Juli-Kinder: Von Geburtstags-Vorbereitungen und nächtlichen Rendezvous

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Ein brennender Schmerz durchfährt mich und lässt mich leise innerlich aufschreien!
Erst jetzt realisiere ich, dass die Muschel, welche ich sorgfältigst mit viel heißem Heißkleber Nachts um 1.30 Uhr an die Geburtstagskarte kleben wollte, nunmehr am eigenen Zeigefinger hängt!
Und nicht abgehen möchte!

Als es mir endlich gelingt, die Urlaubserinnerung aus vergangenen Jahren vom gebeutelten Finger zu lösen, erblüht eine hübsche weiße Brandblase.
Doch bin ich ja selber schuld!
Denn zum Einen gehören auch Mütter mitten in der Nacht mal ins Bett – und zum Anderen erwartet niemand von mir eine derartige Ambition.
Außer ich selbst.

Denn ich will’s mal wieder perfekt haben am Geburtstag der fast Zehnjährigen!

Meerjungfrau will sie sein.
Der dafür bestellte Schwanz, gerne auch Flosse, befindet sich nur dummerweise noch auf dem Postweg.
Und wird wohl nicht während der nächsten vierundzwanzig Stunden (so viel Zeit  bleibt mir noch) seinen Weg in’s Einfamilienhaus finden.
War ja klar!

Umso mehr möchte ich, dass wenigstens der Rest stimmig ist!
Also befülle ich Mitgebsel-Gläschen mit Meerjungfrauen-Badesalz und klebe Strass (und eben Muscheln) an die selbst ausgedachte Geburtstagskarte. (feuriges Rendezvous mit der Heißklebepistole)

Eine Stunde zuvor hatte ich noch hastig den Rührkuchen aus dem Ofen geholt – und ein paar Meerjungfrauen-Ohrringe als Ersatzgeschenk  via „prime“ (also dalli dalli!)  bestellt!
Weil sie es verdient hat!
Als mittlere Tochter!

Und weil ich dieser Tage Derartiges nur Nachts erledigen kann.
Weil Ferien sind und mir der heiße Sommer einen Strich durch die Rechnung und Geburtstags-Planung macht.
Weil wir die Tage im Freibad verbringen und die halben Nächte von den Kindern selbst beherrscht werden!

„Wir wollen in den Ferien noch nicht so früh in’s  Bett“

Ihr kennt das sicherlich. 😉

Aber warum  bin ich denn gerade jetzt so ehrgeizig?

Wie so oft mache ich mir den Stress selbst, geplagt vom schlechten Gewissen und einigen Fakten, die leider nun einmal so sind, wie sie sind.
Denn muss nicht gerade das mittlere Kind so oft zurückstecken und läuft einfach so mit?
Weil wir Eltern dies so erwarten und als selbstverständlich sehen?
Auch ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich mich von der Kleinsten um den Finger wickeln lasse – und mich mit schier unendlicher Energie mit dem großen Pubertier auseinandersetze. (Ich nenne es jetzt bewusst nicht streite! 😉 )
Die Tochter in der Mitte „kommt schon klar“ (und das tut sie wirklich!), macht keine Probleme und sucht sich selbst ihren Weg.
Aber ist das wirklich so? Hat sie nicht auch ganz viel Beachtung verdient?
Ist es dann verwunderlich, wenn sie sich diese durch motziges Gezicke – wie ich es manchmal nenne – besorgt?
Ich liebe mein Mädchen so sehr, doch sagt mir mein schlechtes Mutter-Gewissen, dass ich dies nicht oft genug zeige.
Und das tut mir von Herzen leid.
Und brennt mir nicht nur auf der Seele, sondern jetzt gerade, mitten in der Nacht, auch auf der Fingerkuppe! 😉

Acht Tage später Geburtstag

Acht Tage nach dem Bruder hat meine mittlere Tochter Geburtstag.
Das ist zum Einen sehr schön, haben wir zwei Hochsommer-Kinder, aber auch anstrengend.
Denn meistens haben meine Kinder während der Sommerferien Geburtstag.
Und so kommt es oft, dass wir mehrmals feiern müssen, weil viele Freunde im Urlaub sind.

Hinzu kommt, dass ich meistens noch vom ersten Juli-Geburtstag erschöpft  bin und mich aufraffen muss, alles wieder von vorne zu planen (und backen).
Es ist fast so, als stünde mein Kind noch im Schatten des vorherigen Geburtstages!
Und das will ich nicht!

Ich will mich erneut mit der gleichen Energie aufraffen!
Denn genau das hat mein Mädchen verdient!
Die gleiche Party, die gleiche Begeisterung und enthusiastische Vorbereitung wie der Bruder!
Auch wenn’s anstrengend ist.

Ebenso hat mein Kind auch die gleiche Anzahl an Verwandtschafts-Besuchern verdient.
Und hier liegt der Haken.
Ein Haken, der mich noch mehr in die Sache reinknien lässt.
Um Defizite wieder auszugleichen.
Denn leider verhält es sich so, dass zum Geburtstag des Sohnes noch jeder mit voller Begeisterung erscheint – doch acht Tage später wieder den Weg unter unser Carport auf die hübsch gedeckten Bierbänke zu finden, vermag dann für den Ein oder Anderen zu anstrengend sein!
Und als Mutter blutet mir hierbei das Herz!
Denn hier darf nicht differenziert und aufgewogen werden!

„Wir waren doch erst letzte Woche da“

Das ist keine Entschuldigung, handelt es sich doch um ein anderes Kind mit gleichen Wünschen und Rechten!
Nun, noch hoffe ich, dass es sich dieses Jahr anders verhält.

Es sind aber Gedanken wie diese, die mich voller Panik inmitten der Nacht dringend notwendige Vorbereitungen treffen lassen.
Die mich dazu leiten, mir besonders viel Mühe geben und Dinge ausgleichen zu wollen.
Die dazu führen, dass ich nicht schlafen kann und mit dicken fetten Pflastern auf den Fingern herum laufe.
So wie es wohl jede Mutter tun würde!
Weil wir unsere Kinder von ganzem Herzen lieben und ihnen einen wunderschönen Tag bescheren wollen.
„Weil sie es verdient haben!“

Aber was haben die Kinder nicht verdient?

Nicht verdient haben jedoch unsere Kinder, dass wir Mamas uns zu sehr verrückt machen!
Oder dass wir uns gar in einen irrsinnigen Konkurrenzkampf mit anderen Müttern stürzen!
(„Wer bastelt die tollste Einladung?“).

Sie haben keine Mütter verdient, die Tage vor dem eigentlichen großen Tag entnervt, gestresst und mit verkniffenen Mundwinkeln durch die Gegend stapfen.
Die letzten Endes das eigene Geburtstagskind noch anblöken.
„Weil wir ja schließlich so viel zu tun haben“.

Morgen möchte der Sohn noch mit mir Torte für die Schwester backen, denn so taten wir es auch für ihn.
Das machen wir noch!
Aber dann lass‘ ich es auch einmal gut sein!
Und genieße stattdessen meine wundervollen Kinder – und eine grandiose Sommerwoche!
Und der schmerzende, umwickelte Finger?
Soll mir bei alldem kein Hindernis mehr sein! 😉

Bin dann mal am Party-Feiern!

Eure 

Alex

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