„DAS ist doch kein richtiger Job“ – Was sich trotz Corona nicht verändert hat

„Aber das ist doch kein richtiger Job“

„Was macht DIE überhaupt?“

Ich höre sie zischen und flüstern, ja fast sogar bissig und höhnisch auflachen.
Die Stimmen, von denen ich weiß, dass sie existieren.

Sie wurden mir zugeflüstert und ich hörte sie sogar selbst raunen.
Konnte sie spüren und fühlen, all‘ die vergifteten Spitzen, die verletzenden Worte über meine Person.

In Kommentaren wurde ich beleidigt und das Getuschel hinter dem eigenen Rücken, der doch mittlerweile so viel mehr aushalten müsste, es auszublenden war schwer.
Und ist es gerade wieder.

Meine drei Kinder sind noch nicht einmal alle vollständig in den täglichen Präsenzunterricht zurückgekehrt – und schon geht es wieder los.

Die verbalen Peitschen werden geschwungen und lassen mich beim schrillen Knall auf den Boden zusammenzucken.

Dabei hatte ich so sehr gehofft, dass nunmehr die Dinge anders sein würden.

Schon wieder muss ich mich rechtfertigen und erklären!

Doch wie es aussieht, bin und bleibe ich…

…in den Augen Einiger „die Mutter, die nix schafft“.

Und zwar ganz gleich, wie sehr ich mich biege, winde und anstrenge! 

Der aufgedrückte Stempel bleibt.

Was auch immer ich anfange und auch erfolgreich weiterführe (!), welche Projekte mich begeistern – und wie viel Herzblut ich in die Erziehung meiner Kinder und eben all‘ das, was man heute Care-Arbeit nennt, stecke!

Er bleibt wohl noch für sehr lange Zeit.
So lange vermutlich, bis ich mich füge – und ins Angestelltenverhältnis zurückkehre.

Denn noch immer scheint – gerade hier auf dem Land –  die Definition von „Arbeiten“ nur eine Festanstellung mit mindestens vierzig Stunden in der Woche zu sein.

Vorzugsweise verlässt dazu auch noch das Auto von Acht bis Fünf den eigenen Hof!
(Ich sollte so etwas fingieren und in der Zeit gemütlich Kaffee-trinken gehen! 😉 ) 

Doch fühlt es sich gerade so an, als hätten sich Sichtweisen nach über einem Jahr Pandemie und Monaten des Homeoffice leider immer noch nicht ändern können.

Dabei müsste man doch gerade JETZT wissen, dass sich bezahlte Arbeit ebenfalls auch hinter den Wänden des eigenen Heims verrichten lässt.

„Arbeit“ ist vielseitig!

Ich hatte die Hoffnung und Vision, dass spätestens nach harten Monaten der Pandemie und des Homeoffice erkannt wird, dass „Arbeit“ doch so vielfältig sein kann – und sich unterschiedlich definieren lässt!

Sie kann kreativ sein und phantasievoll, voller Liebe und Geschichten!

„Arbeit“ kann auch ein Herzensjob sein – und muss nicht immer gleich dem Angestelltenverhältnis sein!

Herzensjob und Angestelltenverhältnis – Ich habe beides!

Im Grunde habe ich sogar zwei Herzensjobs.

Sofern alles gut geht, werde ich nächste Woche endlich wieder in der Grundschule als Honorarkraft (für Einige = „keine Arbeit“) einsteigen dürfen!

Endlich wieder darf ich zu „meinen“ Kindern und dies sogar umfangreicher als bisher!

Denn ich werde nicht nur die Nachmittagsbetreuung einmal in der Woche anbieten, sondern ebenfalls Hausaufgaben- und Mittagsbetreuung.

Darauf freue ich mich, das mache ich von Herzen gerne und ich bin auch ein klein wenig aufgeregt, weil es in der Form eine Premiere sein wird.

Und doch weiß ich bereits jetzt, dass ich in den Augen Mancher einfach nur mit Fingerfarben kleckse und „Eckenkönig“ spiele.

Weshalb natürlich auch – nachdem ich meine Erstimpfung bekannt gab – Impfneider (obwohl bereits selbst geimpft!) nicht nachvollziehen konnten, wieso eine wie ICH als Beschäftigte der Grundschule gelte.

Ich habe diesen Blog hier!

Überraschung!

Der existiert bald seit vier Jahren, wächst organisch ziemlich gut, ohne Schmu und gekaufte Zahlen – und bereitet mir aktuell sogar eine ziemlich gute (bezahlte!) Auftragslage.

Dafür ist sogar ein Gewerbe angemeldet – ich erhalte einen kleinen Nebenverdienst und schreibe Rechnungen!

Dieser Tage habe ich hier gerade verschiedene Aufträge liegen – die es alle abzuarbeiten gilt.
Und welche ich endlich, endlich jetzt in Zeiten von Präsenzunterricht voller Elan angehen und abarbeiten kann!

Darauf freue ich mich jetzt riesig, in diese „Arbeit“ stürze ich mich gerne!

Und arbeite ich nicht an Kooperationsaufträgen, oder schreibe meine eigenen Gedanken auf, so sitze ich an langweiligen Dingen wie die Einnahmenüberschuss-Rechnung und bearbeite Mails.

Aber Moment mal!
Ein Blog ist ja „eine ziemlich lächerliche Sache“!

Das „Hobby“ der gelangweilten Hausfrau!

Alles schon in der Form bei mir angekommen!

Es existiert sogar noch ein Arbeitgeber!

Und – nochmal Überraschung! – ich „habe“ sogar noch ein Angestelltenverhältnis.

Das ruht nur gerade seit langer, langer Zeit.
Und doch existiert es noch immer!

Ich habe nicht gekündigt und kann wieder einsteigen!
Und verwerfe diesen Gedanken in keinster Weise – nur geht es aktuell, ohne hier eine Zeitspanne angeben zu wollen, NICHT.

Doch schließe ich Dinge für die Zukunft nicht aus.

Und auch hier stieß ich in der Vergangenheit auf Unverständnis (ausschließlich von anderen Müttern!) wie es denn möglich sei, ein Arbeitsverhältnis ruhen zu lassen.

Welch Arbeitgeber „so etwas mitmacht“ (Ich hinterlistiger Fuchs!)

Nun, ich bin meinem früheren Arbeitgeber sehr dankbar dafür – und werfe daher mit Sicherheit keinen Job, in den ich zurückkehren könnte, voreilig weg!

Keine Mutter sollte sich rechtfertigen müssen!

Und selbst wenn DAS ALLES nicht existieren würde, so hätte ich es im Grunde NIE nötig, mich rechtfertigen zu müssen.
Nicht als Mama dreier Kinder!

Das muss keine Mama, ganz gleich ob sie ein, drei oder sechs Kinder hat!

Und doch tue ich es.

Schreibe einen Blog-Post, der nicht sein müsste.

Weils gerade weh tut, weil ich gerade einen Rant habe, der mich aggressiv in die Tasten hauen lässt.
Weil es gerade DIESE Zeit im Monat ist! 😉

Selbst wenn ich „nur“ einzig und allein die Care-Arbeit hier zu Hause leisten würde (was ich zum Großteil auch mache), so müsste ich mich NICHT rechtfertigen.

Ich befinde mich glücklicherweise in der privilegierten Situation, mich voll und ganz um meine Kinder kümmern zu können, weil ein Gehalt reicht.

Mein Mann kann so viel leisten und verdienen, WEIL ich ihm den Rücken stärke!

Weil er mich hat! Und nur deshalb!

Eine nicht unbedeutende Tatsache!

Care-Arbeit zählt verdammt nochmal!

Care-Arbeit – noch immer sind die Menschen blind dafür!
Trotz diesen harten Monaten der Pandemie

Ich bin fassungslos, ich bin entsetzt und es schmerzt zutiefst, dass sich selbst nach einem Jahr NIX verändert hat!

Über ein Jahr, in dem wir ALLE gemeinsam – teils freiwillig oder aber auch „gezwungenermaßen“–  im selben Boot der notwendigen Betreuung durch Elternteile gesessen haben!

Es geht einfach wieder von vorne los.

Wir knüpfen da an, wo wir vor über eineinhalb Jahren aufhörten, hetzten und ziehen an der Schlinge, die vielen von uns Mamas ohnehin schon um den Hals hängt und bedrückt und schwer schlucken lässt!

Ich wünschte, ich könnte WIRKLICH mal „nix schaffen“!

An normalen Werktagen gelingt es mir gerade einmal fünfeinhalb Stunden zu schlafen.

Irgendwann innerhalb von vierundzwanzig Stunden. Mehr nicht.
Teils noch nicht einmal am Stück.

Weil selbst größere Kinder noch immer nicht durchschlafen oder immense Einschlafprobleme haben!

Weil die To-Do-Liste mit all‘ den Dingen, die ich alleine stemmen will, so unvorstellbar lang ist, dass der Tag im Grunde achtundvierzig Stunden haben müsste.

Und weil ich kein Ende finde. Abends.

Weil ich Nachts noch Küche aufräume oder Turnbeutel bestücke, Elternbriefe sichte und unterschreibe – oder dem armen, vergessenen Hamster das Futter auffülle.

Weil ich freiwillig (!) einen Großteil der Care-Arbeit übernehme und hier nun einmal längst nicht nach 8 Stunden der Hammer fällt!

Weil ich keine Omas und Opas im Haus habe und auch nie hatte.
Und nicht nur zu Pandemie-Zeiten auf mich alleine gestellt war!

Und auch weil ein täglich vierzehn Stunden im Homeoffice-arbeitender Ehemann nur bedingt helfen kann – und ganz bald wieder die Zeit der Dienstreisen (sprich ich bin dann wieder mehrere Tage am Stück alleine!) beginnt!

Ich schaffe nur „halbe Sachen“

Im Grunde befinde ich mich tagtäglich zwischen lauter Halbfertigkeiten, stelle ich heute erst wieder fest.

Halbfertig aufgeräumte Küche nach dem Mittagessen, halbfertige Hausaufgaben des Kindes, halbfertig gebügelte Wäsche (der Pulli liegt noch genau so da, wie ich ihn vor vier Stunden habe „fallen“ lassen müssen), halbfertig geschriebener Blogbeitrag, halbfertig geputztes Klo (es wirkt seit zwei Stunden ein, weil ich erneut durch irgendetwas unterbrochen wurde) – die Liste könnte ins Endlose so fortgesetzt werden.

Weil es einfach so viel zu erledigen gilt, dass ich Vieles anfange – aber nur die wenigsten Dinge davon tatsächlich zu Ende bringen kann.

Zumindest innerhalb eines Tages.

Ein Buch lesen? Fange ich noch nicht einmal an! Das ist Jahre her!

Der gemütliche Fernseh-Abend auf der Couch? Existiert im Grunde nicht!

Kurzum, mir wird nachgesagt, ich „schaffe (im Sinne von Arbeiten-gehen) nichts“ – dabei weiß ich gar nicht mehr, WIE das geht „nix schaffen“.

Und glaubt mir, so etwas zermürbt und laugt aus und fühlt sich wahrlich nicht nach „keiner Arbeit“ an!

Corona „geht“ – Mütter-Bashing aber hört niemals auf

Ich könnte mir hier nun noch so viel mehr von der Seele schreiben.

Könnte Rechtfertigungen und Begründungen zurecht legen, doch habe ich dafür schlichtweg keine Energie mehr!

Ich wünsche mir einfach nur für all‘ die Mamas da draußen, dass verdammt nochmal endlich auch Care-Arbeit gesehen wird!

Denn wenn wir selbst nach einem Jahr Pandemie blind sind, „sehe“ ich hier tatsächlich nur noch schwarz oder gar keine Perspektiven.

Ich wünsche mir, dass ein „Ich-kann-nicht-mehr“ Nachts um Eins nicht mehr unsichtbar bleibt – ganz gleich ob wir zusätzlich Vollzeit, Halbtags oder „gar nicht“ arbeiten!

Und dass dieses elendige Mütter-Bashing aufhört!

Dann müsste ich hier auch nicht mehr mitmischen! 😉

Denn so?
Kann ich die Verletzungen einfach nicht mit einem gelassenen Achsel-Zucken hinnehmen!

Noch höre ich die Stimmen.
Laut und gemein.

Gehässig und voller Missgunst und Neid.

Und ich wiederhole mich an dieser Stelle:

Können wir endlich damit aufhören!? Bitte?

Love’n’Peace

Eure 

Alex

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2 thoughts on “„DAS ist doch kein richtiger Job“ – Was sich trotz Corona nicht verändert hat

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