Mutti springt nicht: Operation “Mama-Tag“

Ich hab sie manchmal. Ich nenne sie die „Lieb-hab-Anfälle“. Sie überkommen mich einfach. Meist in einer besonders sentimentalen Phase. Und dann muss ich es allen Menschen, die mir in irgendeiner Weise etwas bedeuten, sagen. Ich muss ihnen sagen, wie lieb ich sie hab. Die meisten halten mich in diesem Moment schlichtweg für verrückt. Ich bin sogar überzeugt davon: Gedanklich rennen die allesamt schreiend davon! Aber es MUSS dann einfach sein!

Meistens steh ich jedoch dann alleine da. Mit meinen überquellenden, berstenden, ungebremst und ungefiltert aus mir herausplatzenden Gefühlen. Was sich ziemlich dämlich anfühlt und im Nachhinein auch ein ganz kleines bisschen peinlich ist 😉

So what! So bin ich! Das muss halt raus!

Man(n) nehme doch nur mal an, morgen gäbe es endlich die seit Jahrtausenden befürchtete Sonnen-Explosion. Oder der berühmt berüchtigte Dachziegel auf’n Kopf. Was würde ich mich -wenn ich es dann noch könnte- in den verendeten Arsch beißen wäre ich DAS nicht zuvor losgeworden!

Manchmal überkommt es mich sogar bei meiner ganz eigenen Familie 😉

Bei allen vieren. Mit fatalen Folgen.
Ich werde entweder furchtbar peinlich (Sohn) sein, gefragt werden was ich jetzt schon wieder kaputt gemacht habe und/oder wie viel Geld ich brauche (Papa).  Oder ich muss danach als geflügeltes Einhorn durch’s Wohnzimmer tänzeln (Mädels). Egal. Nehm‘ ich alles in Kauf. Denn ab und an haben es einfach ALLE verdient, dass sowas mal aus der gestressten Mutti herausplatzt!

In dieser gefühlsduseligen, sentimentalen und schwulstigen Zeit überkommt sie mich meist dann ebenalls. Die fixe – aber durchaus wichtige – Idee.

Die Idee mit jedem Kind einen ganz eigenen persönlichen Mama-Nachmittag zu verbringen.

Denn jedes Kind verdient es wertgeschätzt zu werden. Alleine. Die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama geschenkt zu bekommen. Ein Tag oder zumindest ein Nachmittag, der nur diesem einem Kind gehört. Und aus der Vergangenheit weiß ich, wie viel diese Aktion den Kindern bedeutet, dass es wirklich prägt und hängen bleibt.
Das Bewusstsein: Ich alleine bin wichtig! Ich bin kostbar!
Wir funktionieren nicht nur gemeinsam als Geschwister, sondern ich als Individuum bedeute meiner Mama unendlich viel.
Zumindest ist es das, was ich dabei den Kindern vermitteln will 😉
Ganz davon abgesehen, dass mir ein solcher Tag selbst so viel gibt und Freude bereitet. In den meisten Fällen zumindest, aber dazu gleich 😉

Nun, die letzten Mama-Tage sind leider schon verdammt lange her. Sie stehen mal wieder an, sind sogar überfällig und das tut mir unendlich leid. Ich habe mir in letzter Zeit zu viel vorgenommen, zu viele neue Aufgaben und leider rutschte dieses doch so wichtige Vorhaben in der Prioritäten-Listen ein klein wenig nach hinten.
Das muss sich dringend ändern!

Nicht zu Unrecht fragen die Kinder schon danach. Es ist also an der Zeit, die nächsten Mama-Tage zu planen, „Babysitter“ für die Geschwister zu organisieren und schließlich ganz zeitnah (!) umzusetzen!

Dabei muss ich mich gedanklich noch von den letzten erholen 😉

Die Mittlere hatte ihren Mama-Nachmittag:

Bei der Planung dessen hatte ich im Vorfeld tolle Dinge im Kopf. Ich dachte an so etwas wie einen gemütlichen Stadtbummel mit Mädels-Klamotten kaufen, Schuhe angucken und anschließend Kakao trinken und Kuchen-essen. So’n Mädels Kram eben.

Wiedergefunden hab ich mich vor dem 3-Meter-Brett in der örtlichen Schwimmhalle, zitternd vor Kälte , wohlwissend dass das nicht gut ausgehen kann. Warum um alles in der Welt hatte ich einen Bikini statt eines Sprungturm-tauglichen-Badeanzuges angezogen?!

Dabei hasse ich Hallenbäder:

Dieses elendige Geknürre in der Umkleidekabine! Das Gedrängel und Geschwitze in selbiger!  Ja ich weiß, es gibt die Familien-Dinger. Glaubt ihr wirklich mehr Raum, mehrere Quadratmeter machen’s entspannter? Kommt schon! Wir alle wissen wie ein Hallenbadbesuch mit mehreren Kindern aussieht! Jedes Kind hat die Hetze.
Schnell, schnell! Das Wasser ruft!
Und somit stellt sich der Ablauf in der Familien-Umkleide dann meistens wie folgt dar:

„Mama wo ist mein Badeanzug?“
Es folgt hektisches Gewühle in einer von zwei Badetaschen (zur Erinnerung: Wir sind fünf!)

„Zieh bitte zuerst die Badelatschen an“
So mein an jedes Kind gerichtetes Mantra während dem kläglichen Versuch selbst endlich aus den Klamotten und in den Bikini zu kommen.

„Haaaalt!!!“
„Die Türe wird erst aufgemacht wenn Mama NICHT mehr nackt ist!“
„Haaalt!!!“
„Mach die Türe wieder zu! SOFORT!“

„Neeeiin!“
„Nicht diesen ekligen Haar-Staub-Büschel vom Fußboden aufheben!“

„NEIN! Lass die Bändel von meiner Bikini-Hose in Ruhe“
„NEEEIN! NICHT an den Schnüren vom Oberteil ziehen!“

„WIE? Du musst JETZT Pipi?“ „Wir sind doch gerade alle nackig!?“

Ok, an diesem Tag war’s nur ein Kind. Trotzdem. Ich mag’s halt net.
20170527_172614 (2)Freibad und Sonne sind einfach so viel schöner und entspannter! Decke auf die Wiese. Shorts und Shirt runter, Bikini ist im Idealfall schon drunter gezogen. Fertig. Vom Eincrem-Gedöns mal abgesehen. Außerdem bin ich einfach ein „Heim-Duscher“. Mit drei Kindern gleichzeitig im Hallenbad zu duschen hat für mich den Spa-Faktor eines Camping- Urlaubes in den tiefsten Weiten der zentralasiatischen Mongolei! Kann Frau gut und gerne drauf verzichten.

Und sie wollte noch nicht mal in die Therme! Als ich mein großes Mädchen nach ihrem Nachmittag fragte. Ich hätte es mir sogar was kosten lassen! Also gut.  Der Wunsch sollte Programm sein und somit war  frieren stattdessen angesagt.
Denn: Sie wollte ja für’s “Silber“ trainieren. Und da Kinder schließlich Gewohnheitstiere sind, musste dies im kleinstädtischen Hallenbad von statten gehen. Sie hatte nämlich an einem vorigen Mama-Nachmittag mit mir dort das Seepferdchen gemacht.

Kommen wir zurück zum Drei-Meter-Turm, zu dessen Füßen ich noch immer stand:

„Los Mama! Spring runter! Das ist SO toll!“

Nun, ich würde euch gerne an dieser Stelle berichten welch coole Sau die Mutti doch war und todesmutig, mir-nix-Dir-nix vom Dreier hüpfte. Einfach so! Vielleicht wäre es mir in der Tat sogar gelungen, Brust und Bikini-Oberteil mit beiden Händen zu fixieren und somit den mütterlichen Super-Gau zu verhindern.
Ich hätte also vermutlich die Lage buchstäblich im Griff gehabt. Gefeierte Heldin der mittleren Tochter! Doch ich tat’s nicht!

Irgendeine faule Ausrede war mir im letzten Moment eingefallen. Lacht nicht!
Die Angst vorm Freiluft-Busen war halt einfach größer gewesen 😉

Beim nächsten Mama-Nachmittag mit ihr soll mir das Ganze nicht noch einmal passieren! Mir schwebte kürzlich Großes vor! Etwas ganz Tolles! Ich dachte an so etwas wie „Appassionata“ in der Frankfurter Festhalle oder so. Ich wisst schon, großes Theater mit Pferden und viel Tamtam. Voller Stolz auf diesen grandiosen Einfall gekommen zu sein, zeigte ich ihr also das entsprechende You Tube-Video. Nach dreißig Sekunden saß ich alleine auf der Couch.
SIE möchte lieber wieder ins Hallenbad hauchte mir mein herzallerliebstes Kind aus der Ferne zu. Mist verdammter!

Die Mama-Nachmittage mit meinem Großen verliefen dagegen bislang schon eher nach Muttis Gusto.

Mal waren wir gemeinsam mit meinem Bruder in Nürnberg im Verkehrsmuseum, ein anderes Mal schlicht und einfach zusammen Essen und im Kino! Davon abgesehen, dass ich beim Essen unentwegt über solche Dinge wie FSK und USK und den Unterschied derer diskutieren musste, war dieses „Date“ sogar voll schön! Entgegen meiner Befürchtungen suchte er sich weder McDonalds noch Pizza-Essen als Mittagsmahl aus. Nein! Mein Sohn wollte Chinesisch essen gehen. Und eine süßere Begleitung hätte ich mir doch kaum für ein echtes Essen- und Kino-Date wünschen können!
Er war damals neun 😉

Was unseren künftigen gemeinsamen Tag betrifft sind meine Befürchtungen allerdings immens:
Er hat sich „Lasertag“ ausgesucht. Häh? Was? Ich habe noch immer nicht genau eine Ahnung, WAS er da von mir verlangt. Nur flüchtig habe ich bislang gegoogelt.
In einer „Arena“ in zwei Teams mit Infrarot-Dingern Aufgaben erfüllen. Oder so ähnlich. Also vermutlich Sachen abballern und vor allem treffen!
Und eines weiß ich was dies betrifft jetzt schon: ICH werde als der größte Loser der Geschichte des Laser-Tag einhergehen! So viel sei schon einmal sichergestellt!

Nur die Kleinste, die ist mit ihren Wünschen wirklich noch pflegeleicht und einfacherer zufriedenzustellen:

Zumindest dachte ich das kürzlich bei meiner an sie gerichteten Frage! Und siehe da, sie möchte tatsächlich mit mir alleine schön in Ruhe Eis essen gehen. So wie wir es an den Nachmittagen zuvor gemacht hatten. „Puh! Schwein gehabt! Das sieht nach ’ner gemächlichen Nummer aus“, so mein erster Gedanke.
Bis im Anschluss laut und voller Vorfreude ertönte:
„Und danach gehst Du mit mir auch alleine ins Hallenbad!“
Nun, es war leider nur schwer zu überhören und ignorieren. Ich werde versuchen Sie wenigstens in die warme, kuschelige Therme locken zu können. Das „Seepferdchen“ darf hier definitiv noch bis zum Sommer warten.

Was aber nicht mehr allzu lange warten darf und soll sind die Kinder! Und so versuche ich gerade, während ich dies hier schreibe, einen klitzekleinen Kloß im Halse herunterzuschlucken. Der sitzt da schon ’ne Weile. Zeit ihn wegzuschwemmen.

Und wenn dazu bitterkaltes Chlorwasser von Nöten ist, so soll’s denn so sein!
Ganz bald! Am nächsten Mama-Nachmittag.

Eure

Alex

 

 


Ein Gedanke zu “Mutti springt nicht: Operation “Mama-Tag“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s