Das blöde Handy! Warum wir Eltern auch nicht besser sind.

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„Zerstreute Elternschaft“. So steht es schwarz auf weiß gedruckt in der Zeitschrift.
In der Zeitschrift, welche neben mir auf dem Esstisch liegt.
Neben dem zur Seite geschobenen Geschirr vom Abendbrot, zerknüllten Feuchttüchern und abgezogenen Wursthäuten.

Die Zeitschrift, die auch nur deshalb gerade da auf dem Tisch liegt, weil mein Handy im Schlafzimmer am Ladekabel hängt!
Denn wäre dem nicht so, ich wage zu behaupten:
Auch jene Zeitschrift würde ungelesen zum Altpapier-Stapel wandern. Wie so viele schon zuvor.
Was mich gleichermaßen nachdenklich und ein klein wenig traurig stimmt.

Denn ich würde stattdessen höchstwahrscheinlich genau jetzt gelangweilt scrollen.

Würde Instagram-Bildchen glotzen, schnell Facebook checken, Mails und Whatsapp-Nachrichten lesen, die Headlines der Online-Ausgabe der Tageszeitung überfliegen oder die Besucherstatistik dieses Blogs abrufen.
Alles belanglose und weniger anspruchsvolle Dinge.

Weil ich gerade müde vom anstengenden Tag bin und die Kinder jetzt gerade friedlich auf dem Wohnzimmer-Teppich spielen.
So wie sie es immer nach dem Abendessen tun.
Und weil wir Erwachsenen in solchen Momenten, in den kleinen Pausen zwischendurch, immer zum Handy greifen!
In der Meinung irgendwie doch effektiv sein zu müssen, jede freie Minute des Tages ausschöpfen zu müssen.

Um bloß keinen geistigen Leerlauf zuzulassen!

Den Kindern einfach mal entspannt beim Spielen zukucken? Nix tun? Wozu?
Merken die doch gerade eh nicht!

Weil es für UNS schön sein könnte! Verdammt!

Genau dies möchte mein Innerstes gerade schreien!
Weil Instagram nun nicht wirklich unseren geistigen Horizont erweitert.
Weil es vom Niveau manchmal auch nicht mehr ist, als tanzenden Staubkörnchen in der Sonne zuzuschauen!
Da sind die zauberhaften im Licht glitzernden Fünkchen sogar schöner, weil sie genau in dem Moment Bestandteil unseres echten Lebens sind!
Oder eben die Kinder, welche zwar unsere Aufmerksamkeit beim konzentrierten Toben nun nicht wirklich wahrnehmen, aber uns dabei gleichzeitig dennoch ein wunderbares Geschenk bereiten können.

Wenn wir nämlich verdammt nochmal hinsehen und uns bewusst sind, welches Glück wir mit diesen Geschöpfen doch haben!

Was lese ich?

In jenem Artikel, den ich lese, geht es unter anderem darum, wie grausam es sich für ein Kind wohl anfühlen mag, erfriert die mütterliche Visage zur gefühlslosen Fassade.
Eine Fassade, die ausdruckslos ins Handy starrt, statt in die Augen des eigenen Kindes.
Weil wir glauben es merkt dies gerade nicht. Weil wir glauben,  jeden einzelnen Moment der Langeweile unterdrücken zu müssen und ganz nebenbei effektiv und (vermeintlich) unauffällig die sozialen Medien checken zu müssen.

Weil wir das, was wir den Kindern stets vorwerfen, selbst nicht mehr können:
Langeweile aufkommen lassen und diese aushalten!

Es trifft mich

Der Artikel gibt mir sehr zu denken und trifft mich hart, weil er mich an eine Situation nur wenige Stunden vor eben diesem Abendessen erinnert. Eine Situation in welcher ich (Gott sei Dank!) richtig entschieden habe und es gerade in keinster Weise bereue!

„Mamaaa! Spiel jetzt!“

Mich durchfuhr ein leichtes Zucken als die Kleinste da mit enttäuschtem Blick rief. Ich fühlte mich ertappt.
Beide hockten wir auf dem Rand des Sandkastens und da ich glaubte, die Tochter würde gedankenverloren buddeln, zückte ich das Handy aus der Gesäßtasche. Weil mich die Situation irgendwie langweilte. Weil ich nicht zum abertausendsten Mal Playmobil-Männchen im „Treibsand“ verbuddeln wollte.
Weil’s irgendwie öde war und die eigene Phantasie und Kreativität nicht so wirklich aufkommen wollten. An diesem Nachmittag.

Ja, ich war da, in diesem Moment – und doch wieder nicht.

War nicht bei der Sache und schenkte meinem Kind nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hätte.
Sie wollte mit der Mama spielen und nicht mit der Frau, die zerstreut die Spielszene mit einem „Aha“ und „mmh“ oder gar „okay“ kommentierte, dabei aber abwesend in’s Handy starrte!
In der Hoffnung der Nachwuchs wäre zu sehr mit sich selbst beschäftigt und würde es gar nicht realisieren.
Reality Check: Kinder sind nicht doof und merken alles!

Das blöde Handy!

Und sie hatte Recht!
Denn ich war gerade darum bemüht, Fotos von eben jener Situation zu schießen und als Social-Media-tauglich auszuwählen.
Bilder, die Euch zeigen sollten, wie viel Spaß wir zwei doch an diesem schönen, sonnigen Nachmittag draußen haben.
Anstatt den Moment wirklich zu genießen. Ganz in Ruhe. Mit vollster Aufmerksamkeit. Wie blöd muss man eigentlich sein?

Nun, ich habe Euch die Bilder bis heute nicht gepostet!

Denn in genau diesem Augenblick traf ich eine Entscheidung:
Ich entschied mich kurzerhand dazu, das Handy einfach rein in’s Haus zu bringen. Weg damit. Außer Sicht- und Reichweite.

Und ich glaube fast, ein größeres Geschenk hätte ich meiner Tochter nicht machen können!

Einfach mal weg damit!

Später, als das Ding dann auch noch alle war, merkte ich, wie aufmerksamer ich im Umgang mit den Kindern war.
Einfach nur, weil sich das blöde Teil weder in meiner Hosentasche, noch im selben Raum befand!
Plötzlich war ich wieder in der Lage, ungestört Augenkontakt mit meinen Kindern zu halten. Fragen beantwortete ich geduldiger und hielt einfach auch einmal ein paar Momente inne.
Ohne den Zwang, gleich wieder mit einem Finger auf’s Display zu tippen, während ich die Stulle für’s Abendbrot schmierte.
Komischerweise vermisste ich nix.
Das Mobiltelefon war nach einer Weile vermutlich längst wieder geladen, doch fasse ich es an diesem Abend erst wieder kurz vor Mitternacht an.
Herrlich!

Ich möchte keine zerstreute Mutter sein!

Einen Tag später entscheide ich mich abermals dazu, nicht nur dreckiges Geschirr und körbeweise Wäsche zu ignorieren, sondern eben auch das verflixte Ding in der Jeans-Tasche. Ich lasse es zwar nicht zu Hause, als wir entscheiden, das schöne Wetter zu nutzen und gemeinsam mit den Kindern einen Ausflug zu machen.
Auch kann ich es mir nicht entgehen lassen, ein paar wirklich wunderhübsche Fotos von diesem Tag zu machen.
Erinnerungen an kostbare Momente.

Doch bin ich schlau genug, diese zauberhaften Momente nicht dadurch zu zerstören, Aufnahmen des wertvollen Familienlebens zeitgleich in’s Netz zu jagen!
Um unverzüglich Likes und Reaktionen zu bekommen und diese selbstverständlich in jedem Moment der Langeweile zu checken.
Nein! Ich will diesen wunderbaren Nachmittag nicht dadurch zerstören, Bildchen für Instagram zurecht zu schneiden, passende Worte auszuwählen und geeignete Hash-Tags zu finden!

Verschwendete Lebenszeit

Denn wir wollen uns immer alle weismachen, das ginge so nebenbei und würde einer wunderschönen Zeit mit den eigenen Kindern keinen Abbruch tun!
Bullshit!!!
Es dauert mehrere, verdammte Minuten!
Ein „Insta“-Post kostet ungefähr fünfzehn Minuten unserer Lebenszeit, möchten wir noch etwas Sinnvolles zum Bild schreiben!
Fünfzehn Minuten, die wir nicht mehr vom schönen, sonnigen Tag haben.
Fünfzehn Minuten, die wir nicht mitbekommen und welche uns den Kindern „zerstreut“ antworten lassen!
Darauf hab‘ ich einfach nicht immer Bock! Denn manchmal ist’s einfach nur nervige Zeitverschwendung!
Ich habe Follower verloren, die letzten Wochen.
Doch dafür wieder die Herzen und Likes meiner Kinder gewonnen – so schleimig das jetzt auch klingen mag!

Und darum geht es im Leben! Nur darum!

Ich nutze Instagram ab und an sehr gerne, um kurze Posts oder einfach auch mal ein bisschen Quatsch loszuwerden, das gebe ich zu.
Doch ich kann auch ganz gut ohne leben!
Und manchmal – ganz insgeheim – wünschte ich mir, es würde überhaupt erst gar nicht existieren. So, jetzt isses raus! 😉

Wer oder was ist wirklich wichtig?

Es gibt einen Spruch, der lautet:

„Der wichtigste Mensch ist immer der, der Dir gerade gegenüber steht“

Den kennt sicherlich jeder! Aber ob der noch zu Zeiten des Smartphones gilt?
Sind wir nicht oft dreist genug, parallel in unser Handy zu glotzen, während wir uns mit dem wichtigsten Menschen
(nicht selten unsere Kinder!) unterhalten?
Will ich nicht mehr!

Weniger erfolgreich durch Smartphone-Verzicht?

Ich kann gut schreiben. Das weiß ich mittlerweile. Und darum geht es mir auch:
Ich möchte einfach nur schreiben dürfen!
Hier auf diesem Blog oder vielleicht auch irgendwann einmal in gedruckter Form.
Für den Fall, dass Eure Handys mal laden müssen. 😉

Aber „berühmt“ werde ich genau aus diesem Grund vermutlich nie werden.
Denn ich bin es einfach müde, alles machen zu MÜSSEN, was ein erfolgreicher Blogger tun sollte.
Nach wie vor geht es mir ausschließlich um das Schreiben an sich.
Nicht um irgendwelche „Loops“ auf Instagram oder „Shoutouts“ oder Kommentare, die ich regelmäßig schreiben müsste.
Herzen, die ich verteilen sollte und „Challenges“ an denen ich teilnehmen muss.
Ich habe unzählige Social Media- und Pinterest Workshops links liegen gelassen. Bewusst.

Weil ich es einfach nicht alles machen kann!

Würde ich all das machen, was ein erfolgreicher Blogger so tun sollte:
Ich hätte vermutlich die unglücklichsten Kinder der Welt!

Auf diesem Blog möchte ich von meinem Leben berichten und dem meiner Kinder.
Das kann ich nicht, darf das wahre Leben vor lauter Social Media und Smartphone nicht mehr wirklich stattfinden!

Ein Tag in Bildern

Weil der Tag heute aber so schön und voller bunter, echter (!) Bilder war, füge ich hier nun ein paar davon ein. Nur für Euch!
Nicht auf Instagram und erst nachdem die Sonne bereits längst untergegangen ist! 😉

 

Diese drei Schönheiten interessieren weder likes noch follower. Wir besuchen sie regelmäßig, draußen in der Natur, gaaanz weit weg vom Mobilfunknetz! Schön und vor allem glücklich scheinen die Friesen aber dennoch zu sein! 😉

 

Seine große Liebe zog aus und ließ ihn monatelang unglücklich zurück. Heute hat er eine neue Gefährtin. ER liebt SIE so wie sie ist! Dunkel, geheimnisvoll und mit einem verlorenen Auge. Für ihn ist sie dennoch die schönste Stute auf Erden. Auch ohne gezücktes Smartphone und Selfie-Stick 😉

 

Jaaa, es reicht ein halbes Radler und sie fängt an zu kichern. Und nein, ich bin nicht bekloppt, weil ich von mir in der dritten Person spreche. Der Mittag im Biergarten der Brauerei war wundervoll! Spielende Kinder, gutes Essen und ein Stückchen Heimat. Fulda, ich vermiss‘ Dich immer wieder!

Und jetzt: Legt auch mal das Handy weg!

Eure 

Alex

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex! 😉

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Ein Gedanke zu “Das blöde Handy! Warum wir Eltern auch nicht besser sind.

  1. Dresden Mutti Antworten

    Ich erinnere mich auch immer wieder daran, was mir wichtig ist. Zum Glück habe ich kein W-LAN – so fällt das draußen Scrollen ja schon mal weg. Aber auch ansonsten sollte ich es auch in der Wohnung einfach wegschließen oder am Wochenende komplett drauf verzichten. Dadurch ginge nichts verloren, ich gewinne nur Zeit. Smartphone können toll sein, für eine eingeschränkte Zeit! Ich bin ganz bei dir 🙂

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