch überhaupt nicht viele Bilder für das  „Wochenende in Bildern“ zu haben, bitte ich den Sohn, einmal ein Foto von mir zu machen.

Wo ich doch so nett angezogen bin.
Und die Sonne so schön scheint.

Nun, das Mädchen (mein liebes Mädchen!) läuft halt in’s Bild.

Umarmt hab ich sie aber gerne. 🙂

Und dann? Quietschvergnügte Kinder? Nope!

Es ist die Langeweile, als wir auf unser Fladenbrot „to go“ warten, die sie sich gegenseitig gängeln und necken lässt. Lautstark.

Ich find’s in dem Moment nicht herzallerliebst, sondern eher nervig.

Ist es wirklich ein friedlicher Familien-Ausflug?

Friedfertiger Familien-Spaziergang in der wunderhübschen Altstadt Gelnhausens?

Am Arsch Leute!

(Entschuldigt meine Ausdrucksweise – ich will ehrlich sein:
Es ist 1.44 Uhr Sonntag-früh und ich trinke endlich mein Glas „Feierabend-Wein“)

Was Ihr nämlich NICHT seht, ist, welch Kraftaufwand es mich, uns (!), kostete, dass hier nun fünf Familienmitglieder gemeinsam eine läppische Stunde an der frischen Luft spazieren gehen.

Oder dass ich zuvor drohte, meine Mama anzurufen, um alleine mit ihr in Fulda durch den Schlosspark spazieren zu gehen (da war aber glaube ich Nebel!) – oder gar die Koffer zu packen und alle hinter mir zu lassen!
(Haben noch Hotels geöffnet?)

Ihr seht nicht, wie der Sohn wütete und zürnte, erfuhr er von der Hiobsbotschaft, mit den alten Eltern spazieren gehen zu müssen – und wie die Töchter protestierten und diskutierten.

(„Aber wir sind doch schon letzte Woche mit Euch spazieren gegangen“)

Ihr seht nicht, wie ich motzte und zeterte – und mich selbst wie ein bockiges, kleines Kind aufführte und auch nicht, mit welchem Unmut endlich alle das Haus verließen.

Auf den hübschen Bildern hört Ihr nicht die Stimme des Sohnes und der mittleren Tochter, welche unentwegt fragen, wie lange sie noch mit uns laufen „müssen“ und wie „sinnlos“ ihrer Meinung nach die gemeinsam verbrachte Zeit doch sei.

Ihr seht nicht, wie gekränkt jedes einzelne Mal dabei mein Herz schmerzt (Isso!!!) und wie sehr ich gaaanz tief ein- und wieder ausatme, um nicht aus der Haut zu fahren.

Ihr hört nicht dieses „können wir jetzt wieder gehen?“ in der Endlos-Schleife und auch nicht wie „öde und langweilig“ alles sei.

Ein gelungener Samstags-Ausflug?

Was Ihr seht, ist eine Familie beim gelungenen Samstags-Ausflug.

Und fragt Euch ob solcher Bilder womöglich sogar noch, warum es Euch heute an diesem Samstag nicht gelungen ist, etwas ebenso Tolles als Familie zu unternehmen?

Vielleicht sogar fühlt Ihr Euch nun schlecht ob solch hübscher, sonnengefluteter Bilder, weil Ihr die Brut nicht vor die Haustüre locken konntet – und fragt Euch, warum das in anderen Familien alles so viel besser gelingt!?

Wisst ihr was?
Fühlt Euch von mir nun an dieser Stelle gaaanz fest gedrückt!!
I feel ya!!!

Gleich seht Ihr ein Paar-Selfie.

Ein glückliches Ehepaar vor malerischer Kulisse!

Nun, Ihr seht eine „mini-tiny“ Momentaufnahme!!!

Ein „Lass uns mal schnell ein Selfie machen“.

Ein „Ich-hätte-so-gerne-Paar-Zeit-aber-dann-isses-halt-nur-dieses-eine-Foto“.

Ihr hört nicht das

Wo geht’s jetzt endlich zum Parkhaus

im Hintergrund! (Sohn)

Auch nicht das

„Oh Mann! Wann gehen wir jetzt endlich wieder?“ (Tochter)

oder gar das

„Mir reicht’s – ich geh‘ jetzt alleine weiter.“ (kleinste Tochter)

Nope. Hört Ihr alles nicht.

Ihr seht ein glückliches Eltern-Paar.

Als der Sohn dann übrigens noch seinen Joker zieht, DAS Totschlag-Argument schlechthin, fahren wir tatsächlich wieder heim!

Denn einem

„Ich hab‘ aber um 17 Uhr eine Video-Konferenz mit unserer Latein-Lehrerin“

könnten auch die hartgesottenen von uns Eltern leider nicht widersprechen.
(Am Samstag? In Echt jetzt!?)

Gegen 16 Uhr ist er also beendet, der „Happy-Family-Ausflug“! 😉

Es folgen Mathe-lernen mit der mittleren Tochter, viel Wäsche-zusammen-legen und der gescheiterte Versuch, als Familie doch ein einziges Mal einen Weihnachtsfilm zu kucken!

(„Aber wir waren doch schon zusammen spazieren!?“)

Lasst Euch nicht allzu sehr von hübschen Fotos blenden! 😉

Eure 

Alex

P.S. Wie immer – noch mehr Familienwochenenden gibt’s drüben bei grossekoepfe! (Werbung durch Verlinkung)

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex!

Teilt den Beitrag gerne auch über Facebook. Dazu einfach auf den Button klicken.  😉

Keinen Beitrag mehr verpassen?

Dann mach es wie viele Andere und folge mir! Gib dazu einfach Deine Email-Adresse ein und klicke auf 'MamaStehtKopf folgen'. Dann wirst Du über neue Artikel von mir persönlich informiert. So einfach kann's sein... 🙂 Beachte auch meine Datenschutzhinweise.

 

 

 

 


Kommentar verfassen