Zerreißprobe: Vom halbkranken Kind und „Geräte-frei“

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Während ich das hier schreibe, sitzen zwei Kinder vor dem I Pad und eines kuckt auf dem eigenen Mobil-Telefon You-Tube-Videos. Und ich hasse es gerade dies hier schreiben und zugeben zu müssen.

Aber ich habe schon viel getan am heutigen Nachmittag. Die Zeitfenster zur Tablet- und Spielkonsolen-Nutzung waren sehr begrenzt und die Kinder somit gefordert, sich mit sich selbst oder gerne auch miteinander zu beschäftigen.

Da die Übermutter in mir jedoch beim kleinsten Widerstand einknickt, spielte letztendlich ICH wieder. Denn das lautstarke Gezanke und Gebrülle – alles aus der Langeweile entstanden- im Hintergrund war einfach nicht auszuhalten. Und somit die Aufopferung meiner Person für diesen Moment das geringere Übel. Alles nur, um die Geräte-freie Zeit für meine Kinder zu überbrücken, sinnvoll zu gestalten und erträglicher zu machen.

Wie blöd kann Frau Mutter eigentlich sein?

Denn auch wenn es sehr viel Spaß macht und ich mich liebend gerne mit meinen Kindern beschäftige, so sollen sie doch lernen alleine klar zu kommen! Können sie eigentlich auch, war schon immer so. Nur hatten sie heute keinerlei Intentionen sich das Hirn nach Beschäftigungsmöglichkeiten zu zermartern. Bekanntlich entstehen die tollsten Ideen ja aus einer Langeweile heraus. Nun, ich war zu genervt und zu ungeduldig um auf diese Geistesblitze zu warten. Das gebe ich zu.

Und so fand ich mich Muffin-backend (Fertigmischung! Bloß keine falsche Bewunderung!)  in der Küche wieder, versuchte zu dritt (!) Tabu zu spielen und baute sämtliche im Haus auffindbaren Play-Doh-Knetmaschinen auf. Um im Anschluss selbstverständlich zwanzig Minuten lang Knetkrümel vom Fussboden zu lesen.

Dabei hatte ich es heute besonders schwer mit meinem Vorhaben, den Playstation- und I Pad-Konsum aller drei Kinder auf ein erträgliches und vertretbares Maß zu reduzieren.IMG_20180122_210251955

Der Große war halbkrank. Halbkrank? Nun, Ihr Mütter kennt sicherlich diesen Zustand. Das Kind steht morgens auf und ist definitiv angeschlagen. In unserem Fall war es Durchfall. So kann Mutter kein Kind in die Schule bringen. Kann ja nicht die ganze Zeit dort auf’s Klo rennen der arme Kerl. Stunden später sollte sich jedoch zeigen dass leider-Gott-sei-Dank nicht mehr daraus wurde. Warum leider? Wie grausam und kaltherzig von mir so etwas von zu verlautbaren ? Nun, halbkranke Kinder sind zwar glücklicherweise  in keinem großen gesundheitlich besorgniserregenden Zustand, dafür aber sehr nervig! Was ja auch klar ist. Zu gesund um auf der Couch zu schlafen, zu angeschlagen um die Schule zu besuchen. Der Vormittag ist also langweilig, Spielverabredungen dürfen zwecks Ansteckungsgefahr nicht getroffen werden und raus geht’s ja auch nicht.

Was also tun, wenn Mutter dann auch noch die Nutzung sämtlicher im Haus vorhandenen „Geräte“ zeitweilig untersagt! Ich spreche hier übrigens absichtlich von „Geräten“, denn der Fachmann ist ja der Gatte. Nicht ich. Oder sollte ich Multimedia sagen? Halbkrank, wie ein betagter miesepetriger Tiger schlich mein Sohn  auf und ab. In unserem Wohnzimmer. Stets den Blick vorwurfsvoll in meine Richtung gewandt. Beschäftigungs-Vorschläge meinerseits prallten alle kläglich ab.

Aber was war denn nun der Auslöser, dass ich ausgerechnet heute die „Multimedia-Wende“ einleiten musste!?

Der saß zur Mittagszeit im Mutter-Taxi auf dem Weg nach Hause zum halbkranken Bruder. Und berichtete mir von der Lehrerin, die sagte, dass dieses ewige Gezappel und auf dem Stuhl-Herumgerutsche wohl vom täglichen Minecraft-spielen komme. Ich wusste genau, was sie mit dem Gezappel meinte und noch schmunzelte ich heimlich vor mich hin. Jedoch war ich sehr verwundert, weshalb die Lehrkraft überhaupt von der PS4-Nutzung in unserem Hause wusste. Nebenbei bemerkt wird beim Minecraft-Spielen weder gezappelt noch sehe ich dadurch die kindliche Konzentrationsfähigkeit in Gefahr. Da gibt es durchaus Schlimmeres. Plus: wild war die Mittlere schon immer! Da braucht’s keine Spielkonsole zu!

Noch schluckte ich jedoch meine Verwunderung herunter. Doch es arbeitete in mir. Selbstvorwürfe reiften im Hirn. Vorwürfe, die letzte Zeit doch etwas zu locker mit solchen Dingen umgegangen zu sein. Und wie es eben so ist, aus Vorwürfen wurden Vorsätze. Ab heute sollte sich alles wieder ändern. Bessern! So etwas möchte ich nicht nachgesagt bekommen. Ziel erreicht, Nerv getroffen 😉

Mein schlechtes Gewissen leitete mich ebenfalls dazu, meine Tochter heute beim Hausaufgaben-Überprüfen und anschließendem Diktat-üben besonders hart ran zunehmen. Was mir im Nachhinein wieder leid tut. Weil ich mich habe beeinflussen lassen von Erzählungen und vermutlich nur vermeintlichen Aussagen anderer Leute. Weil es mir immer noch nicht egal ist, was andere von mir, von uns denken. Und derartige Gewissensbisse führen dann dazu, dass ich mit meinen Kindern zu Hart ins Gericht gehe. Und das obwohl Außenstehende doch gar nicht urteilen können, wie es zu Hause bei uns „aussieht“!

Ich habe sie heute also ein wenig zu streng behandelt. Die Mittlere.

Zu Unrecht wie sich im Nachhinein herausstellte! Hatte sie doch beim Diktat üben alles richtig gemacht und ergo null Fehler! Was wiedereinmal beweist, dass diese ganze Verrücktmacherei völlig sinnlos ist und auf die Aussagen Anderer wirklich nicht allzu viel zu geben ist. Ich werde es wohl dennoch demnächst einmal ansprechen müssen und dabei hoffentlich ein großes Missverständnis klären können.

Nicht auszuschließen ist selbstverständlich auch, dass die Mittlere etwas zu empfindlich reagierte und infolge dessen mit ihren Erzählungen weit übertrieben hat.

Was mich wiederum verunsicherte und zu strengeren Maßnahmen bezüglich des „Gerätekonsums“ leitete. Wie doch immer wieder alles miteinander verbunden ist!

Nun muss ich aufhören. Gleich klingelt der Wecker um die nächste Geräte-Pause einzuläuten. Die letzte für heute. Bald geht’s in’s Bett. Gleich werden sie spielen können, so viel ist klar! Urplötzlich, zu später Stunde, werden sie wieder interessant sein, all die unzähligen Spielsachen in den Kinderzimmern.  Und Mutter darf nun jede Menge im Haushalt nachholen. Ich hatte so viel zu tun. Selber schuld? Vermutlich.

Und daher die Moral von der Geschicht?: Auf Andere hört man…oder eben nicht! 😉

Wie hättet ihr wohl reagiert? Erzählt doch gerne mal!

Viele Grüße!

Eure

 

Alex

 


Ein Gedanke zu “Zerreißprobe: Vom halbkranken Kind und „Geräte-frei“

  1. maramarin21 Antworten

    „Halbkrank“ ist gut, richtig gut. Kenne ich auch. Das Kind ist ab 10 Uhr morgens wieder richtig fit und tobt wie wild herum und die Kollegen im Job denken, man hat sich zuhause ausgeruht.

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