Gewollte Flucht aus dem Alltag? Warum ich mir wieder Zeit zum Lesen schenken möchte!

„Sie befinden sich derzeit in einem Lesezeitraum“

sagt mir die Kindle-App auf meinem Mobiltelefon, während ich mir gerade das letzte Tränchen aus den Augenwinkeln wische.

Trotz der noch feuchten Wangen und des eben noch vorhandenen Gefühl des „Verloren-seins“ muss ich nunmehr leise auflachen.

Denn war ich nicht eben gerade in Begriff, die Türe des „Lese(zeit)raums“ wieder zu öffnen, um mich zaghaften Schrittes wieder in das zu begeben, was sich „mein Leben“ nennt?

Die Klinke hatte ich schon in der Hand, die Reise war abrupt beendet und ließ mich unter Tränchen Abschied-nehmen, so wie es sich nun einmal für eine gute Reise (zu sich selbst) gehört!

Ich habe ein Buch gelesen

Ich habe ein Buch gelesen.

Das mag nicht allzu sonderlich bedeutsam klingen.
Menschen lesen andauernd und ständig Bücher.

Doch in meinem Fall schon!

Vielmehr lastet die Bedeutungsschwere, die Erkenntnis, gerade so sehr auf mir, dass ich mich noch nicht vom Sessel erheben kann.

Bleiern und bewegungslos fühle ich mich und leer zugleich.

Als wolle ein alter, wiedergekehrter Freund mich noch eine Weile zum Inne-halten überreden.

Und jetzt gerade? Wo das letzte Kapitel beendet ist?
Weiß ich gerade sowieso nicht wohin (mit mir).

Die Phasen (m) eines Lebens

Das Leben besteht gefühlt aus einer schier unendlichen Aneinanderreihung von „Phasen“.
Die meine jetzige zu benennen fällt mir gerade schwer.

Und doch mag ich sie. Irgendwie.

Ich mag gerade diese Ruhe nach Tagen der Geschäftigkeit und der inneren Aufruhr.

Jetzt sitze ich da und fühle mich urplötzlich nicht mehr ratlos, sondern frei.

Hatte ich letzte Woche das Gefühl, mir wurde etwas Bedeutsames weggenommen – sehe ich mich jetzt gerade vielmehr in einer Zeit des Durchatmens, Neu-Orientierens und Selbst-Findens.

Fast scheint es, als „erdete“ mich jenes Buch.

Ohne überhaupt genau zu wissen, was dieser Begriff, den ich selbst oft verächtlich-lachend in die Ecke des Esoterischen geschoben hatte, bedeutet.

Ich habe ein Buch gelesen, denn aktuell habe ich Zeit.

Genau genommen habe ich sie nicht, ich NEHME und erkämpfe mir stoisch die Zeit – und lasse dafür einige alte Angewohnheiten sein.

Denn während in diesen Tagen frühmorgens zarte Nebelschleier über die Felder ziehen und die glutrote Spätsommer-Sonne jeden neuen Morgen auf wundervollste Art und Weise begrüßt, fühle ich einen Wandel.

Irgendetwas in mir verändert sich gerade

ICH wandele mich.

Verändere mich gerade. Abermals.
Wie schon so oft im Leben zuvor.

So wie wir mit unseren Aufgaben wachsen, wandeln und erfinden wir uns auch neu!
Immer und immer wieder!

Ich möchte hier gar nicht höchst-philosophisch von „neuen Chancen“ leiern.

Doch ich merke, wie sich meine Mutterrolle verändert – seit geraumer Zeit schon – und vermehrt Zeit für ein (neues?) ICH bleibt.

Meine Kinder wandeln sich

Meine Kinder wachsen und werden selbstständiger, jeden Tag ein bisschen mehr!

Und in den letzten Monaten schon fand ich mich in Momenten wieder, die gänzlich MIR gehören konnten und welche es galt zu füllen.
(Im Idealfall dann eben nicht mir Hausarbeit und Papierkram! 😉 ) 

Sicher, gebraucht werde ich noch!
Ebenfalls jeden einzelnen Tag!

Und meine Aufgaben und Verpflichtungen als Mama verschwinden nicht, sie verändern sich lediglich.

Ich bin nunmehr eher als Zuhörerin gefragt, nicht mehr als stete Spielpartnerin – meine Zeit auf dem Fußboden lässt allmählich nach.

Ich gebe Ratschläge und tröste, wann immer Bedarf ist, fahre Taxi (so, so unfassbar viel Taxi!) und helfe und unterstütze bei Schulaufgaben.

Und da ist gewiss noch die kleinste Tochter, die noch immer davon zehrt und profitiert, dass ihre Mama zu Hause ist und höchstens von dort zu ganz flexiblen und individuellen Zeiten arbeitet.

Das ist schön, das habe ich mir für mindestens zwei weitere Jahre so ausgesucht.

Doch da ist auf einmal wieder Raum für mehr!

Neue-Alte Dinge nur für MICH

Den Raum für Sport und diesen Blog hier habe ich mir bereits vor einigen Jahren erkämpft, als ich erste Gehversuche außerhalb der
„Mama-Bubble“ unternahm.

Nunmehr ist ein neuer Raum dazu gekommen.

Ein „Lesezeitraum“

Ich hatte vergessen, wie ich mich in einem guten Buch verlieren kann!

Ebenso wie das Schreiben habe ich jene Leidenschaft nunmehr Jahrzehnte in tiefen Winkeln meines Seins und Gedächtnisses verloren.

Nun erinnere ich mich wieder.

An ganze Sommer als junges Schulmädchen, in welchen ich das Näschen hinter Büchern versteckte.
An fremde Welten, in die ich eintauchte – so sehr, dass jegliches Gefühl für Raum und Zeit abhanden gekommen war.

Ich erinnere mich daran, wie ich auf dem Bett im Jugendzimmer saß, die Sommer-Sonne schien mir auf die Beine als wolle sie mich nach draußen – ins Freibad – locken, doch ich konnte mich nicht losreißen.

Las ich ein gutes Buch, vergaß ich alles.

Das Essen, die Freunde, den Sommer – und das tat für jene Augenblicke sogar unfassbar gut.

Die Welt der Bücher

Alltag? Sorgen? Social Media?

Ein gutes Buch lässt alles verschwommen in den Hintergrund rücken.

Und das ist gut und heilsam so!

Auch in den vergangenen Tagen hatte es mir gut getan, von den eigenen Problemen abgelenkt zu sein.

Ich war hier, wann immer die Kinder es verlangten, kam all‘ meinen Aufgaben nach, wann es erforderlich war – doch für einzelne Momente eines jeden Tages war ich als Mama, Ehefrau und auch Mensch mal

weg“.

So wie ich es seit jeher beim Sport und Schreiben schätze.

Lange weigerte ich mich, mir einzugestehen wie sehr mir das Lesen fehlt – schließlich will ICH doch hier ein Buch schreiben und irgendwann einmal selbst Menschen in eine andere Gedankenwelt entführen können!

Doch scheint es mir gerade, als gehört das Lesen eines guten Buches zum Schreiben eigener Zeilen nun einmal dazu!

Es schließt sich für mich nicht mehr aus, vielmehr fühle ich mich gerade inspiriert, bereichert und von einigen Eigenarten, Macken und Tics befreit.

Zumindest fühlte ich bis gerade eben noch so.

Als ich die Klinke der Türe des „Lese(zeit)raums“ in der Hand hatte.

Unschlüssig darüber, ob sich hier gerade ein weiteres Hobby nur für mich (wieder-)gefunden hatte.

Etwas das MIR gut tut, etwas nur für MICH.

Etwas, dessen Inhalt ich nicht teilen muss, sofern ich es nicht möchte.
Eine Welt, in die ich vorübergehend flüchten kann, um von mir selbst abzulenken.

Abermals muss ich lächeln.

Nein, „es“ ist nicht vorbei!

Ich habe eine neue Sache gefunden, die mir als Mama (und eigenständiger Mensch!) gut tut und auf eigenartige Weise Kraft spendet!

Etwas, das das eigene Sein aus der Vogelperspektive betrachten lässt und somit einigen Sorgen sanft-schmunzelnd den Schrecken nimmt!

Liebe Mamas, lasst uns (wieder) mehr Bücher lesen und das Off fernab von Insta, Facebook & Co. genießen!

Mir jedenfalls hat es in diesen Tagen sehr, sehr gut getan.

Alles Liebe.

Eure 

Alex

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