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Wir Mütter sind nicht unsichtbar! Warum ohne (meine) Care-Arbeit der Laden nicht läuft!

Vor kurzem waren wir nach sehr, sehr langer Zeit einmal wieder mit einem anderen Ehepaar zusammen essen.

Alle dreifach geimpft und getestet – einem gemütlichen Abend in netter Gesellschaft sollte also nichts im Wege stehen und man konnte sich näher kennenlernen, sowie angeregt unterhalten.

Es war durchaus ein Ereignis, auf welches ich mich nach so vielen Monaten Pandemie freute und dem ich neugierig entgegenblickte, hatte man doch fast verlernt, wie das geht, „Small Talk“ und Geselligkeit, Menschen kennenlernen und Kontakte pflegen.

Außer mit unseren engsten Freunden kam so etwas eine sehr, sehr lange Zeit nicht mehr vor.

Doch während wir dort saßen und uns unterhielten fiel mir etwas einmal deutlicher auf, als es vielleicht in einem normalen Alltag der Fall gewesen wäre.

Denn zumindest in meinem Fall schärft Corona auch die Sinne und lässt nachdenken, Dinge bewusster wahrnehmen und auch Gegebenheiten in Frage stellen.

Ein unangenehmes und frustrierendes Gefühl überkam mich und sollte mich den ganzen Abend, bis weit in den nächsten Tag begleiten.

Denn ob ich es nun wollte oder nicht, fühlte ich mich…

…irgendwie unscheinbar und unbedeutend.

Als „plus one“ des Mannes, in dessen Schatten, ein nett angezogenes, freundlich lächelndes Accessoires.
Mehr nicht.

Was war geschehen?

Aber was war geschehen?

Da man sich erst besser kennenlernen musste, kam selbstverständlich auch der Beruf des Gatten zur Sprache.
Das erklärt sich im Grunde von selbst.

Und ich lauschte und hörte ihn reden, den eigenen Gatten.
Voller Begeisterung berichtete er von vorherigen Projekten und Reisen, zeigte Fotos und spielte Videos ab.

Ich sah‘ die Bewunderung im Gegenüber und merkte mich zustimmend nicken.

Zwar ist es nicht so, dass ich nicht hätte nicken wollen – oder gar dem Gatten die schönen Erinnerungen aus Arbeitstagen nicht gegönnt hätte!

Aber irgendetwas fühlte sich einfach nicht richtig an.

Später zu Hause fiel mir wie Schuppen von den Augen, was mich da im Nachhinein eigentlich so grämte:

Ich.

ICH kam an jenem Abend gefühlt gar nicht vor!

Denn ich bin ja offiziell nur die Mama, die zu Hause bei ihren Kindern ist.

Was hätte ich also erzählen sollen? (So vieles, doch dazu gleich!)

Ich selbst ließ also den Mann begeistert reden und erzählen oder eben auch kritisch reflektieren – und gab an diesem Abend „nur“ die nette Ehefrau.
Nicht mehr.

Nicht ich selbst, nicht ein Individuum, nicht ein Mensch mit Visionen und Dingen, die mich begeistern, für die ICH brenne.

Denn ich hielt mich zum größten Teil im Hintergrund, da ich glaubte, nicht viel aus meinem Leben berichten zu können.

Wie blöd eigentlich!?

Warum nur hatte ich mein Licht so unter den Scheffel gestellt?

Und allen Glanz, alles Strahlen verdeckt und verborgen unter der Tischplatte gehalten?

Im gemeinsamen Gespräch am nächsten Tag schilderte ich dem Gatten, was mir im Nachhinein so missfallen hatte.

Ich hätte mir nämlich gewünscht, dass der Mann auch einmal anerkennend ausgesprochen (!) hätte, WARUM er eigentlich all die Dinge hatte tun können, die er in der Vergangenheit leistete!

WER ihm das ermöglicht hat und stets (nahezu) bedingungslos den Rücken frei hält!

Wurde an jenem Abend ein kleines – leider viel zu bescheidenes – Detail vergessen!?

Hatte er MICH vergessen!?

Oder hätte ich mich mehr zu Wort melden sollen?

Klar weiß ich, dass der Mann meine Care-Arbeit durchaus zu schätzen weiß – aber mir fehlte die Kommunikation dessen.

Denn ich dränge mich nun einmal nicht gerne in den Vordergrund und prahle mit meinen Stärken.

Aber WIE konnte ich nur vergessen, wer ICH eigentlich bin und was MICH ausmacht!?

Ist das ein Phänomen jahrelanger Mutterschaft?

Habe ich mich selbst verloren, trotz neu gewonnener Hobbies und mittlerweile wiedergewonnener Freiheiten?

Bin ich immer noch „nur“ Mutter!?

So vieles habe ich vergessen, so vieles hätte ich erzählen können!

Ich hatte vergessen, dass ich es war, die Nachts einen Säugling im Schlafzimmer sanft wippte und mit monoton-beruhigender Stimme ins kleine Öhrchen summte.

Derweil der Gatte auf Dienstreise war und in den Nebenzimmern kleine Kinder schliefen, die trotz all‘ der Müdigkeit und Schlaflosigkeit am nächsten Morgen versorgt und in den Kindergarten gebracht werden wollten.

Weg waren Jahre, in denen ich alles alleine stemmte, ohne Großeltern und eben zum großen Teil auch dem eigenen Mann im Haus.

Ich vergaß, dass auch ich einst die Sache mit der Vereinbarkeit versuchte – und scheiterte.

Zwar nur einiger, verschiedener Projekte wegen (und schon mache ich mich wieder klein!) – aber auch ich musste erkennen, welch Zerreißprobe jener Spagat darstellt und manchmal sogar einfach ein Bein zu viel vorhanden ist (zum alten Artikel darüber geht’s hier)!

So dass wir Frauen stolpern und fallen.

Weg waren die Monate, in welchen ich Kurse für kleine Kinder gab!
Zu Zeiten, in denen meine eigenen schon nicht mehr betreut waren – und eine Lösung her musste.

Verpufft war in jenem Moment die Erinnerung an all die Jahre in welcher ich mich quasi ehrenamtlich für lediglich eine Aufwandsentschädigung in die Arbeit der Grundschule einbrachte!

Und schon einmal ganz weg war die abgeschlossene Ausbildung zur Bankkauffrau, die jahrelange Berufstätigkeit bevor die Kinder kamen.

Und die Zusatzausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, welche ich aus freien Stücken in der Abendschule absolvierte.

Kurz kam hier meine Tätigkeit als Bloggerin zur Sprache.

Doch auch hier gab ich – Idiot (!!!) – mich so unfassbar bescheiden!

Als wäre hier die Rede von einem Hobby, welches es zu belächeln gilt.

Ich selbst versetzte mich unbewusst in diese Rolle, anstatt zu erzählen und berichten.

Von den vielen Abenteuern, die mir diese Seite hier bereits bescherte, von den Workshops und Konferenzen, von der zeitaufwändigen Kommunikation mit Kooperationspartnern und all‘ den Dingen, die dazu gehören, bis ein fertiger Kooperations-Beitrag entsteht.

Von neuen Träumen und Ideen!

Ich saß da und lächelte.

Wie ein Accessoires, welches allen Glanz bereits verloren hat.

Es ist auch mein Verdienst!

Doch warum kann mein Mann von all‘ den aufregenden Projekten und spannenden Dienstreisen, den Workshops und Fortbildungen, den Erfolgen berichten?

Und ganz nebenbei stolzer Vater von drei Kindern sein?

Er kann es – Überraschung – nur deshalb, weil ich ihm den Rücken stärke und mich dazu entschieden hatte selbst zurückzustecken!

Für eine sehr, sehr lange Zeit.

Weil ich da bin für die Kinder.
Immer und im Zweifel 24/7.

Sicherlich haben sich die Dinge in Zeiten von Corona und Homeoffice ein wenig verschoben – und tatsächlich konnte ich neuerdings hin und wieder sogar ein klein wenig aufatmen!

Doch in vielen Jahren zuvor war ICH es, die den Laden hier am Laufen hielt!

Wir mussten keine Absprachen halten und uns organisieren, keine zwei Jobs miteinander abstimmen und uns die Klinke in die Hand geben. Denn-ich-war-da.

Der Mann hatte und hat beruflich alle Freiheiten dieser Welt.

Und zwar – nochmal (!) – weil ich da bin und das klassische Rollenmodell lebe.

Dass der Partner dafür mehr Geld verdienen und sich beruflich immer weiter entwickeln und entfalten konnte, ist mitunter also auch mein Verdienst!

Wir Frauen sollten NIE vergessen, was wir leisten!

Und das sollten wir Frauen, wir Mütter, niemals vergessen!

Und vor allem darf das auch zur Sprache gebracht werden!

Care-Arbeit hat verdammt nochmal eine Riesen-Portion Wertschätzung verdient, wenn nicht sogar die Größte!

Und auch wenn wir Frauen gerade „nur“ zu Hause bei den Kindern sind, so sind wir verflixt und verflucht nochmal nicht unsichtbar und bedeutungslos, sondern eine enorme Stütze!

(Das eher im Inneren an mich selbst gerichtet ;) ) 

DIE Stütze!

Denn – Gedankenspiel – einmal angenommen es hätte sich für mich in der Vergangenheit DER ultimative Job angeboten, den ich von Herzen gerne – in Teilzeit – hätte ausüben wollen.

Was wäre die Konsequenz gewesen?

Der Mann hätte eventuell nicht mehr in der gewohnten Form auf Dienstreise gehen können, sondern auch hier wäre eine Umorientierung und Umstrukturierung von Nöten gewesen.

Möglicherweise wäre auf dem Konto nicht viel mehr als heute, wohl aber hätten sich Rollenverteilung und Familienmodell durchaus umformen müssen.

Und vielleicht sogar wird es eines Tages wieder so werden.

Somit aber steht und fällt „der Laden“ durchaus auch mit meiner Wenigkeit!

Beim nächsten Abendessen werde ich nicht mehr unscheinbar und brav daneben sitzen.

Dann soll es auch um mich gehen!

Denn wir Mamas sind nicht nur zum Funktionieren da!

Wir sind Menschen und haben Talente!

Fähigkeiten und Träume – auch wenn die in all‘ dem Alltag und Trubel, zwischen leeren Klopapierrollen und klebrigen Fußböden manchmal ein klein wenig vergessen werden.

Vergesst Euch selbst nicht!

Eure 

Alex

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hast du vor den Kindern mehr von dir/deiner Arbeit erzählt? Ich persönlich rede so gut wie nie von meiner Arbeit, weil ich andere Menschen damit nur langweilen würde (finde ich). Vielleicht macht dein Mann sehr spannende Dinge oder ist einfach ein guter Erzähler, das kann ich nicht einschätzen, aber ich kenne Menschen, die viel zu viel von der Arbeit reden und nicht merken, wie langweilig das für andere ist …

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