Zwischen den Stühlen oder Nix Halbes & Nix Ganzes? – Homeschooling, Woche 2

Dienstag.

Ich fühlte mich ein klein wenig verloren. Eben.

Irgendwie nicht vollständig bei der Sache, fest einem Ort zugehörig oder imstande, mich kontinuierlich und konzentriert einer Sache – oder einer Person widmen zu können.
Auch nicht mir.

Hocke ich dieser Tage viel am Schreibtisch des kleinsten Kindes, so versuchte ich gerade, mich ein klein wenig aus dem Geschehen zurückzuziehen.

Damit das Kind Aufgaben alleine bewältigt und fertigstellt.

Das klappt auch phasenweise ganz gut, doch muss ich quasi immer in Ruf-Weite sein, um jederzeit wieder Hilfestellung geben zu können.

Um nachschauen zu können – oder auch einfach nur zu motivieren.

Hin und wieder ruft es auch aus den anderen Zimmern – und ich unterstütze und berate beim Englisch-Lückentext oder stelle Rechenregeln auf.

Zum überwiegenden Teil allerdings machen die beiden Großen ihre Aufgaben alleine.

Eben jedoch befanden sich drei von fünf Familienmitgliedern in Video-Konferenzen in drei verschiedenen Zimmern vor drei verschiedenen Rechnern.

Und ich durfte weder stören, noch Zimmer betreten.

Somit blieben mir…

…keine „Lückenfüller-Aufgaben“, die ich erledigen konnte,  bis ich wieder der Kleinsten Hilfestellung geben musste.

Wäsche konnte nicht aus Körben in Schränke verräumt werden, der Staubsauger musste ausbleiben – und den Laptop für Mini-Zeitfenster zu öffnen lohnte erst gar nicht.

Doch stetig auf dem Stuhl im pinken Mädchen-Zimmer hocken bleiben? Wollte ich nun einmal auch nicht.

Des selbstständigen Lernens wegen – und um mir Luft und minimalsten Freiraum zu verschaffen.

Nun, es klappt nicht.

Ich fühle mich zwischen den (drei Schreibtisch-) Stühlen – und habe weder genug Zeit, um diese konzentriert und effektiv für mich und meine Arbeiten nutzen zu können, noch gefühlt einen festen Platz an diesem Vormittag.

Ein unbefriedigendes Gefühl um ehrlich zu sein!

Mittwoch.

In der Klassen-Whatsapp-Gruppe eines der größeren Kinder entfacht eine Diskussion ob des angebotenen Online-Unterrichtes.
Man kritisiert, dass viel zu wenig Video-Konferenzen stattfinden – und somit eben kaum Online-Unterricht den Schülern geboten wird.

Stattdessen werden fleißig – online – Wochenarbeitspläne verteilt und die Kinder sind gefordert, selbstständig einzuteilen und abzuarbeiten.

Ich mag keine Whatsapp-Gruppen.

Und wenngleich ich hier auf dieser Seite um Worte und Gedanken nicht verlegen bin, beteilige ich mich nicht gerne an so etwas, halte mich außen vor, stelle Gruppen auf stumm. (Jetzt isses raus 😉 )

Doch komme ich so nicht mehr umhin, mir auch noch einmal genauere Gedanken zu machen – und frage die Kinder nach ihren Wochenarbeitsplänen.

Und lasse mir detailliert den Ablauf der (demnach viel zu seltenen!) Video-Konferenzen (bei denen ich ja nicht dabei sein und stören darf) schildern.

Und ich bin verwundert.

Denn eine Video-Konferenz für den Kunstunterricht? Zwei Stunden lang?
Das findet nicht nur das mittlere Kind unpassend.

Mehr als das berichtet mir mein Kind, dass es bislang leider keinen großen inhaltlichen Nutzen aus den Konferenzen ziehen konnte.
Schade eigentlich.

In anderen Bereichen dafür fühlt sich mein Kind – und damit verbunden auch ich als helfendes Elternteil! – ziemlich allein gelassen.

 

Zettel müssen abgearbeitet werden, Rechenregeln selbst ausgedacht, herausgefunden und aufgeschrieben werden.

Warum wird so etwas nicht in einer Video-Konferenz zusammen mit den Schülern diskutiert und ausgearbeitet?

Derartige Zettel laden doch eigentlich zu Interaktionen und Gemeinschaftsarbeit ein?
Irgendwie, so habe ich das Gefühl, wird hier die Gewichtung falsch gesetzt.

Wie sollen Kinder motiviert sein, wenn sie stupide und starr Regeln abschreiben sollen?

Mehr als das, schildert mir mein Kind, von Lehrern auf geschriebene Mails keine Rückantwort zu bekommen!

Ich kann da das entmutigte Schulkind verstehen!

Meine klägliche Erklärung, dass es sich beim Mailempfänger um einen Mann handele – und die immer erst gebeten und konkret aufgefordert werden müssen („Ich stelle Frage – DU antworten!“), kommt beim Kind nur so semi an. 😉
Recht hat sie!

Warum also müssen sich die Kinder hier von ihren Lehrern allein gelassen fühlen?
Motiviert so etwas?

Donnerstag.

Ich bin so müde und von Kopfschmerzen geplagt, dass ich heute kapituliere, beziehungsweise delegiere.

Ich weiche von der eigenen Routine ab, stehe vom Stuhl auf –  und lasse den Sohn zusammen mit der Kleinsten Mathe-Aufgaben lösen.

Er hat ohnehin gerade Leerlauf – und ich nutze die Zeit, um endlich die längst fällige Waschmaschine zu befüllen, heimlich einen überdimensionalen Löffel Nutella in mich hineinzuschrauben und gaaanz tief durchzuatmen.

Vermutlich sogar hätte ich hier einmal die Reihenfolge der Abläufe ändern sollen – es wäre besser für mich gewesen. 😉

Überhaupt ist die Kleinste heute innerhalb einer Stunde mit den Tagesaufgaben fertig.

Es erscheint mir zu wenig, doch lerne ich später, dass es auch einmal in Ordnung ist, von starren Sichtweisen abzuweichen!

Die Kinder müssen nicht in diesen Zeiten so viel Bildung wie nur irgend möglich abbekommen!

Auch wenn es sich dann wie „Nix Halbes und Nix Ganzes“ anfühlt!

Doch dazu gleich.

Vorhin entfachte ein handfester Streit mit der Mittleren.

Diese – ebenfalls gerade im Leerlauf- wollte die freie vorhandene Zeit nicht nutzen, um den langen Mathe-Wochenarbeitsplan weiter auszuarbeiten.

Ich höre mich selbst einen entnervten Vortrag über das Setzen von Prioritäten herunterspulen – und Zorn in mir aufsteigen, spricht das Kind tatsächlich von Langeweile! (Hallo!? Mathe machen!??)

Minuten später, als ich sekundenweise durchs Netz scrolle (warum machen wir Erwachsenen das eigentlich? 😉 ), springt mir ein Artikel ins Auge.

Ein Artikel, der dazu aufruft, sich gegen Homeschooling zu stemmen – und stattdessen an einer harmonischen Eltern-Kind-Beziehung zu Hause zu arbeiten.

Denn die geriete ja gerade ob des ganzen Drucks und Distanzlernens aus den Angeln.

Es ist eine interessante Sichtweise, die ich zwar nicht in allen Belangen teile (einiges ist Quatsch!!) –  aber hier dennoch meine Erkenntnisse herausfiltern kann.

Es ist „ok“, wenn der Sohn auch mal übernimmt und ich NICHT daneben hocke.

DAMIT ich durchatmen und wieder zu mir kommen kann, damit ich nicht keife, schreie und brülle.

Und es ist auch „ok“, die Tochter einfach machen – und in Sachen Mathe-Wochenarbeitsplan gegebenenfalls auflaufen zu lassen!

Und wie geht es mir sonst so?

Irgendwie fühlt sich gerade mein ganzes Leben zwischen den Stühlen an.

Ich selbst fühle mich etwas verloren, muss mich neu finden.

Muss gerade Dinge überdenken und Ansichten umprogrammieren.

Das braucht unheimlich viel Energie, die eigentlich nicht vorhanden ist.

Ich selektiere und sortiere aus, trenne mich von eigenen Angewohnheiten – und Menschen, die mir nicht gut tun.

Und so weh es tut, darf ich hier weder vor Freunden – oder gar Menschen, die mir doch eigentlich so sehr am Herzen liegen, Halt machen.

Ich muss auf mich aufpassen, an meine eigene seelische Gesundheit denken!

Ich konzentriere mich auf Banalitäten und essentielle Dinge, um „bei mir“ zu bleiben.
Halte ich an jener sturen, stupiden Sichtweise fest, klappt das sogar ganz gut.

Ich kann aktuell weder etwas an der Pandemie-Lage ändern noch an diversen Rahmenbedingungen.

Ich kann an Kleinigkeiten feilen und mich auf simple Dinge konzentrieren.
Mehr geht aktuell nicht – und das ist auch völlig in Ordnung und muss auch mal genügen!

Mein ganz eigener Weg besteht offensichtlich gerade aus Mini-Schritten.

Nicht aus großen Plänen.

Mehr erlaubt mir die aktuelle Zeit einfach nicht, mehr kann und will ich mir selbst gerade nicht vornehmen.

Mit der Akzeptanz dessen geht es mir ganz ok.

Ich bin nicht glücklich, mache keine euphorischen Luftsprünge – und Wortwitz sowie der Schalk in mir bleiben gerade ein wenig erschöpft auf der Strecke liegen.
(Nein! Ich schreibe jetzt nicht mit dem Gesicht in der Matsche-Pfütze! DAS wäre zu melodramatisch!)

Aber ich bin ok!

Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Zeit – und jeder von uns versucht einfach IRGENDWIE einigermaßen heil durch diese verfluchte Scheiße zu gelangen.

Da brauche ich aktuell nicht noch hohe Ansprüche an mich selbst, das Leben, mein Umfeld und das Glück!

Sparen wir uns den Atem & viel Spaß beim weiteren Homeschooling!

Eure 

Alex

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