Bloggen – Fluch vs Segen: Gedanken zum ersten Geburtstag

Das Bloggen hilft mir Liebe und Schmerz auszudrücken und die Seele zu heilen.

Zwar möchte ich diese Wirkung noch immer demnächst mit einem Tattoo umsetzen (kein Scherz!), doch um mal schnell die Seele zu erleichtern, Narben zumindest kurzzeitig unterm bunten Kinder-Pflaster zu verstecken oder auch bewusst daran zu kratzen , dabei hilft das Schreiben. Immer und immer wieder.

Es ist wie das Gespräch mit der besten Freundin. Das alles erleichternde Telefonat.

Danach ist’s besser. Danach fühle ich mich gut und frei. Dass dabei hunderte von anderen Menschen und insbesondere Mütter mitlesen, ist mir in diesem Moment dann egal. Nein, viel mehr als das:

PicsArt_07-08-02.34.35Ich will es dann genau so!

Denn ich weiß mittlerweile, dass ich so vielen aus der Seele spreche! Warum also machen wir nicht einfach alle den Mund auf, statt uns ständig zu vergleichen?
Statt diesem ewigen Mütter-Battle. Auf dem Spielplatz, beim Kita-Elternabend oder in diversen Wartezimmern, in denen wir uns mit dem Nachwuchs rumtreiben!
Zählt wirklich die selbst hergestellte Dinkel-Stulle oder dass wir uns gegenseitig unter die Arme greifen und unterstützen? Uns wenigstens imaginär gegenseitig mal in den Arm nehmen!?

Bloggen hilft mir sichtbar zu werden.

Jahrelang fühlte ich mich unscheinbar, kämpfte mich verschlossen und unsicher durch den Alltag als Mehrfachmutter ohne auch nur irgendein Gefühl oder Problem anzusprechen. Niemandem gegenüber.
Das Schreiben lässt mich aus der dunklen Ecke hervortreten.
Ich möchte laut sein! Möchte inbrünstig Schreien!
Dass eben nicht immer alles in Ordnung ist! Dass nix rund läuft und Frauen nun einmal Hormon-gepeinigte Heulsusen sein können! Ist so, muss nicht verschämt Tod-geschwiegen werden! Und ich bin froh, dies hier nun tun zu können!

Ich halte wichtige Erlebnisse für mich fest, um später davon zerren zu können oder aber auch um gleich zu verarbeiten und zu verinnerlichen. Ich therapiere mich und lebe Gefühle aus! Ich benutze das Schreiben als Werkzeug und Mittel, verarbeite geheime und dunkle Gefühle indirekt oder auch einmal direkt. Sende versteckte Botschaften und versuche Glück in Worte zu fassen! All‘ das ist durch Schreiben möglich!
Ist das nicht wahnsinnig wunderbar und faszinierend!?

Und all diese  Dinge sind für mich allein Grund genug, nicht mit dem Bloggen aufzuhören. Und wenn tageweise sich dann nur ein paar Handvoll Leser auf meinem Blog verirren. Es ist egal. Ich fing die Sache für mich an und führe sie auch zu meinem Wohl weiter!

Doch habe ich im letzten Jahr auch erkennen müssen, dass Bloggen nicht immer nur glücklich macht!

Da ist auch die Kehrseite, die traurige Seite, welche ich nun einmal hinnehmen muss, seitdem ich diesen Weg für mich gewählt habe.

Da ist zum Einen, dass ich nicht über ALLES schreiben kann!

Es gibt noch immer so viel im Verborgenen, so unendlich große Seelen-Schmerzen, die auf diesem Blog nicht angesprochen werden können und dürfen! Weil Andere dadurch verletzt werden würden und sich vor den Kopf gestoßen fühlen würden. Ein No Go! Man mag den Eindruck haben, ich schreibe über alles, was mich bewegt! Doch dem ist noch lange nicht so! Da ist noch so viel mehr! Dinge, die die Welt dann doch nichts angehen.
Dabei würde genau an dieser Stelle das Schreiben vermutlich immens helfen.

Ich habe zwischenmenschliche Beziehungen einbüßen müssen!

Das ist besonders hart! Als Blogger bist Du plötzlich mit der ganzen Welt befreundet! Jeder glaubt Dich zu kennen, liebt Deine Offenheit und die Anzahl Deiner Insta-und Facebook-Freunde wächst beträchtlich. Das ist toll und macht stolz!
Aber es gab von Anfang an Menschen, die mein neues „Hobby“ nicht nachvollziehen konnten. Die so viel Offenheit und öffentliches Blankziehen nicht vertreten konnten und dies bis heute nicht können und unterstützen. Die um mein Ansehen nach Außen und noch viel mehr um ihr Eigenes fürchten. So etwas treibt einen Keil zwischen Beziehungen und lässt sich leider von einander entfernen. Zwei Standpunkte, ein Tabu-Thema. Das ist schwer, aber in meinem Fall hinzunehmen!

„Wie geht es Dir?“ fragt mich kaum jemand noch.

Denn die Meisten wissen ja alles über mich 😉
Mails und Facebook-Feeds halten sie ja immer auf dem Laufenden. Was so im Hause L. Wichtiges geschieht, ist zuverlässig wenige Tage später auf dem Blog zu lesen! Genau so möchte ich es auch! Doch bitte fragt mich doch trotzdem noch, wie’s mir geht!
Bitte ruft mich dennoch an und REDET mit mir! Mein Leben existiert ja auch noch neben dem Blog! Ich freue mich immer über ein persönliches Gespräch, auch wenn ich das Meiste schon berichtet habe! 😉

An manchen Tagen fühle ich mich als Opfer der Besucher-Statistik.

Ich lasse mich runter ziehen, fühle mich elend und traurig, wenn’s mal nicht so läuft. Gerade jetzt  im Sommer fällt mir das besonders auf. Und so habe ich ein „Problem“ mehr, das ich ohne das Bloggen nicht hätte! Als Blogger machst Du Dich automatisch so abhängig von Social Media! Zahlen bedeuten Dir plötzlich unendlich viel (obwohl Du es nie so weit kommen lassen wolltest) und ein Tag ohne Facebook- oder Insta-Likes ist ein schlechter. Und da sitzt Du im Freibad auf der Decke bei schönstem Sonnenschein, umringt von glücklichen Kindern und fühlst Dich dennoch deprimiert. Alles wegen einer doofen Statistik! Du kannst nicht glücklich und unbeschwert sein, weil es Dir nicht gelingen will, den nötigen Abstand davon zu gewinnen. Daran muss ich übrigens wirklich noch arbeiten!
Ich will nicht, dass ein Besucher-schwacher Tag eben genau diesen vermiest!
Das darf echt nicht sein!

Ich habe neuerdings Instagram für mich entdeckt!

Es macht mir tatsächlich zugegebenermaßen sehr viel Spaß, bietet sich hier doch eine Möglichkeit tagtäglich kleine Mini-Blog-Posts zu veröffentlichen! Spontane Gedanken, die für einen Blog-Beitrag nicht ausreichen, mir aber dennoch auf der Seele brennen! Einfach mal schnell den eigenen Senf und Blödsinn loswerden. Das finde ich toll und mache es wirklich gerne! Aber aus so etwas wird schnell ein Pflichtgedanke:
„Muss mich mal wieder über Instagram melden“.
Das möchte ich eigentlich nicht so. Auch hier gilt es, die nötige Balance zu finden!

Werbung und Kooperationen

Ich habe diesen Blog gestartet, um über mein Leben als Mutter zu schreiben. Über mich, meine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse. Irgendwann ergab sich sehr zu meiner Freude auch die ein oder andere Kooperation.
Solange ich dies in meinem Stil schreiben darf, ich ich bleiben kann und die Sache oder das Produkt über das ich schreibe auch voll und ganz vertrete, mache ich das auch weiterhin gern! Dann macht das sogar Spaß!
Doch auch hier möchte ich zum Einen nicht, dass Ihr über jeden zweiten Eintrag *Werbung oder *Rezension lesen müsst! Das war nicht Sinn dieses Blogs!
Wenngleich Kinderbuch-Rezensionen noch einmal etwas Anderes sind, da habe ich ja genügend Abnhehmer und Zuhörer!
Eine derartige Rezension bietet mir im günstigsten Fall weitere Quality-Time mit der Kleinsten! 😉

Aber der Druck und Gedanke endlich mit diesem Blog Geld verdienen zu müssen, schränkt mich ein, trübt die Stimmung und belastet mich!

Und es ärgert mich zugleich, wie wichtig auch hier immer diese blöden Zahlen sind!
Wie sagte mein Mann netterweise neulich zu mir:
„Die wollen halt auf RTL werben und nicht auf ARTE“.
Ich fand es sehr schmeichelhaft, dass mein Mann meinen Blog qualitativ eher mit „Arte“ verglich. Und er hat Recht! Und das frustriert mich so!

Es zählt nicht der Inhalt, die Art und Weise wie und was Du schreibst, ausdrückst und vermitteln möchtest! In puncto erfolgreiche (und bezahlte!) Kooperationen zählen einzig und allein die Zahlen und die Reichweite! Und an manchen Tagen habe ich einfach keinen Bock auf diesen Kampf um hier mal schonungslos ehrlich zu sein!

Und wie ebenfalls schon einmal berichtet, habe ich schon einmal gar keine Lust mehr darauf, unbezahlte Kooperationen einzugehen. Klar, ich habe unheimlich Spaß beim Schreiben und jede Art über etwas zu berichten und zwar auf meine ganz eigene und persönliche Art und Weise ist eine tolle Herausforderung für mich! Aber ich muss jedes Mal dafür 2 bis 3 Stunden Zeit einbüßen! Zeit, die ich eigentlich mit meinen Kindern verbringen könnte! Zeit, in der ich meine Kinder auf „später“ vertrösten muss, weil Mama gerade etwas „arbeiten“muss! Unbezahlt! Wie blöd kann Frau sein?!
Mach ich nicht mehr!!! Sorry dafür!
Wir werden also sehen, wie sich die Beziehung „Ich & Kooperationen“ weiter entwickeln wird.  😉

Und nun? Feiert dieser Blog still und heimlich nächste Woche 1. Geburtstag!

Und somit bin ich weiter gekommen als die Mehrzahl der frischen Blogger! Denn laut Statistik hört ein Großteil davon innerhalb des ersten Jahres wieder auf!

Und ich wage zu behaupten aus einigen der von mir soeben genannten Gründe!
Es IST harte Arbeit, mega zeitaufwändig und während des Schreibens reflektieren wir zwar und lassen unser Leben Revue passieren und verarbeiten gleichzeitig.
Aber wir LEBEN auch gerade dann nicht! Wir schreiben und büßen wertvolle Lebenszeit wiederum ein! Auch das ist Fakt!

Ich habe viel erreicht in diesem Jahr, auf das ich stolz sein kann.

Bin gewachsen, habe mich selbst ein wenig besser kennengelernt und gefunden! Bin älter und reifer geworden. Doch bin ich nicht „RTL“ geworden! Das ist mir nicht innerhalb kürzester Zeit gelungen (und es gibt Blogs, da gelingt das!)
Aber das wollte ich auch nie!
Deshalb sind die Dinge gut so, wie sie sind!

Ich jedenfalls mache weiter bis zum gnadenlosen Untergang! 😉

Liebe Grüße und tausend Dank allen, die mich bis hierhin begleitet haben!!!

Eure

Alex

 


7 Gedanken zu “Bloggen – Fluch vs Segen: Gedanken zum ersten Geburtstag

  1. Offener und ehrlicher Beitrag! Respekt! Das trauen sich nicht viele und wenn Leute nicht damit Klar kommen, dann selber Schuld! Es ist ihr Problem und nicht deins! Geh einfach deinen Weg und mach das was dir Spaß macht.

    Besten Gruß
    Timo

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Alex, so lange du mit Freude das machst was du liebst, so lange ist es das Richtige. Bleib dir treu und ich frag dich beim nächsten Schwimmbad Treff wie es dir geht;-)LG Saskia

    Gefällt 1 Person

  3. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Wie geht es dir heute? Ich freue mich auch über dich gestolpert zu sein.
    Ich selber empfinde es als Bereicherung, auf meinem Blog einfsch zu Schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Schade, dass es Menschen in deinem Umfeld gibt, die das nicht wertschätzen können.
    Aber so ist das nun mal mit den Menschen. Wir können es nicht allen recht machen. Ich bin mit Texten auch schon mal sehr angeeckt, was mich sehr erschrocken hat. Ich will ja keinem was. Und trotzdem fühlt sich der ein oder andere mal auf den Schlips getreten. Tja, kann ich dann nicht ändern. Aber ich versuche mich selber davon frei zu machen. 🙂 Ich wünsch dir alles erdenklich Gute fürs zweite Jahr! LG Sonja

    Gefällt 1 Person

    1. Oh lieben Dank!!! Geht schon wieder, aber es war mir sehr wichtig das mal runter zu schreiben und zu verdeutlichen was bloggen bewirkt, bedeutet und mit sich zieht! Wieder einmal ein Text, der spontan und aus der reinsten Emotion entstanden ist! Und das ist auch gut so! Solche Texte sind mir wichtig und liegen mir am Herzen! Du schreibst auch ehrlich und mit viel Mut und Gefühl und genau deswegen lese ich auch bei Dir so gern! Und das Fazit? Bloggen macht mich glücklich und alles andere ist egal! Hab den Nassrasierer weggeschmissen und lass Fell wachsen 😉
      LG!!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s