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Der letzte Schneemann – Wo stehe ich im Leben?

Die vergangene Woche war geprägt von Nostalgie, Begegnungen mit mir selbst und meiner Vergangenheit und unfassbar viel Orga- und Care-Arbeit (und noch mehr Taxi-Fahrten durch Schnee und Eis).

Aber auch hing da diese eine Frage in der Luft.

Sie war wieder da.

Und sie wollte mich nicht loslassen und ließ mich nicht selten niedergeschlagen zu Boden blicken – und mir heimlich Tränchen aus den Augenwinkeln wischen.

Denn ich bin dieser Woche mir selbst wirklich ziemlich oft begegnet.

Vielleicht bin ich das sogar öfter, als ich es mir gerne ausgesucht hätte!

Denn in diesen Tagen ist einfach so viel im Umbruch und das lässt damit verbunden buchstäblich auch in der eigenen Vergangenheit wühlen.

Was macht der Lauf der Zeit mit MIR?

Ich sah mich abermals dem verdammten Lauf der Zeit ausgesetzt und vor allem der Frage, wo ICH jetzt eigentlich im Leben stehe?

Nun einmal erschreckte ich mich in dieser Woche beim Blick in den Spiegel.

Mir blickte eine Frau Mitte/Ende Vierzig entgegen! (Alter! Ich will das nicht! 😉 )

Wenngleich ich mich im Inneren überhaupt gar nicht so fühle, sah ich dort Fältchen und Schatten unter den Augen und Sorge im Blick.

Möchte ich diese Frau sein?

Will ich überhaupt altern und Abschied von einem früheren Ich nehmen müssen?

Und vor allem, was bringt dieser Wandel – welcher im Äußeren als auch im Inneren gerade vonstatten geht – mit sich?

Wer werde ich in Zukunft sein und was wünsche ich mir für mich selbst?

Die Zeit “nach den Kindern”

Und während Deutschland unter einer romantisch-hübschen Schneedecke schlummerte (und dennoch nicht zur Ruhe kam), fühlte ich mich mit dem eigenen Wandel und auch ein wenig mit der Zeit “nach den Kindern” konfrontiert.

Sie werden immer meine Kinder bleiben! Aber “Kinderjahre” sind verstrichen.

Es wurde mir bewusst, als wir in dieser Woche vielleicht das letzte Mal zusammen einen Schneemann bauten.

Es ist vielleicht der letzte Schneemann gewesen, den ich mit meinen Kindern gebaut habe!!!

Wir sind vielleicht auch das letzte Mal rodeln gegangen!

Und vielleicht auch flogen ein letztes Mal Schneebälle und Gesichter wurden eingeseift und Schneeengel geformt.

Denn all’ das fand in diesen Tagen zwischen all’ der Hektik, zwischen Räumen (und Wäsche-waschen) und Machen statt.

Ich selbst bestand darauf!

Jahrelang hatten wir nunmehr auf den Schnee gewartet.

Jahre, in welchen aus kleinen Leuten leider große Kinder wurden.

Und ich drängte die Töchter nach draußen in dieses Weiß, welches wir nur selten zu sehen bekamen.

Und ich durfte beobachten, dass da noch immer ein wenig Leichtigkeit und Kindheit (auch in mir 😉 ) vorhanden ist. Es waren vermutlich die schönsten und glücklichsten Minuten in der vergangenen Woche.

(Ein Schneemann muss gebaut werden, ganz gleich wie alt und groß die Kinder schon sind! So will es das Gesetz!)

Ich musste in dieser Woche viel räumen und umsortieren.

Schon bald wird unser Leben ganz ordentlich und gewaltig auf den Kopf gestellt werden. Und unsere kleine Fellnase zieht ein.

Das wird gewiss eine spannende Zeit werden!

Das ist ein Lebensabschnitt, vor dem ich den größten Respekt habe – und der mir bislang gänzlich unbekannt ist.

Welche Rolle ich hier spiele – auch das weiß ich noch gar nicht so genau.

In den ersten Wochen und Monaten wohl eine wichtige und bedeutsame, denn vormittags bin nur ich da.
(Und ich werde einmal mehr ans Haus gebunden sein.)

Fundstücke aus alten (schönen!) Zeiten

Mir fielen beim Aufräumen alte Bastelsachen in die Hand – viele kleine Kunstwerke, die ich und die Kinder an dunklen Winternachmittagen gemeinsam geschaffen hatten.

Und ich begegnete der Mutter in mir.

Der Mutter, die alles für dieses Leben mit drei Kindern aufgab und das von ganzem Herzen.

Ich bereue die vielen Stunden, die ich meinen Kindern schenken konnte, nicht!

Noch heute erfüllt mich die Erinnerung daran sehr, schenkt mir Freude und Wärme.

Und dennoch waren nicht alle meine Entscheidungen im Nachhinein gesehen richtig.

Vielleicht aber kann man es im Leben einfach auch nicht immer richtig machen. Und es braucht viele Wege und Abzweigungen.

Und ein jeder Pfad sollte als wichtige und bereichernde Etappe angesehen werden.

Ich sortierte die Bastelsachen fein säuberlich in Kisten und außer Welpen-Reichweite, sortierte Stifte und Malkästen aus und alte Brettspiele.

Und ich fühlte mich traurig ob längst vergangener Zeiten.

Wenn das jüngere ICH auf das JETZT stößt

Alte Fotoalben fielen mir in die Hände!  Und ich blickte auf dieses junge Ding – mein früheres ich.

Jünger sah ich aus, das ganz gewiss. Sportlicher bin ich allerdings heute.

Aber ich konnte auch eine gewisse Naivität in diesem jungen Gesicht lesen.

Und ich begann zu spüren, dass ich mich von dieser alten Version meines blauäugigen ICHs gelöst habe. Und dass ich mich noch immer emanzipiere.

Es ist ein Prozess, der noch längst nicht abgeschlossen ist.

Zu realisieren, wie wenig man seinerzeit wusste, kann auch weh tun – und sich von alten Mustern, Glaubenssätzen und Prägungen freizuschaufeln erst Recht.

Es ist ein Kraftakt.

Ich habe neulich gelesen, dass Frauen Mitte Vierzig die Welt plötzlich aus anderen Augen betrachten. Und ich fühle genau das gerade in mir.

Ist es ein Aufwachen? Ein Erwachsen-werden? Ein neuer, nüchterner Blickwinkel? Oder gar Aggression, Rebellion und Ellenbogen-Taktik?  Eine zweite Pubertät? Eine Umprogrammierung im Gehirn?

(DAS alles würde mein Mann nun sicherlich kopfnickend unterschreiben. 😉 )

Ich weiß es nicht.

Auch weiß ich nicht, ob mir dieses Aufrichten gut tut – und wohin das führen soll.
(Schultern gerade! Herrgott, selbst auf den Bikini-Fotos in meinen Zwanzigern stehe ich krumm und unsicher da!)

Everybody’s Darling? Will ich nicht mehr sein!!!

Ich sah mich in dieser Woche aber auch einmal mehr als frustriertes Aschenblödel dieser Familie.

Gefangen in der eigenen Küche.

Stets am Einkaufen, Kochen, Wegräumen, Versorgen, am Hinterher-räumen und Wäsche-waschen – und dennoch irgendwie im Chaos.

In den letzten Tagen waren fünf Menschen andauernd zu Hause.

Für eine gewisse Grundordnung sorgen zu wollen ist hier schlichtweg ein Kampf gegen Windmühlen!

(Ich habe neulich gelesen, dass auch der Wunsch nach Ordnung und Sauberkeit ein Grundbedürfnis sein kann. Und ist dieses nicht erfüllt, dann kann es einem schlecht gehen. Ich fühlte mich weder geborgen, noch zu Hause. Dafür ist gerade zu viel Baustelle und Gerümpel im Eigenheim.) 

Ich war so sehr in diese verflixt-beschissene (Pardon) Hausarbeit eingespannt, dass ich teils im Strahl hätte kotzen können. (Nochmals Pardon)

Und auch hatte ich keine Zeit für eigene Träume und Ziele.

Und das darf verdammt nochmal längerfristig nicht so bleiben! (Fluch-Modus aus)

Ich fühlte mich niedergeschlagen. Denn ohne Zeit zum Schreiben bin ich nicht erfüllt.

Und auch wünsche ich mir endlich etwas mehr finanzielle Unabhängigkeit.

Ich kann mir durch meine kleine Freiberuflichkeit und meinen klitzekleinen Nebenjob kleinste Wünsche erfüllen.

(Merkt Ihr, wie ich mich gerade selbst klein mache!?)

Doch bleiben Aufträge aus – manchmal über Monate – dann sind für mich saure Zeiten angesagt.

Dann muss ich meinen Wert anders bemessen.

Werde ich noch gebraucht? Will ich einen festen Job?

Und es stellt sich immer wieder auf’s Neue die Frage, ob denn nicht doch eine Festanstellung sinnvoll wäre.

Und vor allem wohin mein Weg noch führen soll?

Denn auch fühlte ich mich in der vergangenen Woche Eines:

verloren.

Ich suche und grüble wieder, versuche mich immer wieder hochzuziehen und von der Wertschätzung Anderer zu nähren.

Darin bin ich nicht gut, das muss ich noch lernen.

Aber es ist wichtig, um zuversichtlich nach Vorne blicken zu können und an mich und meinen Weg (und daran, dass sich schon einer finden wird!!!) glauben zu können.

Ja, mir begegnete auch Dank und Wertschätzung in der vergangenen Woche, gerade was meinen Nebenjob betrifft.

Und es ist ein schönes und unfassbar erfüllendes Gefühl, seine Sache gut zu machen!

Und dennoch fühle ich mich gerade ein wenig verirrt in meinen Vierzigern.

Zwischen den Dingen

Ich stehe gefühlt zwischen den Dingen.

Ich stehe zwischen Kindern, die noch da sind und fordern – aber eigentlich nicht mehr brauchen.

Und dann brauchen sie doch wieder!

Sie brauchen Gehör und Verständnis, Umarmungen und Unterstützung (volle Kühlschränke und beheizte Auto-Sitze).

Ich stehe zwischen verblühter Jugend und stolzer Reife, zwischen vergangener Naivität und neuer Rebellion.

Ich stehe zwischen Träumen und Selbstaufgabe, endenden Aufgaben und Abschieden und (vierbeinigen) Neubeginnen, zwischen letzten Schneemännern und frischem Neuschnee.

Und das ist irgendwie alles ganz krass aufwühlend und fordernd und nicht zuletzt ein wenig bewegend.
(zwischen heulen und hysterisch-auflachen)

Das Leben eben – What a ride!

Eure 

Alex

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